Predigten Juni - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juni

Predigten > 2016
    

1. Korinther 1, 18-25; 5. Sonntag nach Trinitatis; 26.06.2016

 
Liebe Gemeinde, viele von euch wissen, dass ich bei bestimmten Gelegenheiten gerne das Kreuz mit einem Plus-Zeichen vergleiche. „Plus“ – das ist was Positives!  Du kannst ruhig eine Summe von 100.000 Euro auf dem Kontoauszug stehen haben – die Zahl alleine sagt noch nichts davon aus, ob du ’ne Stange Geld oder ob du ziemlich viele Schulden hast. Es kommt darauf an, welches Vorzeichen vor der 100.000 steht – wenn da ein Minus-Zeichen steht, dann hast du ’nen Haufen Miese auf dem Konto, aber wenn da ein Plus-Zeichen steht, dann kommt dir das Geld zugute.

 
Und wenn ihr nun mal das Kreuz seht, so eines, wie zB hier vorne steht und wenn ihr davon nur das obere Teil seht und euch den Rest wegdenkt – dann ist das auch so wie ein Plus-Zeichen. Das Kreuz sagt uns: das, was Jesus dort am Kreuz erlitten und durchgestanden hat, das kommt uns, dir und mir, zugute!  Und In diese Richtung geht das auch, was der Predigttext für heute im Sinn hat. Ich lese ihn uns erst eben vor, 1. Kor. 1, 18-25:

 
Dass Jesus Christus am Kreuz für uns starb, muss all denen, die verloren gehen, unsinnig erscheinen. Wir aber, die gerettet werden, erfahren gerade durch diese Botschaft vom Kreuz die ganze Macht Gottes.  Denn Gott spricht in der Heiligen Schrift: "Bei mir zählt nicht die Weisheit der Welt, nicht die Klugheit der Klugen. Ich werde sie verwerfen."  Was aber haben sie dann noch zu sagen, all diese Philosophen, die Kenner der heiligen Schriften, die redegewandten Leute dieser Welt? Hat Gott ihre Weisheiten nicht als Unsinn entlarvt?  Denn Gott in seiner Weisheit hat es den Menschen unmöglich gemacht, mit Hilfe ihrer eigenen Weisheit Gott zu erkennen. Stattdessen beschloss er, alle zu retten, die einer scheinbar so unsinnigen Botschaft glauben.  Die Juden wollen Wunder sehen, und die Griechen suchen nach Weisheit. Wir aber sagen den Menschen, dass Christus am Kreuz für uns sterben musste, auch wenn das für die Juden eine Gotteslästerung ist und für die Griechen blanker Unsinn. Und dennoch erfahren alle, die von Gott berufen sind - Juden wie Griechen -, dass sich gerade in diesem gekreuzigten Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit zeigen.  Was Gott getan hat, übersteigt alle menschliche Weisheit, auch wenn es unsinnig erscheint; und was bei ihm wie Schwäche aussieht, übertrifft alle menschliche Stärke.

 
Der Apostel Paulus schreibt eine Abhandlung über das, was das Kreuz bedeutet und wie es von unterschiedlichen Menschen bewertet wird. Dass er so eine Abhandlung schreibt, das war damals mehr als angebracht. Auf der einen Seite hatte er Menschen um sich, die so richtig was auf dem Kasten hatten und die Freude daran hatten, über Gott und die Welt zu philosophieren. Sie waren stolz auf ihre Weisheit, viele von ihnen hatten studiert, kannten sich mit dem aus, was die Welt zusammenhält. Und etliche waren auch dabei, die es sehr kritisch beäugten, dass sich da eine neue religiöse Gruppe etablierte – die Christen. Und da hatten sie nun allerhand Fragen – aber das waren gar nicht in erster Linie Fragen, die sie weiterbringen sollten, sondern oft waren diese Fragen wie Giftpfeile, mit denen sie die, die diesem Jesus nahe standen, angreifen wollten.  Das kennen wir ja auch: da sitzt du bei irgendeiner Feier und irgendwann kommt das Thema auf die Kirche. Und dann wird meist alles aufgezählt, was es daran auszusetzen gibt. „Ihr von der Kirche tut ja nichts für die, die euch wirklich brauchen“ und „die Kirchensteuer ist Mist“ und „die, die immer in die Kirche rennen, sind auch nichts besser“, und „der ganze Reichtum vor allem in der katholischen Kirche sollte verkauft und das Geld den Armen gegeben werden“ und „das ist doch wohl völlig daneben, dass der Papst immer noch gegen die Pille ist“ und, und, und...  Es ist klar: Kirche ist Mist! Und du bist so’n Depp, der da auch noch mitmacht oder da hingeht! Wie kannst du nur?!

 
So ähnlich war das auch damals in dem Umfeld, in dem Paulus und die anderen Christen lebten. Kirchensteuer, Pille und kirchliches Vermögen gab es noch nicht – aber ein anderes Thema erregte die Gemüter: wie könnt ihr Christen einem folgen, der am Kreuz hingerichtet wurde und von dem ihr bekennt, er sei euer Heiland, der Retter, der Christus?!  Für die, die sich darüber aufregten, war es sonnenklar: das Kreuz ist ein echtes Ärgernis! Man muss wissen: das Kreuz war damals das absolute Symbol für Niederlage und Schwäche und Versagen. Am Kreuz landeten die, die versagt hatten! Der Abschaum! Die, mit denen man nichts mehr zu tun haben wollte! Und wer am Kreuz zu Tode gebracht wurde, dem blieb kein bisschen Ehre mehr. So schlimm und so grausam war die Hinrichtung am Kreuz, dass kein römischer Staatsbürger gekreuzigt werden durfte. Man konnte Verurteilte aufhängen oder köpfen oder lebendig verbrennen – nichts davon war so grausam und schlimm,  wie sie ans Kreuz zu nageln und zu warten, bis sie elendig krepierten. Und das konnte manchmal tagelang dauern. Und wenn nun ausgerechnet die neue Gruppe der Christen immer wieder davon sprach, dass ihr Anführer, dass Jesus am Kreuz gestorben war – dann konnte kein halbwegs vernünftig denkender Mensch damit etwas anfangen! Aus ihrer Sicht war Jesus der absolute Versager und das Kreuz das Bild, das Symbol für totalen Unsinn. Und zu diesem ganzen Bereich nimmt nun der Apostel Paulus Stellung. Und zwar denen gegenüber, die in den Gemeinden leben. Weil er merkt: etliche werden verunsichert! Wissen gar nicht mehr, was sie denken und glauben sollen.  Und ihnen macht er nun klar, warum das Kreuz letztlich wie ein Plus-Zeichen über unserem Leben ist.

 
1.:  Das Kreuz ist ein Pluszeichen, weil Jesus durch seinen Tod am Kreuz den Tod besiegt hat.   Jeder, der schon ein-mal um einen Menschen getrauert hat, weiß wie schwer es ist, wenn wir vor der Mauer des Todes stehen. Das ist auch für uns Christen so. Keiner soll sagen, dass für uns das loslassen leichter ist und der Schmerz weniger weh tut. Und der Weg durch die Trauer kann ganz furchtbar quälend und lang sein. Und trotzdem gilt gleichzeitig auch etwas anderes: dass nämlich der Tod nicht mehr die Macht ist, die es letzten Endes über uns zu sagen hat.  Auch wenn Christen sterben, dann tut das weh, keine Frage! Aber Jesus gibt uns sein Wort, dass wir dann nicht ein-fach in ein dunkles Loch fallen oder im Nichts versinken. Wir sind und bleiben auch dann in Gottes Hand! Und wir wer-den umgeben sein von Seinem Licht, von Seinem Glanz und von Seiner Herrlichkeit. Und noch etwas anderes will ich dazu sagen: wenn ich in den Zeiten, in denen es mir gut geht, meinen Glauben vertiefe und stärke, dann bekommt er eine solide und gute Grundlage, für Zeiten wo mir der Wind um die Ohren weht und ich schwere Sachen zu verkraften habe. Und wie oft haben wir das in unserer Gemeinde erlebt?! Dass Menschen dadurch, dass sie sich an’s Kreuz Christi gehalten haben, gestärkt wurden! Dass sie mitgehen konnten, wenn Jesus ihnen an der Schwelle seine Hand gereicht hat – und dass ihre Angehörigen nach und nach einen Weg finden ins Leben zurück. Christlicher Glaube ist etwas für gute und schwere Tage. Und für jemanden, der einen lieben Menschen verloren hat, kann das Kreuz zu dem Griff werden, der ihn festhält.


 
2.: Das Kreuz ist ein Pluszeichen, weil es die Schuld-Krise beseitigt
Habt ihr schon einmal ein schlechtes Gewissen gehabt? Weil du wirklich schuldig geworden bist. Menschlich gesehen gibt es verschiedene Arten mit Schuld umzugehen – aber sie haben eines gemeinsam: es sind mehr oder weniger hilflose Versuche, die meistens nichts bringen. Da gibt es das „Schwarze Peter Spiel“. Wie oft haben wir das mit unseren Kindern gespielt – ich mag das heute noch gerne. Und immer, wenn man den schwarzen Peter hat, setzt man sein Pokergesicht auf und versucht, dass man ihn wieder los wird. So gehen wir mit Schuld auch oft um – dass wir sie weitergeben. Hauptsache, ich hab‘ sie nicht mehr! Aber eine Lösung ist das meistens nicht – nur ein Verschiebespiel. Eine zweite Variante, wie wir oft mit Schuld umgehen: Wir kehren sie unter den Teppich. Wie bei einer schlechten Putzfrau wird alle Schuld im Dunkel versteckt. Man sieht sie erstmal nicht mehr – aber irgendwann kann es passieren,  dann man darüber stolpert.  Und dann gibt es noch die Variante, dass ich versuche, die Schuld zu ignorieren und einfach so weiter zu machen.
Aber allen Varianten ist gemeinsam, dass Schuld nicht wirklich gelöst wird. Und hier kommt nun wieder das Plus-Zeichen vom Kreuz: Gott streicht das durch! Was an das Kreuz gebracht wird, das ist vergeben und braucht weder weiter geschoben, noch versteckt, noch verschwiegen werden. Die Folgen der Schuld bleiben, aber Vergebung des Kreuzes schenkt Heilung und Neuanfang.
Im schwäbischen Oberland kann man in einer kleinen Dorfkirche ein interessantes Deckengemälde sehen: Es ist Jesus am Kreuz dargestellt und auch der Teufel ist abgebildet. Er hat einen großen Schuldbrief in der Hand. Darauf stehen die Sünden der Menschen. Der Teufel will zu Jesus sagen: „Schau her, wie schlecht die Menschen sind. Hier stehen ihre Sünden. Diese sündigen Menschen gehören alle mir.“  Da kommt ein Engel mit einem Schwamm. Er fängt das Blut und Wasser auf, das aus der Seitenwunde Jesu strömt. Mit dem Schwamm löscht er den Schuldbrief des Teufels.  Der Maler wollte damit sagen: Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz die Schuld der Menschen gesühnt. Er hat uns mit Gott versöhnt.  
Wer diese Vergebung annimmt, für den ist das Kreuz kein Unsinn, sondern Got-tes Kraft und Gottes Weisheit.
Und es tut gut, sich das immer wieder sagen zu lassen, sich daran zu erinnern. Darum kommt bei uns das Kreuzzeichen immer wieder vor: bei jeder Taufe mache ich ein kleines Kreuz an die Stirn des Kindes; jeder Konfirmand empfängt das Kreuzzeichen. Gestern durfte ich mehrmals über Menschen das Kreuz machen – ein großes Plus über sie setzen: bei der Trauung von Ewald und Franziska Wendeling und bei der Golde-nen Hochzeit von Helmut und Anneliese Bartsch – einmal bei den Paaren direkt, aber auch am Ende des Gottesdienstes über alle, die in der Kirche waren. So wie ich es nachher auch mache – beim Segen schlage ich das Kreuz über euch. Und das ist kein frommer Hokuspokus, sondern das ist ein Symbol. Ein Zeichen dafür, dass wir in die neue Woche starten können mit Gottes Plus-Zeichen über uns! Und das ist doch was!  Und ich glaube, es würde uns gut tun, wenn wir uns das öfter einmal klar machen würden, dass Gottes Plus uns gilt, dass das Kreuz Christi unserem Leben Wert und Sinn und Perspektive gibt! Unsere katholischen Mitchristen gönnen sich das öfter als wir – wenn sie sich bei bestimmten Gelegenheiten bekreuzigen. Das ist nichts anderes, als dass sie sich dadurch selbst erinnern: ich bin mit dem verbunden, der das Kreuz auf sich genommen hat – und der damit ein großes „Plus“ über mein Leben setzt! Damit lässt es sich leben – und dann, wenn es einmal so weit ist, auch sterben! Amen.

 

 
          
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