Predigten Oktober 2014 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Oktober 2014

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Themapredigt „Glück und Segen"; Goldene Konfirmation; 26.10.2014

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde, am Anfang will ich eine kleine Verlosung machen. Es kann sein, dass ihr euer Glück schon in der Hand habt. Auf 6 Liederzetteln klebt auf der Rückseite ein farbiger Punkt – kuckt man eem. ... Eem sehn, well vandaog Glück hett! ... ...

Denjenigen, die gewonnen haben, nun erst- mal „Herzlichen Glückwunsch!" Obwohl – wenn man’s genau nimmt: den Gewinnern brauchen wir ja eigentlich gar kein Glück mehr zu wünschen – sie hatten ja schon Glück, sie haben ja schon was gewonnen! Das ist doch wirklich Glück: da gehst du zur Kirche, stehst sogar ’ne halbe Stunde eher auf als normal – und dann gewinnst du was Schönes. Vielleicht haben diejenigen nach langer Zeit mal wieder etwas gewonnen, vielleicht hat jemand überhaupt das erste Mal etwas gewonnen. Egal wie – freut euch dran! Ihr habt eben Glück gehabt! Aber was ist eigentlich „Glück"?  Ich glaube, so unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich fällt auch die Antwort auf diese Frage aus. Und doch: es gibt einige grundsätzliche Aussagen, die allgemein stimmen, wenn man vom Glück redet.

1.: Glück haben bedeutet nicht unbedingt glücklich sein. Wenn jemand Glück gehabt hat, dann muss er darum noch nicht unbedingt glücklich sein. Sonntags mag ich gerne „Bingo" kucken. Vor einer Weile, als wir das auch anhatten, hör’ ich bei der Telefonrunde einen Namen, der so ähnlich klang wie meine Cousine heißt. Und dann, als wir dann darauf geachtet haben, als die Gewinnerin mit Michael Thürnau telefonierte, da haben wir es wohl gehört: es war meine Cousine. Sie durfte ein Feld wählen – Niete! Sie durfte noch ein Feld wählen. Diesmal hatte sie gewonnen, eine Reise. Wie schön. Aber ich konnte es mir wohl gleich denken, dass die Freude vielleicht nicht so groß sein  würde: sie hatte 10 Tage Bad Zwischenahn gewonnen. Als wir sie dann angerufen haben, um zu gratulieren, merkte ich wohl: eine andere, weitere Reise hätte sie glücklicher gemacht. Zugegeben: von Steenfelde nach Bad Zwischenahn ist ja nun auch wirklich nicht die Welt. Da waren wir ja als Kind schon oft mit unseren Eltern.  Später hat sie sie sich auch über diesen unverhofften  Urlaub gefreut – aber erst war es so, dass sie nicht unbedingt glücklich war, obwohl sie Glück gehabt hatte.

Glück haben macht noch nicht automatisch glücklich. Wir haben sicher schon alle von Menschen gehört, die einmal Glück im Lotto hatten. Die viel Geld gewonnen haben, viel-
leicht sogar Millionäre geworden sind. Wat’n Glück – musst Dir eem vorstellen: auf einen Schlag Millionär! Aber man hat auch schon oft von solchen Glückspilzen gehört, dass sie nicht glücklich damit geworden sind. Im Gegenteil: dass das viele Geld sie unglücklich gemacht hat. Weil sie damit nicht umgehen konnten.  Glück zu haben, heißt nicht unbedingt, glücklich zu sein. Und umgekehrt wird oft auch ein Schuh draus: dass Menschen glücklich sind, obwohl sie nie besonderes Glück gehabt haben. Ihnen wurde nichts geschenkt im Leben. Sie hatten es nicht leicht und kommen irgendwie nie auf’nen grünen Zweig – und trotzdem sind sie glücklich! Wenn du bei solchen Menschen auf Besuch bist, kannst du meistens gleich merken: obwohl sie es schwer haben, hadern sie nicht mit ihrem Schicksal und sind sie nicht bitter und unzufrieden. Und viele können sich an Dingen freuen, die andere Menschen gar nicht mehr so richtig achten.

2.: Glück bedeutet für jeden etwas anderes und kommt meistens unverhofft
Glück zu haben, das ist schön. Und ich behaupte: jeder möchte gerne Glück haben. Darum sagen wir ja zum Geburtstag oder zum Hochzeitstag: „Herzlichen Glückwunsch!" Wir wünschen einander Glück. Aber was für den Einzelnen „Glück" ist, das ist dann wieder sehr unterschiedlich. Für den einen mag es „Glück" bedeuten, wenn er im Lotto mal 3 Richtige und den Einsatz raus hat. Ein anderer wäre glücklich, wenn „Werder Bremen" mal wieder gewinnen würde.  Vielleicht ist jemand unter uns, der sagt: was war das’n Glück, dass ich den Autofahrer noch gerade rechtzeitig gesehen habe, als er über die rote Ampel fuhr und dass es keinen Unfall gegeben hat!  Oder ich sprach mit welchen, die intensiv hier in Spetz ein Haus suchten – und nun haben sie eins gefunden und können schön bald einziehen. Und als sie mir das erzählt haben, leuchtete aus ihren Augen pures Glück.  „Glück" bedeutet für jeden etwas anderes. Und meistens kommt es unverhofft. Glück ist nicht kalkulierbar, nicht berechenbar. Vor ’ner Viertelstunde haben sechs von uns noch nichts davon geahnt, dass sie heute was gewinnen. Und plötzlich war es dann soweit.

3.: Auf Glück haben wir keinen Anspruch.
Dass wir Glück haben – das haben wir uns nicht verdient, und Glück können wir uns auch nicht kaufen. Glück ist unverfügbar. Es kommt uns meistens einfach so zu, oft ohne dass wir damit rechnen. Und ich glaube, damit hängt es zusammen, dass bei vielen Menschen das Wort „Glück" eigentlich ein „Geheimwort" für „Gott" ist. Sie sagen „Glück gehabt!" – aber eigentlich meinen sie, dass Gott in wunderbarer Weise in ihr Leben eingegriffen hat.  Jetzt habe ich eine Bitte: überlegt doch bitte mal einen Moment, wo ihr schon mal „Glück" gehabt habt. Vielleicht in diesem Jahr. Christian Wachtendorf spielt dazu ein bisschen für uns, damit wir in Ruhe nachdenken können.  Musik

Sechs Menschen unter uns haben vorhin Glück gehabt – sie haben etwas gewonnen. Vielleicht sitzt du neben einem von ihnen. Dein Sitznachbar hat was gewonnen, du selbst aber nicht. Und vielleicht denkst du: So ist das – Glück haben immer nur die anderen! Und vielleicht fallen dir Situationen ein, in denen du es so erlebt hast: die Kinder von den Nachbarn vertragen sich so gut miteinander und fahren sogar miteinander in Urlaub – und deine Kinder können sich gegenseitig nicht ausstehen.  Die Bekannten aus dem Turnverein leisten sich alle drei Jahre ein neues Auto – und man selbst hofft, dass die eigene Rostlaube noch mal wieder durch den TÜV kommt.   Einige flitzen mit „65" noch über den Tennisplatz – und du hast schon zwei künstliche Knie oder Hüften und bist froh, dass die ewigen Schmerzen wenigstens weg sind.  Glück – das haben scheinbar immer die anderen. Und ich kann mir vorstellen, dass auch bei solchen Anlässen wie heute die Frage auftaucht: wie ist es anderen gegangen in den ganzen Jahren und wie ist es mir ergangen? Und vielleicht hat der eine oder die andere das Gefühl: das Glück war mehr bei den anderen.   Und wenn denn das Wort „Glück" oft ein Geheimwort für „Gott" ist, dann lohnt es sich doch, einmal zu fragen: was sagt denn die Bibel dazu?

Das Wort „Glück" kommt sehr oft in der Bibel vor, vor allem in ihrem ersten Teil, im Alten Testament. Und wenn man einmal genau hinschaut, dann wird einem klar: „Glück" bedeutet im Alten Testament meistens, dass jemandem etwas gelingt. Dass einem etwas zukommt, was gut für ihn ist. Oder dass man etwas schaffen kann, was man sich vorgenommen hat.  Und wenn du vielleicht auch gedacht hast: Glück haben immer nur die anderen – dann möchte ich dich jetzt fragen: Ist das wirklich so? Wenn du zurückschaust, sagen wir mal auf die fünfzig Jahre von deiner Konfirmation bis jetzt – ist dir da nicht auch ganz viel gelungen? Waren da nicht auch Dinge, über die du dich tüchtig gefreut hast? Sind da vielleicht Menschen in dein Leben getreten, die dein Leben reich und bunt gemacht haben? Konntest du mit deiner Arbeitskraft immer für dich und deine Familie sorgen? Konntest du deinen Kindern einen guten Start ins Leben geben? Hast du Freunde gefunden, auf die du dich verlassen kannst? Bist du nach einer schlimmen und dunklen Zeit wieder froh geworden und hast neue Freude am Leben gefunden?  Vielleicht magst du heute Abend noch mal drüber nachdenken.   

Lasst uns noch einen Blick in die Bibel werfen. Dort kommt das Wort Glück nicht nur oft vor, sondern dort liegt letztlich schon der Grund dafür, dass für uns heute das Wort Glück so etwas wie ein Geheimwort für Gott ist. In der Bibel wird „Glück" ganz oft mit „Gott" in Verbindung gebracht. Aber nicht so, dass die, die sich an Gott halten, immer Glück haben. Was wäre dann mit denen, die Unglück erleben? Haben sie nicht fest genug geglaubt? War ihr Glaube nicht ausreichend und haben sie darum Pech gehabt? Was bin ich froh, dass die Bibel das nicht so sieht! Sie sieht es anders: die, die sich an Gott halten, die können auf eine geheimnisvolle Weise doch glücklich sein, obwohl sie vielleicht sogar manches Unglück erlebt haben. Weil sie den Einen an ihrer Seite haben, der auch dann noch da ist und da bleibt, wenn wir ins Unglück kommen.  Und so ist das in unserem Leben ja oft: dass das Glück bricht. Nicht umsonst sagt das Sprichwort: „Glück und Glas, wie leicht bricht das!" Und das haben ja auch etliche unter euch erlebt, liebe Gemeinde und liebe Jubelkonfirmanden: dass das Glück zerbrach! Dass Wünsche sich nicht erfüllt haben, Pläne nicht realisiert werden konnten, der geschäftliche Erfolg ausblieb, oder dass Krankheit kam, oder dass man plötzlich ohne den Menschen weiterleben musste, mit dem man das Leben teilen wollte.  
Wer mich einigermaßen kennt, der weiß: ich halte nicht viel vom schwarz malen, ich bin kein Pessimist. Aber ich halte auch nichts davon, so zu tun, als hätten wir das Glück gepachtet. Wir müssen uns mit der Frage auseinander setzen: was soll werden, wenn wir, wenn ich einmal kein Glück mehr habe und wenn ich mit Unglück fertig werden muss? Und hier sind wir jetzt an einer ganz wichtigen Stelle – und das führt uns zurück zu dem Moment, an dem ihr damals konfirmiert worden seid. Man sagt auch: an dem ihr eingesegnet worden seid.
Bei eurer Konfirmation hat Pastor Behnen euch Gottes Segen zugesprochen. Und „Se-
gen", das ist viel mehr als „Glück". „Segen" heißt: Gott behält dich im Blick, er hat ein offenes Ohr und ein offenes Herz für dich und er ist für dich da! Ob du im Glück bist oder mit Unglück fertig werden musst.  „Segen" heißt: Gott gibt dir die Kraft, die du brauchst, um das Leben zu meistern. „Segen" heißt: Gott gibt dir den inneren Frieden, den du brauchst, um auch mit den Dingen zurecht zu kommen, die du nicht ändern kannst.  „Segen" heißt: Gott gibt dir den nö-
tigen Mumm, damit du nicht aufgibst, wenn es eng wird.  Manchmal heißt „Segen" auch, dass Gott dir Hindernisse in den Weg legt und du bestimmte Dinge nicht tun kannst.  Und dass er dir hilft, dass du deine Gedanken sortierst und vielleicht einen ganz anderen, neuen Blick für bestimmte Dinge be-kommst.  Und nicht zuletzt bedeutet „Segen", dass Jesus Christus dich nicht festlegt auf das, was verkehrt war.  „Segen" ist, dass du mit Gott über dein Leben reden kannst. Auch dann, wenn du nachts wach liegst und keinen Schlaf  finden kannst und die Grübeleien anfangen.

Ich wünsche dir ganz viel Glück in deinem Leben – und das meine ich so, wie ich es sage! Aber mehr als wünschen kann ich es dir nicht. Ob das Glück, das ich dir wünsche, auch so kommt, das weiß ich nicht. Und das ist ein Unterschied zum Segen: Segen brauche ich dir nicht wünschen! Segen kannst du wirklich bekommen! Damals hast du ihn schon empfangen, bei deiner  Konfirmation. Und heute wirst du wieder gesegnet. Die Jubelkonfirmanden nachher wieder hier am Altar ganz persönlich, alle anderen dann, wenn der Gottesdienst zu Ende geht. „Glück" ist unverfügbar und unkalkulierbar – aber „Segen" kannst du jeden Sonntag dir neu zusprechen lassen! Gott verspricht dir dann, dass er bei dir ist und bleibt – egal, welche Wege und welche Schritte du in der neuen Woche vor dir hast.

Damals seid ihr gesegnet worden, liebe Jubelkonfirmanden. Ich weiß nicht, welche Ein-
stellung ihr dazu in den ganzen Jahren danach gehabt habt. Ob das mit dem Segen eher etwas in Vergessenheit geraten ist oder ob euch das immer gleich wichtig geblieben ist. Das kann gut sein, dass es Phasen gab, in denen Gott und sein Segen keine große Rolle spielten. Aber das ist jetzt gar nicht weiter wichtig. Wichtig ist, wie wir jetzt dazu stehen. Und dazu kann der Tag der Goldenen Konfirmation einen Impuls geben: dass Menschen entweder in ihrem Glauben bestärkt werden und ihnen neu klar wird: Ja, mit dem Glauben bin ich bisher gut gefahren, und ich bin genau durch diesen Glauben auch mit den Unglücken meines Lebens zurechtgekommen. Oder dass anderen klar wird: bisher konnte ich damit gar nicht so viel anfangen, aber jetzt will ich es von neuem probieren! Das allerdings wäre ein goldrichtiger Entschluss – besser als der Jackpot im Lotto! Herzlichen Glückwunsch dazu! Amen.

Mehr Fotos von der Goldenen Konfirmation finden Sie in unserer Bildergalerie!



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