Predigten April - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten April

Predigten > 2018
          ZUR AUDIOPREDIGT
  
Predigt über Epheser 1, 3-5 in Auswahl;   Misericordias Domini;  15.04.2018

 
Liebe Gemeinde, manche von euch lesen sicher jeden Tag den kurzen Abschnitt aus der Bibel, der in dem Bibelleseplan im Gemeindebrief steht.  Und da ist es Montag angefangen mit dem Epheserbrief – und zu diesem Anfang will ich heute etwas sagen. Ich lese aus Eph 1 eine Auswahl aus den ersten 5 Versen: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.  Denn in ihm  hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, ... in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus. ... Durch (ihn), der sein Blut am Kreuz vergossen hat, sind wir erlöst, sind unsere Sünden vergeben.“

 
"Gelobt sei Gott, der uns gesegnet hat..." Darum soll es heute als Erstes gehen: dass wir Gott loben für den Segen, den wir empfangen haben!  Manche werden nun denken: Ja, ich habe viel Segen empfangen in meinem bisherigen Leben. Mir ist es im Großen und Ganzen gut gegangen! Ich hatte immer mein Auskommen, hab ‘nen tollen Partner und ich bin einigermaßen gesund. Und wenn das bei etlichen so sein sollte, dann kann ich nur sagen: was ist das schön! Und was kannst Du dankbar dafür sein!  /

 
Aber vielleicht sind auch welche hier, die es schwer haben, Segen in ihrem Leben zu ent-
decken. Weil sie es so schwer gehabt haben. Ein Schicksalsschlag nach dem andern. Immer Pech gehabt. Und denen es so gehen sollte - sollen und können die auch in das Lob Gottes mit einstimmen? Können die auch Gott für seinen Segen danken? So mögen wir wohl fragen - und wir fragen so, weil wir das Wort ‚Segen‘ oft missverstehen.  ‚Segen‘ ist bei uns oft ein anderes Wort für Glück und Erfolg.  ‚Segen‘ ist für uns oft dann, wenn es so läuft, wie wir's gerne wollen; ‚Segen‘ ist dann, wenn es in der Ehe und Familie stimmt, wenn es auf dem Konto stimmt, wenn es im Geschäft stimmt, wenn es mit der Gesundheit stimmt.  Wenn alles soweit ganz in Ordnung ist - das ist ‚Segen‘ für uns.  Und der, den Gott gesegnet hat, ist demnach der Glückspilz  und die, die's schwer hat, die Pechmarie.  Aber ist das so? Ist das so, dass nur der den Segen in seinem Leben sehen kann, dem es gut geht?  Die Bibel spricht ganz anders vom Segen. Da wird nämlich nicht auf den anderen gekuckt, was bei dem alles besser gelaufen ist als bei mir, und da wird nicht auf sich selbst geschaut und auf das, was alles schiefgegangen ist, sondern da wird nach oben geschaut, auf Gott! Auf Seine Größe und auf das, was Er verspricht. So, wie der Apostel Paulus das hier im Predigttext tut. Und er ist nun ganz bestimmt nicht in einer glücklichen Lage: seine Gemeinde macht ihm Kummer; seine Botschaft von der Liebe Gottes in Jesus Christus findet kaum Zuhörer; und er persönlich ist von Krankheit geplagt. So gesehen ist da fast gar kein Anlass, vom Segen Gottes zu reden.  Aber Paulus lässt sich davon nicht gefangen nehmen und er kuckt nicht nur auf all das, was ihn mutlos machen kann, sondern er kuckt vor allem nach oben! Und dadurch erkennt er, was wirklich der Segen Gottes bedeutet. Und darum stimmt er das Lob Gottes an – zweimal setzt er in diesem Abschnitt an, um uns zu sagen, was denn der ‚Segen Gottes‘ wirklich ist.
1.: Von Gott erwählt - das ist Segen!
Wir lesen: "... in ihm (in J. Chr.) hat er (Gott) uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war; ... in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus..."
Hier wird Gott verglichen mit einem Vater oder man kann auch sagen mit Eheleuten, die gerne ein Kind haben wollen. Wir haben das in unserem Bekanntenkreis erlebt: da wollte ein junges Paar unheimlich gerne ein Kind haben – aber es klappte immer nicht. Und jedes Mal wurden sie trauriger, weil sie ohne ein Kind nicht mehr sein wollten.  Sicher, sie wussten auch: wo ein Kind im Haus ist, da ist es mit der Ruhe vorbei! Da muss man Nachts raus, da kann man Sonntagmittags nicht mehr auf dem Sofa dösen, sondern da muss man nach draußen und Rad fahren oder spielen; und wo ein Kind ist, da ist auch nicht immer mehr alles pingelig sauber und in Ordnung zu halten.  Das alles wussten die beiden - aber sie wollten trotzdem um alles in der Welt ein Kind haben. Weil sie sich ohne einsam und allein fühlten. Weil sie ihre Liebe weitergeben und verschenken wollten. Weil sie ein Leben glücklich machen wollten.   Und genauso geht es Gott auch! Er will auch nicht in der Weite seines Himmels seine Ruhe haben. Er möchte nicht mit sich alleine bleiben. Sondern Gott möchte seine Liebe verschenken. Er möchte Menschen haben, die zu ihm gehören. Gott sehnt sich nach dem Menschen, so wie diese Eheleute sich nach einem Kind sehnen.  Gott weiß wohl: Kinder bringen auch Unruhe und Aufregung - aber trotzdem hat er ein tiefes Verlangen nach dem Menschen. Und darum richtet er seine Blicke auf uns! Auch wenn wir oft alles andere sind als immer nur liebenswerte Geschöpfe. So wie unsere Kinder ja auch nicht immer liebenswerte Geschöpfe sind, sondern uns manchmal auch den letzten Nerv rauben.  Aber als Eltern geht es uns doch so: wenn unsere Kinder manchmal auch viel Geduld kosten und Unruhe bringen, so nehmen wir das doch gerne in Kauf. Weil wir froh sind, dass wir unsere Kinder haben!  Und weil wir es uns ohne sie nicht mehr vorstellen können. Und so geht es Gott auch: dass er seine Liebe auf uns richtet und nicht ohne uns sein will.   Und das ist das Erste, was uns heute gesagt wird: dein Gott, der dich geschaffen hat - er hat dich erwählt! Er hat sein Herz auf dich gerichtet! Du bist ein Wunsch-Kind Gottes!  Er hat dich erwählt, "ehe der Welt Grund gelegt war"! Von Gott erwählt sein - das ist Segen!´

 
2.: Von Jesus Christus erlöst - das ist Segen! Manche Eltern haben ein Doppeltes erleben müssen: Ihr Wunsch nach einem Kind wurde erfüllt und wie glücklich waren sie, als die kleine Tochter oder der kleine Stammhalter sich einstellten!  Was haben sie ihr Kind umsorgt und betütert, und sie haben ihm alles gegeben, was sie nur konnten. Aber mit den Jahren wuchs nicht nur das Kind - es wuchsen auch die Probleme. Die Eltern merkten: unser Wunschkind hat auch Dinge an sich, die uns nicht gefallen und die wir uns gar nicht erklären können. Da hat das junge Mädchen den energischen Dickkopf – und man fragt: Von wem hat sie das bloß? Oder da lehnt sich das Kind gegen seine Eltern auf und denkt überhaupt nicht daran, das zu tun, was sie gerne wollen. Und sie fragen: woher kommt dieses auflehnende Wesen? Und so ist schon aus manchem heiß ersehnten Wunschkind ein echtes Sorgenkind geworden. Genauso erlebt Gott das auch immer wieder mit seinen Kindern, mit uns Menschen! Da kann er auch immer wieder ein so auflehnendes Wesen feststellen - dass wir das nicht tun, was Er von uns möchte. Dass wir ohne ihn denken und ohne ihn leben wollen.  Dass wir meinen, wir würden besser abschneiden, wenn wir unser Glück in unsere eigenen Hände nehmen.  Diese Tendenz, die steckt in uns so drin, seit damals diese Geschichte mit dem Apfel passiert ist. Seitdem schlängelt sich in uns Menschen immer wieder das Misstrauen hoch. Und es flüstert uns ein: so richtig gut geht es dir erst, wenn du dich von  Gott emanzipierst. Die Bibel nennt das, dass wir ‚Sünder‘ sind.  Und das bedeutet nicht, dass wir nun besonders schlechte oder unanständige Leute wären - wer ist das schon von uns?!  ‚Sünde‘ heißt etwas anderes, ‚Sünde‘ ist die  ‚Kunst des Lebens ohne Gott‘  Und darum haben sich viele Menschen innerlich von Gott verabschiedet. So wie viele Kinder sich im Grunde genommen von ihren Eltern verabschiedet haben. Und damit meine ich jetzt nicht die ganz normale Ablösung vom Elternhaus. Dass wir in diesem Sinne unsere Eltern verlassen, das ist ja normal. Ich meine das jetzt grundsätzlicher – so Kinder zwar noch den Namen ihrer Eltern tragen, aber sie haben keine engere Verbindung mehr zu ihnen. Sie kommen zwar noch ab und zu ins Elternhaus - aber sie sind froh, wenn sie wieder gehen können. Alles scheint ihnen zu eng, zu leblos, zu eingefahren.  So ergeht es Gott auch oft mit uns, mit seinen Wunschkindern.  Und so wie wir unsere Kinder nicht mit Gewalt fest- und zurückhalten, so hält Gott seine Menschen auch nicht mit Gewalt zurück, nicht fest.
Ich weiß von einer Familie, da hat sich auch eines der Kinder verabschiedet – ist einfach gegangen und keiner wusste, wo er war. Aber die Eltern, die haben sich nie damit abgefunden. Sie konnten ihn damals wohl nicht festhalten – aber ihr Herz und ihr Haus haben sie immer für ihn offengehalten. Und bis zu ihrem letzten Atemzug blieb die Hoffnung, ob er nicht doch noch wiederkommt.    Gott macht es genauso! Von seiner Seite aus löst er sich nicht von uns und seien wir vielleicht noch so weit von ihm entfernt.   Gott sagt nicht: „Du hast so wenig Interesse an mir, jetzt will ich auch nichts mehr mit dir zu tun haben. Nun sieh doch zu, wie du alleine klarkommst!“  Bei Gott fliegt keiner raus! Sondern er möchte, dass die, die sich äußerlich oder auch innerlich von ihm verabschiedet haben, dass sie wieder zurückkommen. Er möchte, dass das Verhältnis zu seinem Wunschkind wieder in Ordnung kommt. Und darum tut er etwas schier Unbegreifliches:  Er kommt in Jesus auf diese Welt. Damit er am eigenen Leib spürt, wie es uns Menschen geht. Genau weiß, wie unsere Sehnsüchte aussehen. Was wir brauchen für unser Leben. Und bis in diesen Gottesdienst hinein bittet Jesus darum und sagt: Komm, folge mir nach, und werde wieder zu einem Kind des himmlischen Vaters!  Für diese Einladung wird Jesus Christus verfolgt und gequält; für diese Einladung wird er ausgepeitscht und ans Kreuz genagelt, bis dass Blut fließt. Aber genau das Blut dieses Jesus kann uns heute zu Blutsverwandten dieses Herrn machen! Der Predigttext sagt es und jeder höre es bitte aufs Neue: In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Chance für einen neuen Anfang. Dass wir wieder zu Gott finden - damit wir unser Leben wirklich annehmen können - auch mit dem, was belastend ist.
Ich weiß nicht, wie Dein Leben bisher gelaufen ist. Ob Du zu denen gehörst, die im Großen und Ganzen zufrieden sind mit dem Leben; oder zu denen, die es schwer haben.  Ob du es leicht hast, in dieser Beziehung mit Gott zu leben oder ob du dich immer wieder gegen ihn auflehnst. Aber eines weiß ich: Gott löst sich nicht von dir! Er hält an Dir fest! Egal, ob Du zu den Glückspilzen oder zu den Pech-Marie's zählst: Gott steht an Deiner Seite!  Durch Christus bist Du ein geliebtes Kind Gottes - und an diesem Kind hält Er fest: komme, was da wolle! Amen!
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