Predigten Oktober - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Oktober

Predigten > 2016

    
Themapredigt "Reformation"; 30.10.2016

 
... verbeulten Hut wieder in die Form krempeln....

 
Liebe Gemeinde, was ich hier gerade mache, das ist eine Reformation! Morgen ist ja das Reformationsfest – und darum feiern wir hier in unserer Kirche einen richtig schönen und ab-
wechslungsreichen Gottesdienst.  Und so als kleines Appetithäppchen mach ich jetzt schon mal’ne kleine Reformation – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn ihr nun im Moment nur Bahnhof versteht, ist das normal. Darum will ich mal von vorne anfangen:
Also der Reformationstag erinnert an das, was morgen vor 499 Jahren passiert ist.
In der Zeit damals war Vieles in der Kirche nicht mehr so, wie es sein sollte. Das, worum es im christlichen Glauben eigentlich geht, war kaum noch zu erkennen und viele Menschen waren unzufrieden mit dem kirchlichen Leben. Die Kirche war sozusagen aus der Form geraten. So wie dieser Hut.  Er ist sicher mal ein schöner Hut auf einem schönen Kopf gewesen – aber im Laufe der Zeit hat er viele Beulen und Dellen bekommen. Man kann kaum noch erkennen, dass dieses komische Ding mal ein schöner Hut gewesen ist. So schön, wie „Kirche“ sein soll. „Kirche“ – das soll doch der Ort sein, wo Menschen gesagt wird:

Es ist schön, dass es dich gibt!“    Dass Gott es mit uns zu tun haben will.  Dass Jesus ge-
kommen ist, damit wir den Sinn finden. Damit wir nicht am Leben vorbei leben. Dass wir ein Fundament für unser Leben kriegen, das uns auch in den Krisenzeiten unseres Lebens trägt. Dass eine Hoffnung in uns wächst, die auch dann noch da ist, wenn wir mal sterben müssen.   

 
Dass das weitergesagt wird, das können Menschen in der Kirche und von der Kirche erwarten. Aber inzwischen war es ganz anders geworden: anstatt den Menschen diese
gute Nachricht von Jesus Christus weiter zu sagen, drehte sich die Kirche vor allem um sich selber: es wurde um Macht gepokert – und es wurde Geld angehäuft. Und um möglichst viel davon zu bekommen, wurde den Menschen von der Kirche Angst vor Gott eingetrichtert: Du bist abgrundtief schlecht und Gott wird dich in die Hölle werfen – aber: du kannst ihn gnädig stimmen, wenn du uns, der Kirche, Geld gibst. Je mehr Geld du gibst, desto mehr Sünden werden dir erlassen und je milder fällt deine Strafe aus.   Das vor allem war eine unerträgliche Verdrehung der Bibel. Und es war nur eine Frage der Zeit, dass viele Menschen die Nase voll hatten von dieser Kirche und dachten: hier muss viel geändert werden! Die Kirche muss wieder in ihre ursprüngliche Form zurück, sie muss "re-formiert" werden.   Wenn man dieses lateinische Wort mal aufdröselt, dann bedeutet das: wieder zurück in die alte Form bringen. So wie ich jetzt diesen verbeulten Hut wieder in seine ursprüngliche Form zurück bringe. Dafür war damals, vor ungefähr 500 Jahren, die Zeit reif.  Vor allem Dr. Martin Luther konnte nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie das Evangelium verbogen und verdreht wurde. Und am Vorabend von Allerheiligen, am 31. Okt. 1517, da machte er seinem Herzen Luft und schlug seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg.  Er wollte damit Interessierte einladen, um über den Glauben und die Kirche zu diskutieren. Damit sich etwas verändert, verbessert!

 
Und heute?! Ist nun, knapp fünfhundert Jahre danach, alles in Ordnung? Ist der Glaube "außer Gefahr"?  Ich glaube nicht!  Die gute Nachricht von Jesus Christus ist heute nicht weniger in Gefahr als zu Luthers Zeiten! Nur dass es andere Dinge sind, die sie in Gefahr bringen. Und zwei solcher Feinde des christlichen Glaubens will ich nennen: da ist zuerst der Abbruch der Tradition. Ich meine damit die Tatsache, dass aufs Ganze gesehen immer weniger christliche Traditionen weitergegeben werden. Wenn ich an meine Kinderzeit zurückdenke, dann kommt mir in den Sinn, dass wir Mittags vor dem Essen gebetet haben, meistens waren das entweder meine Oma oder ich, Sonntags Pa. Wir haben das nicht darum getan, weil meine Mutter vielleicht so schlecht gekocht hätte – es hatte was anderes damit auf sich: im Tischgebet kommt zum Ausdruck, dass man sich wenigstens ein Gespür dafür erhalten hat, dass die vielen Dinge, die unser Leben reich machen, nicht selbstverständlich sind. Dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir über viele Möglichkeiten verfügen, um unser Leben zu gestalten. Darum sagen wir, wenn wir vor dem Essen beten: Danke, Gott, dafür, dass wir uns gut helfen können! Bei uns zu Hause wurde das so gemacht, immer mittags vor dem Essen. Weil meine Mutter das von ihrer Mutter so kannte. Und die hat es von ihrer Mutter so gelernt und übernommen, und die sicher von ihrer Mutter. Das war eine Tradition – aber diese Tradition hat mir von Kind auf gezeigt, dass da jemand ist, der sozusagen „über“ uns ist und dem wir viel zu verdanken  haben. Und meine Frau und ich haben das auch so an unsere Kinder weitergegeben, weil wir es wichtig finden.

 
Ähnlich verhält es sich damit, dass wir als Eltern mit unseren Kindern beten, wenn sie schlafen gehen. Am besten schon von ganz klein auf. Natürlich kann man sagen: das verstehen die Kinder ja noch gar nicht! „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu, Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein“. Und das stimmt ja auch – verstehen im Sinne von kapieren tun sie es sicher nicht. Aber das ist erst mal auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist etwas anderes – und das merken sie auch schon als ganz kleine Kinder:
dieses Ritual, mit dem der Tag beendet wird. Dass da nach Abendbrot und Toben mit Mama und Zähneputzen noch was kommt. Und die Kinder merken noch was, wenn wir als Erwachsene mit ihnen beten: dass wir auch mit Gott reden. Dass uns das auch wichtig ist. Und wo dieses Ritual des Abendgebetes gepflegt wird, da wird das unsere Kinder und uns selber positiv prägen. Und darum ist das genauso wie das Tischgebet eine gute Tradition.

 
Aber oft werden diese Traditionen nicht mehr gepflegt, sie brechen ab. Und das ist nicht nur beim Tisch- oder Abendgebet so, das betrifft auch andere Sachen: Achtet doch demnächst mal drauf, wenn wieder Martini ist und die Kinder mit ihren Laternen ins Haus kommen und ein Lied singen: da ist so manches Lied dabei, da kommt Martin Luther überhaupt nicht mehr vor. Das klingt zwar alles schön – aber mit dem christlichen Glauben haben etliche dieser
Lieder gar nichts mehr zu tun.

 
Und wer gestern die OZ gelesen hat, hat vielleicht die gleiche Beobachtung gemacht wie ich: für unseren Hinweis auf den Reformationsgottesdienst waren gerade mal 4 ½ Zeilen übrig – aber dass sich in Esens viele am Halloween-Gruseln gefreut haben, hat es zu einer halber Seite gleich vorne auf der Titelseite gebracht. Dass am 31. Oktober Reformationstag ist, und dass die Reformation ein Ereignis war, dass unser Land und unsere ganze Kultur entscheidend geprägt hat, das gerät mehr und mehr in Vergessenheit. Dafür handeln wir uns lieber jeden amerikanischen Quatsch ein und lassen unsere Kinder mit Halloween gewähren. Ob wohl viele Erwachsene und Kinder wissen, dass sie es da mit einem heidnischen Toten- und Geisterkult zu tun haben? Halloween ist der spielerische Umgang mit dem Dunklen und dem Gruseligen. Tote schlüpfen in die Körper von Lebenden und treiben ihr Unwesen.
Sie sind dazu verdammt, ewig herum zu irren und finden keinen Frieden und keine Ruhe.
So bleibt ihnen nichts anderes als mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe oder einem
Kürbis im Dunklen herum zu irren. Das ist Halloween eigentlich.  Und dafür wollen wir
wirklich in Vergessenheit kommen lassen, dass Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt!“?
Und „wer an mich glaubt, der muss nicht mehr im Dunkeln tappen“ und der wird Frieden fin-
den.  Merkt ihr, liebe Gemeinde: das ist genau das Kontrastprogramm! Viele werden dazu sagen: „Ach, so eng muss man das nicht sehen, die Kinder laufen doch bloß so’n bisschen rum und freuen sich an der Gruseligkeit.“ Ich weiß nicht, ob das wirklich so harmlos ist. Ich fürchte, da steckt mehr dahinter. So wie wir mit christlichen Traditionen über eine lange Zeit Menschen positiv prägen, so werden sie mit solchen unchristlichen Traditionen auf lange Sicht von Gott und vom Glauben an Jesus weggebracht. Und je mehr die grundlegenden Dinge unseres Glaubens in den Hintergrund treten, desto leichter passiert es, dass der Glaube sich verflüchtigt. Und am Ende stehen wir da und wissen nicht mehr, was uns trägt. Auf was, auf wen wir uns unbedingt verlassen können. Wenn’s eng wird im Leben.  Ich will’s mal so sagen: wenn’s ganz dunkel ist, dann kannst du deine Halloween-Fratze an die Wand knallen, die hilft dir nämlich nicht. Und wenn du dann keinen Kontakt mit Gott hast, und wenn du dann nicht weißt, dass Gott auch im Dunkel deines Lebens bei dir ist, dann hast du ganz schlechte Karten!

 
Dass die gute Nachricht von Jesus Christus weitergegeben wird, das ist nicht mehr selbst-
verständlich. Und das ist darum so schlimm, weil die Menschen sich damit selber um etwas bringen, was ihnen gut tut. Denn wir brauchen Jesus Christus. Den, der Mut macht.
Durchhaltevermögen gibt. Kraft verleiht. Ich behaupte: der Bedarf ist größer als je zuvor! Mir begegnen jedenfalls viele Menschen, die leer und ausgebrannt sind. Die an ihrem Alltag fast verzweifeln. Weil der Druck so groß ist. Weil die Kälte um sich greift. Wie gut würde es da tun, Entlastung zu bekommen! Und oft erlebe ich es, dass auch Menschen, die schon lange nicht mehr nach Gott gefragt haben, am Krankenbett doch ein tröstendes Wort aus der Bibel erwarten. Dass es ihnen was gibt, wenn jemand für sie betet. Und mir begegnen viele Menschen, die oft lange keine Kirche mehr von innen gesehen haben. Aber trotzdem sind sie nicht "fertig" mit Gott. Sie suchen noch. Danach, woher sie kommen, wem sie sich zu verdanken haben. Und sie suchen danach, wofür es sich lohnt zu leben. Und sie suchen nach einer Antwort auf die Frage nach dem, was kommt. Was kommt auf mich zu, wenn ich hier einmal abtreten muss?

 
Ich will dir heute Mut machen: gib du in deiner Familie so gut du kannst christliche Traditionen und Rituale weiter. Und pflege für dich selber den Kontakt zu Gott, zu seiner Gemeinde. Du wirst dadurch gewinnen – nicht erst für die Zeit nach diesem Leben. Gönn es dir, mit Gott zu leben. Etwas Besseres kannst du nicht für dich tun. Amen.

 

 
          

 

 
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