Predigten Mai 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Mai 2015

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Themapredigt „Segen“ am 31.05.2015; Silberne Konfirmation der Jahrgänge 1989/1990

Liebe Silberlinge, liebe Angehörige, liebe Gemeinde, lasst uns noch man eem ‘n Moment in Erinnerungen schwelgen – ich hab ein paar Fotos mitgebracht von „damals“. Und als ich die ausgesucht hab, da hab ich mich total gewundert: wo sind denn die ganzen Bilder? Aber dann dämmerte es mir: es gibt gar nicht so viele! Heute hau‘ ich mit der DiGi-Cam über den Tag verteilt mindestens 200 Bilder raus – die ersten fuffzig hab ich ja schon im Kasten. Macht nix, weil: kostet ja nix! Damals hab ich mit meiner Spiegelreflex Dias gemacht – und die kosteten was, erstmal den Film, dann die Rähmchen, dann alle Nase lang ’ne neue Birne für den Projektor. Und weil ich als Pastor ja noch neu und in der Probezeit war, wollte ich natürlich nicht zu viel Geld für Fotos und so ausgeben – nicht, dass der Kirchenvorstand denkt, der „Neue“ ballert das Geld man nur so raus. ;-) Also sind es nur ganz wenige Bilder geworden – aber trotzdem zeigen die, wie die Zeit vergangen ist. Habt ihr Lust, ‘n bisschen zu kucken?! ... ... ...

Jahrgang 1989:




  


Jahrgang 1990







  



Oh Mann, da wird einem ganz anders... So viel Veränderung – und dabei kommt es einem doch vor, als sei das noch gar nicht so lange her! Aber es lässt sich nicht leugnen – ¼ Jahrhundert ist seitdem vergangen! Und nicht nur die Mode hat sich verändert – jeder von uns auch. Bei Euch, liebe Silberlinge, mag man das wohl am deutlichsten sehen: vom Teenager zum Menschen in der Mitte des Lebens. Vom schüchternen kleinen Mäuschen, das kaum den eigenen Namen piepsen mochte, zur gestandenen Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Vom kleinen Spargeltarzan zu einem Brecher von Kerl. Von jemandem, der einen insgesamt eher ungünstigen Start ins Leben hatte zu einem Menschen, der was aus sich gemacht hat und echt stolz auf sich sein kann. Vom süßen Herzensbrecher mit ziemlich viel Testosteron im Blut zu einem treuen Ehemann und liebevollen Familienvater. Vom 70-Kilo-Pastor fast verdoppelt auf... , ach komm, das lassen wir mal... Als ich zu euch kam, da war ich so roundabout 10 Jahre jünger als ihr jetzt seid. Da darfst du gar nicht drüber nachdenken, was sich alles in den Jahren verändert hat.

Aber einiges ist ja auch geblieben – zum Beispiel die Kanzel und der Altartisch hier vorne in der Kirche. Vor dem habt ihr damals bei eurer Konfirmation gekniet – und da hab ich euch Gottes Segen zugesprochen. Ich hab euch für euern Weg durchs Leben Gottes Segen mitgegeben. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich euch das damals vernünftig erklärt hab, was das mit Gottes Segen so auf sich hat. Darum will ich das heute sozusagen vorsichtshalber nachholen – so für die zweite Halbzeit eures Lebens.

Gottes Segen. Wenn man das Wort „Segen“ mal aufdröselt, dann kommt man dahinter, dass es vom lateinischen Begriff „signare“ kommt. Und „signare“ bedeutet: ein Zeichen dran machen! Wir kennen das von anderen Dingen – von Dingen, die einzigartig und oft kostbar sind. Die sind nämlich signiert, handsigniert – da kommt dieses Wort „signare“ wieder vor: jemand hat mit eigener Hand seinen Namen auf etwas geschrieben. Als ich im besten Konfirmandenalter war, hab ich ’ne Zeitlang zwei Dinge gesammelt: Poster und Autogramme. Poster waren immer in der Bravo – da hingen dann an den Wänden von meinem kleinen Zimmer einträchtig T-Rex, die Les-Humpries-Singers und Reinhard May nebeneinander. Aber so schön die auch waren – wichtiger und wertvoller waren die Autogramme! Weil – da hatte der Künstler ja selber seinen Namen druntergeschrieben! Und bei jeder „Hitparade“ und jeder „Disco“-Sendung mit Ilja Richter hab ich die Adressen von den Künstlern aufgeschrieben und dann ’ne Postkarte hingeschickt und meistens kam dann’n paar Tage später eine Autogrammkarte – eine echte Kostbarkeit! Und so ist es mit anderen Dingen ja auch – wenn unter einem Bild „Rembrandt“ steht oder „Picasso“, dann hast du da ein echtes Original und das gibt’s nur einmal auf der ganzen Welt. In dem Moment, wenn ein Künstler etwas handsigniert, dann wird daraus was wirklich Einzigartiges. Etwas, wovon der Künstler sagt: „Das habe ich gemacht! Und das habe ich richtig gut gemacht! Und darum schreib ich meinen Namen da drunter oder ich mach mein Zeichen da dran!“ Und so hat Gott an dir auch ein Zeichen gemacht – sein Zeichen! Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst oder ob das bei der ganzen Nervosität damals untergegangen ist: als ich dich konfirmiert, als ich dich gesegnet habe, da habe ich sozusagen in Gottes Auftrag Sein Zeichen an dir gemacht!
Gottes Zeichen ist das Kreuz. Und wenn man sich das untere Ende vom Kreuz mal wegdenkt und nur das obere Ende sieht, dann springt es einem richtig ins Auge: da sehen wir ein +-Zeichen! Und als ich dich damals konfirmiert habe, da habe ich so ein Kreuz an deiner Stirn gemacht, ein +-Zeichen! Und spätestens von dem Moment an sollte das das Vorzeichen von deinem Leben sein – so jedenfalls hat Gott sich das gedacht: über deinem Leben steht ein großes, dickes Plus-Zeichen! Gott ist sozusagen der Künstler, der dich kreiert hat! In der Bibel steht, dass er schon lange, bevor du geboren wurdest, ein Auge auf dich geworfen hat. Er wollte, dass du lebst! Und so bist du geworden – gezeugt von deinen Eltern, aber geschaffen von Ihm! Und Gott ist total begeistert von dir – und darum hat er sein Zeichen an dir gemacht. Damals schon, als du getauft wurdest, wurde ein kleines Kreuzzeichen über dir gemacht. Gott hat dich hand-signiert! Er sagt: Frank, Eva, Insa, Michael, Silke, Matthias – ich hab‘ dich super hingekriegt! Und eigentlich müsste ich jetzt die Namen von jedem von euch nennen – geht nicht, dauert zu lange. Egal – es gilt für jeden: Gott hat dich super hingekriegt – so gut, dass er mit seinem Namen dafür geradesteht! Dass er dich handsignierthat. Mit Seinem Zeichen – dem Kreuz, Gottes Plus-Zeichen!

Ich weiß nicht, ob du dich und dein Leben schon mal bewusst unter diesem Vorzeichen gesehen hast. Was oder besser: wen siehst du, wenn du vor dem Spiegel stehst?
Siehst du jemanden, von dem du sagst: „Super! Richtig gut bin ich! Ein toller Mensch!“
Oder siehst du was anderes? „Ah, schon wieder’ne Falte! Hm – meine Haare werden auch immer grauer!“ Oder: „Nu sind gar keine Haare mehr da!“ Oder noch eine Schicht tiefer: geht’s dir , wenn du dich betrachtest so, wie es mir über etliche Jahre in meinem Leben ging: dass ich mich selber nicht leiden konnte. Weil ich unzufrieden mit mir war. Zu dünn! Das glaubt heute keiner – aber ich war mal mit mir unzufrieden, weil ich spindeldürr war und völlig ungelenkig und darum haben meine Mitschüler mich oft ausgelacht und gemobbt. Dazu kam eine Zahnmissbildung – im Oberkiefer standen die meisten Zähne von schief nach schräge. Darum mochte ich nicht normal lachen – ich hab‘ immer die Hand vor’n Mund gehalten. Schule war gemischt: in Deutsch, Geschichte und Reli ’ne „1“, im Sport ’ne Lachnummer und im Werken ein Trottel. Und so hab‘ ich mich auch gefühlt – von einem +-Zeichen weit entfernt. Im Gegenteil – ich habe viel mehr und viel intensiver das gesehen, was „minus“ war! Ich saß bis zum Hals voll mit Minderwertigkeitskomplexen.

Und ich glaube, dass es uns Menschen oft so geht – dass wir eher auf das kucken, was nicht so toll ist. Das wir uns einschießen auf das „Minus“ in unserem Leben. Und oft ist das ganz komisch: bei uns selbst sehen wir oft das Minus – und bei anderen sehen wir das Plus. Es ist immer der Nachbar oder die Arbeitskollegin oder die Bekannten aus’m Kegelclub, die das bessere Auto haben; ihre Kinder bringen ständig die Einsen und Zweien mit nach Hause und für die eigenen Kinder müssen wir teures Geld für Nachhilfe ausgeben; mein Nachbar kann sich ‘nen chicken Anzug von der Stange kaufen – und ich muss zu „Bruns große Größen“. Der Mann der Freundin ist so sportlich und hat noch so volle, dunkle Haare – und der eigene Kerl glänzt mit Glatze und Schwabbelbauch. Der Bekannte, der Nachbar kommt immer
voran und was er anpackt, wird zum Erfolg – und ich selber mache immer mühselig drei Schritte vor und zwei zurück. Die ehemalige Mitschülerin konnte alle ihre Pläne umsetzen und ich selber habe Chancen vertan und mir blieb manches versagt. Oder – in meinem Alter: die Eltern vom ehemaligen Mitschüler sind mit über 80 noch topfit – und man selber muss sich Gedanken darüber machen, wie man das mit der Pflege geregelt kriegt.
Und da ist es irgendwie ganz normal, dass man von dem +-Zeichen im Leben nicht mehr viel sieht. Und da muss man sich ja nichts vormachen – dieses „Minus“ im Leben gibt es ja auch! Und nach meiner Erfahrung gibt es das bei jeder und bei jedem! Ich jedenfalls kenne kaum jemanden, von dem ich sagen könnte: bei der oder bei dem, da ist alles paletti. Nur alles positiv! Keine Sorgen!

Aber genau weil das so ist, ist mir dieser Gedanke absolut wichtig: das Zeichen Gottes, sein Segen, ist da! Gilt! Und an dieser Stelle ist ein großer Unterschied zwischen „Glück“ und „Segen“. Glück ist, wenn alles einigermaßen mitläuft und wenn das „Minus“ im Leben kaum zu spüren ist. Aber wir haben nicht immer Glück – aber was wir haben, ist: Gottes Segen! Und wenn das Glück uns verlässt – dann ist das kein Zeichen dafür, dass Gottes Segen nicht mehr für uns gilt! Und vielleicht ist heute ein guter Tag, sich das noch mal klar zu machen. So Pie mal Daumen in der Mitte des Lebens sich daran erinnern zu lassen: für dich gilt das und über deinem Leben steht das Plus-Zeichen Gottes! Und das ist nicht nur Theorie, sondern davon kann man auch was spüren und erleben. Bei mir hat sich das z.B. so ausgewirkt, dass ich irgendwann anfangen konnte, „Ja“ zu mir zu sagen. Zu meinem Leben – so, wie es geworden war. Manche Dinge konnte ich ändern: zum Beispiel hab ich mir die maroden Zähne rausreißen lassen – 18 war ich da. Manches konnte ich auch nicht ändern – handwerklich bin ich immer noch’n Trottel. Aber das find‘ ich nicht mehr schlimm – weil ich irgendwann nicht mehr nur auf das kucken musste, was ich nicht kann, sondern auf das, was ich kann! Nicht mehr nur auf die Grenzen meiner Persönlichkeit, sondern auf die Chancen! Und für mich kann ich sagen: das hat was mit meinem Glauben an Jesus Christus zu tun! Das Kreuz, das Plus-Zeichen Gottes, das soll ja an Ihn erinnern, an Jesus. Der hat da ja damals dran gehangen. Die Arme weit ausgebreitet. Der ganze Jesus – eigentlich nichts anderes als ein lebendiges Plus-Zeichen! Und vielleicht ist deine silberne Konfirmation für dich eine Gelegenheit, dass du mal kuckst: wo hab‘ ich eigentlich Gottes Segen bisher gespürt? Und vielleicht fallen dir so nach und nach bestimmte Dinge ein – und du fragst dich: ob das was mit Gottes Segen zu tun haben kann?! Mit Seinem +-Zeichen über meinem Leben?! Dass ich aus den Begabungen, die ich habe, was machen konnte! Eine gute Ausbildung zum Beispiel. Oder: dass ich offen wurde, auf Menschen zuzugehen – obwohl ich früher immer so schüchtern war. Oder: dass ich nicht bei dem stehen bleiben musste, was zerbrochen war: die Gesundheit vielleicht oder eine Beziehung. Dass ich wieder auf’s Leben zugehen konnte! Oder: dass ich eine wundervolle Familie habe? Oder: dass es möglich wurde, dass ich mit dem besser zurechtkomme, was ich als Belastung schon aus meinen Kindertagen mit mir rumschleppe.

Ich bin sicher – wenn ihr erzählen würdet, dann würden wir staunen! Über ganz viel, was Gottes Segen in euerm Leben bisher schon bewirkt hat. Manchmal so, dass es euch klar vor Augen stand – aber oft auch unerkannt. Das war bei den Menschen, von denen die Bibel erzählt, auch schon so: die waren oft so mit sich und mit ihrem Alltag beschäftigt, dass die gar nicht wirklich gemerkt haben, dass Gott sie segnet! Und trotzdem hat er es getan – oft still und unerkannt. Und da lässt er sich auch nicht von abbringen! Und das ist der Grund, warum ich mich so auf eure Silberne Konfirmation gefreut habe: einmal natürlich, um euch wieder zu sehen – meine ersten „Grünlinge“. Dat is wat heel Besünners! Aber ich freu mich auch darum so tüchtig heute, weil ich euch wieder Gottes Plus-Zeichen mitgeben darf. Wenn ihr nachher hier vorne steht – dann mach ich wieder das Kreuz an eure Stirn. Und wenn dieser besondere Tag irgendwann rum ist – dann gilt das immer noch: Gott macht ein, er macht Sein „Plus“ über dir! Du bist wer! Und damit du dich immer mal wieder dran erinnerst, bekommst du ein Pluszeichen mit – dieses kleine Kreuz. Wenn du willst, kannst du es umhängen. Damit es dich an den erinnert, der das eigentliche +-Zeichen Gottes ist: an Jesus Christus! Und dass Er dir zusagt: „Ich bin bei dir alle Tage!“ Aber auch wenn du es nicht umhängst – das, woran es erinnern will, gilt trotzdem: über dir und deinem Leben steht ganz groß das Plus-Zeichen Gottes! Heute empfängst du es von neuem! Und egal, wie dein Leben gerade aussieht – mit diesem „Plus“ im Rücken, da kannst du was draus machen! Gott segne dich! Amen.

Jahrgang 1989




Jahrgang 1990




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