Predigten März 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Predigten März 2015

Predigten > 2015

Predigt über Johannes 12, 12-19; Palmarum; 29.03.2015

Liebe Gemeinde, vorhin –bei den Taufen- haben wir erlebt, wie sozusagen ein Kindersitz gepredigt hat. „Predigen“ – das bedeutet ja: das, was in der Bibel steht, so ausdrücken und erzählen, dass man begreifen kann, was das für uns heute bedeutet. Und so gesehen hat vorhin der Kindersitz gepredigt – ich hab‘ ihm nur meine Worte geliehen. Und er hat uns gesagt, wie das zu verstehen ist, wenn Gott sagt, dass Er Seine Hand über uns hält.

Wenn sogar ein Kindersitz predigen kann, dann braucht es einen gar nicht wundern, wenn ich behaupte: auch Tiere können predigen! In der Bibel kommen viele Tiere vor. Und sie sind nicht einfach nur schmückendes Beiwerk und nicht nur Deko, sondern sie haben etwas zu sagen. Besonders in dem Teil der Bibel, in dem es darum geht, dass Jesus leidet und dann gekreuzigt wird, besonders in diesem Teil kommen viele Tiere vor. Der Hahn zum Beispiel hat es sogar bis auf die Spitzen unserer Kirchtürme gebracht – als Erinnerung an den Hahn, der krähte, als Petrus, ein ganz enger Freund von Jesus, gleich dreimal behauptet hat, dass er Jesus gar nicht kennt. Und in dem Bibelabschnitt, der heute dran ist, kommt auch ein Tier vor – und zwar ein Esel! Ich lese uns diesen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium erstmal:

„ Viele von denen, die zum Passafest gekommen waren, erfuhren, dass Jesus sich
auf den Weg nach Jerusalem gemacht hatte. Da nahmen sie Palmzweige in die Hand und zogen ihm entgegen. ‚Hosianna!‘, riefen sie. ‚Gelobt sei Gott! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Heil dem König von Israel!‘ Jesus hatte einen jungen Esel geliehen und ritt auf ihm in die Stadt, wie es schon in der Heiligen Schrift steht: "Fürchte dich nicht, Tochter von Zion! Dein König kommt zu dir! Er reitet auf einem Eselsfohlen." Aber das verstanden seine Jünger damals noch nicht. Erst nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war, erinnerten sie sich, dass man ihn genauso empfangen hatte, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt war.“

Esel sind ganz besondere Tiere. Nicht nur, dass sie niedlich aussehen und ganz schwere Sachen tragen können. Esel sind auch eigensinnig und auf ihre Weise sehr schlau. Ein Esel bleibt zum Beispiel einfach stehen, wenn er Gefahr wittert. Und dort, wo Jesus gelebt hat, waren Esel ganz normale Tiere, die sehr nützlich waren und die sich auch ganz normale Menschen leisten konnten. Und ausgerechnet so einen Esel wählt sich Jesus aus, um darauf in Jerusalem einzuziehen. Und da haben sich die Leute damals total gewundert. Viele von ihnen dachten: Endlich zeigt Jesus, wer er wirklich ist! Der König aller Könige! Herr aller Herren! Endlich haut er mit der Faust auf den Tisch und sorgt dafür, dass es nicht mehr so ungerecht zugeht. Endlich bekommen die, die arm sind, das was sie brauchen! Endlich werden die, die böse sind, rausgeworfen und ihnen wird das Handwerk gelegt!

Dass Jesus das tut, das haben Viele von ihm erwartet. Und sie haben gedacht, dass er jetzt damit anfängt. Darum begrüßen sie ihn und jubeln ihm zu und bereiten ihm einen tollen Empfang. Aber komisch: er kommt gar nicht wie einer, der so richtig viel Macht hat! So einer wäre auf einem stolzen Pferd in die Stadt geritten! Aber Jesus hat sich für einen Esel entschieden – für so’n Lasttier der kleinen Leute. Ich war neulich in Hamburg auf einem Kongress. Da sprach auch der Bundesinnenminister. Mit einem Hubschrauber schwebte er ein, ungefähr zwanzig Leute schirmten ihn ab, als er in den großen Saal kam. Und dass Jesus so’n Esel nimmt, das ist ungefähr so, als wäre der Innenminister mit’m Fahrrad gekommen. Da hätte man gedacht: das geht irgendwie gar nicht! Doch – bei Jesus geht das! Und ich bin sicher, dieser Esel, auf dem er reitet, der will uns etwas sagen und zu denken geben. Nur eine Sache davon will ich nennen:

Der Esel ist einfach da, als er gebraucht wird!
Gebraucht wird er von Jesus. Wir wissen ja: wo Jesus ist, da ist Gott! Und wo Jesus zu einem Menschen kommt, da kommt Gott zu einem Menschen! Und wo Jesus ist, da merken Menschen: Gott will es mit mir zu tun haben! Ich bin wichtig für Gott! Dass wir wichtig für Gott sind, und dass Jesus uns mit Gott in Verbindung bringen möchte, das ist etwas richtig Schönes. Darum nennt man das auch ‚Gute Nachricht‘. Und damit diese gute Nachricht von Jesus Menschen erreicht, braucht Jesus uns.
Hätte Jesus ein stolzes Pferd genommen, um in Jerusalem einzureiten, dann hätte das so ausgesehen, als ob er nur was ganz Besonderes gebrauchen kann, damit er zu den Menschen kommen kann. Aber das ist nicht so! Jesus braucht nichts Besonderes, um zu Menschen zu kommen. Hier nimmt er einen Esel – also etwas, was damals ganz normal und gewöhnlich ist.

Jesus möchte zu Menschen kommen. Damit sie fröhlich werden. Kraft bekommen. Mutig werden und zuversichtlich. Und dass er bei ihnen ankommt, dafür nimmt er was ganz normales und gewöhnliches. Zum Beispiel eine ganz normale Oma. Ich weiß von mindestens einer Oma, die heute hier ist, und die betet für ihr Enkelkind. Weil das Enkelkind nächste Woche operiert werden muss. Und diese Oma möchte gerne, dass Jesus dafür sorgt, dass das alles klappt und dass dann alles richtig gut ist. Also: diese Oma hilft mit, dass Jesus bei ihrem Enkelkind seine Kraft erweist. Anders gesagt: sie bringt Jesus da hin, wo er jetzt gebraucht wird. So wie der Esel damals in Jerusalem. Ich hab‘ nicht gesagt, dass diese Oma ein Esel ist – nicht falsch verstehen! Aber ich habe gesagt: sie transportiert sozusagen Jesus! Und das kann sie auch! Obwohl sie eine ganz normale Oma ist. Sie hat nicht Theologie studiert, würde wahrscheinlich nicht aus‘m Stand irgendwelche Glaubensvorträge halten. Muss auch nicht! Ganz im Gegenteil: Jesus nimmt ein ganz gewöhnliches Tier, um bei den Menschen anzukommen. So wie wir ganz gewöhnliche Menschen sind. Nicht nur die Besonderen braucht er. Die viel gelesen haben. Falten vor dem Kopf haben vom vielen studieren. Nee, ganz normale Menschen braucht Jesus, damit er zu Menschen kommt. So wie diese Oma eben. Oder wie euch vom Gitarrenchor! Durch eure Lieder bringt ihr ja auch Jesus zu den Menschen. Obwohl ihr ganz normale Menschen seid. Keiner von euch hat Musik studiert. Keiner ist Opernsänger. Keiner kennt sich wahnsinnig gut aus mit Notenkunde. Keiner hat lange Gesangsunterricht gehabt. Aber: jeder von euch hat gemerkt: es ist gut, dass Jesus in meinem Leben ist! Und darum ist es sicher auch gut, wenn er bei anderen Menschen ist! Und darum singt ihr Lieder von ihm. Lieder, in denen er selbst bei Menschen ankommt. Obwohl ihr ganz normale Menschen seid. Keine Berufsmusiker. Und obwohl manchmal eure Stimme kratzt, wenn ihr erkältet seid. Macht nix – Jesus braucht euch! Dringend! Damit er bei Menschen ankommen kann!

Drei Kinder haben wir getauft heute. Der Anfang mit Gott ist gemacht – super! Aber nun kommt‘s drauf an, dass sie auch weiterhin davon was mitkriegen, dass Gott für sie da ist! Dass Jesus ihr Leben froh machen will. Und dazu braucht er euch, liebe Eltern und Paten! Jesus ist überzeugt: ihr
könnt das! Ihr könnt eure Kinder und Patenkinder mit Jesus bekannt machen. Obwohl ihr ganz normale Menschen seid. Keine Glaubensspezialisten. Sondern Menschen, die vielleicht auch nicht gleich aus dem Stand erzählen können, warum sie das wichtig finden, dass ihr Kind getauft wird. Und ich denke mal, ihr habt auch noch keine dicken Wälzer darüber gelesen, wie Glaube in einem Menschen wachsen kann. Müsst ihr auch nicht! Erzählt euerm Kind einfach, dass Gott auf seiner Seite steht! Dass dort, wo Jesus ist, Gott ist! Und dass Jesus dafür sorgt, dass wir ihn nach und nach besser kennenlernen – zum Beispiel dort, wo er wohnt: in seiner Gemeinde. Darum müsst ihr keine hochgestochenen Glaubensexperten sein, liebe Eltern und Paten. Es genügt, wenn ihr mit euern Kindern betet. Und für sie betet. Wenn ihr ihnen später Lust auf Kindergottesdienst macht. Vielleicht sogar am Anfang selber mal mitgeht. Eigentlich ganz normale Sachen und nichts Außergewöhnliches. Aber Sachen, die Jesus gebraucht, damit er bei Menschen ankommen kann. So wie damals den Esel.

Nein, ich werde zu keinem von euch sagen: „Du Esel!“ Und trotzdem
sind wir’s! Menschen, die Jesus gebraucht, damit er zu anderen hingehen und bei ihnen ankommen kann!
Amen.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü