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Predigten
Predigt vom 24. Dezember 2009, abends
Predigt über Titus 2, 11-14; Heiligabend 2003, Christvesper 18 Uhr
Denn die rettende Gnade Gottes ist offenbar geworden, und sie gilt allen Menschen. Sie bringt uns dazu, dass wir dem Ungehorsam gegen Gott den Abschied geben, den Begierden, die uns umstricken, und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben, als Menschen, die auf die Erfüllung ihrer Hoffnung warten und darauf, dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner Herrlichkeit erscheint.
Liebe Gemeinde, nun haben wir sie also doch – die weiße Weihnacht!
Weiße Weihnacht - Viele sehnen sich danach, auch wenn sie zwischendrin mal Schneeschippen müssen.
„Weiße Weihnacht“ - auch wenn es vielleicht jetzt nicht so in die Jahreszeit passt: mich erinnert der Wunsch nach weißer Weihnacht auch an eine „Hochzeit in weiß“. Von einigen Paaren höre ich, dass sie lieber noch ’ne Weile mit der Hochzeit warten wollen, bis sie sich eine richtig große Hochzeit in Weiß leisten können. Und wenn auch bei allem gespart werden muss - am weißen Brautkleid wird meist nicht gespart.
Der Wunsch, die Sehnsucht nach der „Hochzeit in weiß“ oder nach der weißen Weihnacht - was steckt dahinter?
Nur die Farbe „Weiß“ kann es ja nicht sein - es gibt ja viel wärmere, freundlichere Farben. So ein frisches „Grün“, wenn die ersten Birkenzweige ausschlagen oder so ein tiefroter Sonnenuntergang oder das leuchtende Gold-gelb einer Sonnenblume - das hat was! Viel prächtiger und intensiver als einfach „weiß“. Und doch sehnen Viele sich nach einem weißen Brautkleid oder eben jetzt nach einer weißen Weihnacht. Warum, was steckt dahinter?
Wir brauchen da gar nicht weit suchen: “Weiß“ ist die Farbe der Reinheit und Unversehrtheit. „Weiß“ - in unserem Unterbewusstsein, in der Tiefe unseres Gefühls ist das immer noch die Farbe der Reinheit, der Unversehrtheit, das Symbol dafür, dass alles in Ordnung ist. Nun leben wir aber in einer Welt, in der wir jeden Tag sehen: Vieles ist nicht mehr in Ordnung! Das Un-Heil greift um sich. Ich bin von meiner Art her ganz und gar kein Pessimist, der immer alles nur schwarz sieht - aber selbst als hoffnungsloser Optimist kann man die Augen davor nicht zumachen, dass unsere Welt in Unordnung geraten ist. Eine halbstündige Nachrichtensendung ist inzwischen zur seelischen Schwerstarbeit geworden - soviel sehen wir täglich an un-heilvollen Neuigkeiten. Statistiker haben ausgerechnet, dass die Menschen, die vor sieben-, achthundert Jahren hier lebten, in ihrem ganzen Leben nicht mit so vielen schrecklichen Informationen belastet wurden wie wir heutigen an einem einzigen Tag!
Aber nicht nur im großen Maßstab sehen wir täglich auf das Un-Heil der Welt, auch im kleinen ist das nicht anders. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht - es liegt ein großer Grauschleier über dieser Welt und über vielen einzelnen Menschen. Und so gesehen ist es absolut normal und verständlich, dass da ganz tief in uns die Sehnsucht nach Heil steckt, nach Reinheit und Unschuld. Und ich bin mir sicher, dass das etwas mit dem Wunsch nach weißer Weihnacht zu tun hat. Wir wünschen uns, dass unsere Welt, dass unser Leben etwas weniger grau wird; dass da weniger Schuld und Versagen ist und weniger Schmutz, der das Miteinander ver-
giftet.
Weiße Weihnachten - sie drückt unsere Sehnsucht aus nach einem Leben mit mehr Reinheit und Unschuld.
Die Frage ist nur, wie wir zu dieser Reinheit und Unschuld kommen! Der Predigtabschnitt für heute gibt eine Antwort: „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen...“ Und dann weiter: „In der Person Jesu Christi ist jetzt Gottes Barmherzigkeit sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will...“ In unseren Worten heißt das: Jesus Christus ist Gottes Antwort auf unsere Sehnsucht nach einer weißen Weihnacht. Jesus Christus ist Gottes Antwort auf unsere Sehnsucht nach einer Welt, in der das Heil noch nicht verloren ist! Gott will sich mit dem Dunkel in unserem Leben nicht abfinden.
Mit dem, was uns belastet, da dürfen wir zu Ihm kommen - auch wenn uns gar nicht weihnachtlich zumute ist.
Das denken wir ja oft: Weihnachten kann es nur bei uns werden, wenn die Verhältnisse danach sind.
Liebe Gemeinde, ich kann euch gar nicht erzählen, wie oft ich das in den vergangenen Tagen und Wochen gehört habe, dass Menschen sagen: „Dieses Jahr ist für mich kein Weihnachten. Ich hab soviel durchmachen müssen, da gibt mir Weihnachten nichts.“ Und die das sagen, das sind ja keine Weihnachtsmuffel, sondern Menschen, die gemerkt haben: Mein Leben ist aus der Ordnung geraten! Da sind Dinge passiert, die mir schwer zu schaffen machen. Da flatterte die Kündigung ins Haus.
Oder da gibt es auf der Arbeit so viel Druck, dass man innerlich völlig neben der Mütze ist.
Oder in der Familie ist jemand schwer krank geworden. Bei anderen gibt es innerhalb der Familie Stress miteinander. Einer Frau musste ich am Montag die Nachricht überbringen, dass ihr Mann bei seiner Arbeit gestorben ist. So mancher in unserer Gemeinde lebt in einer un-heilen Welt. Und mehr als alles andere wünscht man sich: es müsste wieder heil werden. Das ist unsere Sehnsucht.
Gott ist diese Sehnsucht nicht verborgen geblieben. Darum hat er sich überlegt: wie kann ich den Menschen helfen? Dass es wieder heller wird in ihrem Leben! Seine Antwort: Weihnachten! Nicht diese paar Feiertage. Ob sie nun weiß sind oder nicht. Nein, es hängt nicht an diesen Tagen. Aber Gottes Antwort auf das Un-Heil in dieser Welt und in unserem Leben gibt er mit diesem Kind in der Krippe. Und das wird uns heute wieder einmal gesagt: Gott schreibt diese un-heile Welt und uns un-heile Menschen nicht ab! Jesus ist nicht dort geboren, wo alles in Ordnung war. Wo die Menschen keine Probleme hatten. Maria und Josef hatten einen Haufen Probleme. Und die Menschen damals lebten in einer Zeit, in der eine Sicherheit nach der anderen wegbrach. Das Geld wurde immer weniger, und dafür zogen die Preise an. Und genau dort lässt Gott Jesus zur Welt kommen. Wo Menschen leben, deren Leben eingetrübt ist. Gott sagt: da will ich hin! Wo Menschen im Chaos sind, weil das, was ihnen Sicherheit gegeben hat, weggebrochen ist. Wo die Arbeitsstelle weg ist; wo die Ehe im Eimer ist; wo die Kinder aus dem Haus sind und nun ist das Haus so entsetzlich groß. Da will ich hin, sagt Gott, wo Menschen unsicher sind, was das neue Jahr ihnen bringen wird und was es sie kosten wird. „Werde ich alles noch bezahlen können?“
Da will ich hin, wo von einem auf den andern Moment das ganze Leben auf den Kopf gestellt ist.
Gott kennt unsere Sehnsucht nach Heil. Darum schickt er uns den Heiland.
Jesus, der Heiland, ist kein Zauberer - er schnippt nicht mit seinen Fingern all das weg, was unser Leben belastet. Aber er gibt Kraft, dass wir das Leben anpacken und meistern können.
Er ist kein Puppenspieler - er hält uns nicht in der Hand wie eine Marionette. Manche stellen sich das so vor - als würde Gott die Strippen ihres Lebens so ziehen, wie es ihm gerade gefällt. Nein - so ist es nicht! Er hat uns als verantwortliche und selbständige Menschen in diese Welt gestellt - aber wir sind trotzdem nicht auf uns selbst gestellt, sondern können Maß nehmen an dem, was Gott will. Können uns an seinem Wort, an seiner guten Absicht mit uns orientieren. Dazu gehört auch dieses: Jesus nimmt uns keine Entscheidungen ab - aber er hilft uns, dass wir uns entscheiden können. Dadurch, dass er uns Menschen gibt, mit denen wir uns beraten können. Dadurch, dass wir mit Ihm, Jesus, selber sprechen, alles besprechen können. Und dann gibt er uns die Konsequenz, das auch durchzuziehen, wofür wir uns entschieden haben.
Jesus gibt uns kein bequemes Leben - aber er hilft uns, dass wir trotz vieler unbequemen Dinge zu einem sinnvollen und erfüllten Leben finden. Jesus gibt uns so lange wir leben keine heile Welt - aber das Unheil soll uns nicht mehr unterkriegen. Wie Menschen das erlebt haben, auch davon habe ich gehört - alles in den letzten paar Tagen, von Menschen aus der Mitte unserer Gemeinde. Ich denke da an jemanden, der war in eine Krise geraten. Derjenige hat sich an vielen Stellen unwahrscheinlich engagiert. Aber irgendwann war die Kraft am Ende und derjenige konnte nicht mehr. Und es hat gedauert, bis er gemerkt und es akzeptiert hat: ich muss jetzt bei kleinem auch mal was für mich tun! Das ist oft so, dass Menschen, die viel für andere da sind, sich selbst vernachlässigen. Aber derjenige hat es geschafft – eine Auszeit. Rausgenommen aus dem „funktionieren müssen“. Und derjenige sagt mir jetzt: das hat mir wirklich gut getan! Mir ist von neuem klar geworden, dass in meiner Beziehung zu Jesus Christus ein enormes Kraftpotential liegt – und davon konnte ich jetzt zehren. Nur für mich. Und jetzt hab ich auch wieder mehr Power für das, was mir wichtig ist.
Jemand anders liegt im Krankenhaus. Im Grunde genommen war es ein ganz gewöhnlicher Eingriff, der gemacht werden musste - aber es gab schwere Komplikationen. Wochenlang ist das schon her. Schmerzen über Schmerzen. Nun auch noch Weihnachten im Krankenhaus. Nicht das, was man sich wünscht. Und dieser jemand sagte mir: „Ich bin froh, dass ich wenigstens noch beten kann. Dann geht der Druck weg und ich bin wieder etwas besser zufrieden.“
Ein dritter hat in diesem Jahr „Stress pur“ gehabt - von haufenweise Arbeit über Ärger mit den Kindern, schlimme Krankheit von Angehörigen und schlaflosen Nächten war alles drin. Derjenige sagte mir: „Eigentlich hab ich keine Lust mehr, auch nicht mehr auf den Glauben und ich wundere mich, wo ich immer noch Kraft herkriege. Liegt wohl mehr an Gott als an mir.“
So haben Menschen mir erzählt - Menschen, die zu uns gehören. Menschen, die in Verbindung mit Gott leben.
Sie sind keine Glaubenshelden - wer ist das schon?! Aber sie haben die Erfahrung gemacht: Gott hält an mir fest und verändert mein Leben! Manche konnten wieder anfangen, sich zu freuen. Andere haben Mut bekommen, dass sie sich gewehrt haben. Andere haben endlich eine Entscheidung in einer bestimmten Frage getroffen. Andere konnten sich aus Bindungen befreien, die nicht gut waren. Müssen nicht mehr zur Flasche greifen, wenn der Frust sie überfällt, sondern sie haben andere Möglichkeiten gefunden, dass sie damit umgehen können.
Von einigen weiß ich, dass ihr Eheleben wieder in Fahrt gekommen ist. Dass sie mit ihrer Frau oder mit ihrem Mann wieder eine beglückende Sexualität leben können, weil sie frei geworden sind von der Sucht nach den Sex-Seiten im Internet.
Gott selbst sorgt dafür, dass die Hoffnung in uns nicht klein zu kriegen ist. So lange, bis sich einmal alles Unheil auflöst in Wohlgefallen. Und bis es soweit ist, sollen wir in unserer Welt leben - so wie sie eben ist. „Weiße Weihnacht“ - wir haben Sehnsucht danach, dass sich der Grauschleier über dieser Welt lichtet. Jesus Christus ist Gottes Antwort auf diese Sehnsucht.
Ach ja - in der Bibel steht: diese „weiße Weihnacht“, dass also Jesus kommt, das gilt „allen“ Menschen!
Das ist nicht nur was für die Frommen, nicht nur was für die, die immer in der Kirche sind, nicht nur für die, die gut
drauf und in Weihnachtsstimmung sind. Es gilt auch für die, die sagen: am liebsten würde ich dieses Jahr aus
meinem Leben streichen! Auch die, denen der Glaube fremd geworden oder geblieben ist; auch die, die mit
Kirche nichts am Hut haben. Jesus Christus ist für alle Menschen geboren - weil alle Menschen Gott brauchen.
Sogar die, die davon nichts wissen wollen. Weiße Weihnacht für alle - Gott ist für alle da!
Wichtig allerdings ist, dass wir ihn auch für uns da sein lassen! Sonst hilft uns das auch nicht!
Ich wünsche Ihnen, Euch das, das sich in Euerm Leben das strahlende Weiß Gottes ausbreiten kann.
In diesem Sinne: habt ein frohes Weihnachten! Amen.