Predigten April 2014 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten April 2014

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Predigt über Johannes 21, 1-14; Quasimodogeniti; 27.04.2014

Liebe Gemeinde, jetzt ist es schon eine Woche her, dass wir Ostern gefeiert haben.  
Wir haben gehört: „Jesus hat den Tod besiegt!“ - aber trotzdem sitzen heute wieder zwei Trauerfamilien unter uns – und auch darüber hinaus gibt es viele Menschen, die nicht froh sind. Und wenn wir zu denen gehören, die nicht wirklich froh sind, dann geht es uns genau so wie damals den Jüngern von Jesus. Dass Menschen nicht froh sind, das kann ganz verschiedene Gründe haben: weil es so schwer ist, mit dem Geld hinzukommen, oder weil die schwere Pflege von Oma oder Opa so anstrengend ist, oder weil die Kinder im Moment so viele Nerven kosten oder weil man nicht weiß, wie es mit dem Leben weitergeht.
So ging es den Jüngern auch: die Osterfreude war gar nicht so richtig da. Und dann lesen wir:  Einige von ihnen waren dort am See beisammen ... Simon Petrus sagte zu den anderen: »Ich gehe fischen!« »Wir kommen mit«, sagten sie. Gemeinsam gingen sie zum See und stiegen ins Boot; aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts. Es wurde schon Morgen, da stand Jesus am Ufer. Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war. Er redete sie an: »Kinder, habt ihr nichts zu essen?«  »Nein!« antworteten sie. Er sagte zu ihnen: »Werft euer Netz an der rechten Bootsseite aus! Dort werdet ihr Fische finden.« Sie warfen das Netz aus und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht ins Boot ziehen konnten. Der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, sagte zu Petrus: »Es ist der Herr!«  Als Simon Petrus das hörte, warf er sich das Obergewand über, band es hoch und sprang ins Wasser. Die anderen Jünger ruderten das Boot an Land ... und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie ein Holzkohlenfeuer mit Fischen darauf, auch Brot lag dabei.  Jesus sagte zu ihnen: »Bringt ein paar von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!«  Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von großen Fischen, genau 153. ... Jesus sagte zu ihnen: »Kommt her und esst!« Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: »Wer bist du?«  Sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat zu ihnen, nahm das Brot und verteilte es unter sie, ebenso die Fische.“

Die Jünger von Jesus gewinnen wieder neuen Mut. Und auf dem Weg dorthin sind es drei, vier Beobachtungen, die ich gerne weitergeben will. Als erstes sehen wir, dass Jesus selber erstmal gar nicht vorkommt und erwähnt wird, sondern wir lesen: „Einige von den Jüngern waren ... zusammen.“ Sie waren also zusammen geblieben, nachdem Jesus gestorben war. Das erleben wir ja manchmal auch ganz anders: wenn Oma oder Opa gestorben und nicht mehr da sind, dann läuft die Familie oft auseinander. Oma, Opa war die verbindende Mitte. Und wenn die nicht mehr da ist, dann fällt die Familie oft auseinander und man sieht sich kaum noch.  Hier ist es umgekehrt: die Jünger von Jesus sind ja ein bunt zusammengewürfelter Haufen gewesen. Einige waren miteinander verwandt, aber im Großen und Ganzen hatten sie vorher nichts miteinander zu tun gehabt. Bis Jesus sie rief! Von da an haben sie drei sehr intensive Jahre miteinander gehabt. Aber nun war Jesus nicht mehr da - und da hätte man es ja verstehen können, wenn sie nun auch wieder auseinander gegangen wären. Aber: sie waren beieinander. Und jetzt zeigt sich: das haben sie gut gemacht! Hier und an allen anderen Stellen wird klar: der auferstandene Jesus hat sich seinen Jüngern immer nur offenbart, als sie zusammen waren! Den Frauen am Grab, die ihn einbalsamieren wollten; den beiden Männern, die zusammen auf dem Weg nach Emmaus waren; den Jüngern, die irgendwo in einem Haus beieinander waren und Trübsal geblasen haben und dann kommt Jesus plötzlich rein.  Nur wenn sie zusammen waren, zeigte Jesus sich ihnen. Das ist seitdem eine Erfahrung, die immer wieder Menschen gemacht haben: wenn es dir nicht gut geht, wenn du Probleme hast, oder wenn du im Moment Schwierigkeiten mit deinem Leben und vielleicht auch mit deinem Glauben hast, dann überwindet man am besten, wenn man mit anderen Christen zusammen bleibt.

Ein zweiter Punkt kommt dazu: Simon Petrus sagte zu den anderen: »Ich gehe fischen!« »Wir kommen mit«, sagten sie. Die Jünger nehmen also ihre normale Arbeit wieder auf - und das hilft schon mal, dass die Krise nicht weiter anwächst. Ich erlebe das oft, wenn Menschen
es seelisch verarbeiten müssen, dass jemand gestorben ist oder dass sie eine Trennung hinter sich haben, dass es ihnen gut tut, wenn sie sich aufraffen! Wenn sie ihrem Alltag wieder eine klare Struktur und feste Zeiten geben: 8 Uhr Frühstück, 10 Uhr Tee, 12 Uhr Mittag, 15 Uhr Tee, 18 Uhr Abendbrot. Und wie gut es ihnen tut, wenn sie die Zeit dazwischen wieder füllen: auch wenn es schwer fällt, die Wäsche zu bügeln, mit dem Auto in die Waschanlage zu fahren, die unaufgeräumte Küche in Angriff zu nehmen; den Flur zu wischen, den Rasen zu mähen.  An solchen Kleinigkeiten merken Menschen oft, dass sie
wieder Ordnung in ihr Leben kriegen. Dass es ihnen gut tut, wieder etwas sinnvolles zu tun. Nicht alles auf einmal, aber anfangen, und dann Schritt für Schritt. So wie die Jünger nun wieder anfangen mit ihrer normalen Arbeit. Sie schnappen sich ihre Boote und fahren auf den See hinaus um zu fischen.  

Aber die nächste Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten, wir lesen: „...aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts.“ Was wäre das schön für sie gewesen, wenn sie ordentlich was gefangen hätten! Das hätte ihnen ja so richtig Auftrieb gegeben. „Aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts.“ Was ist das für eine Enttäuschung! Da hast du dich aufgerafft und probiert, ob du deinen Alltag wieder in den Griff kriegst. Und du hast gemerkt: es kommt nichts dabei raus! Du hast versucht, wieder normal zu arbeiten - aber du hast gemerkt: meine Gedanken sind ganz woanders!  Das kann gut sein, dass die ersten Versuche, zur Normalität zurückzufinden, in die Hose gehen! Damit musst du rechnen!
Und wenn es so kommt, dann, bitte, lass den Kopf nicht hängen! Gib nicht gleich wieder auf! Hab Geduld - mit dir selber und mit Gott! Gib dir und ihm Zeit, dass die nötige Hilfe wachsen und stabil werden kann!

Und an diesem Bibelabschnitt sehen wir: als die Jünger noch von einer Enttäuschung in die andere fallen, da ist eine durchgreifende Besserung schon in Arbeit! Sie können es bloß noch nicht sehen. Wir lesen: Da „stand Jesus am Ufer. Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war.“ Sie haben eine frustrierende Nacht hinter sich und sind seelisch ganz unten - und an diesem Nullpunkt steht Jesus am Ufer und wartet auf sie. Warum ist er nicht eher ge-
kommen? Warum hat er ihnen nicht ein Erfolgserlebnis verschafft? - Ich weiß es nicht! Ich sehe nur, dass die Jünger nicht einmal ahnen, dass Jesus ganz nahe bei ihnen ist. Sie sehen wohl einen Menschen dort am Ufer stehen, aber sie erkennen nicht, dass Er es ist. Und ich glaube, das geht uns oft so: wir ahnen nicht, dass es uns helfen kann, zum „Männertreff“ oder in den Frauenkreis zu gehen. „Da sind doch auch nur welche wie ich. Die können mir auch nicht helfen!“ Und wir sehen in dem Moment nicht, dass Jesus da auch ist! Oder Viele können sich auch nicht vorstellen, dass es ihnen helfen würde, in einen Gottesdienst zu gehen: „In der Zeit kann ich besser ausschlafen.“ Und sie ahnen nicht, dass da nicht nur andere Menschen sind, sondern dass Jesus da auch ist! Sie können es nicht erkennen, und sie rechnen nicht damit. So wie die Jünger überhaupt nicht damit rechnen, dass Jesus ihnen gleich begegnet - sie erkennen ihn ja nicht einmal. Und als sie ihn sehen, sind sie noch sehr unsicher. Sie sind voll Zweifel. Und das ist für mich schon ein sehr tröstlicher Gedanke: Jesus ist jetzt nicht beleidigt, dass sie ihn nicht erwarten und erkennen! Er ist nicht sauer, wenn du gar nicht mehr mit ihm rechnest! Er zieht sich nicht beleidigt zurück, weil du ihn nicht erkennst - nicht im Chor, nicht im Frauenkreis, nicht im Gottesdienst, nicht in der Bibelstunde. Nein, er bleibt einfach da und wartet auf dich, wenn du nach einer enttäuschenden Erfahrung auf dem Nullpunkt bist. Und dann fragt er nach: „Sagt mal, habt ihr hier nichts zu essen?“ Das ist für mich eine der sympathischsten Sätze von Jesus! Nicht, weil es ums Essen geht - das auch! Aber vor allem darum: Jesus fängt hier jetzt kein theologisches Gespräch an. Er fragt nicht: Wie hältst du es denn mit Ostern? Kennst du die Gebote? Kennst du christliche Lieder auswendig? Nichts von alledem! Jesus fragt: Jungs, habt ihr hier nichts zu essen?! - Und das will uns doch zeigen: Er interessiert sich für unsere ganz persönlichen und alltäglichen Nöte! Weil die Jünger nichts gefangen hatten, hatten sie ein Problem: es gab an diesem Tag nichts zu essen! Und genau auf dieses Problem geht Jesus jetzt mit seiner Frage ein.

Ich weiß nicht, was für dich jetzt so ein drängendes Problem ist. Ich weiß nicht, was dir heute besonders auf der Seele liegt. Aber mit diesem Bibelabschnitt im Rücken will ich dir sagen: Ich weiß, dass Jesus dein Problem kennt! Er hat es im Blick! Er fragt dich: „Wie geht es dir heute? Was bedrückt dich?“ Jesus fragt nach dem Defizit unseres Lebens. Und wir können ihm das sagen, was uns fehlt!  Das, was uns fehlt, das lässt uns nachts nicht ruhig schlafen - aber Jesus weiß, wie er damit umgehen muss!  Den Jüngern sagt er: »Werft euer Netz an
der rechten Bootsseite aus! Dort werdet ihr Fische finden.«  Jesus lässt nicht zu, dass sich seine Jünger mit der Erfolglosigkeit abfinden. Er lässt nicht zu, dass sie sich daran gewöhnen, dass es nicht mehr weitergeht. Er reißt sie heraus! Er mutet ihnen zu, dass sie sich anstrengen. Und wenn er dir nun zumutet, auch den Weg durch die Trauer zu gehen, wird das sehr anstrengend sein. So wie es für die Jünger nach einer erfolglosen Arbeitsnacht anstrengend was, als es hieß: Noch mal rausfahren! Obwohl menschlich gesehen die Chancen schlecht sind, am Tag etwas zu fangen. Jesus gibt sich nicht damit zufrieden, dass wir denken: „Die Chancen sind schlecht!“ Er will es nicht zulassen, dass wir den Kopf in den Sand stecken und unser Leben aufgeben. Sondern er spornt uns an, dass wir es noch einmal probieren.

Und dann erweist er seine Kraft! Die Jünger fangen viel mehr als erwartet! Und sie merken daran: Seine Kraft ist größer als unsere Möglichkeiten. Und dann, erst dann, blickt es einer von den Jüngern: „Das ist Jesus!“ Plötzlich erkennen sie hinter dem überwältigenden Fang den Auferstandenen! Sie haben in ihrer Krise jetzt einen Lichtblick gesehen und verbinden diesen Lichtblick mit Jesus und sie merken: dass er auferstanden ist, das ist nicht nur dummes Gerede, sondern das ist real, und diese Realität kann man erfahren, erleben!  Vielleicht müssen wir viel länger warten als die Jünger. Vielleicht haben wir mehr als eine frustrierende Nacht auszuhalten. Vielleicht ist unser erster Erfolg auch nicht so überwältigend. Trotzdem will uns der Bibelabschnitt für heute Mut machen: Gib nicht auf! Bleib dran!  Jesus hat schon Einiges vorbereitet, um mit dem bisschen, was du hast, was anzufangen. Für die Jünger hat er schon Feuer gemacht und einige Fische gegrillt, und da legt er nun von denen welche dazu, die sie gefangen haben. Er lädt ein, er teilt aus, und die Jünger sind beschenkt und merken, wie gut ihnen das tut!  Jetzt fassen sie wieder Mut!   
Sogar Petrus erlebt das - ausgerechnet er, dessen Glaube ganz im Keller war. Und wenn Jesus ihn nun neuen Mut fassen lässt, warum sollte er das ausgerechnet bei Dir nicht tun?!  
Amen.

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