Predigten Februar - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Februar

Predigten > 2018
  
Predigt über Matthäus 12, 38-42; Reminiscere; 25.02.2018

Einige Schriftgelehrte und Pharisäer traten an Jesus heran und sagten: „Lehrer, vollbringe vor unseren Augen ein Wunder als Beweis dafür, dass Gott dich gesandt hat!“
Jesus entgegnete ihnen: „Was seid ihr nur für eine böse und gottlose Generation! Ihr verlangt nach einem Beweis, doch den werdet ihr nicht bekommen. Ihr und eure Zeitgenossen werdet nur das Wunder sehen, das am Propheten Jona geschah. Jona war 3 Tage und 3 Nächte im Bauch des großen Fisches. Ebenso wird der Menschensohn 3 Tage und 3 Nächte in den Tiefen der Erde sein.  Die Einwohner von Ninive werden am Gerichtstag gegen die heutige Generation auftreten und sie verurteilen, denn nach Jonas Predigt kehrten sie um zu Gott. Und hier steht jemand vor euch, der größer ist als Jona! Auch die Königin von Saba  wird am Tag des Gerichts gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen. Denn sie kam von weit her, um von König Salo-mos Weisheit zu lernen. Und hier steht jemand vor euch, der größer ist als Salomo!“

 
Vollbringe vor unseren Augen ein Wunder als Beweis dafür, dass Gott dich gesandt hat!“
Die Pharisäer und Schriftgelehrten verlangen das von Jesus. Die, die sich gut auskennen, die Glaubensexperten. Das, was Jesus sagt, das genügt ihnen nicht. Und das, was er tut, das genügt ihnen auch nicht. Sie haben es ja mitgekriegt, wie er Kranke geheilt hat. Sie haben es mit eigenen Ohren gehört, wie menschenfreundlich Jesus von Gott spricht. Dass er Menschen zu sich ruft, die schwermütig sind und die viel zu tragen haben und die nicht mehr ein noch aus wissen. „Kommt her zu mir!“, hat er sie eingeladen. „Ich will euch helfen, dass ihr damit zurecht kommt! Ich will euch helfen, dass ihr euch wieder sortieren könnt, dass ihr durchatmen könnt. Ich will euch erquicken.“  Das alles haben die Glaubensexperten mit eigenen Ohren gehört und mit eigenen Augen gesehen. Sie wissen, was Jesus sagt, was er tut und welchen Anspruch er hat. Aber das genügt ihnen nicht.  Sie verlangen einen Beweis.    Damit stellen sie Jesus eine Falle. Das ist eine ganz raffinierte Falle. Sie funktioniert so: solange sie den Beweis von Jesus nicht haben, so lange können sie sagen: Wir wissen nicht genau Bescheid! Und solange sie nicht genau Bescheid wissen, solange machen sie weiter wie bisher. Solange sie diesen Beweis, dass dort, wo Jesus ist, dass dort Gott selbst ist, solange sie diesen Beweis nicht haben, so lange brauchen sie ja dann auch nicht auf ihn hören. Solange brauchen sie sich nicht ändern. Solange sie diesen Beweis nicht haben, können sie Jesus ignorieren und ihn einen guten Mann sein lassen.
Das ist die Falle, die die Glaubensexperten Jesus damals stellen. Und diese Falle funktioniert bis heute.  Wenn da einer von der AfD behauptet: „Das große Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird“ (Björn Hocke)  und ein anderer zur Flüchtlingsproblematik raushaut: „Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen er-pressen lassen!“ (Alexander Gauland)    Wenn solche Sätze fallen, dann ist es leider so, dass es gar nicht so wenige gibt, die „Ja“ dazu sagen oder das ganz oberflächlich beurteilen und behaupten, dass solche Sätze ja nichts machen. Nein – beweisen kann man sicher nicht, dass solche Sätze sich wie gedanklicher Sondermüll festsetzen und das Gehirn vergiften. Und so-lange man es nicht beweisen kann, kann man den braunen Mob einfach gewähren lassen.
Herr Doktor, bekomme ich einen Herzinfarkt, wenn ich nichts gegen den hohen Cholesterinwert tue?“ Kein seriöser Arzt kann ohne Wenn und Aber sagen: Ja oder nein! Er wird immer nur sagen können: das Risiko steigt erheblich! Aber solange wir nichts Definitives wissen, so-lange der Arzt nicht sagt: Ja, wenn du gegen deinen hohen Cholesterinwert nichts tust, dann wirst du in einem halben Jahr tot umkip-pen, solange das nicht passiert, kann ich im Grunde genommen weitermachen wie immer. Klar, es kann sein, dass da mal was passiert, aber sicher ist es nicht. Es kann auch anders kommen, es kann auch gut gehen. Und solange ich nichts Genaues weiß, muss ich mich nicht ändern.    
Frage an einen sogenannten Lebensberater in einer Zeitschrift: „Bitte sagen Sie mir: ist es schlimm, wenn ich auf dem Betriebsfest mit meiner Kollegin flirte. Sie sieht toll aus und bei der Arbeit knistert es immer so ein bisschen zwischen uns. Aber natürlich wollen wir nicht unsere jeweiligen Ehepartner betrügen, wir wollen nur ein bisschen Spaß haben. Ist das schlimm?“ Antwort des sogenannten Experten: „Wenn Sie sich und den Flirt im Griff behalten, gönnen Sie sich Ihren Spaß! Aber Sie sollten Vorkehrungen treffen, dass ihre Ehepartner es nicht merken...“ Jeder kann sich denken, was bei so einer Antwort rauskommt. Sie ist ein Freifahrtschein zum Ehebruch. Weil: man denkt ja, dass man sich und die Sache im Griff hat! Was soll da schon passieren... Hätte der „Lebensberater“ geantwortet: „Das wird garantiert schief gehen und Sie setzen beide Ihre Ehe und Familie aufs Spiel!“, hätte er so geantwortet, dann würden vielleicht etliche Menschen vor großem Elend bewahrt.
Meister, wir möchten gerne ein Zeichen von dir sehen.“ Experten, Glaubensexperten ver-langen von Jesus einen Beweis. Dafür, dass er Gottes Sohn ist. Dass Er  ihnen etwas zu
sagen hat. Und solange sie diesen Beweis nicht haben, machen sie weiter wie immer. Das ist die Falle, die Jesus hier gestellt wird. Aber Jesus tappt nicht hinein. Er gibt kein Zeichen, liefert keinen Beweis und geht nicht in die Falle von denen, denen kein noch so deutliches Wort deutlich genug ist. Und damit gibt er ihnen zu verstehen: Ihr wisst doch genau, was los ist! Ihr wisst doch, was dran ist. Aber ihr tut nichts! Ihr wollt nicht! Ihr wollt euch nicht ändern!  ‚Ihr wisst genau, aber ihr wollt nicht!‘ Ob wir uns das von Jesus nicht auch sagen lassen müssen?  Wir wissen es doch, dass die braunen Stammtischparolen sehr wohl ihre Wirkung entfalten – unser Land hat es doch schon einmal erlebt!
Ich weiß es doch, dass die fetten Koteletts Gift für mich sind, wenn mein Cholesterinspiegel zu hoch ist. Warum ändere ich mich dann nicht? Warum fange ich nicht an, gesünder zu essen?  Und wenn da zwischen zwei Menschen, die nicht zusammen gehören, wenn zwischen ihnen sowieso schon Begehrlichkeit knistert, warum begibt man sich dann noch sehenden Auges in Gefahr und setzt damit das Glück ihrer Familien aufs Spiel?
An diesen drei Beispielen habe ich versucht, das deutlich zu machen, was Jesus meint: Ihr wisst doch genau, was Sache ist, aber ihr ändert euch trotzdem nicht. Ihr lasst es in der Schwebe und solange ihr keinen definitiven Beweis habt, macht ihr nichts anders! Und das ist doch nicht nur in diesen drei Bereichen so. Das kann man doch durchdeklinieren durch alle möglichen Bereiche: Wir wissen doch, dass der Klimawandel in vollem Gang ist.
Und trotzdem reden wir uns raus: „Ach was, Wetterschwankungen hat es immer mal ge-geben, das muss man nicht so ernst nehmen.“ Und wir kommen nicht in die Pötte, grund-legend etwas zu ändern.  Oder: „Es ist doch nicht schlimm, wenn mein Kind mit zehn, elf Jahren die meiste Zeit nachmittags nur mit dem Handy online ist und kaum noch was anderes macht. Und natürlich ist es nicht angenehm, wenn man sein Kind an dieser Stelle kontrolliert und sich selbst ein Bild macht, womit die Kurzen sich die Zeit vertreiben und was da eigentlich läuft. Damit gewinnt man als Vater oder Mutter keinen Beliebtheitswettbewerb. Und bequem ist das ja auch: solange mein Kind mit dem Handy rumdaddelt, brauche ich mich nicht großartig kümmern. Dass da ganz schlimme Dinge passieren können, ja, das hört man wohl mal, aber das muss man nicht so eng sehen!
Gib uns ein Zeichen! Wenn wir einen untrüglichen Beweis hätten, dann würden wir uns ändern! Aber Jesus macht da nicht mit: ‚Ihr wisst genau, was los ist, aber ihr wollt euch nicht ändern!‘    Und das war ja ein ganz wichtiger Teil von dem, was er immer und immer wieder den Menschen gesagt hat. Immer wieder hörten sie damals von ihm und immer wieder lesen wir heute von ihm: „Kehrt um, ändert euch!“  Das ist ein anderer Ausdruck für ‚tut Buße’. So auch in der Szene, die wir heute hören:  Jesus gibt kein Zeichen und er liefert keinen Beweis. Er antwortet anders. Er geht zurück auf etwas, was damals schon uralt war. Aber trotzdem hatten es die Menschen noch im Gedächtnis. Jesus erinnert an ‚das Zeichen des Propheten Jona’.  Mit Jona war das so: er bekam den Auftrag von Gott: Geh nach Ninive! Fordere sie auf, dass sie sich ändern! Aber Jona haut ab, flüchtet vor dem Auftrag, den Gott ihn gegeben hat. Er geht auf ein Schiff, das genau in die entgegengesetzt Richtung fährt. Aber dieses Schiff gerät in Seenot. Der Kapitän und die Besatzung schieben die Schuld dafür auf Jona. Sie werfen ihn über Bord und der Sturm legt sich. Jona landet im Bauch eines großen Fisches - gerettet!  Dann aber spuckt der Fisch ihn an Land, und dann geht es von vorne los: „Da erging das Wort des HERRN zum zweiten Mal an Jona. ‚Los! Geh nach Ninive und rufe gegen sie, was ich dir sagen werde.’    Als wäre nichts geschehen, wiederholt Gott den Auftrag an den Propheten. Und diesmal führt Jona ihn aus. Er hält keine Drohrede und keine Moral-predigt. Er wagt nur einen kleinen Zwischenruf: „Noch vierzig Tage, und Ninive ist zusammengebrochen!“ Eine kurze Predigt – aber sie wirkt! Die Einwohner von Ninive ändern sich, reden sich nicht mehr raus.
Die Einwohner von Ninive ändern sich. Sie haben sich bewegen lassen! Und genau diese Menschen stellt Jesus uns als Beispiel vor Augen. Sie haben es richtig gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass Jesus uns damit sagen will:  Etwas falsch zu machen, das kann und wird passieren. Dass wir uns in etwas verrennen, davor sind wir nie sicher. Dass wir Fehler machen, das können wir nicht ausschließen. Und das wird uns von Gott auch nicht angerechnet. Aber dass wir dabei bleiben, das ist das Schlimme, dass wir es laufen und gewähren lassen. Diese Halsstarrigkeit, die wird uns angerechnet. Dieses alles-so-laufen-lassen, obwohl man genau weiß, dass eine Änderung ansteht.
Die Leute von Ninive haben begriffen. Und das stellt Jesus uns als ein großes Wunder vor Au-gen. Weil das schwer ist, sich zu ändern. Dass Menschen sich ändern, das ist wie ein Wunder. Dass wir uns ändern, dazu gehört als erstes: ich gestehe mir ein, dass ich einen falschen Weg gegangen bin. Mir gestehe ich das ein; aber noch schwerer fällt mir, das auch anderen einzugestehen. Und umkehren kann auch peinlich sein: Ich hab mir vor Jahren ein neues Rad gekauft. Weil ich genau wusste: Hermann, du musst dich mehr bewegen! Und am Anfang bin ich auch fast jeden Tag damit gefahren. Aber dann ging es mir auf den Keks, dass manche hinter mir her riefen: „Kiek, Pestoor mit Rad. Hemm’s die’t Führerschien nohmen?“ Oder: „Hebb ick dat mit Oogen, off büst Du wiers mit Rad bie uns langsfohrn?“ Ich weiß wohl, dass das überhaupt nicht böse gemeint war und normalerweise kann ich Spaß ja auch gut ab. Aber es war für mich ja sowieso schon eine Überwindung, mich aufs Rad zu schwingen, und als dann reihenweise solche Bemerkungen kamen, da war es ganz leicht für mich zu sagen: Ach, lass man...! – Sich zu ändern, das ist eine ganz anfällige Sache.
Manchmal ist umkehren auch mit Angst verbunden! Wird der Weg richtig sein, den ich jetzt beginne? Aber auch diese Angst können wir vor Gott bringen und mit Seiner Hilfe überwinden. Und wenn Jesus sich auf das bezieht, was mit Jona und den Leuten von Ninive passiert ist, dann macht er damit doch Mut: Über-windet eure Angst, schert euch nicht um
die Peinlichkeit, geht den ersten Schritt zur Um-kehr, so wie die Leute von Ninive!
Entscheidungen, die einmal gefällt wurden, sind durchaus oft umkehrbar. Und man verliert nicht sein Gesicht, wenn man sich um-entscheidet und Entscheidungen revidiert. Wer sich das traut, der ist in guter Gesellschaft. Nicht nur der Niniviter. Und hier kommen wir an einige der besonders aufregenden Stellen der Bibel: einige Male nämlich wird berichtet, dass Gott den Plan fasst, sein Volk zu vernichten. Aber dann lässt er sich umstimmen. Ein Beispiel: als die Israeliten unsicher wurden, ob Gott es wirklich schafft, sie ins gelobte Land zu bringen, legen die Frauen ihren Schmuck ab. Ein goldener Stier wird aus dem Gold gegossen und den beten sie nun an. Das ist Zuviel für Gott und er will ordentlich draufhauen. Aber jetzt beginnt Mose ihn zu bestürmen: wenn du das Volk umbringst, das du unter so viel Mühen aus Ägypten geführt hast, was wer-den die Ägypter sagen? Werden sie nicht den Kopf schütteln und sagen: er hat sie heraus-geführt, um sie in der Wüste umzubringen? Was bist du dann für ein Gott? Und Mose hat Erfolg, Gott lässt es sich gereuen, er lässt das Volk am Leben. Das lesen wir im 2. Buch Mose Kap. 32.  Eine andere Geschichte von der Reue Gottes finden wir beim Propheten Hosea. Da wird erzählt, wie Gott sich von Hosea bewegen lässt, das untreu gewordene Volk nicht zu vernichten. (Hosea 11). Gott selbst hat die Größe, den Weg, den er eingeschlagen hat, zu ändern. Und genau darin ist er sich treu geblieben. Gott bleibt sich treu, indem er sich ändert und Gnade vor Recht ergehen lässt.  Dort, wo Menschen das auch wagen und anfangen, sich zu ändern, da haben sie die Chance, Böses abzuwenden. Jesus erinnert daran mit dieser uralten Jona-Geschichte.
Bei den Glaubensexperten damals hat er wohl kein Gehört gefunden. Jedenfalls haben sie sich so über ihn geärgert, dass sie ihn umbringen wollten und das dann ja auch getan haben.  Aber das war letztlich nichts Endgültiges – sonst wären wir ja nicht hier! So wie Jona drei Tage im Bauch des Fisches war und dann gerettet wurde, genau so war Jesus drei Tage im Dunkel des Todes, von Karfreitag bis Ostern. Und dann erweckte Gott diesen Einen aus der Macht des Todes heraus in ein neues Leben.  „Meister, wir möchten gerne ein Zeichen von dir sehen.“ Mehr als Kreuz und Auferstehung hat Gott bis heute nicht zu bieten, und er braucht auch keine anderen Zeichen! Das Zeichen des Kreuzes Jesu ist die Vergebung aller Schuld. Und das Zeichen der Auferstehung Jesu von den Toten ist das Leben vor und nach dem Grab.  Diese Zeichen sind von niemand und nichts zu übertreffen. Und heute werden wir gefragt, ob wir uns mit diesen Gotteszeichen für unser Leben und unser Sterben und über das Grab hinaus zei-gen lassen, wo es lang geht.  Diese Zeichen wollen uns zur Umkehr, zum Neuanfang im Glauben, Hoffen und Lieben rufen. Amen.

 
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