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Predigten
Predigt vom 03. Januar 2010
Predigt über 1. Johannes, 5, 11-13; 2. Sonntag nach Weihnachten; 03.01.2010
Es gibt bestimmte Dinge, die müssen wir wissen. Wir müssen wenigstens so ungefähr wissen, wie viel Geld wir auf dem Konto haben - damit wir nicht hoffnungslos in die Miesen kommen. Wir müssen wissen, wie schnell wir mit dem Auto fahren dürfen - damit wir nicht ständig geblitzt werden oder sogar noch was Schlimmeres passiert.
Wir müssen wissen, was unsere Rechte und Pflichten sind, damit wir rechtschaffen leben können und keinem etwas schuldig bleiben - oder andere uns nicht über den Tisch ziehen. Und hier, im Predigtabschnitt für heute, da geht es nun also auch um etwas, was wir wissen müssen.
Gott hat uns das ewige Leben gegeben. Und dieses Leben ist in seinem Sohn. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt.
Es geht hier um das Leben. Und unser Leben, das ist ja ein wahnsinnig hohes Gut. Und ich glaube, dass vielen Menschen hier bei uns das gerade in diesen Tagen wieder bewusst geworden ist durch den schlimmen Unfall. Drei Menschen im Bruchteil einer Sekunde aus dem Leben gerissen, acht Kinder haben mindestens ihre Mutter verloren, Eltern verloren eine Tochter, eine Schwiegertochter und eine Enkelin. Das Leben von diesen ganzen Menschen wurde völlig auf den Kopf gestellt. Unser Leben ist kostbar. Darum sollen wir achtsam damit umgehen, so gut wir nur irgend können.
Dass wir leben, können wir alle spüren! Das merken wir allein schon daran, dass wir unseren Puls spüren können. Im Predigtabschnitt geht es ja nun aber um "ewiges Leben". Und dann fragt man sich ja: was ist damit eigentlich gemeint?
Ist damit gemeint: unser Pulsschlag setzt sich fort bis in alle Ewigkeit? Nein, sicher nicht. Und wir sind sicher auch nicht damit zufrieden, unser Leben nur mit dem Pulsschlag zu vergleichen. Sicher - der Puls schlägt, das Herz arbeitet, Kreislauf und Stoffwechsel funktionieren mehr oder weniger gut. Wir essen und trinken, wachen und schlafen. Wir arbeiten und faulenzen, wir sind eingefügt in eine Familie, in ein Dorf, in unsere Nachbarschaft. Wir leben. Und trotzdem wissen wir alle: Leben (groß geschrieben) und leben (kleingeschrieben) ist zweierlei!
Leben ist mehr als dass unser Organismus funktioniert.
Und jeder Mensch ist auf der Suche nach Leben. Nach dem Leben, das sich wirklich lohnt. Und diese Suche nach Leben sieht durchaus unterschiedlich aus. Manche Menschen wollen ihren Lebenstraum im Beruf, in der Karriere erfüllen. Sie arbeiten hart und gönnen sich kaum etwas - Familie, Kinder, Beziehungen werden hinten angestellt.
In einem Traugespräch sagte mir eine Frau, dass sie sich vom Leben in ihrer Ehe Geborgenheit für sich, ihren Mann und die Kinder, die sie möglicherweise mal bekommen, wünscht. Ihr Mann dagegen sagte, dass er sich vom Leben erwartet, dass er in zehn Jahren das Haus abbezahlt haben will, in fünf Jahren will er Abteilungsleiter in seiner Firma sein und in fünfzehn Jahren will er zusätzlich zwei Häuser haben, die er vermieten kann. Ich bin gespannt, wie die beiden das miteinander hinkriegen werden. Mit den völlig unterschiedlichen Erwartungen ans Leben.
Andere sehen ihr Lebensglück in den eigenen Kindern. Die sollen es schließlich einmal besser haben. Sie sollen möglichst nicht die Fehler wiederholen, die ihre Eltern schon gemacht haben. Und darum stecken manche Elter ihre ganze Energie in die Kinder und gönnen sich selber kaum etwas. Manche erhoffen sich von Wellness und Schönheit das wahre Leben. Damit es nicht so auffällt, dass man langsam aber sicher auch etwas älter wird.
Da wird der Körper teuren Re-Vitalisierungskursen unterzogen, man schwitzt in der Mucki-Bude, um den Hänge-
bauch wegzukriegen, Wangen und Backen und andere Körperteile werden geliftet.
Nun ist natürlich gegen all das gar nichts zu sagen! Natürlich muss man sich im Beruf engagieren, wenn man weiterkommen will. Wer viel Zeit und Nerven in seine Kinder investiert, der verdient das Lob unserer Gesellschaft; und wer seinen Körper pflegt oder auch trainiert, der kann das mit gutem Gewissen tun.
Problematisch wird das alles nur, wenn wir denken, dass wir dadurch das wahre Leben bekommen. Das Leben, das sich wirklich lohnt. Und Viele haben die Erfahrung gemacht: da hast du dich abgerackert, da hast du immer nur verzichtet, da hast du dich tüchtig angestrengt - und am Ende war's der verkehrte Weg: die teuer erkaufte Schönheit welkt dann doch irgendwann; die Karriere wird zur Sackgasse, weil irgendein Konzern die Firma aufkauft und dich absägt; die Kinder lassen sich kaum noch blicken, Freundschaften zerbrechen. Das, worauf man alles gesetzt hat, hat es nicht gebracht.
Und diese Erfahrung machen immer wieder Menschen: Ich kann mich noch so anstrengen, oder ich kann mir noch so viele schöne Dinge gönnen - irgendwie bringt mir das nicht das, wonach ich mich im tiefsten sehne. Es scheint ein Loch in unserer Seele zu geben, das wir selbst nicht stopfen können. Ganz offensichtlich muss es von außen gefüllt werden. Und genau darum erinnert der heutige Predigtabschnitt an Jesus Christus. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
Leben, sinnerfülltes, zufriedenes, von Gott getragenes Leben gibt es nur durch ihn. So sagt es Johannes.
Wenn man das so hört, dann mag vielleicht mancher sagen: Das klingt aber ziemlich radikal! Ein sinnvolles Leben kann ich doch auch ohne Gott, ohne Jesus Christus führen. Wenn ich mich engagiere - für andere Menschen, für den Verein, für eine Partei. Wenn ich meinen Hobbys nachgehe. Wenn ich mich bilde, ins Konzert gehe, schön Urlaub mache. Das alles bringt mir doch auch was!
Natürlich bringt einem das was - gar keine Frage! Aber auch hier kommt es wieder darauf an, ob es etwas bringt - also etwas, was mein Leben verschönert oder interessant macht. Oder ob es mir das Leben bringt. Nicht etwas, sondern das Ganze. Nicht einen Teil, sondern die Fülle.
Ich will es mit einem Beispiel etwas deutlicher machen: Ich denke mal, dass die, die dies Jahr einen Weihnachtsbaum aufgestellt haben, ihn auch schön geschmückt haben. Mit Kugeln vielleicht oder mit Holzanhängern, mit Lametta oder mit Engelhaar. Und trotzdem: es ist nicht zu übersehen, dass er nicht mehr frisch ist, dass er nadelt. Nur noch wenige Tage, dann ist er nur noch für die Müllabfuhr gut - aber am besten gebt ihr ihn den Jungs von der Spetzer Jugendfeuerwehr.
Dass er nadelt, dagegen helfen auch nicht die glänzendsten Kugeln und das schönste Engelhaar. Und das liegt daran, dass er abgeschnitten worden ist von seiner Wurzel - und darum wird er vergehen. Kein Mensch kann das aufhalten.
Und so, wie unsere Weihnachtsbäume zu Beginn der Weihnachtszeit noch frisch aussehen, jetzt aber allmählich die Nadeln verlieren, weil sie in Wirklichkeit tot sind, so wird es sich in unserem Leben auch immer mehr herausstellen: Leben ohne Christus ist kein Leben. Jedenfalls kein Leben im Sinnes unseres Bibelwortes.
Für die Bibel heißt "Leben": in Verbindung mit der Quelle des Lebens sein, in Verbindung mit Gott sein. Und diese Verbindung, die haben wir durch Jesus Christus. Und so ist dieser Satz zu verstehen, dass wir durch Jesus das Leben haben. Er verbindet uns mit Gott. Er ist die Wurzel, die wir brauchen. Und darum finde ich es gut, dass uns ein solch klares Wort in der Zeit zwischen den Jahren mit auf den Weg gegeben wird. Dass wir es nicht vergessen bei all dem, was wir uns fürs neue Jahr vorgenommen haben und dass wir es nicht vergessen bei all unserem Streben nach Glück und Wohlstand, Recht und Anerkennung: ER ist das Leben. Er will uns durch das neue Jahr hindurch begleiten. Er will uns helfen, unseren Alltag zu gestalten, will uns darin Zuversicht geben und Erfüllung. Wer den Sohn hat, der hat das Leben.
Aber wie verhält es sich nun mit dem "ewigen Leben"?
Unser heutiges Bibelwort erinnert uns: Das ewige Leben beginnt nicht erst nach dem Tod. Durch den Glauben an Jesus Christus ist heute schon die Ewigkeit in unser Herz gekommen. Es fällt ja auf, wie unser Wort bereits in der Gegenwartsform redet: Gott hat uns das ewige Leben gegeben. Ihr habt das ewige Leben.
Das Sprichwort sagt: "Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus." Und gemeint ist: wenn ein außergewöhnlicher Anlass ins Haus steht, dann merkt man da schon früher was von. Man denkt drüber nach, wie man es gestalten will. Man merkt schon die Vorfreude. Ulrike und ich sind im Oktober für'n paar Tage in Urlaub gewesen. Und schon Wochen vorher war die Vorfreude da. Und allein diese Vorfreude, die hat mir geholfen, mit dem ganzen Stress, den ich in der Zeit vorher hatte, einigermaßen zurecht zu kommen.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Das, was kommt, wirkt schon in unser jetziges Leben herein. So können wir uns das mit dem Ewigen Leben auch vorstellen. Das ist nicht etwas, was erst anfängt, wenn wir hier einmal die Augen zumachen. Wir haben jetzt schon an der Ewigkeit teil, wenn auch für uns selber und für andere noch verborgen. Aber so ab und zu, da merken wir etwas davon. In den Momenten, die wir gerne festhalten möchten. Wenn wir vor Freude die Welt umarmen möchten. Oder wenn wir in einer schwierigen Lage plötzlich wieder Land sehen. Wenn wir endlich den Mut bekommen haben für eine bestimmte Entscheidung. Wenn wir mit Menschen zusammen sind und dann merken: jetzt geht es mir besser als vorher! Das alles sind Momente, in denen das Ewige Leben schon aufleuchtet. Für einen Augenblick - aber dieser Augenblick ist sozusagen die Anzahlung für das, was uns einmal absolut und total erwartet: das ewige und unvergängliche Leben!
Dass wir mit eigenen Augen sehen: mein Leben hat sich gelohnt! Es hat einen Sinn gehabt - auch die Tränen haben einen Sinn gehabt. Durch Christus haben wir dieses Leben.
Und die anderen? Die, die nicht in Verbindung mit Christus leben?
Das eine will ich ganz klar sagen: sie sind dadurch keinen Deut schlechter! Und keinem steht es zu, sich über sie zu erheben! Aber genau so klar will ich auch sagen: sie haben das Leben nicht! So sieht es der Predigtabschnitt für heute. Und gemeint ist: sie sind nicht angeschlossen an diese Quelle der Kraft. Sie sind nicht verbunden mit der Wurzel, aus der wir unsere Lebenskraft kriegen. Und darum müssen sie alles von sich selber erwarten. Sich selber Mut zusprechen. Sich selber Kraft geben. Sie werden es auf Dauer schwer damit haben.
Viel besser für uns ist es, die Verbindung mit Christus zu suchen und, wenn wir sie haben, sie zu pflegen. Damit wir das Leben bekommen oder behalten, das sich wirklich lohnt. Amen.