Predigten Juni - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juni

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ZUR AUDIOPREDIGT

Predigt über Matthäus 22, 1-14; 2. Sonntag nach Trinitatis; 25.06.2017

Liebe Gemeinde, jetzt ist wieder die Zeit der Einladungen: zum grillen, zur Hochzeit oder zu einem besonderen Hochzeitstag. Im Predigttext für heute geht es auch um eine Einladung zu einer Hochzeit. Der Evangelist Matthäus hat aufgeschrieben, was Jesus erzählt:  
Gott hat angefangen, seine Herrschaft aufzurichten, und er handelt wie jener König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete: Er schickte seine Diener aus, um die geladenen Gäste zum Fest zu bitten; aber sie wollten nicht kommen. Darauf schickte er noch einmal andere Diener zu den Geladenen und ließ ihnen sagen: 'Hört! Ich habe mein Festessen vorbereitet, meine Ochsen und meine Mastkälber sind geschlachtet, alles steht bereit. Kommt zur Hochzeitsfeier!' Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern gingen ihren Geschäften nach. Einer ging auf seine Felder, ein anderer in seinen Laden. ... Da sagte der König zu seinen Dienern: 'Die Vorbereitungen zum Fest sind getroffen, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, daran teilzunehmen. Geht jetzt hinaus auf die Landstraßen und ladet alle zur Hochzeit ein, die euch begegnen!'  Die Diener gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle mit, die sie fanden – schlechte und gute Leute. So wurde der Hochzeitssaal voll. Als nun der König kam, um sich die Gäste anzusehen, entdeckte er einen, der nicht hochzeitlich gekleidet war. Er sprach ihn an: 'Wie bist denn du hier hereingekommen? Du bist ja gar nicht hochzeitlich angezogen.' Der Mann hatte keine Entschuldigung. Da befahl der König seinen Dienern: 'Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis! Dort gibt es nur noch Jammern und Zähneknirschen. 'Denn viele sind berufen‘, schloss Jesus, ‚aber nur wenige von ihnen sind erwählt.‘

Wir ahnen es: der Gastgeber ist Gott selber.  Immer wieder malt Jesus uns dieses Bild vor Augen: Gott ist wie einer, der ein Fest feiern will! Und zu einem Fest lädt man ja nur die ein, an denen einem etwas liegt und mit denen man gerne zusammen ist. Und genauso geht es Gott: Er möchte gerne mit uns zusammen sein! Gott - der große Gastgeber, der großzügig alles plant und vorbereitet und persönlich einlädt! So wie viele heute auch, wenn sie Hochzeit feiern: dass sie ihre Gäste persönlich einladen. Ich hab noch nie’ne SMS gekriegt: ‚Lad’ Uli und dich zu unsrer Hochzeit ein!‘  Das läuft ganz anders: viele Brautpaare geben sich unendlich Mühe und gestalten wunderschöne Einladungskarten - und oft bringen sie die dann auch persönlich vorbei. Und so ist das mit Gott auch! Durch persönliche Boten lädt er seine Menschen ein. Im Alten Testament waren das die Propheten; später dann die Apostel. Sie bringen uns durch die Bibel sozusagen Gottes Einladung persönlich vorbei. Und nicht nur sie! Und nun überleg doch bitte mal: wer ist in Deinem Leben bis jetzt so ein Bote gewesen, der dir Gottes Einladung überbracht hat?  Stille... Ob es die eigenen Eltern oder Großeltern waren, die dir den Glauben vorgelebt haben? Die die Hände für dich gefaltet und für dich gebetet haben? War es die Kinderstunde, der Kindergottesdienst, die Jugendgruppe, der Bibelkreis, wo du von diesem himmlischen Gastgeber gehört hast, der sein Fest nicht oh-
ne dich feiern möchte?   Es ist sicher sehr unterschiedlich, wie Ihr die Einladung Gottes gehört habt.  Egal wie – Hauptsache ist, dass du es erfahren hast: es ist alles für dich vor-
bereitet! Gott freut sich auf dich! Du bist eingeladen, erwartet und willkommen!

Die Frage ist: wie gehen die Eingeladenen damit um?  Im Predigtabschnitt für heute wird erzählt, dass die Gäste die Einladung ausschlagen. ‚Sie ... kümmerten sich nicht darum, sondern gingen ihren Geschäften nach.“  Eigentlich ist das ein NoGo – sowas tut man nicht, dass man einfach nicht auf eine Einladung reagiert. Bei Menschen nehmen wir uns das normalerweise nicht raus. Wenn man eingeladen wird, dann geht man da auch hin – und wenn nicht, muss man schon stichhaltige Gründe haben.  Bei Menschen wissen wir meist, was sich gehört - aber Gott gegenüber sieht das oft anders aus. Da sagen manche: Ich habe keine Zeit! Ich habe kein Interesse! Ich habe genug anderes um die Ohren!   Das, was im Moment gerade ansteht, das ist ihnen wichtiger als seine Einladung, als sein Fest. Darum sagen sie ab. Und das liegt meist nicht daran, dass sie seine Einladung nicht bekommen haben oder dass sie mit Gott grundsätzlich nichts am Hut haben. Ich erlebe das wohl mal, dass Menschen mir erzählen, dass sie früher einen ziemlich guten Draht zur Gemeinde hatten. Da hat einer als junger Kerl im Posaunenchor gespielt, eine andere war Mitarbeiterin im Kindergottesdienst und wieder andere sind jahrelang begeistert mitgefahren auf Jugendfreizeiten. Also: die Einladung von Gott hat sie erreicht!  Aber dann kam das Leben – und damit die ganzen Sachen, die viel Kraft und Zeit kosten. Man muss in die Hände spucken. Sich eine Existenz aufbauen. Vielleicht ein Haus bauen, eine Familie gründen.   Und wenn dann vielleicht Kinder da sind, dann merkt man schnell: die halten einen ganz schön in Atem - über Jahre hinweg!  Und wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, dann geht es vielen so, dass sie mit ihren alt gewordenen Eltern zu tun haben, die nicht mehr so gut können. Mancher hat vielleicht in seiner Familie auch schwere Last zu tragen - da wird der Mann krank oder die Frau. Man macht sich Sorgen, was aus den Kindern wird. Vielleicht leidet man selbst unter Krankheit. Alles Dinge, die uns beschäftigen.  Das ist wie in dem Bibeltext. Da sagen die Gäste ja auch ab, weil sie von ihrem ganz normalen Leben so in Anspruch genommen sind. Und die Gründe dafür werden im Text nicht mal schlecht gemacht. Jesus hat nichts dagegen, dass wir uns um unseren Beruf kümmern. Oder dass wir uns engagieren.  Er hat nichts dagegen, dass uns unsere Familie wichtig ist.  Aber die Frage ist: wie viel Raum und Zeit und Aufmerksamkeit gestehen wir dem zu? Kostet es uns so viel Zeit, so viel Nerven, so viel Kraft, dass wir für Gott keine Zeit, keine Kraft, keine Nerven mehr haben?  Ist das Alles wirklich wichtiger für uns, als dass wir uns Zeit für Gott nehmen?
Was ist mir wichtiger am Sonntagvormittag: dass ich zum Gottesdienst gehe – oder dass ich mich um etwas kümmere, was die Woche über liegengeblieben ist?   Was ist wichtiger – dass ich mir die Zeit nehme, um doch zum Chorabend zu gehen – oder dass die Wäsche
gerade an dem Abend gebügelt wird?  

Mir kommt es manchmal so vor, als würden wir uns auf solchen Dingen ausruhen. Anders gesagt: Acker gekauft, Ochsen besichtigt, Frau genommen – das sind nicht alles die ganz wichtigen, stichhaltigen Gründe, um Gottes Einladung auszuschlagen. Das meiste davon ließe sich auch noch später regeln. Letztlich sind wir immer vor die Frage gestellt: wem will ich mehr Aufmerksamkeit geben – Gott und seiner Gemeinde, oder den vielen Dingen, die ich zu tun habe?! Jeder von euch hat sich für heute so entschieden, dass er jetzt hier ist!  Und ich glaube, wir alle kennen Menschen in unserer Gemeinde, die auch viel um die Ohren und die echt viel zu tun haben. Oder die viel zu tragen haben – an Belastung durch Krankheit oder in ihrem Beruf oder durch eine Pflegesituation oder durch die Kinder oder Enkel. Aber sie gehen trotzdem zur Kirche und machen trotzdem an der einen oder anderen Stelle in der Gemeinde mit – und sie merken oft: das gibt mir was! Mir tut das gut! Dadurch, dass ich Gott keinen Korb gebe, sorgt er dafür, dass ich meinen Alltag bewältigen kann – und sei er noch so schwer und belastend. Die Frage ist also nicht allein: gebe ich Gott die Ehre, indem ich seine Einladung annehmen – sondern auch: reicht meine eigene Kraft, um das Leben zu bestehen, oder will ich mir von Gott dabei helfen lassen? Kann ich mir alleine Mut zusprechen, wenn ich eine schwere Aufgabe vor mir habe - oder darf Gott mir Mut machen?
Kann ich mich selber trösten, wenn ich versagt habe – oder darf Gott mir sagen, dass er hundertprozentig auch dann auf meiner Seite ist, und dass er mir hilft, dass ich einen neuen Anfang finde. Darum geht es Gott, wenn er einlädt zu seinem Fest – dass wir Hilfe zum Leben kriegen!  Und wir schaden uns selbst, wenn wir darauf verzichten!

Die Eingeladenen im Gleichnis erscheinen nicht zum Fest – schade für sie! Aber damit ist diese Geschichte noch nicht zu Ende. Die Hochzeit findet statt - jetzt mit anderen Gästen. Wenn die Einen nicht wollen, dann werden eben andere eingeladen! Gott sorgt schon dafür, dass Menschen merken, dass Seine Nähe ihnen gut tut. Er zwingt keinen, zu kommen! Aber sein Fest findet statt! Auf jeden Fall! Wenn jemand nicht will, dann wird eben jemand anders eingeladen. Menschen, die überhaupt nicht damit rechnen. Es gibt Menschen, die haben nie daran gedacht, dass Gott sie in seiner Nähe haben möchte. Und dann haben sie plötzlich seine Einladung bekommen. Vielleicht bei der Bundeswehr durch eine Freizeit, die die Militärseelsorge veranstaltet.  Oder vielleicht ist einer zur Kirche gegangen, weil er schlecht fehlen konnte - bei einer Taufe, einer Beerdigung.  Und dann hat er gehört, dass Gott ihn meint, ihn einlädt!  Vielleicht hatte jemand in einer schwierigen Lage ein gutes Gespräch mit einem Menschen, der ihm weiterhelfen konnte - und der ihm auch gesagt hat, dass Gott auch dann da ist, wenn wir Probleme haben. Und er hat es als Einladung gehört. Wie auch immer: bis heute lädt Gott Menschen ein!  

Einen solchen anderen Gast nimmt der Predigttext nun noch in den Blick. Er hat sich einladen lassen. Ist zum Fest gekommen. Aber dann gibt es ein Problem: er ist nicht vorschriftsmäßig angezogen! Und darum fliegt er raus!  Das ist ja komisch! Wir sagen doch immer: zu Gott kannst du so kommen, wie du bist!  Stimmt das denn nicht? Ist das bei Ihm so wie auf einigen ganz teuren und vornehmen Kreuzfahrtschiffen – wenn du da ab einer bestimmten Uhrzeit nicht ein schönes Cocktailkleid anhast und die Herren ein chickes Dinnerjäckchen, dann kommst du nicht ins feine Hauptrestaurant, sondern kannst dich im Buffetrestaurant selbst bedienen. Ins gediegene Restaurant kommst du nur, wenn du den Dresscode einhältst. Ist das bei Gott nun denn auch so?! Das könnte man ja denken, wenn wir hier hören, dass einer der Gäste rausfliegt, weil er nicht hochzeitlich angezogen ist.

Damit wir diese Stelle richtig verstehen, muss man etwas wissen – ich hab das in einem an-
deren Zusammenhang vor einigen Wochen schon mal gesagt. Wer damals dabei war, für den ist das jetzt eine kleine Wiederholung. Also - damals war es so: wenn jemand zu einem Fest eingeladen wurde, dann bekam er am Saal-Eingang vom Gastgeber ein Festkleid überreicht. Als Gastgeschenk. Dieses Festgewand, das wurde damals über die eigenen
Kleider angezogen. Der Sinn vom Ganzen war zweierlei: Erstens brauchte man sich nicht in Schale schmeißen und nicht lange überlegen: seh’ ich gut genug aus? Hab ich dies Kleid nicht schon mal angehabt?  Was denken die Leute bloß, wenn ich’s schon wieder trage?! Wir merken schon – ein echter Vorteil vor allem für die Frauen! ;-)  Zweitens sollte das bedeuten: hier interessiert es nicht, ob du Billigklamotten von PriMark anhast oder ’nen Fummel aus ’nem teuren Geschäft. Turnschuh oder Lackschuh – das ist dem Gastgeber nicht wichtig! Wichtig bist du ihm! Wichtig ist ihm nicht, wie du aussiehst und was du dir alles leisten kannst – wichtig ist ihm, dass du dabei bist!  Und darum war es damals so, dass alle Gäste ein Festgewand vom Gastgeber bekamen. Dadurch stand keiner hinter dem anderen zurück. Keiner konnte herumprotzen, und keiner brauchte sich minderwertig fühlen. Für den Gastgeber waren sie alle gleich.  Und so ist das bei Gott auch!
Es bleibt dabei: wir sollen kommen, wie wir sind: mit unserem Leben, das vielleicht an mancher Stelle ziemlich beschmutzt ist. Klamottentechnisch weiß ich, wovon ich rede! Normalerweise hab ich immer irgendwo ’n Fleck. Und wenn ich ganz doll aufpassen will, dann kleckere ich erst recht. Und das ist leider nicht nur klamottentechnisch so. Ob wir wollen oder nicht – wir bekleckern uns auch sonst. Ich meine damit: das Leben fügt uns so manchen unschönen Fleck zu. Auf unserer Seele. Auf unserer weißen Weste. Dinge, mit denen wir nicht gut aussehen. Und Jesus sagt: das, was dich beschmutzt – das musst du nicht erst vorher reinigen und du musst dir auch nicht erst neue Kleider besorgen! Um Gottes Einladung anzunehmen, brauchen wir nicht erst besser werden. Nicht erst vollkommener. Wir können so kommen, wie wir sind!  Und dann sorgt der Gastgeber schon dafür, dass wir das ‚Festgewand‘ bekommen. Damit wir zu ihm passen. Dieses geschenkte Festgewand, das ist ein Zeichen dafür, dass wir darauf angewiesen sind, dass Gott uns das möglich macht, dass wir zu ihm kommen und zu ihm gehören können. Egal, wie es in unserem Leben aussieht.  Machen wir uns nichts vor: das Kleid, das wir tragen, das wird immer Flecken haben. Auch wenn wir noch so fromm sind. Auch wenn wir noch so rechtschaffen leben. Das ist nicht das, was uns vor Gott sauber dastehen lässt. Das ist nicht das, was uns den Zugang zu Seinem Fest verschafft. Sondern dazu brauchen wir das, was Er uns gibt!  Der, von dem erzählt wird, dass er rausfliegt, der will sich das nicht sagen lassen. Das ist einer, der selbstgerecht darauf pocht: so wie ich bin, kann Gott stolz auf mich sein!  Der, der hier rausfliegt, der will auf seinem hohen Pferd sitzen bleiben. Der denkt: ich bin doch nicht auf dieses Festgewand angewiesen! Ich will mich nicht mit den anderen Leuten gemein machen. Will nicht Kleider tragen, wie sie welche anhaben. Meine eigenen Kleider sind viel schöner, das, was ich Gott bieten kann!  Gott kann froh sein, dass er einen wie mich überhaupt dabei haben kann.  So mag er denken - und darum passt er nicht zu Gott! Darum wird er am Ende rausgeworfen.

Jesus erzählt das ganze darum, damit wir hören und begreifen: du bist eingeladen! Und du darfst mit leeren Händen vor ihn treten! Wenn du’s nicht schon getan hast, kannst du zu ihm sagen: Hier bin ich, Herr! Erfülle mein Leben mit deiner Freude und deinem Frieden. Amen.

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