Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn


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predigt-09-12-13

Predigten




Predigt vom 13. Dezember 2009


Predigt über 1. Korinther 4, 1-7 in Auswahl; 3. Sonntag im Advent; 13.12.2009

"Ihr seht also, wie ihr von uns denken müsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben. Von [ihnen] wird verlangt, dass sie zuverlässig sind. ... Für mich zählt dabei nicht, wie ich von euch oder von irgendeinem menschlichen Gericht beurteilt werde. Auch ich selbst maße mir kein Urteil an. ...Brüder und Schwestern, ich habe von Apollos und mir gesprochen. ... Niemand soll sich wichtig machen und den von ihm bevorzugten Lehrer gegen den eines anderen ausspielen. Wer gibt dir denn das Recht, dir etwas einzubilden? Kommt nicht alles, was du hast, von Gott? Wie kannst du dann damit angeben, als hättest du es von dir selbst?"

Liebe Gemeinde, die meisten von euch wissen ja, dass ich nicht besonders sportlich bin. Aber der Predigttext für heute gibt mir Gelegenheit, euch heute mitzunehmen zu einer Trainingsstunde für eine Rudermannschaft. Diese Rudermannschaft heißt "Christen in Korinth" und bevor wir in ihre Trainingsstunde hineinschnuppern, will ich euch eben die Vorgeschichte erzählen:

Der Apostel Paulus rief diese Rudermannschaft "Christen in Korinth" ins Leben. Nachdem einige in Korinth zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, lud er diese neuen Christen ein, mit ihm ins Ruderboot zu steigen und zu lernen, wie das geht, Jesus nachzufolgen, um ans Ziel zu kommen.

Paulus, der Trainer, war im Ruderboot einer von ihnen, er ruderte genau wie sie und er hörte auf den Steuermann wie sie. Dieser Steuermann war Jesus Christus. Er hatte als einziger das Ziel vor Augen - und das war die Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit. Die Ruderer im Boot achteten auf den Steuermann. Er bestimmte den Kurs und die Schlagfolge. Solange sie auf Jesus hörten, konnten sie nicht vom Kurs abkommen. So weit, so gut. Der Anfang war gemacht und die neue Rudermannschaft war gut dabei. Aber nach den ersten Unterrichtsstunden musste Paulus, der Trainer, das Boot wieder verlassen. Noch andere warteten darauf, von ihm Anleitung im Rudern für Jesus zu bekommen. Und so ist er aus diesem Boot gestiegen und hat die Mannschaft alleine weiterrudern lassen.

Vielleicht war das zu früh. Auf jeden Fall kriegen die Korinther nun offensichtlich Probleme, mit ihrem Boot voran zu kommen. Es dauerte nicht lange, nachdem Paulus nicht mehr dabei war, da ging alles drunter und drüber. Einzelne Ruderer übertönten die Stimme des Steuermanns. Statt auf Seine Kommandos zu hören und ihm zu vertrauen, standen sie auf, drehten sich zu den anderen Ruderern um und schrieen den Sportsfreunden ihre eigenen Kommandos entgegen. Dabei kam das Ruderboot in Turbulenzen und drohte umzukippen. Statt das Ziel zu erreichen, stand der Untergang bevor.
Paulus erfuhr davon und hat sich überlegt, wie er damit umgehen und wie er darauf reagieren soll. Und als Antwort auf diese Krise im Gemeindeboot schrieb er den 1. Korintherbrief. Dieser Brief ist so etwas wie eine Extra-Trainingsstunde. Eine Extra-Lektion für das Schiff, das sich Gemeinde nennt. Damit will Paulus die Christen in Korinth an die ersten Unterrichtsstunden im Rudern erinnern, als sie gelernt hatten, auf den Steuermann zu achten und ihren Platz in der Mannschaft einzunehmen. Und dazu wiederholt er noch einmal die grundlegenden Dinge.
Natürlich habt ihr längst gemerkt: es ist kein echtes Boot gemeint, mit dem man auf dem Kanal fahren kann, sondern gemeint ist die Gemeinde. Die Gemeinde der Christen - und die wird im Neuen Testament oft mit einem Boot verglichen. In Korinth war dieses Boot vom Kurs abgekommen. Darum die Extra-Trainingsstunde. Und die kann auch für uns wichtig werden, denn unsere Gemeinde hier in Spetz ist ja auch so ein Ruderboot.

Vielleicht brauchen manche den Anstoß, den Schritt ins Boot zu wagen. Ich erlebe das oft, dass Menschen sozusagen noch am Ufer stehen und interessiert auf das Gemeindeboot schauen. Ob sie auch Lust haben, dabei zu sein? Ich kann das meistens nicht so genau sagen, aber ich merke oft: wenn Menschen einen Anstoß bekommen, dann fällt es ihnen leichter, an Bord zu kommen. Manchmal ist eine Einladung gerade das, worauf sie gewartet haben: Komm doch mit zur Senioren-Adventfeier! Oder da flattert die Einladung zur Silbernen Konfirmation ins Haus und erst will man gar nicht so richtig, aber dann meldet man sich doch an und anschließend war man ganz begeistert von dem tollen Tag und will unbedingt noch eine nachgeholte Konfirmandenfreizeit dranhängen. Oder da kommt der Sohn, die Tochter ins Alter, dass der Konfirmandenunterricht dran ist. Und da ist jemand, der sein Kind dann nicht Sonntags mit dem Auto zur Kirche bringt und selbst dann wieder nach Hause fährt, sondern der aussteigt und selber mitgeht zur Kirche. Und merkt: diese gute Stunde alle zwei Wochen gehört mir und tut mir gut!
Oder da ist jemand, der kann etwas besonders gut. Der kann gut mit dem Computer umgehen oder der kann gut mit Menschen zurecht kommen oder der hat ein echtes Händchen dafür, Räumlichkeiten schön sauber zu halten. Und derjenige wird gefragt, ob er das, was er gut kann, nicht auch für unsere Gemeinde machen will - als Webmaster und Tontechniker, als Gastgeberin von "Kirche in der Nachbarschaft" oder in unserem Raumpflegeteam. Und die- oder derjenige sagt zu und macht mit und sitzt von jetzt an mit im Boot.
Es ist ganz unterschiedlich, auf welche Art und Weise das so kommt - aber wir erleben es in unserer Gemeinde oft, dass Menschen plötzlich mit im Boot der Gemeinde sitzen, die vorher mehr so am Rand gestanden und mehr oder weniger interessiert zugekuckt haben. Sie haben einen Anstoß bekommen und nun sind sie dabei. Super!
Unsere Gemeinde ist wie so ein Ruderboot. Einige sind neu dazugekommen und rudern begeistert mit. Andere sind schon lange dabei. Sie haben schon manche Strecke mitgerudert. Sind vielleicht dabei müde geworden. Klar, sie sind noch dabei. Aber nicht mehr so mit der richtigen Begeisterung. Früher hat das irgendwie mehr Spaß gemacht. Was war das immer toll - fast jeden Sonntag ein Chor in der Kirche! Aber sie haben sich inzwischen dran gewöhnt und es ist nichts besonderes mehr. Darum müsste jetzt dringend mal was Neues kommen. Für sie ist das so, als wenn man mit dem Ruderboot immer die gleiche Strecke langfährt und dann auf die Landschaft kuckt, an der man vorbeikommt: es kommt einem so vor, als würde man das alles in- und auswendig kennen - irgendwie langweilig. Und darum sehnen sie sich nach etwas anderem. Nach etwas, das neu ist. Das sie neu herausfordert.
Andere Ruder sind im Boot, die freuen sich, dass sie mit so vielen anderen gemeinsam unterwegs sein können. Dass da so viele unterschiedliche Ruderer im Boot sitzen. Da kann man echt drüber staunen, wer alles so dabei ist: der erfolgreiche Kaufmann genau so wie der, der in seiner Firma in der untersten Lohngruppe ist. Der, der über viel Geld verfügt genau so wie der, der mit 600 Euro Rente hinkommen muss; der sportliche junge Mann in den besten Jahren genau so wie jemand, der im besten Metall-Alter ist: Silber in den Haaren, Quecksilber in den Zahnlücken und Blei in den Knochen. / Der, der vor lauter Stress kaum noch Luft bekommt genau so wie der, dem tagein, tagaus die Decke auf den Kopf fällt vor Langeweile. Eine wirklich bunte Vielfalt, die da im Boot sitzt und miteinander rudert. Und mancher freut sich über genau diese Vielfalt und findet es klasse, dass das so ist und dass er selbst auch dazu gehört.

Es gibt aber auch welche in diesem Boot, die können sich daran nicht freuen. Die würden am liebsten aus dem Boot und aus der Mannschaft aussteigen. Weil sie sich ärgern, dass so ganz bestimmte Leute auch in diesem Boot sitzen und mitrudern. Leute, die sie nicht abkönnen. Weil da irgendwann mal was war und sie haben es nicht vergessen. Oder weil sie denken: was will der und der eigentlich in diesem Boot, der hat doch keine Ahnung vom rudern?! Oder: Wieso rudert die oder die hier eigentlich mit? Die soll man erst mal mit ihrem spitzen Mundwerk richtig umgehen lernen, und dann kann die mal ganz lieb anfragen, ob sie hier mitrudern darf!
Unsere Gemeinde - wie so eine Rudermannschaft auf dem Boot, das sich Gemeinde nennt. In Korinth kamen sie mit den ganzen Unterschieden nicht zurecht. Und darum muss Paulus ihnen schreiben und ihnen die grundlegenden Dinge des Ruderns wiederholen. Er schreibt: "Ihr seht also, wie ihr von uns denken müsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben. Von (ihnen) wird verlangt, dass sie zuverlässig sind."

Paulus stellt hier klar: Alle, die mit Jesus Christus in Verbindung stehen, sind in seinem Boot. Und jeder hat seine Aufgabe in diesem Boot. Jeder hat einen bestimmten Dienst zu tun. Und um zu erklären, wie das gehen soll, fängt Paulus dieses Kapitel in seinem Brief mit diesen Worten an. Und leider ist im Laufe der Jahre in der deutschen Übersetzung eine ganz wichtige Nuance verloren gegangen. Man kann den Originaltext auch so übersetzen: "Ihr seht also, wie ihr von uns denken müsst: Wir sind Menschen, die als Ruderknechte im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben."

Paulus gebraucht das Wort "Ruderknecht", um das auszudrücken, was er meint. Er will uns sagen: für Jesus unterwegs zu sein, in Seinem Boot zu sein, das bedeutet, dass jeder und jede ihren Platz an den Rudern einnimmt und auf den Steuermann hört. Dabei ist die intensive Beziehung zum Steuermann das Wichtigste. Aber fast genauso wichtig ist es, dass die Ruderer vernünftig miteinander arbeiten. Dass nicht jeder so rudert, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Sondern dass einer auf den anderen achtet und sich dementsprechend verhält. Jeder, der schon mal in einem Ruderboot war, weiß was gemeint ist.

Vor Jahren war ich einmal mit meinem Patenkind Rebekka auf einem großen Binnensee im Erzgebirge. Wir beide haben uns auch ein Ruderboot gemietet und sind für 'ne Stunde auf diesen See rausgefahren. Erst habe ich allein gerudert, ungeübt wie ich war. Aber irgendwie sind wir voran gekommen. Dann wollte Rebekka auch rudern. Und so hatte jeder von uns beiden sein Ruder in der Hand und ruderte drauf los. Leider passte das nicht so wirklich zusammen und das Boot drehte sich im Kreis und fing an zu schaukeln. Erst als wir den Bogen raus hatten und gleichmäßig im gleichen Takt miteinander ruderten, ging es wieder voran und es wurde eine schöne Tour. So ist das mit dem Boot der Gemeinde auch. Wenn auch nur einer aus dem Takt kommt, wird es schwierig und man kommt nicht mehr richtig voran und irgendwann macht sich dann auch Frust breit.

Und so sitzen alle, die heute hier sind, im Boot Jesu. Jede und jeder von euch, von uns hat seinen besonderen Platz. Und es ist nicht egal, ob er sein Ruder liegen lässt oder bewegt. Und es ist nicht egal, ob er auf den anderen achtet oder ob er alles nach seinem eigenen Gutdünken macht. Das ganze Unternehmen "Kirchengemeinde Spetz" hängt an jedem und jeder in diesem Boot.
Nun müssen wir noch fragen: Wo soll das Boot eigentlich hin? Was ist das Ziel? Anders gesagt: Wofür hat sich jeder und jeder von uns einzusetzen? Die Antwort steht auch in der Bibel: "Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen." Anders gesagt: unser Auftrag besteht darin, dass wir hier bei uns dafür sorgen, dass alle Menschen von Jesus Christus erfahren und dass wir es ihnen so leicht wie möglich machen, mit ihm in Verbindung zu kommen. Das ist das Ziel für unser Gemeinde-Boot. Dafür sitzen wir auch heute hier. Und dafür hat jeder einzelne von uns sozusagen ein Paddel in die Hand bekommen, um dem Boot Schwung zu geben und dem Ziel näher zu kommen.

Aber wir haben nicht alle die gleichen Paddel, jedes ist verschieden. Die "Paddel", das sind die Gaben, die der Heilige Geist jedem von uns gegeben hat, für jeden von uns ganz individuell. Und mit diesen "Paddeln" sollen wir zusammen mit den anderen rudern. Und die "Paddel" bestimmen, wie wir auf dieses Ziel zusteuern, dass alle Menschen mit Jesus Christus in Verbindung kommen und sich von ihm retten lassen können. Jeder mit seiner Individualität - aber doch gemeinsam. Wie das aussieht, wissen wir im Prinzip alle. Aber ich will es an einem Beispiel noch einmal erläutern und deutlich machen - am Gottesdienst.

Wir sind im Kirchenvorstand zu der Überzeugung gekommen, dass wir Menschen für Jesus gewinnen können durch attraktive Gottesdienste. Natürlich ist das nicht der einzige Weg, aber auch ein wichtiger. Und zu einem attraktiven, anziehenden Gottesdienst gehören einige Sachen, die wir für sehr wichtig erachten: dass die Räumlichkeiten einen sauberen, einladenden Eindruck machen. Dass die Kirche und alles, was damit zusammen hängt, nicht verlottert aussieht. Und: wenn man dann zur Kirche kommt, wäre das super, wenn man auch eben nett begrüßt wird. Und dass man dann in der Kirche nicht mit einem dicken Wintermantel sitzen muss, sondern dass es angenehm warm ist. Und die, die zur Kirche kommen, müssen sich auf gute, ansprechende Musik freuen können und können eine Predigt erwarten, die sie auch verstehen können. Und die muss man auch akustisch verstehen können. Und die, die nicht mehr zur Kirche kommen können, die sollen zu Hause das Ganze wenigstens hören können. Und damit ein Gottesdienst für Menschen interessant ist, gehört auch das dazu: dass er dort nicht alleine sitzt, sondern dass er da auch andere treffen kann.
Das Tolle ist: Jesus hat dafür gesorgt, dass in diesem Boot "Kirchengemeinde Spetz" Leute an Bord sind, die dafür sorgen! Er hat dafür gesorgt, dass wir Menschen haben, die genau diese Fähigkeiten haben, die dazu nötig sind. Und dass sie sie auch einbringen. Da sitzt eben heute eine Tanja, die ihre ganz individuelle Art hat, Orgel und Klavier zu spielen und die damit dafür sorgt, dass unser gemeinsames Singen sich entfalten kann. Und da sitzen auch heute wieder Menschen, die mit ihrer Musik unsere Seele anrühren. Und am Anfang hat euch heute mit Almut jemand "Moin!" gesagt. Und am Freitag war wieder eines von unseren Raumpflegeteams hier und hat alles ordentlich sauber gemacht. Und das, was heute musiziert und gesprochen wird, wird durch unseren Tontechniker vernünftig ausgesteuert und dann auf CD gebrannt und dann können die, die wegen Alter oder Krankheit nicht direkt hier sein können, diesen Gottesdienst nachhören und es auf unserer Internetseite zusätzlich noch nachlesen. Und -nicht zu vergessen!- : es sind Menschen hier. Und es gibt bestimmt einen, der sich darüber freut, dass er ausgerechnet dich heute hier sieht und mit dir reden kann nachher beim Kaffee!

Die das alles machen, sind sehr unterschiedliche Menschen und es sind sehr unterschiedliche Sachen, die sie beisteuern, aber alles zusammen genommen ergibt es was Schönes! Und es wird darum was Schönes, weil das eine mit dem anderen harmoniert. Weil einer sich nach dem anderen gibt. Das ist das, was Paulus meint: jeder soll sich mit seiner Individualität einbringen und dabei doch im Takt sein mit den anderen, im gleichen Ruderschlag. Nur so kommt das Boot voran und nur so wird das Ziel erreicht.

Und nun stellt euch mal vor, wie das aussehen könnte, wenn wir nicht mehr im gleichen Takt rudern würden. Wenn nur einer oder zwei oder drei ihr eigenes Ding machen würden. Wenn zum Beispiel Tanja denken würde: Was hat Hermann bloß für schreckliche Lieder ausgesucht?! Und sie würde jetzt einfach ganz andere Lieder spielen, während wir versuchen, die angegebenen zu singen. Oder wenn die Bläser gedacht hätten: wir haben schon so viel Auftritte im Advent, wir bleiben einfach weg. Oder wenn das Raumpflegeteam gesagt hätte: am Freitag haben wir keine Zeit zu putzen, wir machen das Sonntag um viertel vor elf. Dann würden die jetzt ihren Staubwedel schwingen. Und wenn jemand vom Kirchenvorstand gedacht hätte: Blödsinn, dass die Kirche warm sein soll! Erdgas kostet so viel Geld, da können wir gut was sparen. Und er hätte dann die Heizung ausgemacht und die Kirche wäre kalt gewesen. Oder wenn ihr alle zu Hause geblieben wärt, weil es im Bett gemütlicher ist als in der Kirche.

Wenn auch nur einer oder zwei ausgeschert wären und das gemacht hätten, was sie wollten, dann würde dieser Gottesdienst empfindlich beeinträchtigt werden. Ja - jeder von uns ist enorm wichtig. Aber wenn jeder sich für die wichtigste Person halten würde und wenn jeder denken würde, seine Aufgabe sei die wichtigste, dann würde es schief laufen. In Korinth war diese Gefahr ganz groß und einiges lief schon schief. Und darum sagt Paulus es uns ganz eindringlich: macht euch klar, was euer Auftrag ist, wofür ihr im Boot sitzt. Und macht euch klar, dass ihr zum Ziel kommen sollt, nämlich dass alle Menschen von Jesus Christus erfahren und zu seiner Gemeinde dazukommen sollen.

Paulus kommt noch einmal zurück auf die Ursache, warum es in Korinth schief läuft. Es liegt daran, dass der eine sich für bedeutender und wichtiger hält als die anderen. Dass einer denkt: dass ich rudere, das ist viel bedeutender als dass der da vor mir sitzt, rudert. Oder: Ich hab schon viel mehr Erfahrung im rudern, und darum muss ich mich mit so einem Neuling nicht in ein Boot setzen. Oder: ich kann den, der da neben mit auf der Ruderbank sitzt, nicht ausstehen - warum soll ich dann im gleichen Takt wie er rudern?! So geht das unter uns Menschen ja oft zu und ich glaube, dass das auch im Boot "Kirchengemeinde Spetz" nicht immer völlig auszuschließen ist. Paulus nimmt das in unserem Bibelabschnitt sehr deutlich in den Blick und er sagt dazu: "Wer gibt dir denn das Recht, dir etwas einzubilden? Kommt nicht alles, was du hast, von Gott? Wie kannst du dann damit angeben, als hättest du es von dir selbst?" Also: wer im Boot sitzt und mitrudert, der kann sich darauf berufen, dass Jesus ihn ins Boot geholt hat und auf diesen Platz gesetzt hat.

Andere, die von außen auf dieses Boot kucken, denken vielleicht manchmal: warum ist der oder der eigentlich in der Gemeinde aktiv? Der hat doch gar nicht so viel Erfahrung. Oder der hat doch auch eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Und seine Kinder sind auch nicht so die tollen Leuchten. Oder: So fromm ist der doch gar nicht. Wieso mischt der eigentlich in der Kirche mit?!

Die Antwort darauf lautet: weil Jesus, weil der Steuermann sich nicht die Leute aussucht, die bisher ohne Schrammen durchs Leben gekommen sind, oder die viel Einfluss haben oder die schon viel können. Sondern er sucht sich die aus, die er gebrauchen kann.
Keine besondere Kenntnis oder Auffälligkeit hebt uns aus der Masse der Menschen heraus. Nur Jesu Ruf, auf den wir geantwortet haben, lässt uns zu Seiner Mannschaft gehören. Von uns aus sind wir dafür gar nicht qualifiziert. Von uns aus können wir gar nichts für Gott bewegen und voran bringen. Aber Jesus setzt sein Vertrauen ganz in uns. Er traut uns zu, dass wir sein Boot voran bringen und zum Ziel kommen.

Jeder, der hier in unserer Gemeinde mitmacht, muss sich fragen lassen: Liegen uns die Menschen am Herzen, die Jesus noch nicht gefunden haben? Sind sie uns wichtig? Richten wir unsere Gemeindearbeit darauf aus, ihnen den Weg zu Jesus zu zeigen und sie auf diesem Weg zu begleiten?

Wer darauf "Ja" sagen kann, der soll im Boot bleiben und zusammen mit den anderen weiter rudern. Der Steuermann wird uns dazu begeistern und darauf achten, dass es uns nicht zu viel wird und dafür sorgen, dass immer mehr Ruderer mitmachen. Amen.

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