Predigten November - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten November

Predigten > 2017

Predigt über Lukas 16, 1-9; Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres; 19.11.2017

Abteilungsleiter Schulze merkt es sofort, als er die Tür zum Büro aufmacht: dicke Luft!  Und tatsächlich: er sitzt noch gar nicht richtig, als sein Chef ihm offenbart: „Schulze, Sie sind ge-
feuert! Bei Stichproben habe ich gemerkt, dass Sie vielen Kunden viel zu hohe Rabatte ge-
währt haben. Damit haben Sie unserer Firma Schaden zugefügt. Ich habe kein Vertrauen mehr zu ihnen. Aber bevor sie gehen, schreiben Sie alle Kunden auf, bei denen Sie über Ihr Limit Nachlässe gegeben haben.“ Als Schulze wieder in seinem Büro ist, überlegt er fieberhaft: „Was soll ich jetzt machen?  Mit’ner fristlosen Kündigung in den Papieren krieg ich keinen neuen Job. ‚Hartz-IV’ will ich nicht. Und ’nen andern Job will ich auch nicht, das ist mir zu anstrengend. ... Hmm. ... Ich weiß was!“  Schulze greift zum Telefon, ruft einen Kunden nach dem anderen an und verkündet: „Unsere Firma macht gerade eine Sonderaktion für besonders treue Kunden. Ihr bekommt noch mal 30% Nachlass auf alles, was ihr im vergangenen Jahr bei uns gekauft habt!“ Und bei einem Kunden fragt Schulze bei dieser  Gelegenheit gleich mal an, ob bei ihm nicht ’ne Stelle frei sei, er wolle sich noch mal verändern. Der Kunde sagt sofort zu und Schulze hat einen neuen Job.  Was Schulze da macht, liebe Gemeinde, das ist nicht in Ordnung, aber er hat einen neuen Job. Er gibt nicht gleich auf, sondern versucht, das Beste für sich rauszuholen.  Jesus hat mal was ganz Ähnliches erzählt und der Evangelist Lukas hat es aufgeschrieben, Lukas 16, 1-9, und
Anke, Elena, Frauke, Sina, Svenja und Talea lesen uns den ersten Teil jetzt einmal vor: Lesung

Der Verwalter, um den es hier geht, hat eine Vertrauensstellung. Und als rauskommt, dass er Mist gebaut hat, wird er entlassen. Und jetzt kommt’s:  in der kurzen Zeit, die ihm noch bleibt, setzt er sich mit einzelnen Kunden in Verbindung. Einem erlässt er die Hälfte seiner Außenstände, einem anderen 20%. Wozu tut er das? Weil er sich, so lange er das noch kann, eine möglichst gute Ausgangsbasis für seine Zukunft schaffen will. Dass er seine Arbeit verliert, ist klar. Mit der Schippe in der Hand arbeiten, das ist ihm zu anstrengend. Und von der Stütze leben, dafür ist er sich zu fein. Also überlegt er, wie er seine Schäfchen ins Trockene bringen kann. Und da fallen ihm die ein, die von ihm profitiert haben.  Es geht jetzt so nach dem Motto: eine Hand wäscht die andere...,  und so sorgt er dafür, dass seine Zukunft wenigstens finanziell geregelt ist.

Soweit die Geschichte, die Jesus seinen Jüngern erzählt. Und die rechnen natürlich damit, dass er diesen Geschäftsführer runterputzt. Denn sowas, was dieser Verwalter sich da lei-
stet, das geht gar nicht.  Und da muss Jesus ja was gegen sagen, das ist ja ganz klar. Hören wir, was dazu in der Bibel steht.  Lesung mit verteilten Rollen  

Dat is’n Ding! Da lobt Jesus einen, der lügt und betrügt! Und das ist in der ganzen Bibel die einzige Stelle, in der Jesus jemanden lobt, der Unrecht tut.  Warum macht er das?!  Das passt doch nicht zu dem, was er sonst sagt. Ehrlichkeit, Offenheit, Treue, Verlässlichkeit, Übernehmen von Verantwortung. Das sind doch alles Werte, die Er hochhält. Warum er jetzt so reagiert, verstehen wir besser, wenn wir uns klar machen: diese Geschichte ist ein Gleichnis.  Gleichnisse – damit will Jesus etwas vergleichen. Er will damit deutlich machen, wie es zwischen Gott und uns Menschen ist. Wie Gott zu uns steht. Und damit die Leute das besser verstehen können, nimmt Jesus oft Beispiele, die sie sich gut vorstellen können. Und so einen Geschäftsführer, der in die eigene Tasche wirtschaftet, den kann man sich gut vorstellen.   Und ich glaube, es sind drei Sachen, die Jesus uns mit diesem Gleichnis klar machen will.

1.: Die Abrechnung wird kommen!
Jesus erzählt dieses Gleichnis nach drei anderen: dem Gleichnis vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn. Und immer ging es darum, dass er deutlich macht: Gott freut sich wahnsinnig darüber, wenn er einen Menschen für sich gewinnt!  Gott hat keine Freude daran, wenn ein Mensch sein Leben in den Sand setzt! Gott hat keine Freude daran, wenn jemand den Sinn in seinem Leben nicht findet. Und für die Bibel ist
es ganz klar: wer in Kontakt zu Jesus ist, der bekommt den Sinn für sein Leben und Jesus sorgt dafür, dass er sein Leben nicht in den Sand setzt!  Aber genau so klar ist: das sollen wir nicht einfach so abtun! Denn es besteht durchaus die Möglichkeit, dass wir unser Leben in den Sand setzen und den Sinn unseres Lebens nicht finden. Und wir sollen Gott nicht einen guten Mann sein lassen, der schon irgendwie dafür sorgt, dass es ein gutes Ende mit uns nimmt, egal wie wir leben. Einmal wird der Moment kommen, in dem unser ganzes Leben vor Gott, offengelegt wird. Alles, was wir getan haben und was wir nicht getan haben.  Jeder schmutzige Gedanke, jedes böse Wort, jeder gierige Blick. Wir haben das vorhin schon ganz am Anfang gehört, im Wochenspruch: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ Und in dem, was Clemens Trauernicht gelesen hat, haben wir gehört, dass dann Dinge in die Waagschale gelegt werden, die wir komplett vergessen haben. Die uns auch gar nicht weiter wichtig gewesen sind. Und das alles soll uns helfen, dass wir unseren Blick auf das Wesentliche richten.  Anders gesagt: dass diese Abrechnung irgendwann kommen wird, damit soll uns nicht Angst eingejagt werden und damit soll uns nicht gedroht werden, sondern Gott will uns damit Gelegenheit geben, dass wir uns auf Ihn ausrichten.  Denn Er ist ja der einzige, der unser Leben in Ordnung bringen kann.   Und das, was dazu nötig ist, das ist ja schon geschehen! Das hat Jesus erledigt! Unser Part ist dabei, dass wir uns darauf einlassen und das für uns gelten lassen.  Das Gleichnis will uns darauf aufmerksam machen, dass wir noch Zeit haben, um uns an Jesus zu orientieren und auszurichten. Das ist damit gemeint, dass der unehrliche Verwalter nicht sofort abgesetzt wird. Er bekommt ja noch eine Frist, in der er Rechenschaft ablegen soll. Das ist eine kritische Zeit, eine Zeit der Entscheidung. Was soll er machen? Und das ist das Zweite, was Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen will:  

Auch in der Krise nicht aufgeben!  Der Verwalter weiß, was auf ihn zukommt. Dass er seine Arbeit verliert, und sicher auch das gute Ansehen, das er bis jetzt hatte. Das Wasser steht ihm bis zum Hals. Was soll er machen? Kopf in den Sand stecken? Abtauchen? Den Frust in sich reinfressen und davon irgendwann Magengeschwüre kriegen? Nein, das alles tut er nicht! Stattdessen handelt er! Er tut alles, um zu überleben. Er will eine neue Chance und er glaubt an eine neue Chance! Und dafür wird er jetzt aktiv. Nach unserem Empfinden auch wieder unsauber. Schlitzohrig verschafft er sich Vorteile, zum Schaden seines Chefs. Und trotzdem bleibt es dabei: Jesus lobt ihn! Und weil natürlich Jesus Betrug nicht gut findet, muss es etwas anderes sein, was er an diesem Verwalter so faszinierend findet. Und da ist auch etwas! Hier wird ja nicht gesagt, dass Jesus sagt: diese Betrügerei, die ist richtig gut und das könnt ihr auch ruhig so machen!   Aber Jesus ist begeistert von der Energie, die der Verwalter aufwendet, um seine Zukunft zu sichern. Diese Energie nennt Jesus am Ende des Gleichnisses „klug“. Und er sagt: manchmal sind die Menschen, die mit Gott und dem Glauben nichts am Hut haben, uns voraus: weil sie einfach kreativ mit ihrem Leben umgehen! Dass sie nach Möglichkeiten kucken, wie sie aus Krisen wieder rauskommen. Wieder auf die Beine kommen, wenn sie gefallen sind.  Und Jesus sagt: das können wir uns von so manchem Menschen abkucken – auch wenn er nicht Christ ist. Und wenn die sich schon so um ihr Leben bemühen – dann sollten wir das doch erst recht tun. Als Menschen, die darauf vertrauen, dass wir das nicht aus eigener Kraft hinkriegen müssen!  In diesem Sinn stellt Jesus uns den unehrlichen Verwalter als Vorbild vor die Nase. Er lobt nicht die Tat an sich – aber er lobt es ausdrücklich, dass der Verwalter sich um das kümmert, was auf ihn zukommt. Dass er erkennt: an dem Tag, an dem ich Rechenschaft geben muss, muss ich mein Haus bestellt haben! Damit ich auch über diesen Tag hinaus eine Perspektive habe!  

Das Haus bestellen“, das bedeutet: Jesus an mein Leben ranlassen! Es Ihm erlauben, dass Er das vor Gott in Ordnung bringt, was ich beim besten Willen nicht in Ordnung bringen kann. Ob wir unser Verhältnis zu Gott durch Jesus Christus ins Reine bringen lassen, das ist das Thema, um das es diesem Bibelabschnitt letztlich geht.  Dass wir die Zeit, die bleibt, dafür nutzen. Und nicht umsonst greift Jesus dazu das Thema „Geld“ auf. Dahinter steckt der Gedanke,

wie wir mit unserem Besitz umgehen. Und das ist der 3. Punkt heute.  Jesus bezeichnet hier das Geld als „ungerechten Mammon“.  „Mammon“ war damals eine abwertende Bezeichnung für Reichtum. Und Jesus spricht das an, weil er weiß: Geld und Macht, das gehört ganz eng zusammen. Wer Geld hat, hat auch Macht und Einfluss und ist in vielen Dingen nicht auf andere angewiesen. Diese Unabhängigkeit hat sehr gute Seiten, aber sie kann auch dazu verleiten, die Beziehung zu Gott zu lockern oder vielleicht ganz aufzugeben. Geld, Besitz entfaltet ganz oft eine eigene Macht und fängt an, seinen Besitzer zu beherrschen. Und nun sagt Jesus: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten“.  Gemeint ist:  wenn wir Besitz haben, dann haben wir eine doppelte Verantwortung: wir sollen aufpassen, dass uns unser Besitz nicht von Gott trennt. Dass es nicht zu viel Sagen über uns bekommt und dass wir dafür nicht Gott zurücksetzen.  Geld und Besitz sind an sich nicht schlecht. Dass wir Geld haben, ist nicht das Problem. Ein Problem kriegen wir, wenn das Geld uns hat. Wenn es uns im Griff hat.   

Die andere Seite ist, dass wir einen Blick dafür bekommen, wo wir mit unserem Geld in unserer Umgebung Gutes tun können. Jesus sagt: unser Leben wird einmal zu Ende sein – und das, was wir dann im Portmonee oder auf dem Konto haben, das ist dann für uns selbst völlig wertlos. Klar, die, die das erben, die freuen sich darüber – und vielleicht kriegen sie
sich darüber in die Haare.  Aber für uns selbst hat unser Besitz und unser Geld keinen Wert
mehr. Und darum sollen wir es zu unseren Lebzeiten so investieren, dass wir Gutes damit
tun. Dass es Menschen nützt – und auch der Gemeinde.  Das Geld, womit du zu Lebzeiten jemanden glücklich machst, das kann nach deinem Tod nicht mehr für Ärger sorgen. ‚Mit warmen Händen geben‘, nannte man das früher.    Was war ich immer froh, wenn meine Oma mir 20 Mark gegeben hat, als ich studiert habe und immer knapp bei Kasse war. Sie sagte dann immer, dass Opa das nicht wissen soll. Und in einem unbeobachteten Moment gab Opa mir meist auch noch’n 20iger und sagte: „Dor dürst du Oma aober nix van vertelln!“ Von diesem Geld waren mindestens drei Leute froh: ich sowieso, und meine Oma und mein Opa jeder für sich auch, weil sie ihre Freude dran hatten, dass ich mich gefreut habe. Und hätten sie es mir nicht gegeben, hätten die lieben Verwandten aus Rheinhausen es irgendwann versoffen.
Der unehrliche Verwalter. Die Betrügerei sollen wir nicht nachmachen! Aber Geld nutzbar
machen, das ist durchaus nachahmenswert. Schätze schaffen, die nicht vergehen.

Ein sperriger Bibelabschnitt war das für heute. Ich kann ihn nicht anders machen, als er ist. Anstößig. Herausfordernd.  Eigentlich will Jesus nichts anderes sagen als dies:  jetzt, in diesem kurzen Erdenleben, beginnt unsere ewige Zukunft. Wir sind privilegiert - weil wir noch Zeit haben, uns darauf einzustellen. Und darum wird uns heute gesagt: Nutze diese Zeit – und: sei kreativ und mach was aus deinem Leben und auch aus deinem Geld! Amen.

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