Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn


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predigt-09-12-26

Predigten




Predigt vom 26. Dezember 2009


Predigt über Hebräer 1, 1-4; 2. Weihnachtstag 2009

Liebe Gemeinde, Heiligabend haben wir auch hier in unserer Kirche wieder die Weihnachtsgeschichte gehört. Diese vertrauten Worte, die uns ein schönes Bild vor Augen malen: Krippe und Stall, Engel und Hirten, der Stern und die drei Weisen.
Heute nun wird uns das, was Gott mit Weihnachten im Sinn hat, in ganz anderen Worten berichtet. Ich lese uns dazu einen kurzen Abschnitt aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 1, 1-4:
Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.

Wenn man das so hört, dann klingt das erst mal ziemlich spröde: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten...". Das mag wohl spröde klingen – aber diese Worte sind eine Sensation! Diese Worte drücken ein ganz großes Wunder aus: Gott spricht! Im Grunde genommen ist allein das schon eine unfassbare Tatsache, dass Gott das Gespräch mit seinen Menschen wieder aufnimmt. Damit war, damit ist ja eigentlich gar nicht zu rechnen. Erinnern wir uns kurz: schon einmal, so erzählt die Bibel, schon einmal hat Gott gesprochen – ganz am Anfang der Zeit, am Anfang der Schöpfung. Gott hat durch sein Wort alles werden lassen. Am Anfang war alles im Chaos – und Gott hat es geordnet und dann hat er optimale Bedingungen geschaffen für die, die er sich aufgehoben hatte für ganz am Ende der Schöpfung, für seine Menschen. Als Gott den Menschen schuf, da schuf er nicht noch eine zusätzliche Sorte von Tieren, so einen höher entwickelten Affen. Als Gott den Menschen schuf, da kreierte er einen Gesprächspartner für sich. Gott wollte nicht in seinem Universum mit sich alleine sein. Er wollte sich nicht alleine freuen an den Werken seiner Schöpfung. Gott wollte sich nicht nur um sich selbst drehen. Sondern er wollte ein Gegenüber haben. Jemandem, dem er seine Liebe schenken kann. Jemanden, mit dem er sich austauschen, mit dem er reden kann. Und so schuf er den Menschen, setzte ihn in einen Garten. Und dort waren allerbeste Bedingungen vorbereitet. Der Mensch konnte sich entfalten. Konnte aufblühen und sich am Leben freuen. Und nun freute Gott sich – endlich hatte er ein lebendiges Gegenüber, mit dem er reden konnte und an dem er Freude hatte. Es war alles gut!

Aber es dauerte nicht lange, da schlängelte sich die Schlange des Misstrauens im Menschen hoch. Er sah nicht mehr auf das, was er für wahnsinnig viele Lebensmöglichkeiten hatte, sondern der Blick verengte sich: er blickte auf das
eine, was er nicht durfte. Ein einziger Baum war es, von dem Gott gesagt hatte: Finger weg! Da dürft ihr nicht ran! Wenn ihr da rangeht, dann überhebt ihr euch. Das ist nicht gut für euch!

Aber das, was Gott sich ausgesucht hatte, um seine Menschen zu schützen, wurde nun zum Ursprung des Misstrauens. „Warum dürfen wir da nicht ran?“, fragte der Mensch. „Das hängt doch bestimmt damit zusammen, weil Gott uns etwas vorenthalten will. Weil er uns diese eine Frucht an diesem einen Baum nicht gönnt.“ Und so war das Misstrauen gegen Gott geboren und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Der Mensch übertrat diese eine Grenze – und musste nun die Konsequenzen tragen. Vorbei war es mit dem paradiesischen Leben. Die Tür fiel ins Schloss, der Mensch war aus dem Garten ausgestoßen. Und seitdem müsste eigentlich eisiges Schweigen herrschen. „Mit dem rede ich kein Wort mehr. Der ist in Zukunft Luft für mich!“ So hätte Gott reagieren können. Und so erleben wir es ja gar nicht mal so selten unter Menschen. Wenn einer den anderen kränkt, und dass dann das Gespräch endet. Dass der Kontakt aufhört. Dass man einander meidet und keine Worte mehr füreinander hat. Und Gott
war gekränkt worden! Und er hätte allen Grund gehabt, sich zurück zu ziehen und seine Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Er könnte sich in ewiges Schweigen hüllen. Er könnte die Menschheit ihren Weg durch gottlose Einsamkeit gehen lassen.
Aber was tut er wirklich? Gott bricht sein Schweigen! Er ergreift immer wieder das Wort. Er lässt keine Gelegenheit aus, um wieder mit seinen Menschen ins Gespräch zu kommen. Er schickt dem Volk Israel Menschen, durch die er spricht. Das sind die Propheten. Und immer wieder gibt Gott seinem Volk ganz deutliche Zeichen für seine Treue. Dass er zu ihnen steht – obwohl sie ihm immer wieder die kalte Schulter zeigen. Wenn wir unter diesem Gesichtspunkt einmal das Alte Testament lesen, dann kann man sagen: das ist eigentlich eine einzige, große Liebesgeschichte! Von der Liebe, die Gott zu seinem Volk hat. Und diese Liebe lässt ihn immer wieder Worte finden. Gott überlegt pausenlos, was er seinen Leuten sagen muss, damit sie sich nicht verrennen. Damit sie ihr Leben nicht vor die Wand fahren. Dazu gibt er ihnen zum Beispiel die Gebote. Das ist kein Gesetzbuch, sondern das sind Orientierungshilfen, damit wir Menschen das Leben auskosten können, ohne damit andere zu schaden und ohne dass wir selbst dauernd in Angst leben müssen, dass jemand uns was wegnimmt.
Immer wieder geht Gott auf seine Leute zu, spricht mit ihnen, und macht immer wieder den ersten Schritt. Obwohl sie ihn so oft enttäuschen. Obwohl sie immer wieder aus der Beziehung zu ihm ausbrechen und anderen Göttern hinterherlaufen. Trotzdem: Gott hörte nicht auf, zu seinen Leuten zu reden. Wahnsinn, wie groß seine Liebe sein muss!
„Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten...“Gott, der unendlich Erhabene, der in einem Licht wohnt, da niemand zukommen kann, dessen Ratschlüsse uns nicht selten unbegreiflich sind - dieser Gott würdigt uns, mit uns, zu uns zu reden. Und er ließ und er lässt sich nicht daran hindern, es immer wieder zu probieren. Auch wenn der Gesprächsfaden abgerissen ist. Auch wenn der Kontakt eingeschlafen ist. Auch wenn Menschen das Gespräch mit Gott abgebrochen haben.

Damit will Gott sich nicht abfinden. Und darum setzt er nun das Höchste ein, was er einsetzen kann. Um es so deutlich wie nur irgend möglich zu machen, wie sehr ihm an uns gelegen ist, „...hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn...“. Gott hat in Jesus von Nazareth, die Welt, hat mich angeredet. In ihm begegne ich Gottes Wort. Er erschließt mir Gottes Herz. Was mit den Propheten begonnen hat, das ist in ihm zur Erfüllung gekommen. Ich brauche nicht weiter zu suchen.Das Wort ist Fleisch geworden, es wohnt unter uns. Durch Jesus will Gott unseren Alltag mitleben. Will uns in unserem Denken prägen. Will uns in unseren Entscheidungen helfen. Will uns in unseren Enttäuschungen trösten. Will uns den Durchblick geben, den wir brauchen, damit wir uns in unserem Leben nicht auf Dauer verfransen.

Gott hat gemerkt: durch Worte alleine kann ich das Gespräch mit meinen Menschen nicht aufrecht erhalten. Aber wenn ich wirklich so werde wie sie, wenn ich selber Mensch werde, dann ist das möglich! Und darum hat Jesus seine Herrlichkeit aufgegeben. Ist vom himmlischen Thron herabgestiegen. Hat den langen Weg auf sich genommen aus dem Himmel auf die Erde. Mitten ins Leben hinein. Und er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes aufs Leben festnageln lassen. Deutlicher als in ihm kann Gott nicht mehr klar machen, dass es ihm um uns geht!

Und so versteht bitte dieses Weihnachten als erneute Einladung. Als Einladung, die Gott ausspricht, damit er mit uns im Gespräch bleiben kann. Oder damit er wieder mit uns neu ins Gespräch kommen kann. Und ich bin überzeugt: eine solche Einladung, dass wir mit Gott im Gespräch bleiben oder wieder mit ihm ins Gespräch kommen, eine solche Einladung wird uns gut tun. Denn es ist ja gar nicht so selten, dass der Gesprächsfaden abreißt. Dass der Kontakt, den wir zu Gott haben, abbricht. Oft gar nicht einmal in böser Absicht. Dass das Gespräch mit Gott abbricht, das passiert oft ganz schleichend. So wie das unter uns Menschen ja auch manchmal passiert: da hast du vielleicht jahrelang mit jemanden eine wirklich gute Freundschaft gehabt, oder man hat als Nachbarn echt gut miteinander gekonnt. Und trotzdem ist der Kontakt abgerissen und das Gespräch verstummt. Nicht, weil man Stress miteinander gehabt hat. Sondern weil jeder nach und nach andere, eigene Wege ging. Weil es sich so ergeben hat.
So war es bei meinem alten Schulfreund Erwin und mir. Die ganzen Jahre über in der Hauptschule Flachsmeer waren wir die dicksten Freunde und wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Worüber wir mit keinem anderen reden wollten oder mochten – wir beiden konnten miteinander darüber reden. Aber dann kam die Zeit, in der wir aus der Schule entlassen wurden. Erwin begann gleich danach mit seiner Banklehre, ich ging zunächst in Papenburg weiterhin zur Schule. Als ich dann in der Banklehre war, war er schon in verantwortlicher Position. Und als ich endlich mein Studium aufnehmen konnte, wohnte Erwin schon lange nicht mehr in meiner Nähe und hatte inzwischen eine Umschulung gemacht. Zwischen uns war nie ein böses Wort – aber wir haben uns einfach nicht mehr gesehen. Kein Kontakt mehr. Und in der Wirkung war das viel schlimmer, als wenn wir uns mal deftig gestritten und dann anschließend wieder vertragen hätten. So ging es lange Jahre – vor 25 Jahren haben wir uns noch einmal kurz gesehen, danach nicht wieder. Und ich habe zwischendrin öfter mal daran gedacht, wie schön das vorher doch immer gewesen war. Und so passiert es auch vielen Menschen mit ihrer Beziehung zu Gott. Sie haben überhaupt nichts gegen ihn, im Gegenteil. Früher haben sie vielleicht sehr viel Zeit mit ihm verbracht. Haben im Kindergottesdienst biblische Geschichten gehört oder gelesen, waren vielleicht in einem Jugendkreis oder hatten eine gute Konfirmandenzeit. Aber irgendwann ging es auseinander. Sie haben immer noch nichts gegen Gott – aber sie verbringen kaum noch Zeit mit ihm. Weil immer so viel anderes anliegt. Auf der Arbeit ist so viel los und dann das quirlige Leben zu Hause. Und irgendwie bleibt es immer dabei, was man sich zwischendrin immer mal wieder vornimmt: mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen, oder in einem Chor mit zu machen. Es bleibt einfach dabei. Und dadurch verflacht die Beziehung zu Gott immer mehr und am Ende ist da nichts mehr.
Und nun muss ich euch noch was erzählen: im März, als Johann und Gretl Goldene Hochzeit hatten, da bin ich wieder auf die Spur von Erwin gekommen. Silke, die zukünftige Schwiegertochter von Fritz und Irmgard Gerdes, drückte mir zwei Bilder in die Hand. Bilder, auf denen Erwin und ich zu sehen sind. Auf einem Ausflug mit meinen Eltern, das muss so ungefähr 35 Jahre her sein. Und es hat sich herausgestellt, dass Erwin der Onkel von Silke ist, der Bruder ihrer Mutter. Und Silke drückte mir dann noch einen Zettel in die Hand – da war die Mailanschrft von Erwin drauf. Ich habe ihm dann geschrieben, er hat geantwortet – und so ging es einige Monate hin und her. Und nun, als ich im Oktober Urlaub hatte, da haben wir uns das erste Mal wieder gesehen. Und was soll ich euch sagen – es war, als wären die ganzen Jahre dazwischen nie gewesen! Wir konnten den Faden gleich wieder aufnehmen. Natürlich haben wir über das gesprochen, was wir früher miteinander erlebt haben. Aber wir haben auch und vor allem über das gesprochen, wie unser Leben jetzt ist.
Wenn Silke nicht für die Möglichkeit gesorgt hätte, dass die Verbindung zwischen Erwin und mir wieder aufleben kann, dann wäre das alles nicht so gekommen. Und das, was unser Predigttext in seiner etwas komplizierten Ausdrucksweise sagt, das meint im Grunde genommen genau dies: Gott hat darüber nachgedacht, wie schön es doch wäre, wenn er wieder mit uns ins Gespräch kommen könnte. Wenn die Beziehung wieder aufgenommen und an Tiefe gewinnen könnte. Und darum hat er dafür gesorgt – indem er Jesus in diese Welt geschickt hat. Als sein deutlichstes und auch als sein letztes Wort. Und nun überleg doch mal: was ist in deinem Leben nicht alles passiert, womit Gott sich in Erinnerung bringen wollte?! Vielleicht nimmst du dir an den Tagen zwischen den Jahren ein bisschen Zeit, um darüber nach zu denken: was hat Gott schon alles getan, damit die Verbindung zwischen mir und ihm gepflegt wird oder neu aufgenommen werden kann? Damit es wieder so schön wird, wie es einmal war. Wie Gott es sich für uns vorgestellt und gewünscht hat.
Und er hat ja Erfolg gehabt: du bist ja hier heute! Hier im Gottesdienst, wo wir ja auch diese Verbindung zwischen Gott und uns pflegen. Wo wir auf sein Wort hören. Mit ihm reden, ihn anbeten. Ihn ehren und seinen Namen preisen. Dass wir heute hier beieinander sind, das zeigt ganz deutlich: dass Gott durch Jesus Christus seine Menschen ansprechen wollte, das ist nicht vergeblich gewesen. Das hat zum Ziel geführt – und nur darum sind wir heute letztlich hier. Weil wir uns von Ihm haben ansprechen lassen. Und nun lasst uns auch in der Verbindung zu ihm bleiben. Damit wir seine Herrlichkeit sehen, hören, fühlen und schmecken können. Gott ist unter uns. Gott sei Dank! Amen.










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