Predigten Februar 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Februar 2015

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Predigt vom 22. Februar 2015

Eine schriftliche Fassung der heutigen Predigt liegt uns leider nicht vor. Wir wünschen viel Spaß bei der Audioversion!

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Predigt über 1. Korinther 13 i A ; Estomihi; 15.02.2015

Predigt I Liebe Gemeinde, ein Mann wacht im Krankenhaus aus der Narkose auf, seine Frau sitzt an seinem Bett. Er ist noch ein bisschen benommen und flüstert: „Bin ich im Himmel?" „Nein", sagt seine Frau, „ich bin noch da." //  OK – ein bisschen hart vielleicht, und es passt nicht wirklich zum Valentinstag - und auch nicht zu diesem Sonntag, der unter dem großen Thema „Liebe" steht. Aber wir Männer wollen ja auchmal was zu lachen haben...    

Ich will mal’ne kleine Umfrage machen – nicht mit dem Mikro, wir können das machen mit Hand heben. Hier meine Frage: Wer hat gestern seiner oder seinem Liebsten Blumen geschenkt, weil Valentinstag war? Ehrliche Antwort bitte.  Abfrage

OK - ein paar Valentinstagsfreunde haben wir unter uns – und der Rest besteht dann ja wohl aus Valentinstagsmuffeln, genau wie ich.  Dieser Tag ist übrigens keine Erfindung des Blumenhandels. Schon im 15. Jh. bildeten sich in England Valentinspaare: die Paare wurden am Abend des 13. Februar ausgelost und schenkten sich dann am Tag drauf etwas Nettes, oft Blumen.  Irgendwann schwappte der Brauch in die USA rüber und kam nach dem 2. Weltkrieg durch amerikanische Soldaten nach Deutschland. Hier wurde er dann von der Blumenindustrie dankbar angenommen. Das Ganze geht wahrscheinlich auf den Bischof Valentin von Terni zurück. Der lebte im 3. Jh. in Italien und tat etwas, was damals absolut verboten war: er traute auch christliche Sklaven und Soldaten, denen das Heiraten streng verboten war. Und er soll den Paaren nach der Trauung Blumen aus seinem eigenen Garten geschenkt haben. Das alles ist ihm nicht gut bekommen: er wurde angezeigt und am 14. Februar 269 ließ Kaiser Claudius II ihn enthaupten. Auf seinen
Todestag geht also der Brauch zurück, am 14. Febr. der Liebe zu gedenken. In einigen Gemeinden ist er zu einem Tag geworden, an dem es besonders um Ehe und Liebe geht. Und das finde ich auch richtig – denn immerhin ist Gott der Erfinder der Liebe und dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. In einem der Briefe im NT wird es auf den Punkt gebracht, da steht, dass Gott nicht nur etwas mit der Liebe zu tun hat,
sondern: „Gott ist die Liebe...!" /  Und ein ganz bekannter Liebestext ist speziell für diesen Sonntag Estomihi vorgesehen. Alexandra und Melanie und Sina lesen uns diesen Bibelabschnitt und einige einführende Gedanken jetzt vor – danke schon mal!

Lesung 1 Kor 13

BB-Beiträge
„Jugendliebe"
„Manchmal kommt die Liebe einfach so"

Predigt II „Manchmal kommt die Liebe einfach so" – singt „Königin Helene" und das haben viele von uns  selbst erlebt. Da begegnen sich zwei - und plötzlich passiert es: auf einmal geht in ihren Körperzellen, in den Nerven und im Gehirn die Post ab: unzählige Nachrichten werden plötzlich hin- und hergejagt. Elektrische Reize setzen die Nerven in Alarmbereitschaft – und dann wird die körpereigene Chemiefabrik auf Hochtouren gebracht: Dopamin, Serotonin, Adrenalin und’n paar andere Sachen werden ausgeschüttet, perfekt aufeinander abgestimmt und jagen nun durch den Körper. Neurotransmitter, Hormone und Botenstoffe rasen hin und her, laden sich bei der Bauchspeicheldrüse, an der Nebennierenrinde und der Hirnanhangdrüse auf, schwimmen beladen mit Cortison, Insulin, Testosteron und anderen Hormonen im Blutstrom zurück und docken dann an die Zielorgane an, um ihren Chemiecocktail abzuliefern - und dann ist es passiert: zwei Menschen sind infiziert und bekommen sonderbare Symptome: Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Bewusstseinsstörungen, sie können nur noch an die Eine oder den Einen denken, heulen, lachen, fiebern und träumen. Sie sind infiziert mit der wunderbarsten Krankheit der Welt: sie sind frisch verliebt!  Ist es nicht phantastisch, wie perfekt unser Schöpfer das eingerichtet hat, dass da alles Nötige in uns angelegt und vorhanden ist – und wenn zwei bestimmte Menschen dann aufeinandertreffen, dann ist es um sie geschehen! Entweder urplötzlich – oder auch nach dem Motto ‚Tausendmal berührt und tausendmal ist nichts passiert‘ – und dann hat es doch „Zoom!" gemacht und zwei Menschen entdecken ihre Liebe zueinander! Wunderbar!  Und der Apostel Paulus ist überzeugt: die Liebe ist das Größte!   Vier Beispiele nennt er, um deutlich zu machen: ohne die Liebe ist auch das Größte  nichts: Wenn ich alle Sprachen der Welt sprechen und sogar mit überirdischen Mächten reden könnte; wenn ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte und alle Probleme der Welt lösen könnte; wenn ich einen Glauben hätte, mit dem ich Berge versetzen könnte, und wenn ich meinen letzten Cent für wohltätige Zwecke spenden würde – wenn keine Liebe dabei wäre, dann wäre das alles für die Katz!  Es wäre Nichts, oder besser gesagt: ich wäre nichts und ich hätte nichts!  
Es ohne Liebe zu tun, bedeutet: ich tue das alles nur, damit ich selber groß rauskomme und weil ich damit angeben kann.  Ohne Liebe wäre das, was toll aussieht, nur purer Egoismus.
Das Größte und Beste wird zum Nichts – ohne Liebe.  Starke Worte sind das! Das hieße doch: wenn ihr als Eheleute das schönste Haus gebaut hättet und ihr hättet keine Zeit mehr für das vertraute Gespräch miteinander – dann wäre es nicht mehr als ein Steinhaufen!   Wenn Eure Kinder die tollsten Zeugnisse nach Hause brächten, aber wenn es keine Herzlichkeit zwischen euch gäbe – dann wäret ihr arm dran!  Und wenn ihr in der Öffentlichkeit hoch angesehen wäret – aber ihr hättet kein liebes Wort mehr füreinander übrig, dann hätte eure Ehe nur noch Schrottwert!

Und da sind wir jetzt an einem ganz wichtigen Punkt: dass „Liebe" sich offensichtlich verändern kann! Ich habe bisher ungefähr 250 Paare getraut – und ich habe glaub‘ ich  noch nie erlebt, dass die Brautleute keine lieben Worte füreinander hatten oder dass da keine Herzlichkeit zwischen ihnen war und dass sie nicht ganz vertraut miteinander waren. Am Anfang ist das immer da! Diese Liebe ist immer da, wenn die beiden einander versprechen, lebenslang miteinander durch dick und dünn zu gehen. Wenn es nicht auch so gemeint wäre, dann würden Menschen nicht wenigstens die Absicht haben: wir beide bleiben für den Rest unseres Lebens beieinander!   Aber bei vielen kommt dann irgendwann die Ernüchterung: das, was uns verbunden hat, trägt nicht mehr! So wie Andrea Berg es besingt: ‚Die große Liebe – ich hab daran geglaubt.‘ Und dann heißt es oft: ‚Schon vorbei mit lebenslänglich.‘   BB-Beitrag „Lebenslänglich"



Predigt III
Dass es nicht einmal vorbei ist mit „lebenslänglich" – darauf kann niemand einen Garantieschein geben. Und keiner soll sich anmaßen und sagen: bei mir, bei uns, bei unseren Kindern nicht! Aus der Seelsorge weiß ich: es gibt Situationen des Scheiterns – und manchmal muss man sogar sagen: es ist besser so, dass zwei sich wieder trennen und wenn dann auch ein klarer Strich gezogen und man frei wird für einen neuen, besseren Anfang. Das ist –wenn auch traurige- Realität. Aber genauso ist es Realität, dass es einige Faktoren gibt, die dazu helfen, dass die Liebe zueinander lebendig bleibt. Klar – die Verliebtheit vergeht irgendwann. Und das ist auch gut so! Wenn man immer in diesem Modus ‚verliebt‘ bleiben würde, das würd‘ man gar nicht aushalten! Da wirst du bekloppt bei und kriegst deinen Alltag nicht mehr geregelt.  Dieses berauschende Gefühl, das geht irgendwann weg und dann zeigt es sich, ob die Liebe auch wirklich alltagstauglich ist.  Und darum kommt Paulus in seinem Kapitel „Liebe" auch auf einige Punkte zu sprechen, in denen es nicht ums Gefühl geht. Die aber gerade darum  dazu beitragen, dass wir die Liebe pflegen können. Er zählt eine ganze Liste auf, z. B. Liebe ist freundlich, gütig, taktvoll, belastungsfähig, nicht nachtragend und, und, und.  Das sind ja alles ziemlich konkrete Sachen – und sie zeigen schon: wenn die Bibel von Liebe spricht, dann meint sie nicht in erster Linie ein Gefühl. Liebe ist mehr eine Einstellungssache! Sie hat vor allem etwas mit der Einstellung zu tun, die ich einem anderen gegenüber habe. Wenn Liebe nur ein Gefühl wäre – dann wäre sie immer in Gefahr. Denn mein Gefühl kann sich wahnsinnig schnell verändern. Heute, am Sonntag und nach einem tollen Frühstück, spüre ich vielleicht die Liebe zu meiner Frau ganz deutlich – aber morgen, wenn ich mit dem falschen Fuß aufgestanden bin und sie mir dumm kommt – dann habe ich vielleicht kein so schönes Gefühl ihr gegenüber.  Und das ist ja nur ein kleines Beispiel dafür, wie wankelmütig unser Gefühl oft ist.  Und wenn Liebe in erster Linie ein Gefühl wäre, dann würde sie auf gewaltig dünnem Eis stehen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass so viele Ehen scheitern, weil die Partner den Sprung vom tollen Gefühl hin zu einem alltagstauglichen Umgang miteinander nicht geschafft haben. ‚Wir haben keine Gefühle mehr füreinander.‘ Ja, das ist schlimm – aber vielleicht hängt es damit zusammen, dass man eine falsche Einstellung zueinander und zur Liebe hatte.  Ich muss dabei an Eheleute denken, die schon Jahrzehnte auf‘m Ehe-Tacho haben. Ich bin sicher: die haben auch nicht 40, 50 oder mehr Jahre tolle Gefühle füreinander gehabt. Aber sie haben sich da-

ran gehalten, dass sie sich einmal bewusst füreinander entschieden haben. Und sie haben das gelebt, was das Bibelwort für heute meint, wenn es von Liebe spricht: sich um den Anderen kümmern, für seinen Lebensunterhalt aufkommen, ihm etwas zu essen kochen; einander zuhören, merken, wenn dem anderen etwas fehlt, ihn pflegen, wenn er krank ist und es mit ihm auszuhalten. Und dann irgendwann am Ende sein Grab zu pflegen. Diese Art von Liebe ist gemeint. Die Liebe, die dranbleibt. Auch dann, wenn’s nicht romantisch ist und schwierig wird und wenn man sich die Hände schmutzig machen muss für den andern. Liebe heißt im Neuen Testament immer, etwas für den Anderen zu tun. Und so meint Paulus die ganzen Dinge, die er aufzählt. Und zu jedem Punkt könnte man ausführlich was sagen – aber das geht nicht. Vielleicht reicht es für heute, wenn wir uns merken: Liebe ist nicht nur ei-
ne Gefühlssache, sondern eine Einstellungssache. Und sie umfasst ganz praktische Dinge im täglichen Umgang miteinander. Zwei will ich nennen:

1.: Die Freundlichkeit
Wenn hier steht, dass die Liebe freundlich zu dem anderen ist, dann ist das ja eigentlich ziemlich niedrig angesetzt. In der Phase der Verliebtheit klingt das noch ganz anders: „Ich hole dir die Sterne vom Himmel!", oder: „Ich werde dich auf Händen tragen!" Das mach‘ mal, wenn sie inzwischen an die zweihundert Pfund geht.   Und es liegt nicht nur am Gewicht, wenn diese Dinge auf der Strecke bleiben – der Alltag lässt es oft einfach nicht anders zu! Und darum setzt der Bibelabschnitt für heute ziemlich niedrig an: Liebe zueinander kann sich auch dadurch zeigen, dass man freundlich zueinander ist. Freundlich sein – das ist eigentlich keine große Sache. Das macht man ja sogar bei Leuten, die man gar nicht gut kennt oder mit denen man nicht besonders gut kann. Aber wenigstens „Moin!" sagen kann man. Oder jemandem zuhören, wenn er was sagt – und ihm nicht sofort ins Wort fallen. „Danke!" sagen, wenn der andere etwas für einen tut. Oder ihn mal so zwischendrin mit einer kleinen Aufmerksamkeit überrascht.  Das sind eigentlich keine großen Sachen, sondern nur Freundlichkeiten. Und Paulus sagt: wenn ihr im Moment vielleicht auch keine besonders starken Gefühle füreinander habt: freundlich zueinander sein, das werdet ihr ja wohl hinkriegen!

2.: Die eheliche Kondition
Gemeint ist, dass ich durchhalte, auch wenn meine Frau oder mein Mann mich verletzt hat. Und da brauchen wir uns gar nichts vormachen: dass man einander verletzt, das passiert gerade in einer Ehe eher als sonstwo. Das liegt daran, dass man da so eng zusammen ist. Tisch und Bett teilt, die gleichen Räume bewohnt. Nur dort, wo Menschen  ganz nahe beieinander sind, da tun sie einander auch weh. Das ist wie bei den Igeln: wenn 2 Igel mit 5 Meter Abstand voneinander laufen, tun sie sich nichts. Aber wenn sie sich ganz nahe kommen, dann stiekelt es. Und so ist das in der Ehe auch. Also: wenn man einander in der Ehe verletzt, dann ist das wohl nicht schön – aber es ist nichts Ungewöhnliches. Eben weil man einander so nahe ist. Und wenn es dann passiert ist, dann ist es manchmal eine Hilfe, wenn man sich erstmal zurückzieht. Jeder hat da so seinen Schmollwinkel.  Da hat man dann erstmal seine fiesen Gedanken über den anderen – das mit in dem Moment vielleicht vor sich hin schimpft: „Wat’n blöd‘ Wief!" oder „Hätt‘ ich ihn bloß nicht geheiratet!" - und das ist auch normal. Aber: irgendwann muss man wieder aus dem Schmollwinkel raus! Und da wäre es super, wenn ich nicht ewig darauf warte, dass meine Frau oder mein Mann den Anfang macht.  Einer muss den ersten Schritt machen – und da fällt keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er den Anfang macht, auch wenn er sich total im Recht sieht.

Und zur „ehelichen Kondition" gehört auch, dass man lernt, mit der Unterschiedlichkeit zu leben. Das heißt: ich stehe zu meinem Partner, auch wenn er oder sie es mir schwer macht – einfach dadurch, dass er so anders ist! Oder im Laufe der Jahre anders geworden ist. Jeder verändert sich ja in einigen Bereichen über die Jahre hinweg. Und ich glaube, das ist oft ein ganz großes Problem: dass unser Partner in manchen Dingen ganz anders ist, als wir es gerne hätten. Und dann fangen wir manchmal an, dass wir ihn so machen wollen, wie wir ihn gerne hätten. Aber meistens funktioniert das nicht. Klar – wir können Druck machen. Aber mit Druck verändern wir niemanden wirklich – sondern der Druck macht nur das Risiko größer, dass etwas zerbricht. Ein Ehemann hat mir erzählt, dass er von da an viel besser damit zurechtgekommen ist, dass seine Frau in manchem so anders ist, als er sich klar gemacht hat: sie ist einfach so, wie sie ist. Wie sie geworden ist. Und das wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr grundlegend ändern. Und er sagte: Besser, ich fange heute an, das zu akzeptieren und ihre guten Seiten zu sehen, als dass ich immer wieder dagegen angehe – das kostet viel zu viel Kraft. Diese Kraft kann ich besser dazu nutzen, meine Frau in den Arm zu nehmen – und zu denken: ich selbst bin wahrscheinlich auch in manchen Dingen komplett anders, als sie es gerne hätte!

So gut, so schön, so wahr! Freundlichkeit und Kondition – das sind schon sehr konkrete Aufgaben, die die Liebe praktisch und alltagstauglich machen. Und dort, wo das gelingt, ist
das super und tut einer Ehe gut!  Aber ich kann das nicht sagen, ohne dass ich auch das Andere anspreche: Paulus, du hast gut reden, wenn du sagst: die Liebe ist geduldig, sie erträgt alles, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Klingt schön! Ist auch schön! Aber ich krieg‘ das längst nicht immer hin! „Die Liebe sucht nicht den eigenen Vorteil!" – das wird doch schon auf die Probe gestellt, wenn meine Ulrike aus der Küche ruft: Kannst du eem den Kasten Bier in den Keller bringen – und ich lieg gerade in der Stube so schön gemütlich aufm Sofa und kucke „Verrückt nach Meer". Dann suche ich manchmal sehr wohl meinen eigenen Vorteil und tue so, als würde ich sie nicht gehört haben.  Und wenn Paulus sagt, dass die Liebe geduldig und freundlich ist, dann muss ich sagen: Das kriege ich nicht immer gut hin! Und manchmal koche ich auch vor Wut und dann hab‘ ich gar keinen Bock, das Liebenswerte in meiner Frau zu sehen. Manchmal bin ich genervt und: manchmal nerve ich! Und dann bekommt die Liebste, die Gott mir gegeben hat, nicht das, was ihr zusteht!  Und dann?! Ist dann noch „Himmel auf Erden"?    BB-Beitrag „Himmel auf Erden"



Predigt IV
Jetzt komme ich zu etwas, ohne das ich es einfach nicht aushalten könnte, dieses tolle biblische Liebeslied zu hören. Bei jeder Trauung lese ich es – und ich komme dann ja von zuhause und manchmal ist es so, dass ich gerade eben Stress mit meiner eigenen Frau gehabt habe. Ihr versteht: da liest du in der Kirche das Hohe Lied der Liebe – und zuhause hast du selber damit grad‘ Schieflage. Und trotzdem kann ich das, ohne dass ich heucheln muss.


Diese Worte von der Liebe, die kann ich nur ertragen, wenn ich sie von Jesus her lese.
Ich kann sie nur verstehen, wenn ich mir klar mache, wer so ist und wer so liebt, wie das da steht.  Ich bin es jedenfalls nicht und ich kann beim besten Willen Liebe nicht so vollkommen leben. Und ich behaupte: niemand kann das!  Wenn wir wirklich „Liebe" so leben sollen, wie die drei Mädels uns das vorhin vorgelesen haben – da müssen wir alle passen! Wir sind nicht so, und so zu lieben, das ist für uns nicht normal. Und da bin ich beim springenden Punkt: Wir kriegen das nur ansatzweise hin, Liebe so vollkommen zu leben. Aber Jesus Christus  kriegt das hin! ER lebt das, Er ist geduldig und freundlich. Jesus kennt keinen Neid; ihm geht es nicht um den eigenen Vorteil; er stellt nie jemanden bloß; er verliert nicht die Beherrschung, und er trägt keinem etwas nach. Alles erträgt Jesus, in jeder Lage hofft er für uns. Auch dann, wenn wir versagen. Auch in der Liebe versagen.

Das ist ein ganz merkwürdiger, aber enorm wichtiger Zusammenhang: diese Liebe, die wir mehr oder weniger gut leben, die ist etwas, was wir zuerst selber empfangen haben. Jesus Christus wartet nicht erst mit seiner Liebe zu uns, bis wir „Liebe" komplett leben. Dann könnte er lange warten! Er geht sozusagen in Vorleistung – und dann färbt von der Liebe, die Er uns entgegenbringt, auf unsere Liebe zueinander etwas ab. Nochmal zum mitdenken: Jesus geht mit seiner Liebe zu uns in Vorleistung – und dann färbt von seiner Liebe zu uns etwas auf unsere Liebe zueinander ab. Und darum macht es so viel Sinn, Jesus ins Leben zu integrieren. Ihn mit hineinzunehmen, auch in unser Liebesleben! Je mehr wir es ihm erlauben, dass er unser Leben teilt, desto mehr wird er auch unsere Beziehungen prägen, auch unsere Liebesbeziehung. Nicht, dass dann plötzlich alles gut wäre. Wir werden auch dann manchmal lieblos sein, und es kann sein, dass wir, dass unsere Liebe scheitert. Aber selbst dann will Jesus unser Fluchtpunkt sein – und ER wird auch dann nicht den Stab über uns brechen.

Wenn Andrea Berg vom „Himmel auf Erden" singt, dann ist sie genau bei diesem Punkt: Wo Jesus Christus ist, da ist ein Stück Himmel auf Erden! ER kann die Träume retten, die in meinem Herzen wohnen. ER ist unsere Chance auf einen Neubeginn. ER lässt mich meine Flügel wieder spüren, dass meine, dass unsere Liebe wieder in den Aufwind kommt; und ER hilft dazu, dass Wunden in mir verheilen. Jesus Christus ist der, der es ernst meint und es wirklich lebt: „Ich bin mit Sicherheit für jeden Weg bereit mit dir, egal wie weit!" ER hat Liebe wirklich gelebt! Ist bis heute  der Fachmann für die Liebe!  Und warum um alles in der Welt sollten wir Ihm nicht erlauben, dass ER uns hilft, unsere Liebe zu pflegen?!  Amen.

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Predigt über Lukas 8, 4-8;  Sexagesimae; 08.02.2015

„Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis: ‚Ein Bauer säte Getreide aus. Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt. Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie. Einige Körner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte. Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden. Das Getreide wuchs heran und brachte das Hundertfache der Aussaat als Ertrag. Hört genau auf das, was ich euch sage!‘"

Liebe Gemeinde, mit diesem Gleichnis, das Jesus hier erzählt, will er zeigen: So ist Gott!
Wie der Bauer, der das Saatgut aussät. Und wer das beim Vorlesen so vor dem inneren Auge mitverfolgt hat, der denkt vielleicht: oh Mann, so viel Aufwand, und ¾ war vergebens!
Ein Teil von dem, was der Bauer aussät, fällt auf den Weg und die Vögel fressen es auf. Ein anderer Teil fällt unter die Dornen und wird von ihnen erstickt. Ein weiterer Teil fällt auf den Fels und findet keinen Halt und nicht genug Nahrung, um aufzugehen. Und nur ein kleiner Teil von dem, was ausgesät wird, geht auch auf.  Und nun könnte man ja sagen: das ist aber echt frustrierend! Wenn bei dem ganzen Aufwand nur so wenig rumkommt - das bringt ja nichts! Und sicher fallen uns ziemlich schnell Gelegenheiten ein, wo wir das auch schon so erlebt haben. Wo du in irgendeine Sache viel investiert hast - und es ist kaum was dabei rausgekommen: da bist du im Vorstand eines Vereins und ihr wollt gerne neue Mitglieder gewinnen. Bei vielen Veranstaltungen gebt ihr euch viel Mühe, um eure Arbeit vorzustellen. Hundert Informationsbroschüren habt Ihr verteilt - und gerade mal drei neue Mitglieder hat der Verein dadurch bekommen.  Da fragt man sich: wozu die ganze Arbeit?  Oder da hast du dich an deiner Arbeitsstelle jahrelang tüchtig eingesetzt. Nicht rumgebummelt und oft genug mal 'ne halbe Stunde länger gearbeitet und Dinge so ganz nebenbei erledigt, ohne dass es bezahlt wurde. Und dann machst du dich mal stark und fragst nach einer Lohnerhöhung - und du blitzt voll ab! Da fragt man sich doch: wozu hab ich mich eigentlich immer abgerackert?!  Oder da gibt eine Mutter sich so viel Mühe mit ihren Kindern. Gibt sich wirklich Mühe, Arbeit und Haushalt und alles auf die Reihe zu kriegen und trotzdem auch noch Zeit für ihre Kinder zu haben. Und die Kinder machen, was sie wollen und strapazieren die Nerven ihrer Mutter aufs äußerste. Und Mutter fragt sich: Wozu das Ganze?  Mir geht das manchmal so nach der Konfirmation, dass ich denke: da konfirmierst du Jahr für Jahr dreißig, vierzig junge Leute - und die meisten siehst du nicht wieder. Drei, vier bleiben vielleicht im Jugendkreis oder im Chor oder machen was anderes in der Gemeinde – und die andern sind erstmal weg. Magere Ausbeute! Und ich frag mich: wozu der ganze Aufwand, wenn nur so wenig dabei rumkommt?!  Dass ich, dass wir so denken, das ist erst mal normal. Weil wir gerne wollen, dass was dabei rauskommt, wenn wir uns einsetzen! Und das ist ja auch völlig in Ordnung so! Wenn wir uns schon Mühe geben - dann wollen wir auch möglichst viel Erfolg haben! Und wenn der Erfolg ausbleibt, dann sind wir enttäuscht!

Die Enttäuschung ist das Eine - aber manchmal passiert dann auch noch was anderes, und das schleicht sich dann irgendwann einfach so ein: wenn wir uns immer wieder Mühe geben und immer wieder kommt nur so’n bisschen dabei raus – dann hören wir irgendwann auf, uns einzusetzen! Warum soll ich für die Firma noch mehr tun als irgend nötig, wenn sich das nicht irgendwie auszahlt?  Warum soll ich mich in meiner Freizeit noch voll in die Vereinsarbeit reinhängen, wenn ich merke: keiner macht so richtig mit?  Warum soll ich mir noch so viel Zeit für meine Kinder nehmen, wenn sie es gar nicht achten?  Warum soll ich mir noch Mühe machen mit den Konfirmanden, wenn nur wenige davon auch wirklich bleiben?! Dann kann ich's doch besser bleiben lassen!

Wir kucken auf das, was wir eingesetzt haben an Kraft, an Zeit, an Nerven, an Geld - und wir kucken auf das, was dabei rausgekommen ist. Und wenn das nicht in einem vernünftigen Verhältnis zueinander steht, dann sagen wir irgendwann: das war's! Ich hör' auf damit!   
Und noch etwas passiert oft, wenn wir nicht den Ertrag, nicht den Erfolg haben, den wir uns wünschen: wir kucken dann irgendwann nur noch auf den Misserfolg! Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, dass es auch anders sein kann!  Wir verlieren das Zutrauen darin, dass sich unser Einsatz überhaupt einmal so richtig lohnen könnte.  Ich rechne irgendwann gar nicht mehr damit, dass mehr als eine Handvoll Konfirmanden bei der Sache bleiben. Ich rechne gar nicht mehr damit, dass sich beim Schulfest auf einmal zehn, fünfzehn Leute zum Förderverein anmelden. Ich rechne gar nicht mehr damit, dass meine Kinder irgendetwas von dem annehmen, was ich ihnen gerne mitgeben will. Dass wir irgendwann gar nicht mehr damit rechnen, das liegt daran, weil wir zu sehr auf das Defizit fixiert sind. Weil ich zu sehr auf das kucke, was nicht gelungen ist. Was nichts bringt. Und wenn dieser Blick auf das
Defizit zu meiner Lebenshaltung wird, dann verliere ich allen Mut, um noch irgendetwas anzupacken und mich mit ganzer Kraft für ein Ziel einzusetzen. Und ich werde dann lahm und kraftlos.  

Wenn der Bauer in unserer Beispielgeschichte enttäuscht den Krempel hinschmeißen würde – ich könnte das gut verstehen: vierfach ausgesät - und davon drei Mal Misserfolg und nur einmal Erfolg! Zu wenig für uns!  So sehen wir diese Geschichte - eine Geschichte des Misserfolges! Aber Jesus will uns aufmerksam machen auf eine ganz andere Sichtweise. Er will zeigen: So ist Gott! Egal was aus dem Saatgut wird - er streut es großzügig aus! Knausert nicht rum. Sagt nicht: Das bringt ja doch nichts! Nein, mit vollen Händen streut er es aus!  Diese Beispielgeschichte endet ja nicht damit, dass gesagt wird: soo viel Saatgut wurde ausgesät und nur soo wenig ist davoaufgegangen. Nein - es heißt: der Teil, der auf gutes Ackerland fiel, brachte hundertfachen Ertrag, eine überwältigende Ernte, um ein Vielfaches größer als die Aussaat!

Jesus sagt also nicht: "Es gibt in erster Linie Misserfolg. Da müsst ihr euch mit abfinden!"  Sondern er sagt: Entscheidend ist, das trotz des Misserfolges an mancher Stelle an einer Stelle was rauskommt, etwas aufgeht! Und zwar nicht nur'n bisschen, sondern richtig viel - hundertfach! Jesus sagt: Seht diesen Bauern an, was er tut: Er streut einfach das Saatgut aus - und genau dasselbe tut Gott. So ist Gott!   Der Bauer ist ja nicht blöd. Der haut sein Saatgut ja nicht einfach so raus als wüsste er nicht, wie das Feld aussieht: steinig, verwachsen mit Gestrüpp, manches der gleißenden Sonne ausgesetzt. Nein, der Bauer kennt sich aus auf seinem Land. Er weiß: an mancher Stelle wird es vielleicht nichts bringen. Er nimmt das in Kauf, dass die Vögel Samenkörner wegpicken; dass ein Teil des Saatgutes in der dünnen Bodenschicht über einem felsigen Untergrund schnell wieder kraftlos wird und verwelkt und dass die umgepflügten Dornen wieder nachwachsen und der Saat die Nähr-
stoffe wegnehmen.  Das alles weiß der Bauer - aber er nimmt es in Kauf und trotzdem sät
er mit vollen Händen aus. Weil er drauf vertraut: an mancher Stelle geht auch was auf!
Bringt reiche Frucht!  Und Jesus sagt: So ist Gott! Er sät großzügig aus, überallhin, auch zu jedem und jeder von uns. Er teilt seinen Acker nicht von vornherein in fruchtbaren und unfruchtbaren Boden ein. Er macht nicht erst Bodenproben um zu testen, ob es sich lohnt, auf diesem Acker zu säen. Anders gesagt: Gott sucht sich nicht die Leute aus, bei denen er sich Erfolg verspricht. Er verschwendet seine Liebe an alle Menschen. Er traut es jedem Menschen zu, dass er wächst und reif wird und eine herrliche Ernte einbringt. Gott sagt nicht: dein Glaube ist so kümmerlich - da kommt nie was bei raus, bei dir gebe ich mir keine Mühe mehr! Gott sagt nicht: der Junge, das Mädchen ist im Konfirmandenunterricht immer so flippig und oberflächlich - bei dem lohnt es sich gar nicht, dass er dabei ist!  Gott sagt nicht: die Eltern von diesem oder jenem Kind wollen vom Glauben und von der Kirche nichts wissen und kümmern sich nach der Taufe sowieso nie wieder drum - also kann man diese Familie und dieses Kind schon mal abschreiben. - Nein, Gott rechnet damit, dass auch dort was ankommt und Frucht hervorbringt!

Wir sehen oft nur noch das, was an Misserfolg da ist. An Enttäuschung. Dass wir keine Kraft mehr haben und dann irgendwann vielleicht auch keine Freude mehr am Leben. Aber Gott sieht es anders, er sieht es so: Ja, es kann sein, dass im Moment viel in deinem Leben brach liegt. Dass du dir und dem Leben nicht viel zutraust. Dass da so richtige Dornen sind, die deine Lebensfreude ersticken, dass du denkst: Ich hab die Kraft nicht, die ich brauche. Aber durch Jesus sagt er dir heute: Lass es zu, dass Gott weiterhin Saatgut in dein Leben streut. Trau es ihm zu, dass er auch bei dir was wachsen lassen kann. Und damit das leichter passiert, kannst du Gott helfen: indem du dorthin gehst, wo er sozusagen das Saatgut aus-
streut: in der Kirche, in der Gemeinde. Im Gottesdienst und Kindergottesdienst zum Beispiel. Dort streut Gott diese gute Saat für dein Leben aus!  Die Dornen sind da - ja! Die Dinge, die dir die Kraft nehmen sind da. Die Enttäuschung ist da. Aber da ist auch die Chance, dass trotzdem was wächst! An einer Stelle, wo du vielleicht gar nicht mehr damit rechnest! Wo aber auch Saatgut hingefallen ist und wo es aufgeht. Jesus möchte deinen Blick auf die Sachen lenken, wofür es sich immer noch lohnt zu leben! Er sagt dir heute: Lass nicht nach, dich um deine Kinder zu bemühen. An irgendeiner Stelle werden sie was mitkriegen und das wird aufgehen und reiche Frucht bringen!  Kann sein, dass du deine Lohnerhöhung nicht durchgekriegt hast - arbeite trotzdem so weiter, dass du selber deine Freude dran hast. Diesen Lohn kann dir niemand nehmen! Mach weiter in Deinem Verein. Kann sein, dass nur wenige dazu kommen und dass die Arbeit auch weiterhin bei immer denselben hängen bleibt. Aber mach weiter - deine Arbeit hat Sinn! Ihr könnt was bewegen! Und mir selber sage ich: Gib dir auch weiterhin Mühe mit den Konfirmanden. Einige davon werden dadurch einen entscheidenden Impuls für ihr Leben bekommen! Und das ist etwas, was ganz bestimmt nicht nur für den Konfirmandenunterricht gilt: wir als Kirche, als Gemeinde, sollten uns an Gott ein Beispiel nehmen und verschwenderisch sein! So weiträumig und großzügig wie möglich das Saatgut von Gottes Wort unter die Leute bringen. Nicht danach kucken und schon gar nicht darüber urteilen, ob die Menschen auch kirchlich oder fromm genug sind. Nicht die Nase rümpfen über die, die vielleicht ihr Kind zur Taufe bringen, obwohl sie sonst nie einen Fuß in die Kirche setzen. Nicht herabkucken auf die, die nur Heiligabend hierher kommen und sie geringschätzig als U-Boot-Christen bezeichnen: nur 1 mal im Jahr tauchen sie auf. So zu reden, das steht uns nicht zu! Uns kommt es zu, so großzügig wie nur möglich Gottes Wort unter die Menschen zu bringen – und an so mancher Stelle haben wir schon Wunder erlebt! Wie plötzlich welche dazugekommen sind, die wir überhaupt nicht auf dem Schirm hatten. Und ich bin sicher: wir werden noch so manches Wunder erleben!

Jesus möchte uns Mut machen – als Gemeinde, aber auch jeder und jedem persönlich. Mut für morgen, Mut für die nächste Woche. Indem er uns heute sagt: beiss' dich nicht an den Dingen fest, die scheinbar nichts bringen! Kuck nicht so verbissen auf das, was nicht klappt! Lass Gott auch weiterhin gute Saat in dein Leben streuen. Gib ihm die Chance, dass er bei dir gute Saat säen kann - und er wird dafür sorgen, dass etwas davon wächst und aufgeht und Frucht bringt. So viel, dass du dich wundern wirst! Kann sein, dass du in der kommenden Woche 75% Misserfolg hast! Aber Jesus sieht schon die Ernte von den restlichen 25% - und das wünsche ich Dir, dass Du heute nach Hause gehst und dass dieser Satz von Jesus sich bei Dir festsetzt: "Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht!" Amen.

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Predigt über Matthäus 20, 1-16; Septuagesimae, 01.02.2015

Anspiel zum Predigttext – DANKE an Konfis!!

Liebe Gemeinde, letztes Jahr in den Sommerferien hat unsere Frauke für‘n paar Wochen in einer Gärtnerei gejobbt. Es war klar: so und so viel verdient sie in der Stunde, und so viele Stunden am Tag muss sie arbeiten. Und als sie dann nach drei Wochen ihr Geld ausgezahlt bekam, da hat sie ganz genau auf ihren Lohnzettel gekuckt und nachgerechnet, ob das auch so hinkommt. Hat alles prima gestimmt, super!  Aber wenn nun jemand, der am Arbeitsplatz neben ihr gearbeitet hat, wenn der nun zum Beispiel nur halbe Tage gearbeitet, aber trotzdem genauso viel Geld wie Frauke bekommen hätte, dann wäre was los gewesen! Und noch schlimmer wäre es gewesen, wenn jemand erst nachmittags gegen vier zur Arbeit gekommen wäre – und er hätte am Ende auch genauso viel Geld bekommen wie die, die den ganzen Tag in der Hitze geknüppelt und durchgehalten haben.  Wenn ein Chef das so machen würde, das würde richtig Ärger geben! Und wenn wir jetzt an das Gleichnis denken, das die Konfis uns gerade gezeigt haben, dann mögen wir wohl denken: Jesus, das kannst du ja wohl nicht ernst meinen! So funktioniert es nicht!  Aber Jesus erzählt diese Geschichte ja auch nicht darum, damit in der Firma alle das gleiche Geld kriegen – egal, wie lange sie gearbeitet haben. Sondern er erzählt sie darum, weil er uns damit zeigen will, wie es bei Gott zugeht. Dass Er  anders rechnet als wir. Jesus will damit sagen: Erstens ist Gott nicht knickerig. Und 2. sortiert er uns nicht nach "wenig Glauben" oder "viel Glauben".
Und 3. beurteilt Gott uns nicht danach, wie lange wir schon zu ihm gehören und in seiner Gemeinde mit dabei sind. Es gibt bei ihm keine schlechteren oder besseren Christen!
Ihn interessiert nur eines: ob wir zu ihm gehören oder nicht! Alle Menschen, die zu Gott gehören, die sind ihm gleich wichtig und gleich viel wert. Und er freut sich über jeden einzelnen, der dazukommt!   

Damit könnte jetzt so schön Schluss sein und ihr hättet mal eine richtig kurze Predigt gehört.  Aber dummerweise sind da ja noch die, die die ganze Zeit gearbeitet haben. Und die nun auch das eine Silberstück bekommen, das sie mit dem Weinbauern ausgehandelt haben. Und nun sind sie sauer und schimpfen: "Das ist doch ungerecht! Wenn schon die Letzten 1 Silberstück kriegen, dann müssten wir doch mehr bekommen! Wir haben doch viel mehr ge-
leistet, wir haben sogar in der Mittagshitze gearbeitet. Da müsste für uns doch eine ordentliche Zulage rausspringen!"  Dass Menschen so denken, das ist erstmal ganz normal – und das gibt es auch dort, wo es gar nicht um bezahlte Arbeit geht. Wo es um Arbeit geht, die man freiwillig leistet. Für die man zwar kein Geld bekommt, aber die gut ist für unser Ehrgefühl. Und wo dann jemand gekränkt ist, weil er offenbar zu kurz kommt. Da packen in irgendeinem Verein immer die gleichen Leute mit an, wenn es etwas zu tun gibt. Wenn’s was zu feiern gibt, sind immer alle da, aber wenn der Platz gefegt oder das Vereinsheim geputzt werden muss, dann sind’s immer die paar Gleichen. Und jetzt kommt mal jemand von der Zeitung vorbei und macht von der Putzaktion Fotos – und einer, die nie mit anpackt und jetzt nur zufällig da ist, der kommt mit drauf und steht dann großmächtig in der Zeitung und einer, der gerade am Fegen ist, fehlt auf dem Bild.  Ungerecht ist das, sagen wir, und reagieren dann oft empfindlich. Und mir kommt es so vor, als würde es diese Empfindlichkeit gerade auch unter Christen und in der Gemeinde geben. Dass sich da irgendwie unser Ehrgefühl mit unserem Glauben vermischt. Da sind zwei Leute in einer Gemeinde, sie wohnen nicht weit voneinander entfernt. Einer war viele Jahre kirchlich engagiert, der andere nicht so. Bei beiden läuft es im Moment nicht so gut, beide haben Kummer. Und der Eine regt sich auf: bei meinem Nachbarn ist der Pastor schon gewesen und hat ihn besucht, obwohl der nie zur Kirche geht. Bei mir hat er sich noch nicht blicken lassen. Dabei war ich so lange in der Gemeinde aktiv. Das ist ungerecht! Ich bin sicher: da geht es nicht im erster Linie um geistlichen Beistand – dann hätte man den Pastor ja eem anrufen können und dann wäre er garantiert binnen zwei, drei Tagen dagewesen. Hier geht es wohl mehr um das Gefühl, nicht richtig beachtet worden zu sein. Ungerecht behandelt worden zu sein.  Oder: in einer Gemeinde – natürlich einer anderen, so etwas würde bei uns ja nicht vorkommen – in einer Gemeinde grummelt es nach dem Jahresrückblick. Der Pastor macht sich immer die Mühe, irgendwann gegen Ende des Jahres eine ganze Reihe von Bildern zu zeigen von Veranstaltungen aus dem vergangenen Jahr. Klar, dass nicht immer von allen Leuten, die
irgendwie mitgemacht haben, auch ein Foto gezeigt werden kann. Nun kommt es aber vor, dass sich immer wieder jemand beschwert: ‚Ich war bei so vielen Veranstaltungen dabei – und war nur zweimal zu sehen!‘ Oder: ‚Von dem, was meine Gruppe auf die Beine gestellt hat, davon gab’s nur ungefähr zehn Bilder – und von einer anderen Veranstaltung, da wurden mindestens 30 Bilder gezeigt.‘ Und schon ist Sand im Getriebe und dann macht es keinen Spaß mehr, so etwas zu machen.  Nur zwei Beispiele - manche anderen könnten ergänzt werden.  Und wenn es tatsächlich in unserer Gemeinde auch sowas geben sollte, dann wären wir ja erst mal in guter Gesellschaft: sogar bei den Jüngern von Jesus war das so. Die haben sich in die Haare gekriegt, weil sie sich darüber nicht einig werden konnten, wer von ihnen Jesus wohl am nächsten steht. Wer die älteren und die größeren Rechte hat. Und ein andermal verhandeln sie mit Jesus: Herr, wir haben sehr viel dafür investiert, dass wir dir nachfolgen – was bekommen wir nun dafür?  Und genau in diesen Zusammenhang stellt Jesus dieses Gleichnis. Er weiß doch ganz genau, wie wir ticken. Er weiß doch ganz genau, wie empfindlich wir manchmal sind, wenn wir das Gefühl haben, dass jemand anders irgendwie besser weggekommen ist als wir. Dass sein Name im Gemeindebrief genannt wird und meiner nicht oder nicht so oft. Dass jemand anders freundlicher vom Pastor angelächelt wurde als ich. Das weiß Jesus wohl, wie gekränkt wir uns manchmal durch so etwas fühlen.

Aber Jesus weiß auch: wenn dieses Denken sich festsetzt, dann geht ganz viel verloren! Als erstes geht die Lebendigkeit und Spontaneität verloren. Wir fangen an, jedes Wort und jede Geste auf die Waage zu legen. Es geht alles nach Schema F und es muss alles gleich sein, damit ja keiner beleidigt ist.  Aber wenn es so weit käme, dann ist da keine Lebendigkeit mehr drin! Dann ist das so ähnlich wie damals, als mein Vetter, meine Cousine und ich abends bei Oma und Opa mit alle Mann aus der Bratpfanne gegessen haben. Dann haben wir mit dem Messer Drittel ins Essen gemacht – und wehe, wenn einer auch nur einen Millimeter mehr Grütze oder Bratkartoffeln bekam! Dann ging der Streit los und das Essen schmeckte gar nicht mehr. Wenn alles ganz genau nach Schema F gehen muss, dann geht die Freude am Miteinander oft flöten. Jesus hat nie nach Schema F gehandelt.
Das zweite ist noch schlimmer: wenn wir uns zu sehr durch unsere Empfindlichkeiten lenken lassen, dann haben wir irgendwann nicht mehr klar im Blick, um was es wirklich geht: dass wir nicht in der Gemeinde sind und dort auch mit anpacken, damit wir dafür möglichst viele Streicheleinheiten kriegen. Nicht falsch verstehen: Wenn wir Lob und Anerkennung bekommen, dann tut das gut, keine Frage. Und das darf und soll auch sein, dass Menschen Anerkennung bekommen für das, was sie in die Gemeinde einbringen. Gerade unter Christen steht uns das gut an!  Aber trotzdem: das ist ja nicht der eigentliche Sinn, warum wir in der Gemeinde sind und dort mitarbeiten. Sondern Jesus hat uns in seine Gemeinde gerufen, damit wir selig werden! Anders gesagt: damit Er uns das geben kann, was wir für unser Leben und einmal auch für unser Sterben gebrauchen. Dass wir bei Ihm, dass wir an Seiner Seite sind. Und dass wir dadurch Mut und Zuversicht bekommen und dass wir Hoffnung kriegen und dass diese Hoffnung weit über den irdischen Horizont hinausgeht.  

Das ist das Wichtigste und darauf kommt es an. Das ist sozusagen der eine Denar, der ausgezahlt wird – egal, ob jemand nun lange gearbeitet hat oder weniger lange dabei ist.  Jesus will uns sagen: Im Reich Gottes, da geht es nicht nach viel und weniger! Da geht es nur darum: ob man dabei ist oder nicht! Das ist überhaupt das Höchste: dass man dabei ist! Mehr kann man nicht bekommen - als dass man im Weinberg dieses Herrn mit dabei sein kann. Als dass man zu Jesus gehört und zu seinem Vater im Himmel! Und jeder, der sich zu ihm rufen lässt, empfängt den ganzen Lohn, die ganze Gnade Gottes. Und wenn jemand dazukommt, der früher nicht so nah dran war, dann haben wir allen Grund, uns zu freuen!  Uns fällt das manchmal schwer – weil wir uns leicht gefangen nehmen lassen von unseren Empfindlichkeiten. Wie gut ist es, dass Jesus mit diesem Gleichnis zeigt: Gott ist so erfrischend anders als wir!  Er ist immer auf der Suche nach Menschen, die er noch für sich gewinnen kann. So wie der Weinbauer, von dem Jesus erzählt: Immer wieder macht er sich die Mühe und kuckt, ob da noch jemand ist, der noch nicht das hat, was er braucht. Nicht nur am frühen Morgen, sondern dann auch noch Vormittags, Mittags und sogar kurz vor Feierabend.  So ist unser Gott – immer wieder geht er uns nach und freut sich, wenn wir darauf eingehen!

Der Weinbauer geht gleich morgens das erste Mal los.  Gott möchte uns gerne ganz von Anfang an bei sich haben. Und das ist eine tolle Sache, wenn ein Mensch von Kind an sozusagen in den Glauben hineinwächst. Von Kind auf kennen lernt, worum es im Glauben geht. In Kontakt zu Jesus Christus kommt.  Aber Gott kuckt auch später immer wieder nach uns, wenn wir vielleicht noch ziel- und planlos auf dem Marktplatz des Lebens herumstehen und nicht so recht wissen, wem wir dienen sollen, welche Ziele wir verfolgen wollen und wo wir den Sinn finden.  Um 9 Uhr - das könnte die Zeit sein, wenn Konfirmanden und Jugendliche auf dem Markt der Möglichkeiten herumprobieren.  Da kommt Gott vielleicht im Konfirmandenunterricht, in der Jungschar oder auf einer Freizeit auf sie zu und fragt: Willst du nicht mir nachfolgen? Ich zeige dir den Maßstab und die Richtung für dein Leben.

Auch um 12 Uhr, so mittendrin im Leben, begegnet Gott den um die 35-40jährigen. So ungefähr die Hälfte des Lebens ist schon gelaufen. Man hat sich eingerichtet im Leben. Und mancher erschreckt sich, wie schnell das Leben vorbeirauscht und manchmal fragen gerade Menschen in diesem Alter: Soll das etwa schon alles gewesen sein? Was kommt nach dieser Zeit, wo ich so auf der Höhe meiner Schaffenskraft bin? Kommt da nur der unaufhaltsame Abstieg?  Und Gott geht auf die Suche. Vielleicht im Gottesdienst zur Silbernen Konfirmation. Und er sagt: Komm mit, stell dich unter mein Wort. Lass dich von mir leiten. Ich zeige und ich gebe dir das Leben, das sich wirklich lohnt.  Auch um drei Uhr nachmittags, im letzten Lebensdrittel, und sogar noch kurz vor Feierabend, wenn es auf das Ende zugeht – immer wieder geht er auf die Suche nach Menschen, die noch nicht bei ihm sind. Und ich hab' das in der Seelsorge mehrfach erlebt, wie Menschen auch ganz zuletzt noch dazukommen. Da war jemand, der hatte sich sein ganz Leben nicht viel um Gott, Kirche, Glauben und Ewigkeit gekümmert. Nun ahnte er, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Und da war noch etwas in seinem Leben, was nicht in Ordnung war. Und da konnte ich das erleben, wie er all das, was sich da an Gottlosigkeit aufgetürmt und was er mit sich herumgeschleppt hatte, wie er all das unter dem Kreuz Jesu abgeladen hat. Und er hat begriffen, dass wir allein bei Christus das kriegen, was wir vor Gott nötig haben.

Und da hat er trotz der nun eng begrenzten Lebenszeit Frieden gefunden und konnte sich auf die Ewigkeit vorbereiten.  Nur sehr kurz dauerte das Glaubensleben dieses Mannes – aber ich bin gewiss: der Herr hat ihm den ganzen Lohn gegeben! Noch zu seinen Lebzeiten die Gewissheit: Jesus ist bei mir, er geht auch mit mir durchs finstere Tal. Er wurde gestärkt und getröstet. Und am Ende sah er nicht nur den kommenden Tod vor sich - sondern auch das Licht der Ewigkeit.   1 Denar, ein Silberstück, das war damals das, was man für 1 Tag zum Überleben brauchte. Und wenn der Weinbauer im Gleichnis auch denen, die nur kurz gearbeitet haben, diesen 1 Denar gibt, dann bedeutet das doch: er will, dass sie auch das bekommen, was nötig ist.  Immer wieder kommt Gott und kuckt nach uns – damit jeder die Chance kriegt, zu ihm zu gehören.   So ist Gott: Er gibt, was wir nicht beanspruchen können. Er schenkt, wo wir nichts zu fordern haben. Und er freut sich darüber, wenn wir uns mitfreuen können, wenn auch andere sich von ihm finden lassen! Amen.

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