Predigten Juni 2014 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juni 2014

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Predigt über 5. Mose 6, 4-9; 1. Sonntag nach Trinitatis; 22.06.2014


Liebe Gemeinde, es gibt ja so bestimmte Zeichen, wenn man die sieht, dann weiß man sofort, was sie bedeuten. Wenn ich an der Autobahn ein Schild mit gekreuzten Messer und Gabel sehe, dann weiß ich: in der nächsten Raststätte gibt's was zu essen! Und wenn irgendwo ein Schild mit einer durchgestrichenen Zigarette ist, dann weiß man: rauchen ist hier verboten!  Es gibt aber auch Zeichen, Symbole, die noch einen tieferen Sinn haben als dass sie nur auf etwas hinweisen. Wenn einer seiner Freundin rote Rosen schenkt, dann will er damit sagen: Ich hab dich lieb! Und wenn bei einer Hochzeit die Ringe getauscht werden, dann ist dieser Ehering das äußere Zeichen für die Liebe, die einander verbindet.
Zeichen brauchen wir. Zeichen, die uns auf etwas hinweisen, und Zeichen, die uns an etwas erinnern, was uns wichtig ist.  In dem Predigttext, der für heute vorgesehen ist, da geht es auch um solche Zeichen. Im 5. Buch Mose lässt Gott seinem Volk sagen: "Du sollst diese Worte zum Denkzeichen auf deine Hand binden und sie als Merkzeichen auf der Stirn tragen und du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses schreiben ..., die Worte: Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr und du sollst ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft!"

Soweit die Anweisungen, die Gott seinem Volk geben lässt. Bis heute sind sie sozusagen das Glaubensbekenntnis jüdischer Menschen. Schon als kleine Kinder umgeben diese Worte sie, dann begleiten sie sie das ganze Leben und unter diesen Worten werden sie dann irgendwann von dieser Welt verabschiedet. Und wenn wir heute Mittag in einer jüdischen Familie zu Gast wären, dann würden wir sehen, wie ernst diese Anweisungen bis auf den heutigen Tag genommen werden: an den Türpfosten sämtlicher Türen würden wir kleine lederne Kapseln entdecken. Wenn der Hausherr dann das Mittagsgebet spräche, dann hätte er am Arm und auf der Stirn an ledernen Bändern auch solche Kapseln. Und wenn wir ihn dann fragen würden, was denn da drin sei, dann würde er uns antworten: In jeder dieser Kapseln befindet sich ein Pergamentstreifen mit der Aufschrift: "Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr..."   Also genau die Bibelverse die wir gerade gehört haben. /

Vielleicht denken wir: was soll das? Was soll das bringen, das man einen Bibelvers mit sich herumträgt? Wenn ich einen Bibelvers in einer Kapsel bei mir trage, dann heißt das ja noch nicht, dass ich dieses Wort auch ernst nehme und befolge. Das ist richtig - aber darum geht es auch gar nicht, dass man sich die Worte Gottes sozusagen wie ein Schmuckstück umhängt und das war's dann. Sondern Gott sieht einen ganz anderen Sinn darin, wenn er das so anordnet. Er will, dass seine Leute sich klar machen: Herz, Kopf und Hände; Aufstehen und Zubettgehen und die Zeit dazwischen - all das soll begleitet sein von Gott und seinem Gebot. Und weil Gott weiß, was wir oft für ein kurzes Gedächtnis haben - darum gibt er dieses Zeichen: damit es immer vor Augen ist, dass Er der Herr sein möchte über unser ganzes Leben. Dass wir unser Leben in seinen Machtbereich stellen - mit allem, was wir tun oder lassen. Der ganze Mensch ist angesprochen - nicht nur der Verstand, nicht nur das Gefühl. Hier sagt Gott: Glaube ist nicht nur etwas, was man lernen kann. Nicht nur Sprüche, die ich vor fünfzig Jahren auswendig gelernt habe. Bibelworte und Liedertexte kann ich lernen - aber deshalb glaube ich noch nicht!  "Glaube" im biblischen Sinne ist eine persönlich gelebte Beziehung zu Gott. Und dass diese Verbindung wichtig ist, und dass sie gepflegt wird - dafür werden hier Hilfen gegeben. Gedächtnisstützen.

"...diese Worte...sollst du...deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt..."  Hier geht es um die Verantwortung, die wir als Eltern oder auch Großeltern tragen – dass wir unseren Kindern oder Enkeln etwas vom Glauben weitergeben. Dass sie an uns lernen können, was z.B. beten ist. Dadurch, dass man vor den Mahlzeiten betet etwa. Oder auch abends, beim zu Bett gehen.  Viele, die heute Konfirmanden sind, haben wenigstens noch Großeltern, die für sie beten. Oder sie haben zu Hause noch Gebete gelernt - ich freu mich im Konfirmandenunterricht immer darüber, wie viele von zu Hause her noch einzelne Gebete kennen!  Und darum möchte ich uns als Eltern und euch als Großeltern wirklich Mut machen: betet für eure Kinder und betet für eure Enkelkinder! Auch, wenn ihr manchmal denkt: „Das wollen die ja gar nicht", oder wenn ihr euch fragt: „Hat das überhaupt einen Sinn?"  Ja, dass wir für unsere Kinder und Enkelkinder beten – das hat Sinn! Darum: hört nicht auf damit!

Hier klappt das noch in etlichen Familien. Aber aufs Ganze gesehen sieht es in unserem Land an dieser Stelle eher trübe aus. Es klappt nicht mehr mit der Weitergabe der christlichen Werte. Die Tradition bricht ab. Und darum können wir sehr dankbar sein, wenn das von anderer Seite ergänzt wird. Dass es Menschen gibt, die sich dafür ins Zeug legen, dass junge Menschen mit dem Glauben in Berührung kommen. Und an dieser Stelle haben wir es hier bei uns gut, das will ich einmal ausdrücklich so sagen und anerkennen. Wir haben z.B. in den beiden Grundschulen, zu denen die meisten unserer Kinder gehen, ganz tolle Lehrerinnen und Lehrer. Nicht wenige sind dabei, denen der Glaube etwas bedeutet. Und im Rahmen der Möglichkeiten, die die Schule bietet, geben sie davon etwas weiter und leben den Glauben einfach vor. In der GS am Ottermeer und in der GS Spetzerfehn wird regelmäßig überlegt und da werden total kreative Dinge gemacht, wie man den Kindern auf die Spur Jesu helfen kann, so will ich das einmal sagen! Und darüber hinaus werden mehrmals jährlich Gottesdienste gefeiert! Und glaubt mir: das bleibt nicht ohne Auswirkungen! Davon geht direkt was in die kleinen Herzen und wenn Gott Gnade gibt,
bekommt die zarte Pflanze des Glaubens dadurch einen ordentlichen Wachstumsschub.
Und nicht nur in diesen beiden Schulen ist das so: wir haben ein gutes Dutzend Menschen, die dafür sorgen, dass hier bei uns Sonntag für Sonntag Kindergottesdienst gefeiert werden kann! Die bereiten sich darauf vor, treffen Absprachen, nehmen sich Zeit dafür – aber so ungefähr im letzten halben Jahr müssen sie feststellen, dass immer weniger Kinder auch da sind! Und ich bin überzeugt: das liegt nicht an den Kindern! Und das liegt auch nicht am Programm! Das sieht man daran, dass die Kinder, die dabei sind, meist regelmäßig kommen und immer wieder. Das würden sie ja nicht tun, wenn es nichts für sie wäre. Ich glaube vielmehr, dass viele Erwachsene es nicht mehr auf dem Schirm haben, dass sie ihren Kindern etwas wirklich Gutes tun, wenn sie sie zur Kinderkirche bringen! Etwas, das dazu beiträgt, dass sie zukunftsfähig werden! Und wer nicht in die Puschen kommt und seine Kinder regelmäßig zum KiGo bringt, der gibt eine wirklich gute Chance aus der Hand!
Und nicht vergessen will ich auch das, was bei uns im Kindergarten geleistet wird, um den Jüngsten in unserer Gemeinde fröhlich und ohne Druck Gott lieb zu machen! Hier und an so mancher anderen Stelle wird mit ganz viel Liebe und Phantasie vieles getan, damit Kinder und Jugendliche mit dem Wort Gottes und dem Glauben in Berührung kommen. Und damit geben wir unseren Kindern und Enkeln enorm viel mit für ihr Leben!

"Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein..." - diese Worte sollst du "binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tür."   Tür und Türpfosten sind hier angesprochen – und das ja die Teile meiner Wohnung oder meines Hauses, an denen ich jeden Tag viele Male vorbeikomme. Dort soll das stehen: "Der Herr, unser Gott ist der einzige Gott..."  Und auch, wenn wir das nicht wirklich an die Tür schreiben – gemeint ist es trotzdem so: jedesmal, wenn ich durch eine Tür gehe, erinnert es mich und mahnt es mich, damit ich es nur ja nicht vergesse: Du sollst Gott lieben von deinem ganzen Herzen...
An meinem Türpfosten soll das stehen, also nicht nur an der Kirchentür. Das bedeutet:
nicht nur einmal die Woche will Gott mich erreichen und mein Leben prägen und ausrichten - sondern täglich. Da, wo mein tägliches Leben spielt.  Wenn ich morgens die Tür zum Badezimmer öffne und da blockiert schon ein Kind das Klo oder das Waschbecken und ich will mich gerade aufregen - wenn dann an der Tür unsichtbar geschrieben stünde: 'Liebe deinen Gott, von ganzer Seele und aus allen deinen Kräften...' – ob ich dann auch wohl so rumknuttern würde, wie ich es oft tue?   Wenn an der Zimmertür oder an der Haustür diese Worte stehen würden - würde ich dann wohl noch im Zorn diese Tür hinter mir mit lautem Knall zuschmeißen, wenn wir uns böse gestritten haben?  Wenn ich die Tür zu meiner Arbeitsstelle öffne und wenn da diese Worte mich an meinen Glauben erinnern würden, wie würde sich das wohl auf meine tägliche Arbeit auswirken und auf meinen Umgang mit
den Kollegen oder mit meinen Mitarbeitern?  Wenn sie dieses Glaubensbekenntnis an mir entdeckten - könnten sie nicht von mir mehr Geduld erwarten, größere Freundlichkeit und ordentlichen Einsatz für meinen Betrieb? Vielleicht auch mehr Fairness gegenüber meinen Mitarbeitern? An allen meinen Türpfosten, dort wo mein Leben verläuft und dem Leben anderer begegnet, dort soll das stehen, damit ich es nie vergesse: Höre, Mensch, du hast einen Gott und sollst ihn von Herzen lieben! Und diese Liebe soll in meinen Alltag geschehen, dort wo ich wohne und arbeite, schlafe und meine Freizeit verbringe. Sie geschieht dort - oder sie geschieht überhaupt nicht. Denn es gibt in meinem Leben keinen Raum, in dem Gott nicht präsent sein möchte!  

Aus diesem Satz erklärt sich nun auch das andere wie von selbst: "Denkzeichen auf der Hand" und "Merkzeichen auf der Stirn".  Auf seinem Arm und zwischen den Augen trägt der fromme Jude die Kapseln mit dem Gebot: Du sollst deinen Gott lieben... Auf dem Arm soll es geschrieben sein - damit ich bei allem, was ich mit meinem Arm tue, daran erinnert werde.  Mit unseren Armen und den Händen daran tun wir ja unwahrscheinlich viel - wieviel, das merkt man meist erst, wenn man für eine Weile den Arm in Gips hat. Mit unserem Arm, mit der Hand begrüße ich Menschen. Ich packe meine tägliche Arbeit damit an.  Ich bediene damit die Fernbedienung vom Fernsehen. Ich betätige damit die Maus am Computer. Ich wähle damit die Seiten, die ich mir im Internet anschauen will. Und dieser Arm soll mich nun an Gott erinnern. Also: alles, was du mit deinem Arm schaffst und mit deinen Händen zustande bringst, soll unter dieser Weisung stehen: Liebe deinen Gott und liebe die Menschen, für die du mit deiner Hand, deinem Arm, deiner Kraft da sein sollst.

Und schließlich soll dieses Gebot "Merkzeichen auf meiner Stirn" sein. Dort, wo jeder Plan entsteht, wo die Ideen geboren werden, wo böse oder gute Gedanken gebildet, wo mein Wollen, mein Begehren, meine Meinungen und Vorstellungen geformt werden, lese ich Gottes Gebot: Höre, dein Gott will, dass du ihn liebst in allen seinen Menschen!  Keinen Gedanken soll es also geben, der nur mir gehörte, den ich denken könnte, ohne auf Gott und meinen Mitmenschen zu blicken. Alles, was in meinem Kopf vorgeht, hat eine Beziehung zu Gott und den anderen, denn all mein Denken geschieht unter dem Anspruch: Liebe deinen Gott! Und Jesus macht es dann noch deutlicher, wenn er hinzufügt: „Und liebe deinen Nächsten wie dich selbst!"   Lassen wir uns - auch wenn wir keine Juden sind - das heute sagen: Es gibt keinen Raum deines Hauses und deines Lebens, den Gott und dein Mitmensch nicht beanspruchen dürfte. Keine Tat, kein Werk, keine Arbeit, die du nicht vor Gott und deinen Nächsten verrichtest. Es gibt keinen Gedanken, keinen Plan, nicht die leiseste Regung deines Denkens, die nicht in Beziehung stünden zu deinem Gott und anderen Menschen.

Starke Worte sind das – und vielleicht regt sich in uns Widerstand. Dass wir denken: ist das nicht ein enormer Druck? Kann man das denn aushalten - immer vor Gottes Angesicht?  Und: will ich das überhaupt, dass Er mir so nahe kommt?  Bis in die intimsten Räume und Gedanken hinein?! Dazu will ich sagen: es geht hier nicht darum, dass Gott uns so nahe kommt, weil er uns damit belasten möchte. Oder uns unsere Freiheit nehmen möchte. Es geht darum, dass wir erst aus der Nähe zu Ihm heraus unser Leben wirklich so gestalten können, dass Er, wir selbst und andere Menschen ihre Freude daran haben. Gott will nicht zusätzlicher Ballast für unser Leben sein, sondern er möchte in allen Lebensräumen einfach so mitleben - er möchte unsere Umgebung, unser Milieu prägen und positiv verändern.

Wir alle wissen, wie die Umgebung, in der wir aufwachsen oder leben, uns prägt. Für die Entwicklung eines Menschen ist es ein Unterschied, ob er in einer Familie aufwachsen kann, in der das Miteinander im Großen und Ganzen klappt oder ob jemand in Verhältnissen aufwachsen muss, wo alle Beziehungen kaputt sind.  Und es ist ein Unterschied, ob ich von Kind auf über viel Geld verfügen und mir alles kaufen kann, oder ob ich es von klein auf lerne, mit Geld hauszuhalten und es nicht mit vollen Händen rauszuschmeißen. Und so gibt es viele Beispiele dafür, dass unser Milieu, dass die Umgebung, in der wir leben, großen Anteil daran hat, wie wir uns entwickeln. Wie wir zurechtkommen im Leben. Und das ist genau der Punkt: Gott möchte selbst zu unserer Umgebung werden! Damit unser Leben in Seinem Sinne verändert wird. Damit wir einen Halt haben und einen Maßstab, nach dem wir uns richten können. Und darum kann uns im Grunde genommen gar nichts Besseres passieren, als dass wir uns bewusst in den Machtbereich Gottes stellen. Dass wir uns bei den ganzen Alltäglichkeiten unseres Lebens daran erinnern lassen, dass wir von Ihm her leben und wertgeachtet sind. Seine Nähe hilft uns zum Leben - was wollen wir mehr? Amen.

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