Predigten April - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten April

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Predigt vom 30.04.2017


Eine schriftliche Version der heutigen Predigt liegt uns leider nicht vor. Wir wünschen viel Spaß mit der Audioversion.
    

Predigt über Lukas 23, 34-46; Karfreitag; 14.04.2017

 
Liebe Gemeinde, ich will heute Vormittag unseren Blick auf das erste und auf das letzte Wort richten, das Jesus am Kreuz nach der Überlieferung des Evangelisten Lukas gesprochen hat – Luise hat uns  die beiden Worte ja schon im Zusammenhang gelesen. Nachdem die Soldaten Jesus brutal ans Kreuz genagelt hatten, betete er: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Dann hatte Jesus sich einige Stunden am Kreuz gequält und nun stand sein Tod bevor. Und in diesem Moment ruft er laut: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“  Mit diesen Worten starb er.

 
Es fällt auf, dass das erste und das letzte Kreuzeswort Jesu hier den gleichen Anfang und die gleiche Anrede haben. Auf der einen Seite heißt es: "Vater, vergib ihnen..." - und am En-
de, bevor Jesus dann seinen letzten Atemzug tut: "Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände."  "Vater" - das war die Kraft für Jesus.  "Vater" - das war der Trost für Jesus.  „Vater“ - der ihn bis an sein Ende begleitet hat.

 
Halten wir es uns doch einmal vor Augen: Gethsemane mit seiner abgrundtiefen Anfechtung liegt hinter Jesus. Verhör, Verspottung, Geißelung und Verurteilung hat er durchlitten. Sein irdisches Schicksal ist besiegelt. Das Kreuz, der Todespfahl, beherrscht nun die Szene.  Schwarz und schwer senken sich die Schatten des Todes über den Gequälten; und seine Jünger, die die ganzen Jahre über mit ihm gegangen sind, sie haben ihn verlassen. Er, Jesus Christus, der die Liebe Gottes in Person ist - er ist allein.  Und die Finsternis will noch einmal über ihn Macht gewinnen. Und in dieser Situation sagt Jesus: "Vater". „Vater, vergib ihnen“, und: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“

 
Vater - mit diesem einen Wort hat Jesus ein Zeichen gesetzt.  Er hat für alle Zeiten gezeigt, dass das Wort "Vater" und die Beziehung zu ihm einen Menschen in den Tod und durch den Tod hindurch begleiten, tragen und bewahren kann.   "Vater" - mit dieser Anrede am Anfang dieses Passionsberichtes und am Ende hat er gezeigt, dass die Hand des Vaters hinabreicht
in die tiefste Tiefe des Verlassen- und Verlorenseins. In diesem Moment, in dem Jesus am Kreuz „Vater“ sagt, in diesem Moment zeigt er: so tief kann kein Mensch fallen, dass er unter
die Hand des Vaters sinken würde. Nein – seine Hand reicht hinab und sie hält und trägt hin-
durch.  Ob wir uns daran erinnern, wenn es mit uns in die Anfechtung, wenn wir in die Anfechtung, wenn wir in das Leiden hineingeführt werden? Jesus macht ja hier keinen Spaziergang. Es ist ja nicht so, dass sozusagen nur für einen Moment sein Weg verdunkelt ist und für einen kurzen Augenblick die Wolken tief hängen - und danach geht es ihm wieder gut. Jesus ist ja wirklich mittendrin in der ganzen Tragweite des Leidens und des Sterbens und der Finsternis. Und er sagt: "Vater".

 
Ob wir uns dann daran erinnern, wenn wir so hineingeführt werden in Engpässe des Lebens und wenn es mit uns zum letzten kommt?  Und wenn wir in dieser Lage dann keinen Gedanken mehr fassen können, wenn alles andere entschwunden sein wird, wissen wir dann, dass das eine Wort, dass die eine Anrede in solchen Situationen uns dann bleibt, selbst wenn die Menschen, die wir liebgewonnen haben, uns nicht mehr begleiten können oder nicht mehr verstehen können? Vater.

 
In der Sterbebegleitung, in den dunklen Phasen, in denen ich Menschen auf dem letzten Stück ihres irdischen Weges begleiten kann, da mache ich es meist so, dass ich ganz am Ende das "Vater unser" bete. Und etliche sind eingeschlafen bei diesem Gebet - und es war für die, die dabei waren, eine sehr anrührende und beeindruckende Erfahrung, wie sie sozusagen hinübergeglitten sind in das "Vater unser" hinein.  Und ich mache Mut, auf diese Art und Weise mit Menschen zu beten, die auf dem letzten Weg sind. Manchmal denken wir ja: Der kriegt gar nichts mehr mit! Die Augen sind gebrochen, die Stimme versagt, der Atem röchelt. Und wir wissen ja auch wirklich nicht, ob ein Mensch in einer solchen Lage noch et-
was vernehmen kann. Aber oft habe ich gesehen, wie beim "Vater unser" auf einmal die Tränen liefen; oder wie die kraftlosen Hände versuchten, sich ineinander zu legen oder wie der ausgetrocknete Mund sich mühte, diese Worte mitzusprechen: Vater ... unser ... im  ... Himmel.

 
Mit diesem Wort "Vater" haben wir alles, was wir im Leben und für das Sterben nötig haben.
Da brauchen wir nicht mehr unsere Klugheit, da brauchen wir nicht mehr unsere ausgeklügelten Gedanken, da brauchen wir nicht mehr unsere Erkenntnis, da brauchen wir nicht mehr unsere Theologie, da brauchen wir nicht mehr unsere Lebenserfahrung. Da brauchen wir nur noch das eine Wort "Vater".  „Vater - in deine Hände befehle ich meinen Geist.“  Und wir brauchen diese Beziehung zum Vater auch schon vorher! Die Frage ist: will ich in den Spannungen meines Lebens mich ganz in die Hände dieses Vaters hineingeben?
Will ich das, dass ich mich selber ganz loslasse und mich ganz Ihm überlasse? Will ich Ihm das sagen:  Vater - es wird eng, aber ich gebe dir mein Leben!  Vater - ich werde nicht mehr verstanden, ich komme nicht mehr zum Schlafen, ich leide, ich ertrage und erdulde Schmerzen - aber ich befehle mich dir an! Vater - ich werde mit meinem Leben nicht mehr fertig, mit meiner Lieblosigkeit, mit meiner Unversöhnlichkeit - ich befehle dir mein Leben an. Vater, sie haben mich verspottet, sie betreiben Mobbing mit mir. Vater, ich bitte dich: vergib ihnen!

 
Nun zum andern Kreuzeswort Jesu: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.‘  
Jesu letzte Gedanken gelten also nicht sich selbst, nicht seinem Schmerz und nicht seiner Pein. Sondern seine letzten Gedanken gelten den Menschen, die um ihn her sind. ‚Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun!‘  Was sind das für Menschen, für die er betet? Es sind die, die ihn verspotten, die ihn verlachen, die ihn lästern und peinigen.
Dreimal hören wir, wie sie sich über ihn lustig machen: "Wenn du Christus bist, dann steig
doch vom Kreuz herunter und hilf dir selber!"  "Wenn du Christus bist, dann steig herunter und dann hilf uns!"   Dreimal lesen wir davon, wie sie ihn mit diesen Worten quälen. Und ich habe mich gefragt: Warum wird das dreimal berichtet?  Warum betet Jesus ganz am Ende seines Lebens noch so für seine Peiniger?

 
Er tut es, weil er doch weiß: Vergeltung führt zu nichts!  Wenn er wirklich dieser Bitte nach-
gekommen wäre, wenn er wirklich vom Kreuz abgestiegen wäre und hätte wirklich seine Macht demonstriert, dann wäre aber was los gewesen! Dann hätte er sie alle in Grund und Boden gestampft.  Aber Jesus weiß: Vergeltung führt zu nichts!  Vergeltung führt nur immer zu neuer, brutaler Gewalt.  Zieht immer Gewalttaten nach sich. Wir sehen doch, wie das geht, wenn Gewalt auf Gewalt folgt. Das sehen wir doch schon auf jedem Spielplatz. Wenn der eine den andern mit Sand schmeißt - wie dann der andere die Schippe nimmt und draufhaut. Und im Großen geht das genauso - warum haben wir denn bis heute so viele Kriege auf dieser Erde? Weil Gewalt mit Gewalt beantwortet wird. Warum gibt es denn in so mancher Familie und in so mancher Nachbarschaft dauernd Ärger? Weil Menschen nicht
nachlassen können, Vergeltung zu üben.  Jesus hätte auch Vergeltung üben können - aber er wusste: einer muss doch mal den Anfang machen und diese ewige Kette kaputt- hauen. Und mit seinem Gebet durchbricht Jesus diese Kette von Gewalt und Gegengewalt. Weil er die Menschen sieht, die durch einen tiefen Graben getrennt sind von Gott; und die Bibel bezeichnet ja diese, die durch diesen tiefen Graben von Gott getrennt sind, als Sünder.
Und diese sündigen, diese von Gott getrennten Menschen umfasst der sterbende Jesus mit seinem Blick voller Barmherzigkeit: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!‘

 
Eigentlich wissen sie es ja sehr genau, was sie da tun.  Die, die Jesus verhöhnen, die wissen, was sie tun. Die, die ihn foltern, wissen, was sie tun. Aber Jesus weiß: Sie erkennen das nicht in der vollen Tiefe! Sie kapieren nicht, was sie wirklich damit tun! Darum sagt er: „Sie wissen nicht, was sie tun...“   Sie und wir haben es nötig, dass Gott uns vergibt - weil sie und wir immer und immer wieder schuldig werden. Ob wir es wollen oder nicht! In manchen Dingen unseres Lebens haben wir nicht die Wahl, ob wir das Gute tun wollen oder das Böse. Sondern wir haben dann nur die Wahl, ob wir das größere oder das kleinere Übel wählen.  
Wir machen nicht alles richtig - mit der Erziehung unserer Kinder nicht. Mit unseren Entscheidungen nicht. Wie wir mit unserer Frau, mit unserem Mann umgehen, nicht. Wir bleiben oft hinter dem zurück, was andere von uns erwarten können; was wir selber von uns erwarten; was Gott von uns erwarten kann. Wir geraten immer wieder in Konflikte, die wir nicht sauber lösen können. Wo es uns schwer wird, durchzuhalten mit der Wahrheit und nach unserem Gewissen zu handeln. So ist unser Leben manchmal - und darum haben wir es so nötig, wenn Jesus hier auch für uns betet: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"  Sie wissen nicht, sie kapieren nicht, was sie da wirklich tun, wenn sie ihm ins Gesicht spucken. Sie wissen nicht, sie begreifen nicht, was sie da wirklich tun, wenn sie ihre frechen Reden wie Peitschenhiebe auf ihn werfen; sie wissen nicht, was sie tun, wenn sie seine Hände mit spitzen Nägeln durchbohren - sie wissen es nicht! Darum brauchen sie das,
dass Jesus sich hier so für sie einsetzt. Wir brauchen das, dass er sich so für uns einsetzt! Und ich habe den Eindruck: auch unser Land, auch unsere Bundesbürger, auch viele von uns hier in Spetz und Wiesmoor - sie wissen es nicht, was eigentlich an Karfreitag geschehen ist. Sie wissen es nicht – die, die am Karfreitag schon in den Morgenstunden, schon weit vor dem Gottesdienst aufbrechen zu einem Ausflug. Sie wissen es nicht – die, für die dieser Karfreitag eine gute Gelegenheit ist, um auf dem Bau noch etwas am Haus zu tun. Sie wissen es nicht, die den Karfreitag dazu nutzen, um für die Osterfeiertage alles auf Hochglanz zu bringen.  Am Karfreitag und auch an Ostern sind unsere Kirchen mit am leersten - obwohl es um so viel geht! Obwohl Jesus sein Leben dahingibt in den Tod! Viele Menschen wissen es einfach nicht, weil ihre Augen geblendet, ihre Sinne gefangen, ihre Herzen betört sind durch die Sünde. Wir empören uns vielleicht darüber - aber Jesus empört sich nicht,  er betet für diese Menschen! Voller Barmherzigkeit schaut er auf sie und er hat Mitleid mit ihnen und er betet für sie! Da können wir uns was abkucken von ihm!

 
"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!"  Mit dieser Bitte tritt Jesus in den Abgrund zwischen dem Heiligen Gott und uns sündigen Menschen. Und nun wissen wir: der Weg ist geöffnet von Gott zu uns. Nun wissen wir: es gibt Vergebung und Befreiung. Nun wissen wir: neues Leben aus Gott und mit Gott ist seitdem möglich! Seitdem Jesus gebetet hat: "Vater, vergib ihnen!" und: "Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände." Amen.

 

    
Johannes 3, 1-4; Palmarum; 09.04.2017

 
Im Herbst haben meine Frau und ich eine Flusskreuzfahrt gemacht -  von Passau über Wien nach Budapest. Eine wunderbare Fahrt!  Schöne Städte, gutes Wetter – und: tolles Essen!
Dabei ist mir aufgefallen: im Bordrestaurant gab es unwahrscheinlich viele Servicekräfte. Sie waren alle unterschiedlich angezogen. Wir haben bald gemerkt: die Farbe und die Art der Kleidung sagt etwas darüber aus, welche Aufgabe die jeweilige Person hat: der Mann im schwarzen Anzug mit drei Goldstreifen am Ärmel führte die Oberaufsicht über das Restaurant. Vor jeder Mahlzeit stand er am Eingang und begrüßte jeden Gast persönlich. Der junge Mann in der dunklen Jacke mit einem Goldstreifen nahm die Bestellungen entgegen;  und die Frau mit einem halben Streifen an einer roten Jacke brachte dann das Essen.  An der Dienstkleidung konnte man erkennen, mit wem man es zu tun hatte.  Manchmal konnten wir auch die beiden sehen, die in der Spülküche als Tellerwäscher arbeiten. Die hatten einfach bloß eine schlichte Hose und ein einfaches weißes T-Shirt an und darüber eine Schürze - ohne schicke Streifen an den Ärmeln. Und diese beiden mit den Schürzen, das waren  vermutlich die untersten in der ganzen Rangordnung der Besatzung.

 
Diese beiden Männer mit der Schürze, die erinnern mich an Jesus. Dass er so einer ist, der als „Dienstkleidung“ eine einfache Schürze trägt. So jedenfalls steht es in der Bibel. Der Evangelist Johannes berichtet davon (Joh. 13, 1-4):   Es ist der letzte Abend, den Jesus mit seinen Jüngern verbringt. Kurz vor dem Essen stand Jesus „vom Tisch auf, legte sein Obergewand ab, band sich eine Schürze um und goss Wasser in eine Schüssel. Dann fing er an, seinen Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Tuch abzutrocknen.“  So einer ganz unten ist der Sohn Gottes geworden, als er sich die Schürze umgebunden hat. Er sagt von sich selbst: „Ich bin nicht gekommen, dass ich mir dienen lasse, sondern dass ich diene.“   

 
Ob wir seine Dienste auch in Anspruch nehmen? Dazu fällt mir eine andere Restaurantgeschichte ein. Sie ist schon etliche Jahre her, aber ich habe sie nicht vergessen: kurz vor Ende meiner Ausbildung habe ich mit meinen Mitvikaren eine Studienfahrt ins Elsaß gemacht. Zwei Tage vor der Heimreise hatten wir noch Geld übrig und beschlossen, damit so richtig fein essen zu gehen. So sind wir in einem Restaurant gelandet, in dem normalerweise sicher nicht junge Studenten verkehren, sondern etwas gehobeneres Publikum. Wir haben uns hingesetzt und bestellt und als dann serviert wurde, da bekamen wir natürlich zuerst mal was auf den Teller gereicht. Neben unserem Tisch standen so’n paar leine Beistell-Tischchen, und da stand von allen Speisen Nachschub drauf. Und in der Nähe dieser Tischchen stand die ganze Zeit mit unbewegtem Gesicht ein Kellner – komisch, dass der nichts anderes zu tun hatte als nur dumm rumzustehen...  Als wir nun unseren Teller leer gegessen und noch Hunger hatten, langte einer von meinen Kollegen von seinem Platz aus zu einem dieser Tischchen, um sich die Fleischplatte zu angeln. Und noch ehe der Kellner herbeieilen konnte, hatte er sich schon selbst bedient.  Wenn ich daran denke, dann sehe ich heute noch, was der Kellner für ein gekränktes Gesicht machte. Er stand extra für uns parat um uns zu bedienen - und wir hatten ihn links liegenlassen und hatten uns selber bedient.
Ob es Jesus nicht auch oft so geht? Er steht doch nun bereit und sagt: Ich bin da, um euch zu dienen. Um euch das zu geben, was ihr für euer Leben braucht. Jesus steht parat - und doch meinen wir oft, wir müssten alleine mit allem fertig werden. Müssten das Leben allein bewältigen.

 
In diesem schicken Restaurant im Elsaß haben wir darum den „Essensbediener“ links liegen-
lassen, weil wir überhaupt keine Ahnung hatten, was er für eine Aufgabe hat. Nun wussten
wir es und es war von da an echt gut, sich von ihm was reichen zu lassen – bei mir hat er immer die dicksten Stücke ausgesucht. Dass Jesus gekommen ist, um uns zu dienen, darauf kommt man normalerweise auch nicht von selbst. In allen anderen Religionen ist es ja auch genau andersrum: in allen Religionen müssen wir Menschen Gott dienen! Etwas für ihn tun. So als müsste man ‘ne religiöse Hühnerleiter erklimmen.  Und wenn man Glück hat, schafft man das, bevor man irgendwann stirbt.  Nur im christlichen Glauben, da geht es genau andersrum: da macht Gott sich ganz klein! Kommt vom Himmel auf die Erde – als kleines Kind. Daran denken wir immer Weihnachten. Und jetzt, in der Passionszeit, da werden wir dran erinnert, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um uns zu dienen. Um etwas für uns
zu tun, was uns gut tut!    Das müssen wir uns mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen: Jesus, der Sohn Gottes - er ist doch der Herr aller Herren! Er wird einmal das letzte Wort über alle und alles haben. Ihm kommt alle Ehre zu. Und dieser Jesus bindet sich die Schürze des Dieners um, der einen Rang ganz unten hat und er sagt: ‚Ich bin ... gekommen, damit ich euch diene!‘  

 
Jesus Christus - er steht bereit, um uns zu dienen.  Und wenn wir uns drauf einlassen, dann werden wir wahrscheinlich ziemlich überraschende Erfahrungen machen – das erzählen jedenfalls viele Menschen, denen es so gegangen ist.  Ich weiß von einem, der hat immer ziemlich wenig Selbstbewusstsein und dafür viele Minderwertigkeitskomplexe gehabt – und bei einem Gottesdienst wurde ihm klar, dass Gott extra für ihn Jesus auf die Welt geschickt hat und dass er darum wer ist!  Und das hat ihm geholfen, dass er nach und nach seine Minderwertigkeitskomplexe losgeworden ist.  Von einem jungen Paar weiß ich, dass sie echte Probleme hatten mit der lieben Verwandtschaft. Die älteren Geschwister und ihre Partner haben sie ständig provoziert und haben ihnen ziemlich viel Ungerechtigkeiten angetan. Aber sie haben sich aus ihrem Glauben an Jesus heraus dazu durchgerungen, sich nicht provozieren zu lassen – und irgendwann ist das Verhältnis besser geworden.  
Eine Frau war fix und fertig, weil ihr Mann drauf und dran war, sich zu Tode zu saufen. Die ganze Familie litt darunter und jede Nacht hat sie dafür gebetet, dass er endlich in eine Therapie geht – aber jahrelang hat sich nichts getan! Bis er eines Tages dann doch eingewilligt hat – und heute ist er trocken und die beiden führen eine gute Ehe.  Und vor’n paar Wochen hat mir jemand erzählt: „Als meine Frau in den OP geschoben wurde, da bin ich ’ne Weile in die Kapelle gegangen, die es da im Krankenhaus gibt. Und da bin ich ruhiger geworden!“ Wenn in der Bibel steht, dass Gott Jesus auf die Welt geschickt hat, damit er uns hilft, dass wir mit dem Leben besser zurechtkommen – wenn das in der Bibel steht, dann ist das nicht nur Theorie und das sind nicht nur leere Worte.  Sondern immer wieder haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass das Realität ist! Dass letztlich Jesus Christus selbst ihr Leben zum Guten verändert hat.

 
Im Bibelabschnitt für heute wird dann weitererzählt, dass Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat.  Die haben bestimmt keine anderen oder besseren Füße gehabt wie wir. Anders gesagt: das ist für Jesus bestimmt nicht besonders angenehm gewesen, diesen zwölf Kollegen die Füße zu waschen. Man mag ja nicht gerne darüber reden, aber es ist so wie es ist: mancher hat Schweißfüße! Ich selber auch - und manchmal sind auch’n paar Pilze mit dabei. Als es mal ganz schlimm war, da hab ich es mir gegönnt, dass ich zum Fußpfleger gegangen bin. Das war eine Wohltat – ein wirklich schönes Gefühl, wie der meine Füße gepflegt hat. Wie er sie massiert und dann mit einem duftenden Balsam einreibt.  
Anschließend fiel das Laufen viel leichter. So ähnlich wird es den Jüngern auch gegangen sein, als Jesus ihnen die Füße gewaschen hatte. Sie hatten noch nicht so schützende Schuhe wie wir heute. Vor allem hatten sie keine gepflasterten Wege und Straßen, sondern überall war Sand und Staub und Steine. Dadurch waren die Füße besonders strapaziert.
Und diesen geschundenen Füßen seiner Jünger wendet sich Jesus nun zu - und wie sind diese armen, müden Füße für diesen Augenblick geborgen!   Bald müssen sie wieder hinaus aus der Geborgenheit. Wenn Jesus sagt: „Geht hin in alle Welt!“, oder „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“

 
Ich bin mir ziemlich sicher: als die Jünger später unterwegs waren, als sie sich wund liefen auf den Straßen, um überall hin die Nachricht von Jesus Christus zu bringen, da haben sie bestimmt oft an diesen Moment gedacht, in dem ihre Füße so sanft geborgen bei Jesus im Schoß ruhten. Und sie hatten ja keine angenehmen Wege vor sich. Oft wurden sie verfolgt und gefangen genommen. Ihre Füße wurden in Fesseln gelegt, manche wurden auch an Kreuzen durchbohrt, wenn man sie wie ihren Herrn ans Kreuz schlug. Und in solchen Augenblicken ist ihnen die Erinnerung daran, dass Jesus ihnen die Füße gewaschen hatte, sicher so etwas wie eine Anzahlung gewesen auf die zukünftige Welt, auf den Himmel. Und da werden nicht nur die Füße geborgen sein, sondern da wird das ganze Kind Gottes geborgen sein.

 
Alle, die wir jetzt hier sitzen, wir alle haben in der kommenden Woche auch wieder Wege vor uns. Ich wünschte, es wären gute Wege. Aber bei manchem wird der Weg durch diese neue
Woche auch wieder dunkle und schwere Abschnitte haben. Der Weg ins Krankenhaus vielleicht; der Weg in das eigene Haus, in dem jemand fehlt; der Weg zur Arbeit, wo man sich nicht mehr wohlfühlt; der Weg ins Büro, wo schwere Entscheidungen zu treffen sind; und nach den Ferien der Weg in die Schule, wo wieder Tests und Klausuren warten. Ich bin sicher: wir werden diese Wege leichter gehen können, wenn wir uns von dem Mann mit der Schürze des Dieners helfen lassen. Wenn wir uns von Jesus Christus dienen lassen. Das wird uns gut tun! Und er verheißt: Einmal werdet ihr ganz und gar geborgen sein - und bis es soweit ist, will ich euch immer wieder Erfrischung und Hilfe geben, damit ihr euern Weg gehen könnt. Amen.

 

 

    
Markus 10, 35-45; Judika; 02.04.2017 / Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Gemeinde, zuerst will ich uns den Predigttext lesen, für den ich mich heute entschie-
den habe – Markus 10, 35-45:  Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, an Jesus heran und sagten: "Meister, wir wollen, dass du uns eine Bitte erfüllst." "Was wollt ihr?", fragte er. "Was soll ich für euch tun?"   Sie sagten: "Wir möchten, dass du uns in dei-
nem Reich links und rechts neben dir sitzen lässt!"  Aber Jesus erwiderte: "Ihr wisst nicht, was ihr da verlangt! Könnt ihr den Becher des Leides trinken, den ich trinken werde, und die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werden muss?" "Ja, das können wir", erklärten sie. Jesus antwortete: "Den Becher des Leides, den ich trinken muss, werdet ihr zwar auch trinken, und die Taufe, die mir bevorsteht, werdet ihr auch empfangen, aber ich kann nicht
bestimmen, wer auf den Plätzen links und rechts von mir sitzen wird. Dort werden die sitzen, die Gott dafür vorgesehen hat."  Die anderen zehn hatten das Gespräch mit angehört und ärgerten sich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: "Ihr wisst, wie die Herrscher sich als Herren aufspielen und die Großen ihre Macht missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein. Wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave von allen sein. Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben."

 
Was war ich immer froh, wenn ich ein Tickchen größer war als mein Vetter.  Manchmal hab ich mich auf die Zehenspitzen gestellt, wenn wir wieder mal rauskriegen wollten, wer von uns beiden größer ist. Ein bisschen größer zu sein – ein schönes Gefühl war das!   Ganz nach
oben kommen! Eine Spitzenposition im Beruf. Eine Spitzenplatzierung im Sport. Spitzenkandidat in der Politik.  Die beste Klausur in der ganzen Klasse. Wenn man als Ehrengast bei einer Veranstaltung zu einem reservierten Platz geführt wird – da fühlt man sich wichtig. Wenn andere Wert auf meine Meinung legen – das tut gut. Nach oben kommen, vorne mitmischen und was zu sagen haben – das steckt in uns Menschen so drin, dass wir danach streben. Weil: wer an der Spitze steht, hat Macht, Einfluss, Ansehen. Und das haben zu wollen, das ist menschlich und darum steckte es auch schon in den Jüngern von Jesus drin. Kucken wir nochmal auf das, was uns im Predigttext berichtet wird:  Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Da kommen zwei von ihnen, Johannes und Jakobus, zu ihm und sagen: ‚Wir wollen, dass du uns eine Bitte erfüllst.‘  Komisch, oder?!  Wollen, dass eine Bitte erfüllt wird – das beißt sich ja irgendwie.   Auf jeden Fall leiden diese beiden Jünger nicht unter Minderwertigkeitskomplexen: ‚Wir wollen, dass du uns eine Bitte erfüllst.‘ Und Jesus geht darauf ein: ‚Was soll ich für euch tun?‘ Sie antworten: "Wir möchten, dass du uns in deinem Reich links und rechts neben dir sitzen lässt!"  Johannes und Jakobus wollen eine Spitzenstellung! Wenn Jesus sein Reich aufrichten wird und seine ganze Macht und Herrlichkeit sichtbar werden – dann wollen sie links und rechts von ihm sitzen.  Rechts und links vom Herrscher, das sind nach ihm die einflussreichsten Menschen im Staat. So wie bei uns der Vizekanzler seinen Platz direkt neben der Kanzlerin hat. Und Johannes und Jakobus sind überzeugt, dass ihnen das wohl zusteht. Immerhin stehen sie Jesus besonders nahe und können besonders gut mit ihm. Da kann er ja wohl dafür sorgen, dass sie die besten Plätze kriegen und mitregieren können und groß rauskommen.

 
Jesus weiß sofort, dass sie noch nicht viel kapiert haben. Darum spricht er sie darauf an, dass er einen schweren Weg gehen muss. Dass er entsetzlich leiden und sein Blut vergießen wird.  Und er fragt sie, ob sie das auch auf sich nehmen können – und ganz flockig antworten sie: „Ja klar – kein Problem!“  Und sie begreifen gar nicht, was das eigentlich wirklich bedeutet: dass sie später verfolgt werden, weil sie sich zu Jesus bekennen.  
Jetzt haben sie nur im Kopf, dass sie rechts und links neben ihm zu sitzen kommen und eine absolute Spitzenstellung einnehmen. Aber nicht nur diese beiden wollen an die Spitze – die anderen zehn auch.  Denn sonst wären die ja wohl nicht so sauer, als sie mitbekommen, was Jakobus und Johannes da unternommen haben. Die hätten auch alle gerne einen Spitzenplatz. Und wahrscheinlich kucken die nun auch alle belämmert, als Jesus ihnen klar macht, wie er das sieht: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein“, sagt er.   Damit spricht Jesus an, was nur wenige wollen, nämlich „Diener“ sein. Wer nach dem ersten Platz schielt, den schickt Jesus ans Ende der Schlange: „Wieder hinten anstellen!“  

 
Nun ist „dienen“ ja nicht allzu beliebt und das Wort ist aus der Mode gekommen. Bei der Bundeswehr, da dienen Soldatinnen und Soldaten unserem Land. Ansonsten kommt das Wort kaum noch vor und die Sache, die damit gemeint ist, ist auch nicht sonderlich beliebt –
jedenfalls dann nicht, wenn man selber ‚dienen‘ soll.  Ich will das mal mit einem Vergleich
deutlich machen: Ich bin sicher, dass die meisten von uns beeindruckt sind von Mutter Theresa, die selbstlos immer für andere da war. Aber von ihr beeindruckt sein und es ihr nachtun, das ist ja zweierlei. Wenn ich mir vorstelle, dass ich nach Indien gehen soll, und dort im Dreck leben soll und tagtäglich mich um Menschen kümmern soll, die voll sind von Bakterien und Viren und Lehm und Dreck und die nichts haben – nee, da bleibe ich doch lieber in meinem geliebten Spetz und lass mir auf Besuchen in der Gemeinde lecker Tee und’n Schinkenbrot vorsetzen.  Dienen steht bei uns nicht besonders hoch im Kurs. Das zeigt sich auch daran, dass die, die z.B.  hier bei uns als Krankenschwester oder Altenpfleger arbeiten und wirklich dienen – dass die gemessen an ihrer echt anstrengenden  Arbeit miserabel  bezahlt werden. Das ist eine Schande!

 
Dienen ist eine zwiespältige Sache: solange andere dienen, und vielleicht sogar mir dienen, ist das OK. Aber wenn ich derjenige bin, der dienen soll, dann sieht das oft schon anders aus!  Nun meint Jesus allerdings auch nicht, dass wir alle sozusagen Mutter Theresas wer-
den sollen. Dass wir alle in irgendwelche Slums gehen sollen, um dort den Ärmsten der Armen zu dienen – das wäre ja gar nicht machbar.  Also können wir schon mal durchatmen – Indien ist sicher für die meisten von uns gestrichen!  Aber: nicht zu früh freuen! Das, was Jesus meint, das kann sehr konkret werden. Unangenehm konkret!  Ihm geht es darum, dass wir da dienen, wo wir stehen. Jesus will, dass ich da diene, wo ich meinen Platz habe. Dienen konkret – zum Beispiel in unserer Ehe. Meiner Frau, meinem Mann dienen, das heißt: ihr, sein Wohl suchen! Nicht durchsetzen, wobei ich am besten abschneide und mein Partner auf der Strecke bleibt, sondern danach kucken: was braucht sie/er nun im Moment? Und dann etwas dafür tun, dass sie, dass er  es bekommt.   

 
Dienen konkret – für die allermeisten von uns nicht als Missionar in Timbuktu, sondern in der eigenen Familie: den Müll rausbringen oder mit dem Hund Gassi gehen, wenn Mama das sagt. Dann nicht stur aufs Handy zu kucken und noch ellenlang was zu posten, sondern in die Hufe kommen und Mama den Gefallen tun!  Dienen konkret – zum Beispiel in der Schule: mich zu einem stellen, der nicht so richtig dazugehört.  Dienen konkret - am Arbeitsplatz: „Kann ich dir was abnehmen, damit du mal pünktlich Feierabend machen kannst?“  Dienen konkret – darauf achten: wo soll und kann ich etwas tun für andere? Und das geschieht eben nicht immer nur an den Stellen, wo man von andern gesehen und bewundert wird.   Beispiel: Ulrike und ich durften Freitag voriger Woche bei der Eröffnung der neuen Blumenhallen-Saison dabei sein. Großer Bahnhof – sogar unser Wirtschaftsminister Olaf Lies war dabei – habt ihr bestimmt in der Zeitung gesehen. Und die Blumenhalle sieht wirklich toll aus – kann ich euch nur empfehlen!   Aber damit das auch in drei Wochen noch so toll aussieht, und in vier Monaten und bis zum Ende der Saison – dafür müssen viele richtig  den Rücken krumm machen und Sich die Hände schmutzig machen. Dann arbeiten, wenn andere schon längst Feierabend haben. Und die tauchen nicht in der Zeitung auf und die kriegen keinen Applaus!  Und bei uns in der Kirche ist es oft nicht anders: wenn etwas besonders schön läuft, oder wenn eine besonders große Veranstaltung ansteht – dann stehen einige im Vordergrund und das, was sie dazu beitragen, können alle sehen und sie bekommen viel Anerkennung – und nicht falsch verstehen: das ist auch in Ordnung!  Aber immer sind auch noch andere daran beteiligt – und die machen oft die Drecksarbeit. Putzen die Klos – und glaubt mir: nicht alle treffen beim Pinkeln das Klobecken und nicht alle haben gelernt, wie man die Klospülung bedient... Andere buckeln Bühnenteile, kriechen oben auf dem Dachboden rum und legen Leitungen, verbringen Stunden in der Kirche, um schön zu dekorieren, waschen ab und putzen Staub – meist ohne dass sie gesehen werden und in der Zeitung stehen und dass sie Applaus bekommen. Aber sie machen es – und damit dienen sie. Konkret!  

 
Dass wir als Christen dienen sollen - das heißt übrigens nicht, dass Christen keine leitenden Positionen übernehmen sollen! Ganz im Gegenteil. Es ist wichtig, dass in die Chefetagen viel mehr überzeugte Christen einziehen. Und dass sie dann auch führen und leiten müssen, das ist klar! Und sie können dabei nicht immer nur „lieb“ sein – das ist auch klar! Aber: in ihren leitenden Positionen sollen sie ihren Einfluss und ihre Macht nicht missbrauchen, um andere zu unterdrücken und zu schikanieren. Sondern sie sollen Ihre Macht gebrauchen, um anderen zu dienen.

 
Dienen ist unbequem - bedient werden ist viel schöner. Und darum fällt uns das Dienen auch oft so schwer. Wie gut, dass Jesus nie etwas verlangt, was er nicht selbst tut. Das, was er von anderen verlangt, das tut Jesus selbst auch. Dazu der letzte Gedankengang: Nachdem Jesus seinen Jüngern erklärt hat, dass sie dienen sollen, wenn sie im Reich Gottes groß sein wollen,  redet er über sich selbst: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.“  Wenn man das so hört, klingt das leicht – aber was dahintersteckt, das ist schon gewaltig. Stellt euch mal vor, Angela Merkel würde morgen bei euch klingeln und sagen: „Ich hab gehört, Sie haben so viel zu tun! Zwei Kinder, ein Nebenjob und auch noch eine Mutter, die langsam dement wird. Ich wollte darum heute wohl erst eem den Frühjahrsputz für Sie machen und danach für Sie einkaufen gehen! Aber zuerst mache ich einen Kaffee für Sie, damit Sie sich eem besinnen können!“ Oder unser neuer Bundespräsident taucht auf und sagt: ‚Moin, da bin ich! Wo steht die Waschmaschine? Ich will heute für dich waschen und anschließend bügeln!‘  Wenn das wirklich so wäre – das wäre ja irgendwie verkehrte Welt. Dass einer, der Macht hat, zu uns kommt und uns etwas abnimmt, was uns Mühe macht.  Verkehrte Welt – oder? Und jetzt sagt hier der Sohn Gottes, der Herr aller Herren, der König aller Könige, der Präsident aller Präsidenten: ‚Ich bin gekommen um euch zu dienen. Ich bin gekommen, um für euch da zu sein. Ich bin gekommen, weil Ihr meine Hilfe braucht.‘  Verkehrte Welt – oder? Jesus ist gekommen, um zu dienen. Aber so ist Gott! Er ist sich nicht zu schade, uns zu dienen. Gleich nach dem Sündenfall, als er allen Grund hat, böse zu sein auf Adam und Eva, macht Gott sich zu ihrem Diener. Er macht ihnen Röcke aus Fellen und zieht ihnen die an – statt ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen. Oder Jesus: der bindet sich die Schürze des Hausdieners um und kniet sich vor seine Jünger nieder und dann wäscht er ihnen die Füße. Und auch heute: im Gottesdienst dient Gott uns! Will uns reich machen durch sein Wort. Uns stärken mit seinem Segen. Gottesdienst – das ist immer auch Gottes Dienst an uns.
Nun geht der Dienst, den Jesus tut, aber noch viel weiter: „Der Menschensohn ist nicht ge-kommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Löse-geld für viele.“ Lösegeld. Das klingt nach einer Geiselnahme. So wie letzten Monat – da stand in der Zeitung, dass die Reederei Briese aus Leer elf von ihren Seeleuten mit Lösegeld frei-gekauft hat – die waren nämlich ’n paar Wochen vorher gekidnappt worden. Und so in der Art ist das auch gemeint, wenn von Jesus gesagt wird, dass er gekommen ist, um sein Leben als Lösegeld für Viele zu geben. Jesus sagt: „Ihr Menschen seid Geiseln der Sünde.“ Er meint damit: eine fremde Macht hat über uns das Sagen und sie sorgt dafür, dass wir nicht so zur Entfaltung kommen, wie Gott sich das für uns vorgenommen hat. Im Gegenteil: wir werden von Gott weggeführt – und das tut uns nicht gut!  Dieser Sachverhalt, diese Tatsache ist wie eine Geiselhaft: gefangen unter einer Macht, die uns in der Hand hat und die es nicht gut mit uns meint. Und aus dieser Geiselhaft kauft Jesus uns frei! Er bezahlt das Lösegeld: sein Leben. Am Kreuz bezahlt Jesus das Löse-geld für Dich und für mich. So dient Jesus uns.  Und wenn wir nun durch die neue Woche gehen, dann kann es sein, dass wir darauf gestoßen werden, dass wir mit „dienen“ dran sind. Möge Gott uns dann die nötigen seelischen und körperlichen Muckis dazu geben, dass wir es dann auch tun und können. Amen.

 
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