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Predigt vom 29. November 2009
"Ich wünsche euch krippale Infekte!" - Predigt zum Adventsingen am Ersten Sonntag im Advent 2009
Liebe Gemeinde, ich will euch jetzt erst mal einen tüchtigen "krippalen Infekt" wünschen! Ja - ihr habt richtig gehört, einen krippalen Infekt wünsch' ich euch! Keinen grippalen Infekt, keine Grippe mit Husten und Schnupfen und so, und natürlich schon gar keine Schweinegrippe. Die ist ja im Moment in aller Munde.
Vor ein paar Tagen sagte mir jemand, dass er es völlig unverschämt von mir findet, dass ich Sonntags immer an der Kirchentür stehe, um den Leuten die Hand zu geben, wenn sie aus der Kirche kommen. Im Moment sei das unverantwortlich von mir - ich würde ja vermutlich massenhaft die Schweinegrippe verbreiten. Das war sein voller Ernst. Was ich in dem Moment gedacht habe, will ich lieber nicht sagen - das war nicht besonders christlich und schon gar nicht höflich. Aber eigentlich müsste ich demjenigen dankbar sein - denn schließlich hat er mich irgendwie drauf gebracht, euch heute was zum "krippalen Infekt" zu sagen.
"Krippaler Infekt" - ich meine damit: dass wir uns von der Krippe infizieren lassen, oder genauer gesagt: dass wir uns vom Kind in der Krippe anstecken lassen; oder noch genauer: dass der Mann, dessen Geburtstag wir Heiligabend wieder feiern, dass Jesus uns mit seiner Botschaft infiziert und ansteckt.
Einen grippalen Infekt, eine Grippe bekommt man leicht bei Kälte. Und für den krippalen Infekt sind wir auch bei Kälte anfällig: wer die Kälte in vielen menschlichen Beziehungen spürt, der sehnt sich über kurz oder lang nach der Wärme, die vom Kind in der Krippe ausgeht. Wem die Kälte des Egoismus und der Ellbogenmentalität be-
wusst wird, der wird anfällig für den Virus der Liebe, der von Jesus ausgeht. Und wer unter der Freudlosigkeit leidet, die von vielen Menschen ausgeht, der wird anfällig für die Freude, die typisch ist für den christlichen Glauben.
Mit einer Grippe stecken wir uns leichter an, wenn unser Immunsystem nicht so ganz intakt ist. Wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind. Bei einem krippalen Infekt ist das genau so. Dass ich angesteckt werde von dem, was von Jesus ausgeht, das geht auch leichter, wenn ich nicht immun bin gegen bestimmte Fragen. Zum Beispiel: Wozu bin ich auf der Welt? Oder: Was macht mein Leben sinnvoll und gut? Oder: Was gibt mir Halt - auch dann, wenn Dinge passieren, die mir den Boden unter den Füßen wegziehen.
Das sind solche Fragen, die an unser Innerstes gehen. Und es gibt viele Menschen, da denkst du, die sind immun gegen diese Fragen. Die lassen sie gar nicht an sich ran. Aber damit tun sie sich auf lange Sicht keinen Gefallen. Denn diese Fragen hat unser Schöpfer extra in uns eingebaut. Damit wir nicht mit dem bisschen Leben zufrieden sind, das wir zugute haben: vielleicht fünfzig, vielleicht siebzig, vielleicht neunzig Jahre. Weil Gott, weil unser Schöpfer möchte, dass in unsere Jahre Leben hineinkommt - darum bringt er uns immer wieder auf solche Gedanken: dass wir nach dem Sinn fragen. Wozu leben ich? Was gibt mir Halt? Was kommt auf mich zu?
Und es ist gut für uns, wenn wir gegen diese Fragen nicht immun sind. Wenn wir sie nicht an uns abprallen lassen.
Mit einer Grippe, mit einem grippalen Infekt kann man sich auch anstecken durch den Kontakt mit anderen, die schon infiziert sind. Gerade bei größeren Menschenansammlungen. Und auch das ist mit dem krippalen Infekt genau so. Wenn wir Menschen begegnen, die begeistert sind von der Sache Jesu, dann kann uns das öffnen für Jesus. Wenn wir mit Menschen zu tun haben, denen man es einfach anmerkt, dass sie als erlöste und befreite Menschen leben, dann kann es sein, dass von denen etwas auf mich überspringt. Dass ich davon angesteckt werde und dass ich auch mit Jesus und seiner Gemeinde in Verbindung komme. Wir erleben das ja immer wieder in unserer Gemeinde. Da geht jemand zum Beispiel zu "Cappu for soul", zum Frauenkreis, zum Chor, und es gefällt ihr oder ihm gut und derjenige spürt: hier geht es um mich! Und dann, nach einer Weile, kommt ihre Freundin oder der Nachbar auch mit. So erleben wir es oft. Und so wird der "Jesus-Virus" weitergetragen.
In der Grippezeit überlegt mancher: habe ich mich vielleicht schon angesteckt? Und vielleicht fragt jemand auch: bin ich eigentlich schon mit dem krippalen Infekt infiziert? Bin ich schon angesteckt von Jesus? Von Seiner Freude? Von der Wärme, die von Ihm ausgeht? Ob man sich eine Grippe eingefangen hat, das merkt man an bestimmten Symptomen, an bestimmten Zeichen. Beim krippalen Infekt ist das nicht anders. Dafür gibt es auch einige Symptome - drei davon will ich nennen. Es sind übrigens ganz ähnliche Symptome wie beim grippalen Infekt:
Erstens: Schwäche
Wer eine Schwäche hat für seine Mitmenschen, wen es interessiert, wie es seinem Mitmenschen geht, worunter er leidet, was er braucht - der ist möglicherweise schon infiziert vom Virus, der von Jesus ausgeht. Wer bereit ist zu helfen, und andere aufzumuntern - der hat möglicherweise schon das Virus in sich, der von der Krippe ausgeht.
Zweites Symptom: Fieber
Wer auf Heilung und Hilfe fiebert, wer nach Begleitung und Zuwendung fiebert, und wer brennend daran interessiert ist, dass sein Leben gelingt und dass es sinnvoll ist - der trägt vielleicht schon das Virus der Liebe Jesu in sich. Wer vielleicht in einem Gottesdienst spürt, dass da etwas zur Sprache kommt, was ihn angeht; oder wer vielleicht heute Abend ein Lied hört, das ihm unter die Haut geht - der trägt vermutlich schon das Virus in sich, das von Jesus kommt.
Drittes Symptom: Schluckbeschwerden
Wer nicht mehr alles schlucken kann, wenn Menschen einander verletzen, wenn sie mit jemandem Mobbing treiben und wenn sie lieblos miteinander umgehen - dann hat das wahrscheinlich mit dem Virus von Jesus zu tun. Wer nicht mehr die ganze Oberflächlichkeit schlucken will, die uns in unserer Gesellschaft zugemutet wird - der ist wahrscheinlich angesteckt mit dem krippalen Infekt.
Und was kann ich tun, was soll ich tun, wenn das passiert ist? Was soll man machen, wenn man vom "krippalen Infekt" erfasst ist? Wenn man vom Glauben an Jesus infiziert ist? Im Prinzip soll man genau das machen, womit man den grippalen Infekt mit "g" verhindert oder bekämpft. Was eine Grippe bekämpft, das hilft, den "krippalen Infekt" zu pflegen. Es sind auch drei Dinge:
Erstens: inhalieren
Den Geist Jesu immer mehr in sich aufnehmen; sich erfüllen lassen von seinen Worten und Gedanken, von seinem Gottvertrauen und von seiner Menschenliebe; einen Hauch seiner Gelassenheit einatmen und wieder verströmen. Sich von Jesus, von seinen Worten und Gedanken erfüllen lassen - das kann man so machen, dass man sich Gottes Geist aussetzt. Dass man da hingeht, wo er Thema ist. So wie ihr heute Abend hierher gekommen seid.
Zweitens: sich Ruhe gönnen
Momente der Stille einbauen in den Tages- und Wochenrhythmus. Zum Beispiel, indem ich das Kalenderblatt lese. Und dadurch, dass ich mir Zeit lasse fürs Gebet. Dass ich mit Gott rede. Sich Ruhe gönnen - das geht auch gut, wenn ich zur Kirche, zum Gottesdienst gehe. Dass ich mir bewusst Zeit nehme, um den normalen Alltagstrott zu durchbrechen.
Drittens: in Bewegung kommen
Wer den Jesus-Virus in sich trägt, der wird ganz oft merken: ich bleibe nicht auf einer Stelle stehen! Ich werde offen dafür, auch auf Neues zuzugehen. Menschen, die den Jesus-Virus haben, die sind nicht von gestern, die kramen nicht nur in der Vergangenheit rum, sondern die gehen auf das zu, was vor ihnen liegt. Nehmen Herausforderungen an.
Ich kann nur hoffen, dass Ihr jetzt sagt: Ja, diesen "krippalen" Infekt wünsche ich mir auch. Ich möchte mit dem Kind in der Krippe in Berührung kommen und mich immer tiefer von ihm prägen lassen. Und: die Begegnung mit Jesus macht mich nicht irgendwie krank, sondern macht mich nach und nach fähiger für's Leben.
"Wie können Sie sich nur Sonntags an die Kirchentür stellen und Hände schütteln - Sie stecken ja alle an!"
Ich wünsch' Euch, dass Ihr einander ansteckt mit dem "krippalen Infekt" - mit dem guten Keim, der von Jesus ausgeht. In diesem Sinne - habt eine gute Adventszeit mit vielen krippalen Infekten. Amen.
Nachfolgend finden Sie die Liedbeiträge als Audiodatei!
Gitarrenchor
Voices
Van Boben
Posaunenchor
Instrumentalbeitrag
Gemischter Chor