Predigten Juni 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juni 2015

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Predigt über Markus 4, 26 – 29; 4. Sonntag nach Trinitatis; 28.06.2015

Liebe Gemeinde, jeder hat sicher so eine kleine Tüte mit Blumensaat auf seinem Platz gefunden – ein kleiner Gruß unserer Gemeinde. Dass in so einem bisschen Saat etwas liegt, was groß und bunt und lebendig wird, das hab ich ja schon vorhin bei den Taufen gesagt. Ein bisschen Saatgut nur – aber wenn ihr es aussät, dann wird fast wie von selbst eine wunderbar bunte, schöne Blumenwiese draus. Nicht von heute auf morgen – aber es wird wachsen! Und dann, wenn’s soweit ist, blühen. Saatgut aussäen und geduldig warten auf das, was dabei herauskommt - davon erzählt auch der Bibelabschnitt, den ich für heute ausgesucht habe – ich lese Markus 4, 26-29:

Zu den versammelten Menschen sagte Jesus: „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit dem Bauern und seiner Saat: Hat er gesät, dann geht er nach Hause, legt sich nachts schlafen, steht morgens wieder auf - und das viele Tage lang. Inzwischen geht die Saat auf und wächst; der Bauer weiß nicht wie. Ganz von selbst lässt der Boden die Pflanzen wachsen und Frucht bringen. Zuerst kommen die Halme, dann bilden sich die Ähren, und schließlich füllen sie sich mit Körnern. ...“

Klar: die Hobbygärtner unter uns denken nun jetzt sicher: ‚So einfach ist das auch nicht!
Mit dem Säen allein ist es ja nicht getan! Da muss auch Unkraut gejätet und gedüngt werden.‘ Jeder weiß: Gärtner und Bauern müssen hart arbeiten, wenn sie ernten wollen!
Mit „Abwarten und Tee trinken“ kommt man nicht weiter. Nicht nur Gärtner und Bauern nicht, wir andern auch nicht. Morgen ist wieder Montag und keiner kann es sich in der neuen Woche leisten, dass er nur abwartet und sagt: „Wird schon werden.“ Die letzten Klassen-
arbeiten vor den Versetzungszeugnissen stehen an. Und wer da nicht anständig gelernt hat, für den kann’s eng werden. Wer ab morgen auf der Arbeit nur mit den Händen in den Taschen rumsteht und nicht ordentlich anpackt, der muss sich nicht wundern, dass er fliegt. Und wer darauf wartet, dass die Wäsche sich von alleine bügelt und das Essen von selbst gelingt, der ist schief gewickelt, das klappt sogar mit’m Thermomix nicht. ‘Von nichts kommt nichts!‘

Aber wie denn nun?! Hat das, was Jesus uns heute sagen lässt, hat das seinen Sinn verloren? Gilt das nicht mehr? Oder hat Jesus einfach keine Ahnung? Weiß er nicht,
wie sehr wir uns oft abrackern müssen? Ich glaube, es ist anders. Jesus weiß, was der Bauer und was wir wissen: dass wir im Normalfall viel Arbeit haben – in unserem Beruf, in der Schule, in der Familie. Aber er weiß auch: das, was wir tun, ist nur die eine Seite! Die andere Seite ist: das, was wir getan haben, muss sich auch setzen können. Braucht seine Zeit, in der es sich entfalten kann. Wenn wir immer nur ‚tun‘ – das bringt‘s nicht! Wer vor einer Klassenarbeit drei Tage von nachmittags bis abends nur noch lernt, dem raucht der Kopf und der kann sich nicht mehr konzentrieren und nichts mehr aufnehmen. Wer auf der Arbeit von morgens bis abends ohne Pause durcharbeitet, der wird bald merken: ich kann nicht mehr! Und: das, was bei meiner Arbeit rauskommt, ist auch nicht mehr so gut! Ich mache mehr Ausschuss! Und wer in seinem Haushalt, in seiner Familie nur rund um die Uhr rotiert und immer nur macht und tut, der wird bald völlig erschöpft sein.
Jeder weiß: zwischendrin müssen wir zur Ruhe kommen, sonst drehen wir irgendwann am Rad. Wir müssen auch mal die Arbeit aus der Hand legen und die Dinge sich selbst über-
lassen. Der Bauer im Gleichnis weiß das: dass er sein Teil tun muss, nämlich das Saatgut aussäen. Und dass er dann darauf warten muss, dass da was draus wird, dass es wächst und blüht und gedeiht. Diesen Zusammenhang greift Jesus auf und er sagt: So ist es mit dem Reich Gottes auch! Dass Gott bei einem Menschen ankommt. Dass sein Wille sich durchsetzt. Dass Gott anfangen kann, einem Menschen Gutes zu tun! Das ist wie Saat aussäen und dann darauf warten, dass sie aufgeht und wächst. Im ursprünglichen Bibeltext, da steht an dieser Stelle ein Wort, das wir alle kennen: „automatae“, automatisch. Jesus sagt also: wenn das Saatgut ausgestreut ist, dann passiert ganz automatisch etwas, ohne dass Menschen eingreifen können und müssen. Von selbst bringt die Erde Frucht. Und das ist nicht nur mit Getreide oder Blumensaat so. Das ist auch mit dem Reich Gottes so. Also dass Er einem Menschen wichtig wird und sein Leben positiv verändert.

Unsere Aufgabe dabei ist es, dass wir aussäen. Und das sollen wir tun! So wie der Bauer es auch tut. Aber wir säen keine Blumen- oder Getreidesaat – unser Saatgut ist Gottes Wort. Das, was von ihm in der Bibel steht. Wie er über uns denkt und was er mit uns vorhat. Und das, was wir schon mit ihm erlebt haben, das ist auch Saatgut. Und das streuen wir aus – z.B. wenn wir mit unseren Kindern beten, abends bevor sie einschlafen. Mit Kindern beten – das ist Saatgut ausstreuen. Ich krieg jeden Montag und Dienstag mit, dass gleich neben meinem Büro Saatgut ausgestreut wird – wenn die Krabbelkreise sich treffen und fröhliche Lieder singen. In denen Gott vorkommt. Das ist ‚Saatgut ausstreuen‘. Und wenn ihr in den Chören singt und Musik macht - dann wird Saatgut ausgestreut! Ihr singt ja nicht irgendwas – sondern ihr transportiert sozusagen mit eurer Musik und mit euern Liedern das, was Gott uns sagen möchte. Als erstes erreicht es euch selbst – wenn ihr eure Lieder singt, dann fällt dieses besondere Saatgut erstmal in euer eigenes Herz. Und wenn ihr dann im Gottesdienst singt, dann streut ihr es auch wieder aus – dann erreicht die gute Saat von Gottes Wort uns. Durch euch. Ihr seid Gottes Sä-Leute!

Dass das Saatgut ausgestreut wird, dass das unter die Menschen kommt, was Gott ihnen gerne sagen will, das passiert jeden Tag. Und dass das passiert, das ist unsere Aufgabe. Aber dass dann was draus wird, das ist Gottes Sache! Manchmal dauert das Jahre. Aber Jesus sagt: da müsst ihr nicht dran verzweifeln! Ihr könnt da nichts dran drehen. Ihr müsst Gott einfach machen lassen! Eine Sache, die ich dazu gelesen habe, hat mich schwer be-
eindruckt: man hat in Pharaonengräbern Saatgut gefunden, das war‘n paar tausend Jahre alt. Und irgendeiner hat davon einige Körner in die Erde gesteckt – und aus diesen uralten Saatkörnern wuchs Getreide! Und wenn das bei Getreide schon so ist, da brauchen wir uns um das Reich Gottes doch keine Sorgen zu machen, oder?! Da, wo das Saatgut ausgestreut wurde, da kann es wachsen, manchmal noch nach Jahren! Vor einigen Jahren wurde ich von einem Elternpaar angerufen. Ihr Kind sei so schräg drauf. Im besten Teenageralter und statt sich am Leben zu freuen und auf Tour zu gehen und so würde es ständig Dinge tun, die nicht gut sind und sich selbst verletzen. Die Eltern waren verzweifelt, schließlich hatten sie alles getan, damit ihr Kind einen guten Start hat. Gemeinsam haben wir überlegt, was wir machen können. So gut wir konnten, sind wir auf dieses Kind eingegangen. Haben auch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Und wir haben mit Gott über dieses Kind gesprochen, wir haben gebetet. Irgendwann, nach und nach, wurde es besser, und ist aus dem Sorgen-
kind ein prächtiger junger Erwachsener geworden, der aus seinem Leben echt was macht! Da ist gute Saat aufgegangen! Gott hat aus dem, was wir so gut wir konnten ausgesät haben, was Tolles wachsen lassen! Oder ich weiß von einem jungen Paar. Die beiden meinten es wirklich ehrlich miteinander und waren dabei, sich was aufzubauen. Aber die Eltern funkten ständig dazwischen. Wollten sie, auch was den Glauben angeht, in eine be-
stimmte Richtung drängen. Rausgekommen ist das Gegenteil, die wollten vom Glauben gar nichts mehr wissen. Und irgendwann haben die Eltern sich dann getraut, ihre Kinder wirklich Gott zu überlassen. Nicht mehr reinzufunken. Sich raus zu halten. Und siehe da – es klappt jetzt nicht nur vom menschlichen her viel besser miteinander, sondern die jungen Leute können jetzt auch wieder was mit dem Glauben anfangen. Jemand, dem es im Moment gesundheitlich ziemlich dreckig geht, erzählte mir: jetzt, wo ich krank bin, hab ich wahnsinnig viel Zeit und da kommen mir viele Gedanken, die ich sonst immer verdrängt habe. Und komisch – immer wieder kommt mir ein Lied in den Sinn, das meine Oma mir früher immer vorgesungen hat, dass Gott auch im Dunkeln bei mir ist. Ich hab’ jahrelang nicht an dieses Lied gedacht und an Gott auch nicht – aber jetzt ist es da und es macht mich ruhig und trö-
stet mich.

Gottes Reich wächst mitten unter uns. Seine gute Saat geht auf! Von hier aus habe ich ei-
nen tollen Ausblick – ich sehe auf ein ganzes Feld aufgegangener Saat! Das seid Ihr, liebe Gemeinde! Bei euch ist das Saatgut schon gewachsen und zur Blüte gekommen – sonst wärt ihr ja nicht hier! Ausstreuen und säen, das ist unsere Sache. Aber das Aufwachsen und die Ernte, das ist Gottes Sache. Und mancher hat das erlebt, dass da was gewachsen ist, wo sie vielleicht gar nicht mehr damit gerechnet haben. Darum lasst uns weitermachen, die gute Saat von Gottes Wort auszustreuen! Wir werden noch ganz große Augen machen, wenn wir später mal sehen, was Gott daraus hat wachsen lassen! Amen.




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