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Predigten
Predigt vom 31. Januar 2010
Predigt über Lukas 2, 8-11; Septuagesimae; 31.01.2010
Liebe Gemeinde, um Missverständnissen vorzubeugen, erlaubt mir bitte vor der Predigt eine Vorbemerkung.
Wir haben heute den Sonntag Septuagesimae - auf deutsch heißt das: 70 Tage vor Ostern. Und auch wenn es vom Wetter her noch so richtig weihnachtsmäßig aussieht - Weihnachten liegt definitiv hinter uns. Trotzdem habe ich mich für die Predigt heute für einen Bibelabschnitt entschieden, der aus der Weihnachtsgeschichte kommt.
Das hängt damit zusammen, dass ich in letzter Zeit öfter mit Menschen zu tun hatte, die mich ganz stark an die Hirten erinnert haben, von denen in der Weihnachtsgeschichte die Re-de ist. Und darum möchte ich auf einen bestimmten Punkt dieser Weihnachtsgeschichte heute gerne eingehen. Soviel erst mal vorweg, damit ihr keine Sorge haben müsst, dass es mir vielleicht durcheinander gelaufen ist, weil ich Ende Januar noch mal auf Weihnachten zu sprechen komme.
Nun aber will ich diese Verse aus der Weihnachtsgeschichte lesen, auf die es mir heute besonders ankommt.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr... .
Die Hirten "hüteten des Nachts ihre Herde". Sie gehen ihrer ganz normalen Arbeit nach. So wie ein Verkäufer Kunden berät, ein Verwaltungsangestellter Akten bearbeitet oder wie eine Hausfrau und Mutter den ganzen Tag über auf den Beinen ist oder wie ein Schüler erst mal in der Schule aufpasst und dann zu Hause noch Hausaufgaben macht. Und es ist ja nicht nur dies. Fast jeder hat ja neben der eigentlichen Arbeit auch noch einen mehr oder weniger großen Berg an anderen Aufgaben zu bewältigen. Da muss das Haus und der Garten in Ordnung gehalten werden. Der eine engagiert sich in einem Verein, der andere trainiert für den Ossiloop und ein dritter quält sich in der Muckibude.
Oft genug wissen wir gar nicht, wie wir alles unter einen Hut kriegen sollen - aber irgendwie funktionieren wir dann doch und es klappt so einigermaßen. So sieht unsere Welt, so sieht unser Leben eben aus und so sind wir gefordert. Jeder an seiner Stelle. So war es bei den Hirten damals auch.
Und dann heißt es: "Und der Engel des Herrn trat zu ihnen..." Ein Engel, das ist einer, der eine Botschaft von Gott überbringen soll. Diesen Hirten soll er klar machen: Es gibt noch etwas anderes! Es gibt nicht nur unseren Alltag mit seinen täglichen Aufgaben. Es gibt noch einen anderen Bereich. Wie so ein Lichtstrahl aus Gottes Welt. Etwas, das unseren Alltag unterbricht. Damit wir nicht immer nur weiterhetzen, sondern auch Momente der Ruhe finden. Einen Blick dafür bekommen, dass der Rhythmus aus Aufstehen und Arbeiten und Schlafen und wieder Aufstehen und Arbeiten und Schlafen, dass dieser Rhythmus nicht alles ist.
Natürlich - dieser Rhythmus gehört auch dazu, das ist ja ganz klar. Wir müssen für uns und andere sorgen, wir müssen unsere Arbeit tun. Und wenn wir das tun, hat das viele gute Seiten! Aber es hat auch Gefahren. Z. B., dass wir gar nicht mehr richtig zum denken kommen. Uns gar nicht mehr so richtig Gedanken über unser Leben machen. Kaum noch fragen: was will ich wirklich? Was will ich erreichen? Und wie will ich es erreichen? Wie sehen die Prioritäten in meinem Leben aus?
Das sind alles Fragen, die auch zu unserem Leben gehören. Und dort, wo der Rhythmus unserer alltäglichen Pflichten uns zu stark im Griff hat, da haben diese Fragen oft keine Chance mehr. So mag es wohl auch bei den Hirten gewesen sein. Bis zu diesem Moment, als der Engel zu ihnen kam und sie merkten: es gibt auch noch was anderes! Hier war es ein Engel. Vor ein paar Tagen sprach ich mit jemandem, der sagte: "Ich bin richtig froh, dass wir bei dem Winterwetter in unserer Firma jetzt nicht arbeiten können. Jetzt komm' ich richtig zur Ruhe und mir gehen Dinge durch den Kopf, die eigentlich schon längst mal dran waren."
Manchmal nutzt Gott auch einen anständigen Winter, um Menschen klar zu machen: es gibt noch was anderes als die tägliche Hetzjagd! Und er hat noch viel mehr Möglichkeiten! Hier, bei den Hirten, war es ein Engel. Und bei ihnen geht es nun ganz schnell, was bei uns oft etwas länger dauert. Kaum steht der Engel Gottes neben ihnen, heißt es: "...und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie."
"...die Klarheit des Herrn..." Wo Gott sich neben uns stellt, da passiert es immer wieder, dass einem manche Dinge klar werden. Manchmal unverhofft, so wie bei den Hirten. Manchmal ist das aber auch ein längerer Prozess.
Da ist jemand, der einen hochspezialisierten Beruf hat. Dort ist er ein Meister seines Fachs. Hat viel Erfahrung gesammelt und jahrelang in einem Betrieb verantwortlich gearbeitet. Nun ist dieser Betrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen - und diesem Mann wird klar: woanders komme ich in meinem Alter nicht mehr unter. Und wenn, dann müsste ich woanders hingehen und ich müsste alles aufgeben, was ich mir hier auf dem Fehn aufgebaut habe - das Haus, die Nachbarschaft, meinen Verein. Und nach manchem Gespräch und nach vielem Beten wird ihm klar: ich habe nur noch eine Chance: ich muss mich selbständig machen!
Ein anderes Beispiel. Bei einer Familie ist es so, dass das jüngste von mehreren Kindern genau wie seine Geschwister aufs Gymnasium soll. Die Eltern hatten früher diese Möglichkeit nicht, ihre Kinder sollen sie nun haben und nutzen. Die beiden Großen sind robust und gehen ihren Weg. Das jüngste ist sensibel. Es hat ganz gute Zensuren in der Grundschule, aber es hat hart dafür gearbeitet. Und es konnte sich nur so einsetzen, weil es genügend Ausgleich hatte: dass es mit Freunden spielen konnte, und dass Zeit genug da war, um in einem Verein Sport zu treiben.
Nun ist da der Wunsch der Eltern: auch dieses Kind soll aufs Gymnasium! Aber die Lehrer warnen und machen klar: auf dem Gymnasium würde es noch viel mehr arbeiten müssen und wahrscheinlich trotzdem zensurenmäßig fallen. Es bliebe kaum noch Zeit zum Spielen und für den Verein. Es wird klar: das Gymnasium ist wohl nicht das Richtige.
"Die Klarheit Gottes umleuchtete sie" - nicht irgendwelche fernen Hirten aus einer vergangenen Zeit, sondern Menschen aus unserer Nähe. Zwei Beispiele, und manch anderes könnte ich nennen. Von Menschen, die auf einmal in einer bestimmten Sache Klarheit gewonnen haben. Die jetzt spüren: das und das muss ich tun!
Es ist ein Segen, wenn wir Klarheit bekommen über bestimmte Fragen unseres Lebens! Dass wir die Chance bekommen, das Ruder noch einmal herum zu reißen. Damit wir nicht endlose Zeiten und Kräfte unseres Lebens in eine verkehrte Sache investieren. Damit wir vielleicht neuen Grund unter die Füße kriegen. Damit Neues, Besseres wachsen und gedeihen kann. Ja - es ist ein Segen, durch die Begegnung mit Gott Klarheit zu gewinnen. Dass die Augen aufgetan werden und man erkennt, was man nicht so weiterlaufen lassen kann. Was man vielleicht anders anpacken muss.
Von den Hirten heißt es dann:"..und sie fürchteten sich sehr." Also: auf der einen Seite die Klarheit - und auf der anderen Seite die Furcht. Du weißt, was du tun sollst - und gleichzeitig hast du Angst davor! Weil du die Folgen nicht absehen kannst, und weil noch nicht klar ist, ob sich aller Einsatz auch wirklich lohnt. Da weißt du ganz genau, was du zu tun hast - und trotzdem ist es so schwer, das dann auch wirklich um zu setzen. Da ist die Sorge: Wenn ich mich wirklich selbständig mache, wenn ich Haus und Hof finanziell einsetze - werden wir mit unserer Firma dann auch Aufträge bekommen? Und wenn nicht: was dann?!
Oder bei der Entscheidung für die Schulform: Sollen wir unserem Kind das Gymnasium ersparen? Aber da ist die Sorge: verpatzen wir ihm damit nicht spätere Chancen?
Das sind Fragen, bei denen man es sich nicht leicht macht. Und oft wird es so sein, dass es uns dabei geht wie den Hirten: "...und sie fürchteten sich sehr." Liebe Gemeinde - um diese Furcht werden wir nicht herum kommen! Und wenn sie uns überfällt, dann wird uns das quälen. Das ist oft so - wenn du eine bestimmte Entscheidung getroffen hast, dann kommen da auch Zweifel, ob es wirklich richtig war. Und oft müssen Menschen dann durch eine Phase, in der sie unruhig und unsicher sind. Weil das Eine los-gelassen wurde - aber das andere ist noch nicht da! "...die Klarheit des Herrn umleuchtete sie - und sie fürchteten sich sehr..." - wie können wir nun mit dieser Spannung umgehen? Ich meine: das Schlimmste wäre, gar nichts zu tun! So zu tun, als sei einem gar nichts klar geworden. Das unter den Teppich zu kehren, was eigentlich jetzt obenauf liegt. Dann hätte Gott es sich auch sparen können, uns Klarheit zu schenken! Dann hätten diejenigen, mit denen wir uns besprochen haben, auch besser den Mund halten können. Hätten ihre Kraft woanders einsetzen können. Alle Klarheit nützt uns nichts, wenn wir die Augen davor zumachen!
Die Klarheit, die Gott uns ermöglicht, die fordert uns heraus, dass wir dann auch wirklich Schritte gehen! Dass wir das beherzt anpacken, was uns klar geworden ist. Natürlich - ohne Risiko wird es nicht sein! Natürlich - es kann schief gehen! Natürlich - auf dem Weg mögen uns die Bedenken wieder einholen und wir kriegen Angst vor der eigenen Courage! Alles möglich - aber alles noch immer besser, als im Un-klaren zu bleiben! Denn dann kann sich nichts bessern!
Und wenn der Mut fehlt?! Vielleicht hilft dann die folgende Überlegung, um weiter zu kommen: setzt du damit nicht aufs Spiel, was Gott in dein Leben für Möglichkeiten hineingegeben hat?! Bleibst du nicht hinter dem zurück, was er dir in aller Klarheit gezeigt hat?! - Ist es wirklich nur eine Frage von deinem Mut - oder nicht eher eine Frage von Deinem Vertrauen?! Von deinem Vertrauen auf Gott! Dass Er das Risiko mit dir trägt! Dass er es dich durchhalten lässt! Dass Er auch dann Mittel und Wege weiß, dass du aufgefangen und gehalten wirst, wenn es schief gehen sollte - und es kann schief gehen! Keiner hat die Garantie, dass es so läuft wie gewünscht. Aber wir haben die Garantie, dass Gott auch dann einen Weg für uns weiß.
Die Hirten haben es riskiert, sich dieser Spannung auszusetzen. Sie können das, weil sie vom Engel gesagt bekommen: "Fürchtet euch nicht!" Also: Bleibt nicht bei dem stehen, was vielleicht an Befürchtungen da ist! Bleib nicht bei dem stehen, was dir den Mut nehmen will. Gottes Kraft ist stärker!
Mach dir klar, was auf dem Spiel steht, wenn du die Klarheit, die Gott dir gegeben hat, nicht nutzt. Wo ER dir Klarheit gegeben hat, da wirst du dir und anderen Schaden zufügen, wenn du diese Klarheit nicht nutzt.
Lass das Licht der Klarheit Gottes in die dunklen Ecken deiner Angst und Zurückhaltung und Kraftlosigkeit hineinleuchten - und du wirst es erleben: Gott lässt dich nicht hängen!
Bei den Hirten war es so, dass die Begegnung mit dem Kind in der Krippe sie froh gemacht hat. Ihre Furcht wurde über-wunden. Sie sahen eine neue, eine andere Perspektive und konnten mit neuer Freude in ihren Alltag zurückgehen. Und bei den Menschen, von denen ich erzählt habe, ist es in dieser Sache bis jetzt auch gut gegangen: die neue Firma trägt sich inzwischen. Das Kind ist auf der Realschule gut zufrieden und hat ein Super-Zeugnis. Bei anderen steht noch aus, was daraus wird. Im Moment ist das noch nicht abzusehen. Aber Erleichterung ist jetzt schon zu spüren. Weil Bewegung in die Sache gekommen ist.
Von manchem weiß ich, dass sich ein gangbarer Weg zeigte. Oder er zeichnet sich am Horizont ab. Bis es so weit war, hatten diese Menschen es nicht leicht! Das Nebeneinander von "Klarheit" und "Furcht" hat ihnen tüchtig zu schaffen gemacht! Aber sie haben nicht auf den eigenen Mut gebaut, sondern darauf, dass Christus, der Heiland, mit ihnen, mit ihrem Leben Großes vorhat. Mit Deinem Leben hat Er auch Großes vor! Darum: Pack an, was anliegt! ER, Jesus, hilft dir dabei! Amen.