Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn


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predigt-10-03-21

Predigten




Predigt vom 21. März 2010




Predigt über Sprüche 4, 23; Judica; 21.03.2010

Liebe Gemeinde, ich hab euch heute was mitgebracht. Das ist eine russische Matroschka, einige sagen auch Babuschka, aber eigentlich heißt es Matroschka. Als Kind hab ich so eine Puppe mal gesehen und von da an haben mich solche Matroschkas immer irgendwie fasziniert. Ihr kennt das ja sicher: wenn man so eine Matroschka aufmacht, dann kommen immer noch mehr raus. Man denkt, man hat eine schöne Puppe in der Hand - aber wenn man sie dann aufmacht, dann kommt noch eine zum Vorschein. Und wenn man die aufmacht, dann kommt wieder eine. Hier sind es insgesamt fünf, und es gibt welche, da sind dann innen drin insgesamt acht Matroschkas. Ich habe sie darum heute mitgebracht, weil ich euch gerne daran etwas zeigen will. Eine geistliche Wahrheit verdeutlichen will.

Wir alle, die wir hier heute sitzen, haben sozusagen eine Außenhülle. Einen Körper, mit dem sitzen wir hier. An dem erkennen wir uns gegenseitig. Manchmal sieht man schon von weitem am Gang oder an der Körperhaltung, wer da gerade steht. Unseren Körper, den können wir auch berühren, z.B. wenn wir uns die Hand geben oder uns umarmen. Und am Körper können wir manchmal auch sehen, wie's jemandem geht. Wenn einer total blass ist oder verheulte Augen hat, dann ahnen wir, dass es ihm nicht so gut geht. Und manchmal sieht man am Gesicht schon was, was noch keiner wissen soll. Ich hab vor 'ner Weile mal einer Frau zu ihrer Schwangerschaft gratuliert. Und die hat mich mit ganz großen Augen angekuckt und hat sich total gewundert, woher ich das weiß, es sei ja noch ganz am Anfang. Ich wusste das ja nicht wirklich, aber vom Gesicht her kam sie mir anders vor als sonst, irgendwie weicher, und das war bei Ulrike auch immer so, wenn sie schwanger geworden war. Irgendwie hab ich da wohl'nen Blick für. Aber ich wäre trotzdem dankbar, wenn ihr auch in Zukunft 'nen Test aus der Apotheke holt und nicht gleich zu mir kommt, wenn ihr denkt, dass es wohl so sein könnte...

Aber wir haben nicht nur unseren Körper, die Außenhülle, sondern auch eine vielschichtige Innenwelt. Wir bestehen nicht nur aus dem, was man von außen an uns sehen kann, sondern wir haben auch eine Innenwelt. Und diese Innenwelt ist in manchem vergleichbar mit so einer Matroschka. Sie ist viel vielschichtiger als unsere äußere Erscheinung. Und zu unserem Mensch-sein gehört beides: die äußere und die innere Welt. Und beides muss im Gleichgewicht sein. Oft vergessen wir das aber. Weil wir oft vor allem außen-orientiert leben. Ich meine damit: unser Leben wird ganz oft von dem bestimmt, was von außen auf uns zukommt. Zum Beispiel von dem, was andere von uns erwarten. Auf der Arbeit und in der Schule. Oder auch in der Familie. Und ich glaube, da können jetzt vor allem viele Frauen unter uns ein Lied von singen: dass sie pausenlos gefragt und gefordert sind.
Von außen gesteuert leben, das ist oft ein Leben mit ganz viel gutem Willen. Und das gibt es nicht nur auf der Arbeit oder in der Familie, das kommt auch oft in der Gemeinde vor. Dass wir möglichst viel geben und leisten wollen. Weil wir gefragt werden: Kannst du das wohl noch eem machen? oder: Kannst du da noch eem aushelfen? Und weil man das auch wichtig findet und weil man die Fähigkeiten auch wohl hat, macht man es dann. Aber irgendwann wundert man sich, wenn's nicht mehr geht. Und dann passiert das manchmal, dass ein Mensch dann entweder zusammenklappt oder auf einmal ausrastet. Völlig überreagiert. Richtig aggressiv. Das kennt man sonst gar nicht von ihm oder von ihr, wie kann das denn nun?! Oder plötzlich resigniert einer vor den kleinsten Herausforderungen. Und man wundert sich: er hat doch sonst immer alles geschafft. Und nun resigniert er. Wie kommt das?

Oft passiert das dann, wenn wir zu lange außenorientiert gelebt und zu wenig auf unsere Innenwelt geachtet haben. Dass wir uns von außen steuern lassen, das ist ja klar: manches muss ja auch einfach getan werden! Aber dabei kommt es eben auch oft vor, dass wir unsere innere Welt vernachlässigen. In diesem Zusammenhang bin ich vor kurzem auf einen Bibelvers gestoßen, den ich so noch nie im Blick gehabt habe. Und heute soll es nur um diesen einen Vers gehen. Er steht im Buch der Sprüche. Dort steht: "Mehr als alles andere hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus."

Wenn die Bibel von "Herz" spricht, dann meint sie nicht dieses faustgroße Organ, das hier in unserer Brust sitzt und das Blut durch unsere Adern pumpt und uns mit Sauerstoff versorgt. Sondern in der Bibel ist der Begriff "Herz" eine Beschreibung für unsere innere Welt. "Herz", das ist der Sitz der Persönlichkeit. Zum Herz des Menschen gehören zum Beispiel seine Gefühle. All seine Sensibilität und Emotionalität. Aber auch die Ängste, die Freude, der Kummer, unser Temperament. Zum "Herz" im biblischen Sprachgebrauch gehört auch unser Verlangen und Begehren. Zu unserem Herzen gehört nach der Bibel auch unsere Vernunft. Alle rationalen und intellektuellen Fähigkeiten, die wir besitzen. Einsicht, Verstand und auch das Gewissen. Unsere Fähigkeit zu planen, zu entscheiden.

All das meint die Bibel, wenn sie von unserem Herzen spricht. Und Gott hat uns so geschaffen, dass beides zusammen gehört: unser Äußeres und unsere Innenwelt. So hat Gott uns gewollt. Und ganzheitliches Christ-sein, geistliches Leben entfaltet sich dann erst vollständig, wenn auch dieser innere Bereich, wenn unser Herz, zur Entfaltung kommt. Wenn wir das in unseren Glauben einbeziehen. Geistliches Leben heißt, unser ganzes Leben vor Gott zu öffnen. Gott einzubeziehen in das, was wir tagaus, tagein tun und machen, ihn aber auch einzubeziehen in unsere Innenwelt. Wir sollen auf unser Herz achten. Damit dieser Bereich nicht zu kurz kommt. "Mehr als alles andere hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus." Wir sollen unser Herz behüten, mit allem, was unser Herz ausmacht. Wir sollen unsere Gefühle und unseren Verstand behüten, unseren Willen, unser Empfinden, unser Wissen, unser Begehren. Und hier merken wir schon, wie tief dieser Vers heute in unser Leben hineingreift. Kein Bereich bleibt davon ausgespart. "Mehr als alles andere hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus."

Die Frage ist: achten wir auf unser Innenleben, oder achten wir nur darauf, dass äußerlich alles stimmt? Dass wir nach außen hin einen guten Eindruck machen, das ist uns normalerweise ganz wichtig. Dafür stehen wir morgens schon stundenlang im Badezimmer - jedenfalls die Frauen, wir Männer können das etwas schneller. Vielleicht sollte man im Badezimmer an den Spiegel einen Zettel kleben. Wo draufsteht: "Du bringst täglich dein Haar in Ordnung - denkst du auch an dein Herz?" Dass wir für unser Äußeres viel tun, das ist ja in Ordnung so. Aber genau so wichtig ist es, dass wir für unseren inneren Menschen, für unser Herz, sorgen. Dass wir wissen, nach welchen Maßstäben wir leben sollen. Damit unser Innenwelt nicht durcheinander kommt.

Aber was heißt es denn jetzt, unser Herz zu behüten? Auf einige Aspekte will ich zu sprechen kommen.
1.: Schütze dein Herz vor äußeren Einflüssen, die es verletzen oder verschmutzen.
Es gibt eine ganz starke Verschmutzung unserer Innenwelt durch Dinge, die von außen in mich eindringen.
Bilder, die ich in mich aufnehme, Dinge, mit denen ich mich beschäftige, Einflüsse, denen ich mich aussetze, beeinflussen mein Denken, Fühlen und Wollen. Es ist nicht egal, was ich mir im Fernsehen anschaue und welche Seiten ich im Internet aufrufe. Es ist nicht egal, welche Computerspiele unsere Kinder beeinflussen. Die Sachen, denen ich mich aussetze, die prägen mich. Nicht selten kommt es vor, dass Frauen bei mir anrufen und fragen: ‚Wie soll ich damit umgehen? Mein Mann sieht mich kaum noch an und er fasst mich kaum noch an - aber ich bin dahinter gekommen, dass er abends oft Pornoseiten im Internet aufruft. Und ich habe Angst, dass unsere Liebe dadurch kaputt geht.' Und wer sich mit Genuss reinzieht, wie ein Dieter Bohlen Menschen bei DSDS runtermacht, der wird über kurz oder lang von einem solchen Müll geprägt.

An vielen Stellen in unserer Gesellschaft wird Müll in unsere Innenwelt, in unser Herz, entsorgt. Daher sollten wir immer mal wieder überprüfen und uns fragen: Was prägt mich, wovon lasse ich mich prägen? Ganz bewusst und willentlich. Denn ich entscheide ja, jedenfalls in vielen Bereichen, was ich in mir aufnehme.

Es können aber auch Menschen sein, die mich prägen. Ihre Worte, die einen Einfluss haben auf meine Innenwelt.
Wir leben ja in einer Welt, in der wir ganz oft suggeriert bekommen, dass wir so, wie wir sind, nicht gut genug sind. Dass wir nicht genügen, dass wir nicht ausreichen. Wir müssen immer noch besser werden. Und wenn dann jemand abschätzig über uns sagt: "Ach, der...", dann vergiftet und lähmt das unser Herz.
Und es hat Auswirkungen, wenn wir Kindern sagen: Ach, du kannst das nicht! Das wird ihr Herz prägen und sie werden ihr Verhalten danach ausrichten.
Manchmal kann es nur ein Wort sein, was in unsere Seele fällt, das uns verletzt und dass wir uns dann zurückgesetzt fühlen und das ist oft nicht leicht, dass wir das wieder loswerden. Und darum ist es wichtig, dass wir möglichst achtsam mit unseren Worten umgehen und nicht immer gleich alles raushauen, was wir gerade auf der Zunge haben. Und ihr könnt mir glauben - ich weiß, wovon ich rede!

Manchmal ist es auch dran, sich von Menschen zu distanzieren und zu sagen: die tun mir nicht gut, das verletzt
mich, das vergiftet mich, das macht mich innerlich kaputt. Und dann ist es wichtig, auf Distanz zu gehen.

Als Gegenmittel zu all dem, was unser Herz belastet, als Gegenmittel ist es wichtig, dass wir immer wieder Gottes Wort in unser Herz fallen lassen. Und Gott sagt: Um Jesu willen bist du so, wie du bist, liebenswert! Du bist nicht ungenügend, du bist richtig, du bist mein Sohn, du bist meine Tochter! Und manchmal brauchen wir das richtig, dass wir zu Gott gehen und zu ihm sagen: ‚Gott, ich brauch das, dass du mir das noch mal sagst und dass ich das noch mal spüren kann, dass du mich lieb hast - denn ich kann das gerade nicht glauben, es ist nicht mehr in meinem Herzen. Ich möchte, dass du das wieder zu mir sagst.' Das gilt auch für die, die vielleicht schon ganz lange Christ sind. Auch wenn wir schon lange Christ sind, auch wenn wir schon lange und vielleicht ganz intensiv in der Gemeinde mitmachen: auch unser Herz kann vergiftet werden. Auch in der Gemeinde. Dadurch, wie wir miteinander umgehen, und was wir zueinander sagen. Darum: "Hüte dein Herz." Achte auf das, was an Einflüssen von außen auf dich zukommt.

2.: Es geht auch um die Entwicklung und Stärkung unseres Herzens.
Entwickle und stärke dein Herz, damit es fähig wird, sich dem, was von außen auf dich zukommt, entgegen zu stellen. Und dass du nach und nach dahin kommst, dein äußeres Leben in Ordnung zu halten oder es in Ordnung zu bringen. Wenn wir unser Innenleben auf Jesus ausrichten, wenn wir unser Innenleben an ihm orientieren, dann hat das Auswirkungen auf unser Außenleben. Unser Innenleben ist sozusagen wie die Kommandobrücke unseres Lebens. Und darum ist es notwendig, dass wir immer mal wieder innehalten und ehrlich werden vor Gott und sagen: "Herr, hier ist mein Herz, ich halt's dir hin. Du musst manches verändern in meinem Denken, auch manche Gefühle müssen vielleicht geheilt werden." Dass unser Innenleben, dass unser Herz gestärkt wird, das können wir beeinflussen. Und dazu gehört eine bewusste Entscheidung, dass wir Gott unser Herz hinhalten und sagen: "Herr, du bist der Chef! Du sollst nun auch das Sagen haben!"

Und dass wir auch ehrlich werden vor Gott. Dass wir ihm sagen, was uns zu schaffen macht. Denn immer wieder gerät unser Herz in Unordnung und muss gereinigt werden. König David hat ja ziemlich viel Müll in seinem Leben angesammelt, manche wissen das. Und in einem Psalm betet er: "Reinige mein Herz". Mach mich rein, denn ich hab mich so in inneren Schmutz verstrickt, dass ich da nicht von alleine rauskomme. Und an dieser Stelle will ich noch zwei Bereiche nennen, von denen ich überzeugt bin, dass sie gravierend sind für unsere Innenwelt. Bereiche, in denen es sich lohnt, dass wir sozusagen Herzens-Hygiene betreiben.

Da ist zum einen der Bereich unvergebene Schuld.
Unvergebene Schuld richtet unser Leben zugrunde. Keine Vergebung zu erleben, kann unser Leben kaputt ma-
chen. Und das gilt nach beiden Seiten. Es kann sein, dass ich an jemandem schuldig geworden bin. Und dass mich das so beschäftigt, dass ich darüber keine Ruhe finde. Und dann bin ich darauf angewiesen, dass der andere mir Vergebung gewährt. Und wenn er das nicht tut, dann kann mich das seelisch fertig machen. Und umgekehrt: wo mir Vergebung gewährt wird, da wird mein Leben wieder aufblühen und ich kann wieder durchatmen.

Aber vielleicht komme ich auch einmal in eine Situation, dass jemand anders an mir schuldig wird. Und dann liegt es an mir, wie es mit seiner Innenwelt, wie es mit seinem Herzen weitergeht. Wenn er mich um Vergebung bittet, dann habe ich es in der Hand, ob sein Herz wieder genesen, ob es wieder gesund werden kann. Dadurch, dass ich ihm vergebe. Und wenn ich das nicht tue, dann wird sein Herz belastet bleiben und er wird vielleicht ein Leben lang so eine schwere Last mit sich herumschleppen. Wer mit unvergebener Schuld lebt, der wird über kurz oder lang krank. Nicht selten sogar körperlich. König David sagt das so: "Als ich es verschweigen wollte, da verschmachteten meine Gebeine."

Darum gehört zur Herzens-Hygiene, immer wieder in Vergebungsprozesse einzusteigen. Und Vergebung, das ist ein Prozess. Etwas, das einmal anfängt, das aber nicht gleich erledigt ist. Vergebung ist ja nicht die Sache eines einziges Satzes. Manche Christen sind viel zu schnell bei der Sache und sagen: Da musst du nun aber vergeben!
Aber das geht nicht im Hauruck-Verfahren! Vergeben ist eines der schwierigsten Dinge, die wir als Menschen tun müssen. Denn Vergebung tut richtig weh. Wenn wir richtig verletzt wurden, dann können wir das nicht aus der Welt schaffen mit einem lapidaren Satz: Ist schon in Ordnung...! Sondern Vergebung ist oft ein langer, langer Weg. Und dazu gehört auch, dass Schuld beim Namen genannt wird. Dass wir es aussprechen: ‚Du hast das und das getan und dadurch hast du mich verletzt, gekränkt. Und das kann ich nicht so einfach untern Teppich kehren. Aber ich will es vergeben! Und ich lass mich auf diesen Weg ein!' Das sind ja keine einfachen, keine leichten Gespräche und das ist auch keine einfache, leichte Entscheidung. Wenn wir uns aber dazu durchringen, dann kann das Herz wieder gesund werden! Das Herz von dem, dem Vergebung gewährt wurde - aber auch das Herz von dem, der Vergebung gewährt hat! Denn er braucht es jetzt auch nicht mehr nachzutragen und er selbst wird dadurch auch entlastet.

Ein zweiter Bereich der Herzens-Hygiene sind Sorgen.
Wie wird es mit meiner Gesundheit? Wie geht es finanziell weiter? Wie geht es weiter mit der Pflege von Mutter oder Vater? Wie wird es mit dem und dem?
Sorgen in unserem Inneren können uns zugrunde richten, seelisch und körperlich. So weit, dass das Wort Gottes kaum noch in unser Herz hineinkommen kann. Jesus erzählt in einem Gleichnis von einem Bauern, der
Getreidesaat aussät. Und einiges fällt so unglücklich, dass Dornen und Gestrüpp es am wachsen hinter und es kann nicht aufgehen. Und Jesus sagt: wie solche Dornen und Gestrüpp können Sorgen uns in Beschlag nehmen und Gottes Wort ersticken und daran hindern, dass es uns erreicht und dass es nichts bewirken kann.

Herzens-Hygiene bedeutet darum an dieser Stelle, biblisch zu handeln und immer wieder unsere Sorgen vor Gott zu bringen. Sie auf ihn zu werfen. Gott darauf festzunageln, dass er versprochen hat, dass er für mich sorgen will. Gott zu sagen: Herr, diese Sorge, die macht mich kaputt. Die frisst mich auf, die macht mich alle! Aber ich will sie loswerden und darum gebe ich dir diese Sorge! Und jetzt hilf, dass meine Sorgen mich nicht unterkriegen!
Wenn du solche Sorgen hast, dann ist es wichtig, dass du damit nicht alleine bleibst. Dann macht dich das kaputt. Oft ist es eine Hilfe, wenn man einen Menschen hat, bei dem man sich aussprechen kann.

Wichtig ist, dass wir solche Herzens-Hygiene beständig üben. Und die Frage ist, wollen wir das machen?
So wie wir uns täglich waschen und duschen vielleicht, dass wir so unser Herz auch immer wieder reinigen.
Dass wir uns bewusst auch regelmäßig um unsere Seele, um unser Herz kümmern. Und dass wir dem auch eine Wichtigkeit einräumen vor anderen Dingen. Dazu gehört auch, dass wir so gut es geht den Rhythmus einhalten, den Gott für unser Leben geschaffen hat. Auch die Ruhepausen, besonders auch den Sonntag. Und darum habt ihr euch gut entschieden, dass ihr heute hierher gekommen seid! Weil gerade die Zeit in der Kirche, im Gottesdienst, so eine Phase sein kann, die den normalen Alltag durchbricht. Wo wir nichts tun müssen. Uns zurücklehnen können. Gottes Wort uns angeboten wird. Wo wir uns nachher in der stillen Phase vor Gott aussprechen können.

Aber auch außerhalb des Gottesdienstes ist es wichtig, dass du dir Gutes tust. Dass du auf dich achtest. Auch das gehört dazu, wenn du dein Herz behüten willst! Und du wirst merken: dein Herz zu behüten, das wird dir tut tun! Das wird auch positive Auswirkungen auf dein äußeres Leben haben.

Ich will schließen mit einer Sache, die im Januar 2005 wirklich passiert ist: am 9. Januar bestiegen in Southhampton ungefähr 2000 Passagiere das Luxus-Kreuzfahrtschiff Aurora. Vor ihnen lag eine 103tägige, phantastische Kreuzfahrt. Einige von ihnen hatten dafür ungefähr 60.000 Euro bezahlt. Aber dafür bekamen sie auch Luxus pur: Goldene Wasserhähne, teure Designermöbel, exclusive Kabinen, kulinarische Hochgenüsse, hochkarätige Unterhaltung. Das Schiff lag zum Auslaufen bereit. Doch dann verzögerte sich das Ablegen. Zuerst wurde eine zweistündige Verspätung angesagt, aber dann wurden daraus zunächst zwei Tage, dann fünf Tage, in denen es nicht losging. 385 Passagiere verließen wütend das Schiff. Nach 9 Tagen lief die Aurora endlich aus. Aber die Fahrt dauerte nicht lange. Am nächsten Tag erreichte die Passagiere die Hiobsbotschaft, dass die Kreuzfahrt endgültig abgebrochen werden müsse. Was war passiert?

Im Antriebssystem der Aurora hatten sich gravierende Mängel eingeschlichen. Deshalb erreichte das fast 300 Millionen Euro teure Schiff nicht die nötige Betriebsgeschwindigkeit. Anders gesagt: die Diskrepanz, der Unterschied zwischen ihrer imposanten äußeren Erscheinung und ihrem inneren Zustand war der Grund dafür. Das Äußere des Schiffes war absolut glanzvoll. Vom Aussehen über den Service bis hin zu dem, was das Schiff alles zu bieten hatte. Da bestand kein Zweifel - in dieser Hinsicht war die Aurora das Luxusschiff schlechthin. Aber im Inneren des Schiffes waren gravierende Mängel aufgetreten. Der innere Zustand stand in keinem angemessenen Verhältnis mehr zur äußeren Ausstattung. Da, wo's drauf ankam, im verborgenen Bereich der Technik, da war was kaputt gegangen - und dieser Schaden legte letztlich alles lahm.

Das kann uns auch im Leben passieren. Wenn wir nur nach Außen orientiert sind und unser Innenleben vernachlässigen. Dann kann's sein, dass es irgendwann nicht mehr läuft. Und damit das nicht passiert, "hüte mehr als alles andere dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus." Amen.

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