Predigten Juli - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juli

Predigten > 2017

Eine schriftliche Version der heutigen Predigt liegt uns leider nicht vor. Wir wünschen viel Spaß mit der Audioversion.
    
1. Mose 12, 1-4; 5. Sonntag nach Trinititatis; 16.07.2017

 
Liebe Gemeinde, im Juni hatten wir den Sommer-Senioren-Nachmittag – eingeladen dazu sind ja alle aus unserer Gemeinde so ab ungefähr 70 Jahren.  Ich hab mich sehr gefreut, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind – und mir ist wieder mal bewusst geworden: heute ‚70‘ oder älter zu sein, das ist für viele ganz anders als früher.  Wenn ich an meine Oma zurückdenke – die sah damals mit 75 so aus wie heute manche mit 90.  Gebeugt von harter körperlicher Arbeit, die Haare zum Dutt gemacht, und vor allem fast immer dunkel ge-
kleidet. Irgendeiner in der großen Familie war immer gestorben und da musste man natürlich die Trauerzeit einhalten und schwarz tragen. Damit sind die meisten, die heute 70 oder 75 werden, nicht zu vergleichen. Viele sind noch ausgesprochen vital, sie machen Urlaub auf Mallorca und etliche können manchem Jüngeren was vormachen. Nun will ich von jemandem erzählen, der auch 75 war. Er heißt Abram, ganz am Anfang der Bibel, 1. Mose 12, wird von ihm erzählt – und das ist der Predigtabschnitt für heute:  

 
Da sagte der HERR zu Abram: ‚Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein.
An dir soll sichtbar werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne. ... Abram folgte dem Befehl des HERRN und brach auf, und Lot ging mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er seine Heimatstadt verließ. Seine Frau Sara und Lot, der Sohn seines Bruders, begleiteten ihn.‘

 
Abraham – hier, an dieser Stelle der Bibel, begegnet er uns das erste Mal. Wir erfahren nicht viel über die früheren Jahre seines Lebens – nur so viel: sein Vater war Terach und stammte aus Ur in Chaldäa. Heute liegt das im Süden des Irak. Von dort war er mit seiner Familie bis nach Haran gezogen im Süden der heutigen Türkei. Nach fast 1000 Kilometern Wanderschaft war die Familie zur Ruhe gekommen und hatte sich eine gutgehende Landwirtschaft aufgebaut und Freundschaft mit den Nachbarn geschlossen. Jetzt war Terach gestorben, und auch im Leben von Abraham war es Herbst geworden. Ruhe und Besinnung war angesagt. In diese Ruhe hinein spricht Gott zu Abram: ‚Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters, und zieh in ein Land, dass ich dir zeigen will.‘  Nun war es vorbei mit der Ruhe: ‚Abraham folgte dem Befehl des Herrn und brach auf.‘ Weil Gott es sagt. Gott spricht und Abraham geht los. Lässt mit 75 alles hinter sich, was er sich aufgebaut und erarbeitet hatte. Manche aus unserer Gemeinde haben das auch hinter sich – als sie sich entschieden haben: ‚Ich gehe nach Wiesmoor in eine Altenwohnung!‘  Und das ist nicht leicht, alles hinter sich zu lassen. Es ist ja nicht nur das Haus, aus dem man dann auszieht. Es sind ja die Erinnerungen – was man dort erlebt hat. Dass man sich das alles aufgebaut hat. Dass man dort seine Kinder groß gemacht hat. Dass man da jahrzehntelang gewohnt und immer alles in Ordnung gehalten hat. Und wenn es dann an-steht, das alles hinter sich zu lassen – ich glaube nicht, dass man das so mit links macht.  Nun kommt das auch auf Abraham zu. Aber bei ihm geht’s nicht in ein betreutes Wohnen, son-dern er soll nochmal komplett durchstarten! Nochmal Familie gründen! Auf ganz neue Ziele zugehen!
Das ist in der Bibel ganz oft so – dass die Geschichten Gottes mit seinen Menschen   Aufbruchgeschichten sind. Jesus hatte fast 30  Jahre ein unauffälliges Leben als Zimmermann in Nazareth geführt. Dann erreicht ihn der Ruf Gottes und dann geht er seinen Weg – und er nimmt seine Jünger mit.  Wie Petrus: Abends hatte er sich wie jeden Abend von seiner Frau verabschiedet und war zur Arbeit gegangen, um Fische zu fangen. Am Morgen begegnet er Jesus. Der sagt zu ihm: ‚Folge mir nach. Geh mit mir. Werde Menschenfischer!‘ Und Petrus lässt Boot und Familie zurück, bricht auf und folgt Jesus. Und so machen es alle anderen Jünger auch. Matthäus bricht vom Zoll auf. Nathanael lag faul unter einem Baum, hört von Jesus und steht auf, um ihm zu folgen.  Paulus war fest verwurzelt in der Tradition seiner Religion. Dann begegnet ihm Jesus und Paulus lässt alles hinter sich und bricht in ein neues Leben auf.  Martin Luther verlässt das alte Denken und bricht auf in eine neue Glaubenszuversicht. Mutter Teresa verlässt die Sicherheit des Klosters und bricht auf zu den Ärmsten der Armen. Johannes Trauernicht geht nach Afrika, Angelika Lemberger mutet es sich zu, eine anspruchsvolle Gemeinde mitzuleiten, Christian Wachtendorf dient unserer Gemeinde mit seinem Orgelspiel, und die und die und der sorgen dafür, dass jeden Sonntag Kinderkirche ist – und jetzt könnte ich noch –zig Namen nennen. Alles Menschen, die ihre Ruhe aufgegeben haben, weil Gott sie gerufen hat. Obwohl jeder selber genug zu tun hat und nicht an Langeweile leidet. Nur wenige Beispiele – und jeder von uns könnte seins hinzufügen! Jeder von uns hätte was davon zu erzählen, an welcher Stelle Gott ihn gerufen und gesagt hat: Steh auf, geh los!  An Jesus glauben, das ist oft damit verbunden, dass man etwas hinter sich lässt und auf etwas Neues zugeht. Glaube ist kein Standpunkt, sondern ein Ausgangspunkt.  Glaube geht. Dazu gehören 3 Phasen.
Erstens:  Glaube verlässt etwas.
Abraham musste Heimat und die Großfamilie verlassen. Er musste das loslassen, was ihm bisher Geborgenheit und Sicherheit gegeben hatte. Was er sich aufgebaut hatte. Woran er sich gewöhnt hatte.  Ulrike und ich sind nun über 28 Jahre hier, unsere Kinder sind hier auf-gewachsen. Wir haben Freunde gefunden. Ein Haus gekauft. Und wenn wir hier von heute auf morgen weggehen sollten – das würde uns mindestens sehr schwer fallen. Das ist bei Abraham sicher auch so gewesen – und trotzdem wagt er’s! Da kann ich nur sagen: Hut ab!
Glaube geht weg. Nicht immer wird es so sein, dass wir dafür Sack und Pack schnappen und wirklich weg gehen müssen.  Glaube geht weg – für manche kann das auch bedeuten: du musst bestimmte Erfahrungen mit bestimmten Menschen loslassen. Da gehst du vielleicht deinem Bruder oder deiner Schwester seit langem aus dem Weg. Dieser Satz von früher, der tut immer noch weh. Das, was sie dir an den Kopf geworfen hat, dieser Vorwurf – der sitzt tief. Und du hast immer gesagt: Das kann ich ihr, das kann ich ihm nicht verzeihen!
Und nun ruft Gott! Und das kann bedeuten: mach dich frei von diesem Satz: Das kann ich ihm nie verzeihen! Wage es, diesen Satz innerlich los zu lassen. Vielleicht musst jemand bestimmte Vorstellungen loslassen: wir haben doch das tolle Grundstück am Kanal. Da soll unser Junge mal bauen! Und dann können wir zwischen seinem und unserm Haus so ’nen schönen Weg hinterlangs machen und dann können wir oft zusammen sein. Und es kann sein, dass Gott heute ruft und sagt: lass diese Vorstellung los! Überleg, ob was wirklich gut ist für euer Miteinander, dass ihr so dicht an dicht wohnt!  Ein anderer muss vielleicht eine Gewohnheit loslassen. Da hast du nun das schnelle Internet. Du kannst Tag und Nacht im Internet surfen. Die Zeit rast nur so dahin – und immer wenn du irgendwann den Kasten ausmachst, ist deine Frau schon lange im Bett und schläft. Und ihr merkt: es ist nicht mehr so schön zwischen euch. Die Liebe, die Leidenschaft – sie fehlen  und dadurch ist es kühl geworden. Und vielleicht ruft Gott heute: Geh los! Geh eher nach oben ins Bett zu deiner Frau! Jemand anders muss es vielleicht loslassen, dass er sich selber was vormacht: Ja, sicher, im Moment läuft es zwischen uns nicht so doll, aber das wird schon wieder...  Oder: Ich weiß wohl, im Moment trink ich’n bisschen viel, aber ich kann jederzeit aufhören, das macht mir nichts aus...  Und da ruft Gott vielleicht dazwischen und sagt: Geh weg! Geh weg von diesen Selbstberuhigungen! Mach dir nichts vor: ohne Hilfe kommst du da nicht raus!    Was es auch sein mag – Heimat, Familie, Gewohnheiten, Gedanken, Erfahrungen, Festlegungen oder Menschen - Glaube geht, Glaube geht weg und lässt das Alte hinter sich.
Für viele ist das überhaupt das Schwerste. Für uns Ostfriesen erst recht. Wir möchten so gern fest halten am Alten. Und je älter wir werden, desto beharrlicher halten wir oft fest. Aber der Predigttext heute mutet uns zu und sagt: willst du im Glauben lebendig sein und wachsen, dann musst du gehen, musst du loslassen. Abraham war 75 Jahre, als er alles hinter sich ließ und losging. Aber wie kriegt Gott das hin, dass wir loslassen und gehen? Genauso wie mit Abraham: Gott lockt mit Zusagen. Gott verspricht dem Abram Segen und Vaterschaft. Abraham und Sara – den beiden wird ein Kind verheißen: ein Kind?! Eine Nachkommenschaft wie Sand am Meer! Gott verspricht ihm: wenn du loslässt und weggehst, dann wirst du Stammvater eines mächtigen Volkes.
Es sind die Zusagen, die Verheißungen Gottes, die uns helfen, weg zu gehen und uns auf den Weg zu machen. Damit sind wir bei der zweiten Phase. Glaube geht los – und hat das Ziel noch nicht im Griff.  Glaube geht los – und hat erst mal nichts als Gottes Versprechen, dass Er aus diesem Aufbruch was Gutes machen will. Und manchmal trauen wir Gottes Verheißung, manchmal trauen wir seinem Versprechen gar nicht so richtig viel zu. Weil es uns so unwahrscheinlich vorkommt, dass die Lage besser werden soll. Weil es uns so unwahrscheinlich vorkommt, dass unser Loslassen wirklich zu einem guten Ende kommen soll.  Und so gesehen ist Glaube immer ein Risiko: wir haben schon losgelassen, was uns bisher Sicherheit gegeben hat – und das andere, was wir kriegen, was wir empfangen sollen, das haben wir noch nicht.  Da raffen sich zwei Eheleute auf und gehen zur Eheberatung – aber es ist noch nicht raus, ob’s was bringt. Da springt einer über seinen Schatten und reicht dem Bruder, der Schwester die Hand zur Versöhnung – aber es ist noch nicht gesagt, ob derjenige auch will oder ob ich am Ende blöd dastehe. Da geht einer zum Blauen Kreuz oder zu den Anonymen Alkoholikern – aber er weiß noch nicht, ob er es schafft.  Loslassen, aufbrechen – das ist auch darum schwer, weil das Gute, dass dabei rauskommen soll, nicht immer gleich zu sehen ist. Wenn wir Gottes Ruf folgen, dann haben wir nur die ‚Sicherheit‘, dass Gott hält, was er verspricht und dass er uns hält, wenn wir ins Stolpern kommen und hinfallen.  Abraham konnte sich darauf einlassen.  Er glaubt: wenn er losgeht und aufbricht, dann ist das besser für ihn, als wenn er am Alten festhält. Darum geht er los. Bricht auf. Bei allem Risiko.
Glaube geht. Glaube geht los. Diese 2. Phase dauert manchmal nur kurze Zeit, dann ist eine Zusage erfüllt. Für andere Zusagen dauert Phase Wochen, Monate. Bei Abraham dauerte die Zusage eines Sohnes 25 Jahre lang. Dann erst wurde er Vater und die Zusage Gottes war erfüllt. In dieser Zeit brauchte er manche Ermutigung. Als der Zweifel so groß wurde, dass er aufgeben wollte, da erschien ihm Gott erneut und bestätigte seine Zusagen. Gott hält den Glaubenden, bis er ankommt. Und das ist die
3. Phase: Glaube geht und kommt an. Das Wunder geschieht: was zugesagt war, wird Wirklichkeit!  Und hier könnte jetzt so mancher unter uns hierher nach vorne kommen und erzählen, wie es weiterging nach dem Aufbruch. Wie schwer der Weg war. Und wie Gott Wort gehalten hat. Zum Ziel geführt hat.  Menschen aus unserer Gemeinde könnten davon berichten, dass sie frei geworden sind vom Zwang, die Nächte mit dem Internet zu teilen.  Andere könnten von der Versöhnung erzählen, die zustande kam. Andere könnten berichten, dass sie neu zueinander gefunden haben durch die Eheberatung. Wieder andere würden erzählen, dass trotz allem ihre Ehe nicht zu retten war – aber dass sie einen Weg gefunden haben, in Würde und Achtung einen Abschluss zu machen und dann jeder einen neuen Weg zu finden.  Manche könnten davon erzählen, dass es ein guter Weg war, die Vorstellung los zu lassen, dass der Junge, die Tochter Haus an Haus zu den Eltern wohnt. Einige könnten berichten, wie sehr ihr Leben sich dadurch ver-ändert hat, dass sie nicht mehr trinken müssen, dass sie trocken geworden sind. Und einige könnten davon erzählen, dass sie nach einer schlimmen Zeit der Trauer wieder Freude am Leben gefunden haben.
Bis man angekommen ist, das ist immer wieder harte Arbeit. Das ist nicht leicht -  die Vergangenheit hinter sich zu lassen und die Kraft auf die Zukunft zu lenken. Und da muss man auch Durststrecken überwinden, und am Ziel festhalten, auch wenn man müde wird – und vor allem: an Gott festhalten!  Bei Abraham war das auch so: immer wieder kam er an Stellen, wo er sich wieder klar machen musste, was Gott ihm verheißen hatte. Eine Sache half ihm dabei: an den Etappenzielen, da baute er Altäre. Immer, wenn er wieder ein gutes Stück weiter gekommen war, baute Abraham einen Altar. Als Erinnerungszeichen daran, dass Gott seine Verheißungen einlöst und dass er seine Leute nicht im Stich lässt.  Ich frage mich, ob uns solche Altäre auf unserem Glaubensweg nicht auch helfen würden. Vielleicht ein Tagebuch oder ein Kalender, in dem wir markieren, wenn Gott zu uns gesprochen hat. Den Tag aufschreiben, an dem wir eine Mut machende Erfahrung gemacht haben. Und wenn wir dann wieder einmal auf der Durststrecke sind – dann können wir hineinschauen und uns daran erinnern und uns dadurch Mut machen lassen.
Der Glaube bleibt nicht stehen. Darum geh los, wenn du hörst, dass Gott dich ruft. Und Er steht mit seinem guten Namen dafür ein: wer losgeht, der kommt an!  Amen. r
    
Predigt über Römer 12, 17-21; 4. Sonntag nach Trinitatis; 09.07.2017

 
"Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Soweit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. ... ... Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde das Böse durch das Gute!"

 
Vom Bösen ist hier die Rede, liebe Gemeinde. Es umgibt uns ja täglich. Gerade jetzt beim G20-Gipfel gab es ja eine ganze Welle des Bösen. Und auch sonst gibt es keine Zeitung, in der nicht von etwas Bösem berichtet wird. Jeden Tag passiert Böses, auch wenn es nicht gleich Mord und Totschlag ist, einfach im normalen Alltag:  alle aus der Klasse wurden zum Geburtstag eingeladen, nur eine nicht. Oder: Bisher haben sich die Geschwister gut ver-
standen, aber die Streitereien ums Erbe haben sie auseinandergebracht. Oder es fallen böse Worte im Streit. Böses unter Menschen ist alltäglich – und das von zwei Seiten: manchmal
erleidet man Böses, das andere einem antun – aber manchmal tun wir selber auch Böses!  Böse Gedanken, oder wir sagen etwas, das nicht gut tut, oder handeln unüberlegt und treffen jemand damit.

 
Wenn uns etwas Böses angetan wird, dann gibt es darauf normalerweise eine ganz natürliche Reaktion, die aus unserem Inneren kommt: ‚Wie du mir, so ich dir!‘  Wie kann ich zurückschlagen?  Das sitzt in uns so drin. Aber das Problem dabei ist: so wird kein Konflikt gelöst! Im Gegenteil: es schaukelt sich hoch!  Das Böse bekommt Junge!  Und dann geht es immer weiter. Und was besonders schwierig daran ist: wenn man mit denselben Mitteln zurückschlägt, dann macht man sich selbst zu einem Teil des Bösen.  

 
Aber muss wirklich das Böse mit Bösem vergolten werden? Im Predigttext steht: Nein, dieser Teufelskreis kann durchbrochen werden! Dadurch, dass einer anfängt, dem ‚Bösen‘  ‚Gutes‘ entgegen zu setzen. Der Kreislauf des Bösen lässt sich nur durchbrechen, wenn eine Seite anfängt, auf Böses nicht mit Bösem zu reagieren, sondern Gutes dagegen zu setzen.  Das ist nicht einfach und das widerspricht unserer Natur. Und darum kann das auch nicht aus uns selbst kommen. Und darum hält Paulus uns auch keine Moralpredigt. Er sagt nicht: Nun strengt euch man an, dass ihr alle etwas netter zueinander seid!  Es geht um viel mehr. Was Paulus hier sagt, das hängt ganz eng mit dem zusammen, was er in den Kapiteln vorher geschrieben hat. Dass wir als Christen davon leben, dass Gott nicht Böses mit Bösem vergilt. Sondern Gott nimmt in Jesus Christus das Böse unseres Lebens auf sich und überwindet es. Anders gesagt: wir leben davon, dass Gott zu uns steht, trotz allem, was vorgefallen sein mag in unserem Leben! „Gott erwies seine Liebe zu uns darin, dass er für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“.  Als wir überhaupt noch keinen Schimmer von Gott hatten, da hat Er schon dafür gesorgt, dass wir aus dem Kreislauf des Bösen rauskommen können.  
Wenn Gott auch sagen würde ‚Wie du mir, so ich dir!‘, dann hätten wir alle schlechte Karten! Aber das sagt er ja nicht! In Jesus sehen wir es ganz klar: von Gott geht das Gute aus, der Friede.   Daran erinnert Paulus als erstes,  das ist die Grundlage von allem, was er dann weiterhin schreibt. Und er meint: Gott bringt euch so viel Freundlichkeit entgegen - da könnt ihr eigentlich gar nicht anders, als davon etwas weiter zu geben an andere. Dass ihr nicht mehr sagt: ‚Wie du mir, so ich dir‘, sondern: ‚Wie Gott mir, so ich dir!‘

 
Wie Gott mir, so ich dir‘ – das ist nicht einfach eine Wortspielerei. Sondern das soll sagen, dass wir unsere Einstellung von Gott verändern lassen können. Damit wir manche Dinge anders sehen als vorher – und auch anders machen.  Das ist so ähnlich, als wenn ein Haus
umgebaut wird: von außen sieht das Haus noch so aus wie früher, aber innen drin erkennt man es fast nicht wieder.  Als ich so 8, 9 Jahre alt war, hatten wir noch eine kleine Landwirtschaft so nebenbei. Und Opa hatte früher das Haus so gebaut wie die meisten Häuser bei uns waren: vorne war der Teil für die Menschen, hinten für das Vieh. Und dann haben meine Eltern mit der Landwirtschaft aufgehört und unser Haus umgebaut. Aus dem Kuhstall wurde ein kleines Badezimmer und aus dem Schweinestall wurde mein Zimmer.   Von außen hat sich unser Haus bis auf einige neue Türen und Fenster kaum verändert, aber innen drin ist alles anders geworden. Und Paulus sagt: So könnt ihr euch das auch vorstellen, wenn Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen.  Von außen her sehen sie aus wie immer - man erkennt sie also nicht an einem Heiligenschein oder dass sie nun besonders fromm aussehen würden.  Aber von innen her, von ihrer Einstellung her, da werden sie sich im Normalfall verändern.  So wie ein Altbau umgebaut wird, so kann Gott unser Leben umgestalten. Er sorgt dafür, dass sich da, wo es nötig ist, etwas ändert. Und der Predigttext nimmt einen Punkt heraus: ‚Vergeltet niemandem Böses mit Bösem.  Soweit es möglich ist  und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden.‘

 
"Böses nicht mit Bösem vergelten" - das ist leichter gesagt als getan! Vor’n paar Jahren gab‘s bei "Wetten dass..."  folgende Saalwette: es sollten bis zum Ende der Sendung 10 verfeindete Nachbarn erscheinen, die gegeneinander vor Gericht liegen. Sie sollten vor der ganzen Fernsehnation ihren Streit beilegen und den Prozess beenden. Am Ende der Sen-dung erschien: nicht ein einziges Paar!  Thomas Gottschalk bemerkte daraufhin: "Vielleicht gibt es in dieser Stadt ja keine verfeindeten Nachbarn..."  Paulus geht ganz realistisch davon aus, dass es keine ideale Familie gibt, keine ideale Nachbarschaft, und auch keine ideale christliche Gemeinde. Es gibt dieses „Böse mit Bösem vergelten“ – im kleinen und im großen: da sagt der Nachbar mal nicht "Moin!" und beim nächsten Mal grüße ich ihn auch nicht. Oder da hat mal jemand was gesagt, was dich sehr gekränkt hat. Und seitdem meidest du ihn und gehst ihm aus dem Weg.  Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen auch bei uns nicht mehr miteinander können, weil jeder auf seinem vermeintlichen Recht beharrt. Weil jeder sagt: ‚Ich will mich ja wohl vertragen – jederzeit, wenn der andere auf mich zukommt.‘    Nur nicht einlenken, nur nicht nachgeben - diese Einstellung hat schon so manche Familie und so manche Nachbarschaft vergiftet.   So geht es unter uns zu - und Paulus sagt uns heute: das habt ihr doch gar nicht mehr nötig! Wenn ihr in eurem Leben die befreiende Macht Jesu Christi erfahren habt, dann braucht ihr diesen Kreislauf nicht länger mitzumachen.  Ihr steht in einer neuen Lebensordnung. Ihr braucht nicht gleich die beleidigte Leberwurst spielen, wenn‘s mal nicht nach eurem Sinn und Plan geht.

 
So zu leben - ist das überhaupt zu schaffen? Wie sollen wir das hinkriegen?  Weiß Paulus denn nicht, wie leicht einem manchmal der Kragen platzt? Kann er es denn nicht verstehen, wie weh es tut, wenn ein anderer uns verletzt hat?  Doch - er ist nüchtern und lebenserfahren genug, dass er weiß, dass das mit der Versöhnung nicht immer gelingt. Und das liegt oft daran, weil ja immer zwei dazugehören. Was soll ich denn machen, wenn ich wohl zur Versöhnung bereit bin und auch den ersten Schritt tun will - wenn der andere das aber gar nicht will?  Ich kenne Menschen, die möchten so gerne, dass etwas wieder in Ordnung kommt – aber der andere geht überhaupt nicht darauf ein.  Was dann? Soll man sich dann die Füße wundlaufen und pausenlos hinter dem anderen herrennen? Jesus hat darauf mal gesagt: Ihr sollt nicht 7 x 7 mal vergeben, sondern 70x7 mal!  Also: ich soll nicht gleich aufgeben und es öfter probieren, als ich es von meinem Gefühl her eigentlich machen würde.

 
Und wenn es trotzdem nichts wird? Das Böse mit Gutem überwinden, das heißt nicht, dass ich bis zur Selbstaufgabe immer nur einseitig nachgebe. Damit würde ich das Böse ja nur noch unterstützen. Paulus sagt: ‚Wenn möglich, haltet mit allen Menschen Frieden‘ – und das schließt ja die Möglichkeit ein, dass es im Einzelfall auch mal ‚unmöglich‘ sein kann.  Ich verstehe es so: ich soll von meiner Seite aus alles tun, um eine Sache zu bereinigen. Ich soll auch den ersten Schritt gehen. Wenn sich dann aber jemand darauf nicht einlässt, dann kann ich mit Gottes Hilfe auch eine Sache zurücklassen.  

 
Das Böse mit Gutem überwinden – das bedeutet auch nicht, dass ich zu allem ‚Ja und Amen‘ sage und all das, was mich verletzt, runterschlucke. Es ist dann ja nicht wirklich weg - sondern es ist dann tief in mir und es führt ein Eigenleben und irgendwann wird es mich krank machen. Darum ist es wichtig, dass wir das, was ‚böse‘ ist, auch beim Namen nennen.
Dass wir sagen, was das in uns anrichtet. Aber das Ganze eben nicht mehr mit dem Ziel, es dem anderen heimzuzahlen, sondern dass es wieder besser wird.  Das wird oft ein schwerer Weg sein. Und er kostet viel Überwindung. Friede fällt einem nicht in den Schoß. Frieden gibt es nur da, wo man bereit ist, Opfer dafür zu bringen.  Gott  hat Frieden gemacht mit den Menschen - und es hat ihn seinen Sohn gekostet.  

 
Friedensbereitschaft ist niemals ein Zeichen von Schwäche. Es gehört wohl zu nichts so viel Mut, als dazu, auf einen Menschen zuzugehen, mit dem man uneins und zerstritten ist. Jesus hat sich vom Bösen nicht besiegen las-sen. Er hat es durch seine Liebe überwunden. Und damit hat er den Kreislauf der Vergeltung gesprengt. Er hat mit uns Frieden gemacht an
seinem Kreuz. Nun ist es an uns, dass wir in seiner Spur bleiben und nach seinem Willen leben.  Das ist ziemlich einfach, solange wir hier in der Kirche sind. Aber danach kann’s wieder schwierig werden. Vielleicht nachher schon - am Familientisch.  Und es kann sein, dass wir nachher, wenn wir aus der Kirche rausgehen, jemanden sehen, dessen bloßer Anblick in unseren Herzen den Mechanismus böser Gedanken und heftiger Reaktionen auslöst.  Vielleicht hilft es uns dann, wenn wir das aus diesem Gottesdienst mitnehmen: wenn so eine Begegnung auf uns zukommt – dann sind wir dabei nicht mit demjenigen allein! Jesus Christus steht neben uns! Oder vielleicht wächst in jemandem jetzt der Entschluss und er denkt: wenn ich nachher wieder zu Hause bin – dann will ich anrufen. Bei dem, bei der, mit der ich mich vertragen will. Wenn jemand so denkt, der soll wissen: du bist dann nicht allein! Es ist ein Dritter dabei: Jesus stellt sich dann zwischen den andern und mich. Und er wird mir helfen, dass ich dem anderen die Hand reiche oder die richtigen Worte finde.  Auch wenn der Karren ganz tief im Dreck steckt – er muss nicht stecken bleiben! Auch wenn die Mauer zwischen Menschen unheimlich hoch ist – diese Mauer muss nicht stehen bleiben. Weil Jesus bei uns ist, haben wir darauf eine wirklich gute, reelle Chance! Und wo es nicht besser wird – da sollten wir das in Gottes Hand legen. Bei Ihm ist es gut aufgehoben. Und wenn wir das tun, dann werden wir selber entlastet werden. Damit wir wieder Frieden finden. Amen.
    
    

Predigt über Lukas 19, 1-10; 3. Sonntag nach Trinitatis; 02.07.2017  

 
Liebe Gemeinde, Berlin der 20iger Jahre: ein kleiner Junge aus einem Vorort fragt eine feine Dame nach dem Weg zum Cafe Kranzler auf dem Kudamm. Die vornehme Frau schaut den kleinen Steppke streng an und sagt: „Junge, wenn du mich was fragst, dann nimm erstmal die Hände aus der Tasche, zieh die Mütze vom Kopf, putz dir anständig die Nase, mach eine Verbeugung und sag ‚Gnädige Frau' zu mir!"  Darauf antwortet der Junge: „Det ist mir vill zu ville, da verloof ick mir lieba!"  Wie gut, dass Jesus nicht  –zig Sachen aufzählt, die wir tun müssen, bevor er uns den rechten Weg zeigt. Lukas erzählt in seinem Evangelium:  
Jesus ging nach Jericho hinein und zog durch die Stadt.  Dort lebte ein Mann namens Zachäus. Er war der oberste Zolleinnehmer in der Stadt und war sehr reich. Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Aber er war klein und die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht. So lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus sehen zu können; denn dort musste er vorbeikommen. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und redete ihn an: „Zachäus, komm schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!“  Zachäus stieg schnell vom Baum und nahm Jesus voller Freude bei sich auf.  Alle sahen es und murrten; sie sagten: „Bei einem ausgemachten Sünder ist er eingekehrt!“ Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: „Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand zu viel abgenommen habe, will ich es ihm vierfach zurückgeben.“  Darauf sagte Jesus zu ihm: „Heute ist dir und deiner ganzen Hausgemeinschaft die Rettung zuteil geworden! Auch du bist ja ein Sohn Abrahams. Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.“

 
Liebe Gemeinde, für mich gehört diese Begegnung zwischen Zachäus und Jesus zu den schönsten Abschnitten im neuen Testament. Weil hier so deutlich wird, wie Jesus tickt und wie dadurch das Leben eines Menschen verändert wird. Drei Beobachtungen dazu:  

 
1.: Neugier tut gut! Von Zachäus erfahren wir drei Eigenschaften. Er ist klein – ein laufender Meter. Und er ist reich. Das hängt mit seinem Beruf zusammen, er ist Zöllner. Zöllner sein – heute ist das ein ehrenwerter Beruf! Zöllner sorgen dafür, dass dem Staat nicht das entgeht, was ihm zusteht.  Damals war das anders. Die Zöllner arbeiteten eng mit der römischen Besatzungsmacht zusammen und nahmen oft viel mehr Gebühren ein, als erlaubt war. Und das, was sie mehr einnahmen, steckten sie in die eigene Tasche. Und weil sie sich so auf Kosten anderer bereicherten, waren sie nicht besonders beliebt.  So einer ist Zachäus, sogar Oberzöllner – das heißt, er hat es über andere Zöllner zu sagen – und von dem, was sie einnehmen, müssen sie ihm was abgeben.  Auf diese Art und Weise hat er es zu Geld ge-
bracht.  Aber er ist nicht nur klein und reich, er ist auch neugierig!   Und an diesem Tag, da packt ihn seine Neugier, als er hört: Jesus soll durch Jericho kommen! Das treibt die Leute an die Straße. Alle wollen Jesus sehen - denn von ihm erzählt man sich wunderbare Dinge, erst eine Woche vorher hat er einen Blinden geheilt. Und als er nun durch Jericho kommt, wollen viele ihn sehen. Dichtes Gedränge überall – und Zachäus mitten drin. Aber so sehr er sich streckt und sich auf die Zehenspitzen stellt - er sieht nichts. Aber er ist ja nicht doof: ruckzuck klettert er auf einen Baum, robbt auf einem Ast so weit es geht über die Straße. Egal, ob andere sich lustig über ihn machen oder über ihn lachen – Hauptsache, er sieht die
Attraktion des Tages, Jesus.

 
Dass sie Jesus sehen wollen – und sei es aus purer Neugier - das wünsche ich mir für viele
Menschen: dass sie in seine Nähe kommen. Auf Bäume steigt deswegen heute keiner mehr. Aber vielleicht geht jemand zur Kirche, weil er was Besonderes mitkriegen möchte.  
Als wir voriges Jahr den Schlagersonntag hatten mit ‚Bernies Band‘, da haben viele gesagt: ‚Schlaogers in’t Kark, dor mutt ick henn!‘  Oder wenn ein bestimmter Chor singt oder spielt – da denken etliche: „Wenn de un de singen, dann gaoh ick naot Kark henn!“ Andere kommen, weil sie mitkriegen wollen, dass ihr Kind hier was aufführt oder ihr Enkel oder das Nachbarskind sich als neuer Konfirmand vorstellt.  Und es ist doch wunderbar, wenn Menschen zur Kirche kommen, weil irgendwas Besonderes sie neugierig macht! Und solche
Anlässe müssen wir schaffen! Damit Menschen neugierig werden auf das, was ihnen hier in der Kirche geboten wird! Nicht, damit wir selber damit groß rauskommen, sondern um Menschen den Anlass zu geben, in die Nähe von Jesus zu kommen!  

 
Natürlich – es kann gut sein, dass das dann an vielen spurlos vorbeigeht. Dass sie nicht berührt werden und dass da nicht großartig was an Glauben geweckt wird. Das war damals auch so: -zig Menschen waren auf Tuchfühlung mit Jesus, als er durch Jericho zog. Die waren froh, dass sie später erzählen konnten ‚Ich hab Jesus gesehen!‘ – und das war‘s dann. Wir hören nur von einem, bei dem es anders war, eben von Zachäus. Aber für ihn war es so, dass sein ganzes Leben dadurch verändert wurde.  Und dafür hat sich der Aufwand gelohnt! Für diesen Einen hat es sich gelohnt, dass Jesus durch Jericho gezogen ist. Und ich weiß von manchen, denen es auch so ging. Dass sie aus Neugier oder aus Zufall hier in der Kirche waren – und sie wurden dadurch verändert! Dazu später mehr.

 
2.: Zachäus hat gute Aussichten! Keiner in ganz Jericho kann Jesus so gut sehen wie Zachäus auf seinem Baum! Und als Jesus an diesem Baum vorbeikommt, bleibt er stehen, kuckt nach oben und sagt: "Zachäus, komm schnell runter, denn ich muss heute dein Gast sein!“   "Zachäus", sagt Jesus. Und allein das ist typisch Jesus! Da mögen die Blätter vom Feigenbaum noch so dicht sein – Jesus sieht den Zachäus. Und er kennt gleich den Namen von dem, der da aufm Baum sitzt! Und er kennt auch jeden von uns mit Namen. Dich auch! Egal, wo du bist - Jesus hat dich im Blick! Egal, wie klein du dich fühlst - Jesus kennt dich mit Namen! Egal, in welchen Zweigen, in welchen Verzweigungen des Lebens du verborgen bist – Jesus sieht dich, und er geht nicht einfach weiter, sondern er bleibt vor dir stehen und spricht dich mit deinem Namen an! Er weiß, wie es in deinem Leben aussieht. Wo es drückt, wo es wehtut.  Und dann bittet er: ‚Komm herunter! Ich will heute in dein Haus kommen.‘   Ich verstehe das so: wenn die Zeit reif ist, dann findet Jesus eine Gelegenheit, einem Menschen zu begegnen. Auch wenn der selber gar nicht damit rechnet. Zachäus hat bestimmt nicht damit gerechnet, dass Jesus ihn sieht und ihn dann sogar noch anspricht und sich bei ihm einlädt. Und trotzdem sagt Jesus: „Zachäus, gaoh man gau nao Huus henn, schill al’maol Tuffels, sett Teewaoter up un stell genug Wien in’t Kühlschrank – wenn ick hier klor bünn, koom ick bie die un will mit die un dien Frünn fiern!“  Und das lässt Zachäus sich nicht zweimal sagen: "Er stieg sofort vom Baum und nahm Jesus auf mit großer Freude“ und richtet ein Essen aus, dass sich die Tische biegen.  

 
Zachäus  freut sich - aber andere ärgern sich. Sie ärgern sich, weil Jesus ausgerechnet zu ihm gegangen ist. Empörung macht sich breit! Ja, wenn er zum Mittagessen beim Bürgermeister oder beim Pastor eingekehrt wäre  –  das wäre in Ordnung gewesen. Aber doch nicht bei Zachäus, der ist das doch gar nicht wert! Und darum meckern sie: ‚Bei einem Sünder ist er eingekehrt!‘   Und ohne es zu wissen, fassen sie mit diesem einen Satz die
ganze Bibel zusammen: "Bei einem Sünder ist er eingekehrt!" Das ist das Evangelium pur!
Deutlicher kann man es nicht mehr sagen: Jesus kommt zu denen, die irgendwie auf Distanz zu Gott sind. Die vielleicht spüren: mein Leben ist nicht so, wie es sein sollte! Zu denen geht Jesus: "Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken." sagt er. Natürlich weiß Jesus, dass die Art, wie Zachäus die Leute betrügt, eine Schweinerei ist. Jesus sieht die Schweinerei, die Zachäus tut - aber dahinter sieht er den Menschen, und er weiß: trotz seines Reichtums ist Zachäus ein armes Würstchen – und gerade deshalb gehter zu ihm. "Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen!"

 
3.: So einfach ist das?  So einfach ist das! Manchmal nagt das in mir. Manchmal ist mir das zu einfach – dass Jesus es einem Menschen so einfach macht.  Mein Weg war ja ganz anders. Ich habe Jahre in meinem Lebenslauf, in denen ich ein anderes Bild von Gott hatte: dass er mir 100.000 Vorschriften macht: als Christ darfst du nicht tanzen und du darfst kein Bier trinken.  Du darfst dies nicht und du darfst das nicht.  Und Gott passt genau auf, ob ich
auch alles richtig mache – und wenn ich etwas nicht richtig mache, dann würgt er mir dafür einen rein. So krank saß das über eine ziemlich lange Zeit in mir – dass ich eigentlich gar nicht gut genug für Gott bin. Dass ich erstmal besser werden muss, damit ich ihm gefallen kann. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich es dann irgendwann begreifen und für mich annehmen konnte: Jesus sieht das ganz anders! Viel einfacher! Viel menschlicher!    
Und wie er das sieht, das sehen wir vielleicht nirgendwo deutlicher als bei Zachäus. Er stellt ihm keine Bedingungen! Er sagt nicht zu ihm: werd‘ erstmal ein anständiger Mensch, entschuldige dich bei allen, die du betrogen hast, zahl das ergaunerte Geld zurück, bring dein Leben in Ordnung. Und wenn du das alles gemacht hast, dann komme ich zu dir. Kein Wort davon! Jesus sagt zu Zachäus: „Du, ich möchte zu dir kommen!“  Das ist alles! Keine einzige Bedingung, dafür aber eine einzigartige Verheißung: "Ich komme, um die Verlorenen zu suchen und selig zu machen."  Selig will er dich machen! Dass dein Leben ins Reine kommt.  Mit dir selbst, mit anderen, mit Gott.    „Zachäus, komm schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!“  Darauf lässt Zachäus sich ein – und dadurch wird er froh und wie von selbst verändert sich sein Leben und er sagt: "Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemanden betrogen habe, so will ich ihm das 4fache zurückgeben."   Die Begegnung mit Jesus verändert sein Leben. Er fängt an, das zu ändern, was nicht in Ordnung ist. Aber nicht als Vorbedingung, sondern als Folge der Begegnung mit Jesus. Das ist heute noch genauso. Wer sich auf Jesus einlässt, der muss damit rechnen, dass sich in seinem Leben etwas ändert. An welcher Stelle das nötig ist, das ist bei jedem anders. Zachäus wurde ehrlich. Von jemand anderem weiß ich, dass er nicht mehr fast jede Nacht vor irgendwelchen Pornoseiten im Internet sitzt. Ein anderer hat es ge-
schafft, mal einen Urlaub zu buchen und zwei Wochen wirklich auszuspannen. Jemand fällt mir ein, der nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit eine ‚Notlüge‘ erfindet und es geht ihm viel besser damit als vorher. Keine erfundenen Beispiele. Ich könnte euch die Namen dazu nennen. Menschen, die ihr wahrscheinlich kennt. Die erlebt haben, dass es für sie gut war, in die Nähe von Jesus zu kommen. Manche auch aus purer Neugier. Aber diese Art von Neugier tut gut! Und wir als Gemeinde tun gut daran, diese Neugier zu wecken! Damit Menschen in die Nähe von Jesus kommen und Er mit ihnen neu anfangen kann!  Das ist doch was! Amen!    
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