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Predigten
Predigt vom 11. Juli 2010
Predigt über Epheser 1, 3-8; 6. Sonntag nach Trinitatis; 11.07.2010
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.
Soweit, liebe Gemeinde, der Bibelabschnitt, den ich für heute gewählt habe. Ich weiß nicht, wie viel euch davon im Gedächtnis geblieben ist. Aber ich weiß: es ist ein Text, der gespickt ist mit vielen Bildern und Aussagen. Im Studium hatten wir Horror davor, dass wir vielleicht ausgerechnet diesen Text in der mündlichen Griechischprüfung übersetzen müssen. Denn im Griechischen ist das ganze im Wesentlichen ein einziger Satz und wenn du da nicht wirklich sattelfest bist, dann hast du schlechte Karten.
Es ist fast so, als würden dem Apostel Paulus die Pferde durchgehen. Er ist so begeistert von dem, was er hier vermitteln will, dass er ohne Atem holen immer wieder neu ansetzt, um deutlich zu machen, um was es ihm geht. Um das zu betonen, was ihm ganz enorm wichtig ist. Es geht ihm hier um den Segen Gottes.
"Gelobt sei Gott, der uns gesegnet hat..."
Darum soll es heute als Erstes gehen: dass wir Gott loben für den Segen, den wir empfangen haben!
Manche werden nun denken: Ja, ich habe viel Segen empfangen in meinem bisherigen Leben. Mir ist es im Großen und Ganzen gut gegangen! Ich kann nicht klagen - ich hatte immer mein Auskommen, lebe in guten Beziehungen, war und bin einigermaßen gesund und ich freue mich an meinem Leben. Und wenn das bei etlichen so sein sollte, dann kann ich nur sagen: Was ist das schön! Was kannst Du dankbar dafür sein!
Aber möglicherweise sind auch welche hier, die es ganz anders sehen und die es schwer haben, Segen in ihrem Leben zu entdecken. Weil sie es so schwer gehabt haben. Ein Schicksalsschlag nach dem andern. Immer Pech gehabt. Und denen es so gehen sollte - sollen und können die auch in das Lob Gottes mit einstimmen? Können die Gott auch für seinen Segen loben und Ihm danken?
So mögen wir wohl fragen - und wir fragen so, weil wir das Wort "Segen" oder "Gottes Segen" oft missverstehen. "Segen" ist bei uns oft ein anderes Wort für Glück und Erfolg. "Segen" ist für uns oft dann, wenn es so läuft, wie wir's gerne wollen; "Segen" ist dann, wenn es in der Ehe und Familie stimmt, wenn es auf dem Konto stimmt, wenn es im Geschäft stimmt, wenn es mit der Gesundheit stimmt. Wenn alles soweit ganz in Ordnung ist - das ist oft "Segen" für uns. Und der, den Gott gesegnet hat, ist demnach der Glückspilz oder die, die's schwer hatte, die Pech-Marie.
Aber ist das so? Ist das so, dass nur der den Segen in seinem Leben sehen kann, dem es gut geht?
Die Bibel spricht ganz anders vom Segen. Da wird nicht auf den anderen gekuckt, was bei dem oder der alles besser gelaufen ist als bei mir, da wird nicht auf sich selbst geschaut und auf das, was alles schiefgegangen sein mag, da wird überhaupt nicht herumgeschaut, sondern da wird nach oben geschaut! Nach Gott! Auf Seine Größe und Herrlichkeit! Auf das, was Er verspricht. So, wie der Apostel Paulus das hier im Predigttext tut.
Und Paulus ist nun ganz bestimmt nicht in einer glücklichen Lage. Seine Gemeinde macht ihm viel Kummer; seine Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus findet kaum Zuhörer; und er persönlich ist von Krankheit geplagt und von so mancher Anfechtung. Den ganzen Verhältnissen nach ist da nur wenig oder fast gar kein Anlass, vom Segen Gottes zu reden. Aber Paulus lässt sich davon nicht gefangen nehmen, er kuckt nicht nur um sich herum und sieht nicht nur all das, was ihn mutlos machen kann, sondern er kuckt vor allem nach oben! Und dadurch erkennt er, was wirklich der Segen Gottes bedeutet. Und darum stimmt er das Lob Gottes an – zwei mal setzt er in diesem Abschnitt an, um uns zu sagen, was denn der "Segen Gottes" wirklich ist.
1.: Von Gott erwählt - das ist Segen!
"...denn in ihm (in J. Chr.) hat er (Gott) uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war; ... in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus..." Gott wird hier verglichen mit einem Vater oder mit Eheleuten, die gerne ein Kind haben wollen. Wir haben das in unserem Bekanntenkreis erlebt: da wollten junge Leute unheimlich gerne ein Kind haben. Jahrelang schon waren sie verheiratet, und es klappte immer nicht. Und jedes mal wurden sie trauriger und mutloser, weil sie ohne ein Kind nicht mehr sein wollten. Sicher, sie wussten auch: wo ein Kind im Haus ist, da ist es mit der Ruhe vorbei! Da muss man Nachts raus, da kann man Sonntagmittags nicht mehr auf dem Sofa schlafen, sondern da muss man nach draußen und Rad fahren oder spielen; und wo ein Kind ist, da ist auch nicht immer mehr alles pingelig sauber und in Ordnung zu halten. Das alles wussten unsere Bekannten - aber sie wollten trotzdem um alles in der Welt ein Kind haben. Weil sie sich ohne einsam und allein fühlten. Weil sie ihre Liebe weitergeben und verschenken möchten. Weil sie ein Leben glücklich machen wollten.
Und genauso, liebe Gemeinde, genauso geht es Gott auch! Er will auch nicht in der Weite seines Himmels seine Ruhe haben. Er möchte nicht mit sich alleine bleiben. Sondern Gott möchte seine Liebe verschenken. Er möchte Menschen haben, die zu ihm gehören. Gott sehnt sich nach dem Menschen, so wie diese Eheleute sie nach einem Kind sehnen. Gott weiß wohl: Kinder bringen auch Unruhe und Aufregung - aber trotzdem hat er ein tiefes Verlangen nach dem Menschen. Und darum richtet er seine Blicke auf uns! Auch wenn wir oft alles andere sind als immer nur liebenswerte Geschöpfe. So wie unsere Kinder ja auch nicht immer liebenswerte Geschöpfe sind, sondern uns manchmal auch den letzten Nerv rauben können. Aber als Eltern geht es uns doch so: wenn unsere Kinder manchmal auch viel Geduld kosten und Unruhe bringen, so nehmen wir das doch gerne in Kauf. Weil wir froh sind, dass wir unsere Kinder haben! Und weil wir es uns ohne sie nicht mehr vorstellen können. Und so geht es Gott auch: dass er seine Liebe auf uns richtet und nicht ohne uns sein will.
Und das ist das Erste, was uns heute gesagt wird: Dein Gott, der dich geschaffen hat - er hat dich erwählt!
Er hat sein Herz auf dich gerichtet! Du bist ein Wunsch-Kind Gottes! Er hat dich erwählt, "ehe der Welt Grund gelegt war", schon bevor er die Welt erschuf. Du bist "kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur." Von Gott erwählt sein - das ist Segen!
2.: Von Jesus Christus erlöst - das ist Segen!
Manche Eltern haben ein Doppeltes erleben und erfahren müssen: Ihr Wunsch nach einem Kind wurde erfüllt und wie glücklich waren sie, als die kleine Tochter oder der kleine Stammhalter sich einstellten! Wie haben sie ihr Kind umsorgt und betütert, und sie haben ihm alles gegeben, was sie nur konnten. Aber mit den Jahren wuchs nicht nur das Kind - es wuchsen auch die Probleme. Die Eltern merkten: unser Wunschkind hat auch Dinge an sich, die uns nicht gefallen und die wir uns gar nicht erklären können. Da hat das junge Mädchen den energischen Dickkopf – und man fragt: Von wem hat sie das bloß? Oder da lehnt sich das Kind gegen seine Eltern auf und denkt überhaupt nicht daran, das zu tun, was sie gerne wollen. Und sie fragen: woher kommt dieses auflehnen-
de Wesen? Und so ist schon aus manchem heiß ersehnten Wunschkind ein echtes Sorgenkind geworden.
Genauso erlebt Gott das auch immer wieder mit seinen Kindern, mit uns Menschen!
Da kann er auch immer wieder ein so auflehnendes Wesen feststellen - dass seine Menschen nicht das tun, was Er von ihnen möchte. Dass sie ohne ihn denken und ohne ihn leben wollen. Dass sie meinen, wir würden besser abschneiden, wenn sie ihr Glück in unsere eigenen Hände nehmen. Weil sie meinen, dass Gott ihnen die schönsten Sachen des Lebens nicht gönnt. Dass sie zu kurz kommen, wenn sie mit ihm leben.
Diese Tendenz, die steckt im Menschen so drin. Seit damals diese Geschichte mit dem Apfel passiert ist. Seitdem schlängelt sich in uns Menschen immer wieder das Misstrauen hoch. Und es flüstert uns ein: so richtig gut geht es dir erst, wenn du dich von Gott emanzipierst. Die Bibel nennt das, dass wir "Sünder" sind. Und das bedeutet nicht, dass wir nun besonders schlechte oder unanständige Leute wären - wer ist das schon von uns?! "Sünde" heißt etwas anderes, "Sünde" ist die "Kunst des Lebens ohne Gott"
Daraus ergibt sich, dass sich viele Menschen innerlich von Gott verabschiedet haben. So wie viele Kinder sich im Grunde genommen von ihren Eltern verabschiedet haben. Sie tragen zwar noch ihren Namen - aber sie haben keine engere Verbindung mehr zu ihnen. Sie kommen zwar noch ab und zu ins Elternhaus - aber sie sind froh, wenn sie wieder gehen können. Alles scheint ihnen zu eng, zu leblos, zu eingefahren. So ergeht es Gott auch oft mit uns, mit seinen Wunschkindern. Und so wie wir unsere Kinder nicht mit Gewalt fest- und zurückhalten, so hält Gott seine Menschen auch nicht mit Gewalt zurück, nicht fest.
Einer von meinen Vettern hat sich damals vor Jahren auch von seinen Eltern verabschiedet. Ist gegangen.
Und bei meinem Onkel und bei meiner Tante war es so, dass sie sich nie endgültig damit abgefunden haben.
Sie konnten Werner nicht festhalten und sie konnten ihn auch nicht zurück holen – aber ihre Tür und ihr Herz blieben offen für ihn. Und die Hoffnung blieb, ob er nicht doch noch wiederkommt.
Gott macht es genau so! Von seiner Seite aus löst er sich nicht von uns und seien wir vielleicht noch so weit von ihm entfernt. Er sagt nicht: „Du hast so wenig Interesse an mir, jetzt will ich auch nichts mehr mit dir zu tun haben. Nun sieh doch zu, wie du alleine klarkommst!“
Bei Gott fliegt keiner raus! Sondern er möchte, dass wir wieder zurückkommen. Er möchte, dass das Verhältnis zu seinem Wunschkind wieder in Ordnung kommt. Und darum tut er etwas schier Unbegreifliches: Er kommt in Jesus auf diese Welt. Damit er ganz in unserer Nähe ist. Damit er am eigenen Leibe das spürt, wie es uns Menschen geht. Genau weiß, wie unsere Sehnsüchte aussehen. Was wir brauchen für unser Leben. Und bis in diesen Gottesdienst hinein bittet Jesus darum und sagt: Komm, folge mir nach, und werde wieder zu einem Kind des himmlischen Vaters!
Für diese Einladung wird Jesus Christus verfolgt und gequält; für diese Einladung wird er ausgepeitscht und ans Kreuz genagelt, bis dass Blut fließt. Aber genau das Blut dieses Jesus kann uns heute zu Blutsverwandten dieses Herrn machen! Und Gott möchte, dass wir das begreifen und für uns annehmen. Der Predigttext sagt es und jeder höre es bitte aufs Neue: In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, die Chance für einen neuen Anfang. Damit wir unser Leben wirklich annehmen können - auch mit dem, was belastend ist und was nicht geklappt hat im Leben.
Ich weiß nicht, wie Dein Leben bisher gelaufen ist. Ich weiß nicht, ob Du heute zu denen gehörst, die im Großen und Ganzen zufrieden sind mit dem Leben, oder ob Du zu denen gehörst, die es schwer haben.
Ob du es leicht hast, in dieser Beziehung mit Gott zu leben oder ob du dich immer wieder gegen ihn auf-
lehnst. Aber eines weiß ich: Gott löst sich nicht von dir! Er hält an Dir fest! Egal, ob Du zu den Glückspilzen oder zu den Pech-Marie's zählst: Gott steht an Deiner Seite!
Von Jesus Christus erlöst - das ist Segen! Der Segen, auf den es ankommt! Durch Christus bist Du ein geliebtes Kind Gottes - und an diesem Kind hält Er fest: komme, was da wolle! Wer das für sich schon gelten lässt, der kann sich freuen! Und bei wem das nicht oder noch nicht so ist, der kann heute neu damit anfangen! Der kann heute sprechen: "Herr, ich danke Dir für den Segen, den Du auf mein Leben gelegt hast! Dass Du es mit mir zu tun haben willst! Dass Du mich erwählt hast! Nun mach' was aus mir und meinem Leben!" Amen!