Predigten Mai 2014 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Mai 2014

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„Gut beschirmt“ / Konfirmationspredigt 2014

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Angehörige und Paten, liebe Ge-
meinde, wie sagt das Sprichwort: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“
So ging mir das auch – und zwar, als ich mit meinen „Mädels“ vom „Frauenkreis I“ grillen wollte. 25 Frauen hatten sich zu Hause das Mittagessen verkniffen und freuten sich auf lecker Bauchspeck, Nackenkoteletts und Bratwurst – frisch gegrillt in Pastor’s Tuun. Und es war auch ein perfekter Grilltag – blauer Himmel, Sonnenschein, und ein laues Lüftchen. Bis ich die die zweite Ladung Fleisch auf den Grill legte. Plötzlich kam ein Gewitterschauer auf, und es fing an zu regnen wie aus Eimern. In Sekunden war ich pitschnass, die ganzen älteren Damen klemmten sich Salatschüsseln, Fleischteller und Ketchupflaschen unter den Arm und flüchteten hier in den Vorraum der Kirche – bis auf zwei: die hatten plötzlich jeweils einen Schirm in der Hand und den klappten sie auf und hielten diese beiden Schirme über mich und meinen Grill – getreu dem Motto: „Und ich sage: wir grillen heute!“

So ein Schirm ist schon ganz schön praktisch! Wenns regnet, wird man nicht so nass und man kann mit einem Schirm sogar dann noch nach draußen, wenn andere schon lange in der Bude hocken. Und bei schönem Wetter leistet ein Sonnenschirm gut Dienste: wenn die Sonne vom Himmel knallt und man es sich im Garten gemütlich machen möchte, dann ist es gut, wenn man einen großen Sonnenschirm hat. Der gibt Schatten und darum kann man auch dann noch die Sonne genießen, wenn‘s anderen schon längst zu heiß geworden ist.

So ein Schirm ist eine prima Erfindung – egal, ob Sonnen- oder Regenschirm. Schirme sind praktisch. Sie schützen uns. Mit einem Schirm sind wir dann, wenn‘s drauf ankommt, widerstandsfähiger als ohne Schirm; mit einem Schirm brauchen wir in bestimmten Situationen nicht so schnell aufgeben. Und wahrscheinlich liegt es genau daran, dass in der Bibel so ein Schirm als Bild für Gott genommen wird.  Gott als Schirm!  „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Ich weiß nicht, ob euch das auf den ersten Blick auffällt – aber das, was da steht, das passt genau für euch, liebe Konfis! Äußerlich sieht man’s bei vielen von euch schon: ihr seid auf dem besten Weg, erwachsen zu werden! Und je selbständiger ihr werdet, desto mehr Möglichkeiten habt ihr, zwischen denen ihr euch irgendwie entscheiden müsst. Und es ist gar nicht so einfach, immer gleich rauszukriegen, was dran ist. Wo und wie ihr die Schwerpunkte so setzen könnt, dass es gut für euch ist. Und es dauert gar nicht mehr so lange, dass ihr euch in einigen Bereichen entscheiden müsst: was mach‘ ich nach der Schule? Ausbildung? Studium? Bleibe ich hier in Ostfriesland – oder gehe ich woanders hin, wo‘s vielleicht noch mal andere Möglichkeiten und Chancen gibt? Welcher Mensch passt so gut zu mir, dass ich für den Rest meines Lebens mit ihm zusammensein möchte? Und andersrum: wie gehe ich damit um, wenn vielleicht nicht alles klappt, was ich mir vorgenommen habe? Wenn ich zum Beispiel nicht die Lehrstelle bekomme, die ich gerne wollte oder wenn der NC nicht für meinen Lieblingsstudiengang reicht?  Was mach ich, wenn meine Familie vielleicht auseinanderbricht? Oder wenn Freundschaften auseinandergehen? Wie kann ich da mit klarkommen?  Klar – der gemeine Ostfriese sagt dann meist: „Nützt ja nix!“ Aber ehrlich: das hilft nicht wirklich! Sondern ihr müsst ja was haben, womit ihr rechnen könnt. Was euch Mut macht. Damit euch die Hoffnung nicht ausgeht. Und damit ihr motiviert bleibt, aus euerm Leben was zu machen. Und genau das ist das, was hier in diesem Satz aus der Bibel gemeint ist: dass Gott Zuversicht gibt und dass Er dafür sorgt, dass du immer wie-
der nach vorne kucken kannst. Dass dir die Hoffnung nicht ausgeht! Und dass du in ganz blöden Situationen Gelegenheit bekommst, dass du dich zurückziehen und erstmal durchatmen und dich neu sortieren kannst.  Und nun steht da: Das alles kriegst du bei Gott! Er ist wie ein Schirm! Wie so ein Schirm, der dir Schutz gibt. Und mit diesem Schirm, da bist du gut bedient! Es ist gut für dich, wenn du diesen Schirm hast! Es ist gut für dich, wenn du Gott hast! Wenn Er  dein Schirm sein darf! Und wenn du nachher vor dem Altar gesegnet wirst, dann bietet Gott dir von neuem an: Ich will dein Schirm sein!

Gott, unser Schirm. Aber nun ist ja nicht ein Schirm wie der andere. Und so viele unterschiedliche Schirme es gibt, so viele unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen gibt es auch über Gott. Und da ist die Frage: welcher Schirm ist Gott für mich?! Und dazu hab‘ ich ’ne kleine Auswahl an verschiedenen Schirmen mitgebracht. Fangen wir mal mit diesem Exemplar an – ein kleines Eisschirmchen. Ich nenne es das Modell „Festverzierung“. Was waren wir damals als Kinder wild auf solche Schirmchen. Und unsere Kinder dann später auch wieder. Tagelang wurde so ein Schirmchen meist aufgehoben, wenn wir mal in der Eisdiele gewesen waren. Diese niedlichen kleinen Schirme erfüllen ja nur einen Zweck: sie sollen die süßen Momente unsers Lebens garnieren. Irgendwie verschönern. Ich glaube nicht, dass so ein Eisschirmchen aufs Eis gesteckt wird, damit es nicht so schnell schmilzt. Er ist eigentlich nur Verzierung. Und ich glaube, dass es vielen Menschen mit Gott ganz ähnlich geht: dass sie sich darüber freuen, wenn Gott die schönen Momente ihres Lebens verziert. Eine schöne Taufe, eine nett gestaltete Konfirmation, und später die Traumhochzeit.
Höhepunkte des Lebens – und natürlich gehört Gott für Viele dazu. Und damit wir uns hier nicht verkehrt verstehen: das ist auch in Ordnung so! Ich bin überzeugt: Gott freut sich darüber, wenn wir ihn in die schönen Momente unseres Lebens einbeziehen! Wenn er dann bei uns sein darf, wenn wir uns freuen! Und um das zu zeigen, geben wir uns in unserer Gemeinde auch ziemlich viel Mühe mit solchen schönen Anlässen.

Aber ich will auch mal fragen: wenn wir Gott nur an den Höhepunkten des Lebens erlau-
ben, bei uns zu sein – bringen wir uns dann nicht selbst um das Beste? Weil: unser Leben besteht ja nun mal nicht nur aus den Höhepunkten. Der normale Alltag kommt viel häufiger vor – und eben auch Phasen, die keine Hoch-zeiten sind, sondern wo’s vielleicht mal ziemlich eng wird. Und das sehen wir ja an dem Bibelvers, dass Gott gerade dann unser Schirm sein möchte. Und darum sollten wir von ihm viel mehr erwarten, als dass er unsere Feste verziert und nur die Highlights dekoriert. Ich will’s mal ganz persönlich sagen: wenn Gott nur dazu brauchbar wäre, die besonders schönen Momente meines Lebens zu garnieren – dann könnte ich auch auf ihn verzichten! Ich brauch ihn für mehr – und darum ist mir mit dem „Schirm Gott – Modell Festverzierung“ nicht wirklich geholfen! Und ich will dir Mut machen: sei mit so einem Verzierungsgott nicht zufrieden! Erwarte mehr von ihm!

Nun das zweite Modell in meiner kleinen Schirmkollektion: Modell Pipi Langstrumpf    
Pipi Langstrumpf hab‘ ich schon als Kind gerne gelesen und, als wir endlich auch’n Fernseher hatten, gekuckt. Ihre lustigen Streiche, ihr freches Gesicht, ihr Mut. Kaum eine Folge habe ich mir früher entgehen lassen.  Und so geht einem das oft als Kind: da geht man so richtig mit – Pipi Langstrumpf ist dann real da und es ist fast so, als würde sie in echt durchs Wohnzimmer hüpfen.  Aber spätestens wenn man älter wird, wird’s einem klar: das ist ja nur eine erfundene Figur. Pipi Langstrumpf gibt’s nicht in echt. Astrid Lindgren hat sie erfunden und eine Schauspielerin hat sie gespielt. Und ich glaube, mit Gott geht es uns ganz ähnlich. Als Kind hat man noch an ihn geglaubt – er gehörte zum Leben irgendwie dazu. Da hat man geglaubt, dass er wirklich Wunder getan hat. Als Kind, da hat man mit Gott gesprochen, man hat gebetet. Und für manche war der Kindergottesdienst die spannendste Stunde in der ganzen Woche – wenn die biblischen Geschichten erzählt wurden, da war es manchmal so, als sei man mitten drin.  Aber als sie dann älter wurden, da kamen Zweifel auf: gibt es Gott wirklich? Und wenn Ja: hilft er uns dann wirklich? Erhört er unsere Gebete?  Oder ist er auch nur irgendwie sowas wie Pipi Langstrumpf -– ganz nett, aber eben nicht wirklich da.  Und für viele Erwachsene ist Gott immer noch der, wie sie ihn sich als Kind vorgestellt haben: vielleicht ein alter Mann mit langem Bart auf einer Wolke – und ziemlich weit weg von den Menschen.

Es ist wunderschön, wenn Kinder auf ihre Art Zugang zu Gott finden! Aber wenn wir für immer im Kinderglauben steckenbleiben, dann ist das nicht gesund. Unser Glaube muss mitwachsen! Und dazu gehört auch, dass sich Zweifel einstellen. Dass uns nicht mehr alles so klar ist wie damals, als wir Kind waren. Aber dass unser Glaube mitwächst, dass er sozusagen auch erwachsen wird, das kommt nicht von allein! Dazu müssen wir uns mit Gott auseinandersetzen. Auch als Erwachsene mit ihm reden. Hören, was Er uns sagt – zum
Beispiel wie heute, hier in der Kirche. Nur dann wird unser Glaube mitwachsen und nicht in den Kinderschuhen steckenbleiben. Und wenn er steckenbleibt, dann werden wir ihn über kurz oder lang verlieren. Denn ein Kinderglaube ist spätestens im Erwachsenenleben nicht mehr alltagstauglich.

Bevor ich zu meinem dritten Modell komme, will ich mal kurz fragen: was meinen Sie, was meint ihr – wo gibt es die größte Auswahl an Schirmen? ... Richtig! Im Fundbüro!  Und so einen Schirm Marke „Fundbüro“ hab ich auch mitgebracht – er gehört zu den unzähligen Schirmen, die einfach vergessen worden sind.  Die Frage ist ja: warum lassen so viele Leute ihren Schirm irgendwo liegen? Die Antwort ist ganz einfach: wenn’s regnet, nimmt man ihn mit. Dann ist man eine Zeitlang vielleicht in einem Restaurant, auf einer Feier oder bei Bekannten zu Besuch. Wenn man wieder weggeht, scheint die Sonne – und man denkt gar nicht mehr an den Schirm und lässt ihn liegen.  Gott ist für uns auch oft so wie ein Schirm Modell Fundbüro. Man kann ihn gut gebrauchen an den Regentagen in unserem Leben. Wie oft ist das so, dass wir erst dann anfangen zu beten, wenn wir etwas von ihm wollen?! „Gott, gib doch, dass ich’ne 2 in Mathe schreib!“ „Gib doch, dass ich meine Prüfung bestehe!“ „Mach doch, dass ich wieder gesund werde!“ „Gib uns doch schönes Wetter im Urlaub!“
Und auch hier müssen wir aufpassen, dass wir nichts durcheinander kriegen! Natürlich dürfen und sollen wir so beten! Dass wir Gott das sagen, was uns gerade Kummer macht und womit wir nicht zurecht kommen. Dazu fordert Gott uns in der Bibel ausdrücklich auf! Und natürlich dürfen wir auch dann so beten, wenn wir vielleicht schon lange nichts mehr mit Gott zu tun gehabt haben. Er freut sich darüber, wenn wir mit ihm reden und es ihm zutrauen, dass er uns hilft!  Aber: er freut sich auch, wenn er in den anderen Phasen unseres Lebens bei uns sein darf! Nicht nur dann, wenn er was für uns tun soll! Das geht uns doch auch so: wenn ein Nachbar immer nur kommt, wenn er was leihen will, ist das irgendwie blöd. Viel schöner ist es doch, wenn man auch sonst mal zusammen ist – einfach so. Und so ist das mit Gott auch! Er freut sich, wenn wir mehr mit ihm zu tun haben wollen, als nur dann, wenn er was für uns tun soll. Und erst dann, wenn wir auch in den anderen Zeiten Kontakt zu ihm haben, kann er uns so richtig zeigen, dass er einen guten Weg mit uns vorhat und dass er unser Leben bunt und reich und vielfältig macht. Darum sollten wir Gott nicht einfach wie einen Schirm in die Ecke stellen, wenn wir ihn gerade mal nicht besonders dringend brauchen, sondern wir sollten ganz bewusst immer in seiner Nähe bleiben und uns be-
wusst von ihm abhängig machen.

Der vorletzte Schirm: das „Sparmodell“ Bei diesem Schirm hat man an der wichtigsten Stelle gespart – nämlich am Stoff! Er besteht nur aus dem Gestänge. Und jeder sieht: das ist gar kein wirklicher Schirm mehr. Er hat keinen Nutzen mehr. Er ist bestenfalls so eine Idee von einem Schirm, und er bietet keinen Schutz. Wenn’s drauf ankommt, kann man ihn vergessen. Mich erinnert dieser „Schirm“ daran, dass viele Menschen nur sehr allgemeine Vorstellungen von Gott haben. Sie sagen: „Klar, irgendein höheres Wesen wird es wohl ge-
ben!“, oder: „Gott finde ich in der Natur. Wenn ich nachts in den Sternenhimmel schaue, dann finde ich dort meinen Gott.“

Natürlich – da kann man schon staunen!  Und andere machen sich viele Gedanken. Auch über Gott. Vielleicht lesen sie ganz viel über ihn und finden es spannend, über Gott zu diskutieren. Aber wir brauchen uns nichts vormachen: das alles hilft uns letztlich nicht weiter! Natürlich ist es faszinierend, in den Sternenhimmel zu schauen und es hat auch was mit Gott zu tun. Und natürlich kann es interessant sein, über ihn nachzudenken. Aber Gott ist viel mehr als die Natur! Und Er ist viel mehr als eine noch so interessante gedankliche Größe! Sondern Gott ist eine lebendige Person! Ein Gegenüber, das uns Schutz und Halt geben will! Mit dem wir aus unserem Leben was machen können! Der uns Zuversicht und Hoffnung gibt.
Das ist das Wesentliche!   

Dass Gott eine Person ist, die es mit uns zu tun haben möchte – das ist sozusagen der Stoff, der einen Schirm erst zu einem Schirm macht! Und alles andere ist nicht mehr als ein Gerippe – interessant, aber nicht wirklich hilfreich. Erst wenn über dieses Gestänge Stoff gezogen wird, wird ein richtiger Schirm draus. Und so können wir Gott auch erst durch Jesus Christus richtig kennen lernen. Ohne Jesus bleibt Gott nur eine Idee, ein Gedanke, ein Prinzip. Aber Jesus Christus sorgt dafür, dass Gott ein Gesicht bekommt! Und erst, wenn wir uns auf Jesus einlassen, begreifen wir, was Gott mit uns und unserem Leben vorhat. Und damit bin ich nun bei meinem letzten Schirm – Modell „Sturmerprobt für zwei“

Dieser Schirm hat einen großen Vorteil: es passen zwei Leute drunter – und das Gestänge ist extra stark! Da kanns schon mal ordentlich regnen und auch heftiger Wind dabei sein – dieser Schirm macht nicht so schnell schlapp. Und dieser Schirm ist für mich ein schönes Bild für den Gott, an den ich glaube, dem ich vertraue: der ist für mich da, auch wenn mal ganz stürmisches, schlimmes Wetter in meinem Leben sein sollte. In Jesus finden wir einen Halt, der sich auch in den schlimmsten Stürmen unseres Lebens bewähren wird! Das hat er versprochen! Und seitdem haben viele Menschen gemerkt, dass er sein Versprechen gehalten hat! Dass er da war! Geholfen hat! Verständnis geschenkt hat! Mut gemacht hat! Geholfen hat, wieder aufzustehen, als man am Boden lag! Lust am Leben neu geschenkt hat, obwohl manches schwierig war. In solchen Situationen hilft uns der Sternenhimmel nicht weiter und auch unsere klugen Gedanken über Gott nicht – aber Jesus Christus, der ist dann da und Er steht auf unserer Seite! Egal, was kommt!
Daran erinnert mich dieser große, stabile Schirm. Zwei Leute passen drunter – so wie wir als Menschen, die zu Jesus gehören, mit anderen zusammengehören. Zur Gemeinde gehören. Zum „Jugendtreff“ vielleicht – jeden Sonntag nachmittags ab vier! Im Chor! Im Technikteam! Im Konfi-Team! Und – natürlich- auch im Gottesdienst! Dass wir als Christen zur Gemeinde gehören, das macht uns stärker! Hilft, dass wir im Glauben wachsen. Uns nicht nur mit einem Festverzierungsgott zufrieden geben müssen. Und Gott nicht nur dann in Anspruch nehmen, wenn er uns helfen soll. Durch Jesus Christus wird Gott zu einem festen Bestandteil unseres Lebens. Und ich garantier‘ dir: wenn du dich auf ihn einlässt, wird dir das nicht leid tun! Darum: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“  Amen.


        



Vorstellungsgottesdienst der diesjährigen Konfirmanden am 11.05.2014

An diesem Sonntag wurde der Gottesdienst von den diesjährigen Konfirmanden gestaltet. Eine schriftliche Predigt liegt daher nicht vor. Fotos vom Gottesdienst finden Sie in unserer Bildergalerie!


Lied-/Themapredigt „Welch ein Freund ist unser Jesus“; Misericordias Domini, 04.05.2014

Liebe Gemeinde, für mich gehört dieses Lied, das wir gerade gesungen haben, zu den Erinnerungen an meine Kindheit. Weil Oma und wir in einem Haus wohnten –bienanner over Deel- , war ich natürlich auch oft auf Omas Seite, meistens in ihrer Wohnküche. Am Fenster stand ihr Höörn. Und auf der Fensterbank lag ihre Bibel und das „Reichsliederbuch“. In ihrer Bibel las sie regelmäßig, und sie kuckte auch wohl mal ins Liederbuch. Aber für die meisten Lieder brauchte sie das Buch nicht, die kannte sie auswendig. Oft hab‘ ich Oma singen hören, wenn sie gebügelt oder Kartoffeln geschält hat – oft eben auch dieses Lied „Welch ein Freund ist unser Jesus.“  So, wie es für mich zu meiner längst vergangenen Kinderzeit gehört, so ist das sicher bei etlichen anderen auch – und man merkt ja auch an den Worten: das ist nicht mehr unsere Sprache. Und trotzdem: das, worum es geht, gilt nach wie vor! Dass es ein Segen ist, einen wirklich guten Freund zu haben!  1930 sangen die „Comedian Harmonists“: „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund und wenn die ganze Welt zusammenfällt.“

Ein guter Freund ist wirklich etwas sehr wertvolles. Der erste beste Freund, den ich hatte, war Erwin. Wir gingen in eine Klasse, saßen an einem Tisch; und auch nachmittags waren wir meistens beieinander – entweder bei ihm oder bei mir. Erst gab es lecker Tee, und dann sind wir meistens rausgegangen, ha-ben uns bei der Schule auf so’nen Elektroumspannkasten gesetzt, die Beine baumeln lassen und haben uns was erzählt. Wir ha-ben Brausepulver geschleckt und irgend-wann den Mädchen nachgekuckt, die vorbeiliefen. Später dann sind wir zusammen zur Tanzstunde gegangen und haben uns gemeinsam blamiert und uns gegenseitig getröstet, weil wir die einzigen waren, die noch keine feste Freundin hatten. Wir wussten voneinander, was der jeweils andere denkt und haben uns blind verstanden.
In der Bibel gibt es einen Abschnitt, da bezeichnet Jesus seine Jünger als Freunde.

Ich lese uns das mal vor, Joh. 15, 13-16: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für die Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich er-wählt, ich habe euch erwählt.“

Hier bezeichnet Jesus seine Jünger als Freunde. Wir sind nicht seine Knechte und nicht Diener, sondern wir sind seine Freunde. Freundschaft beruht immer auf Gegenseitigkeit – und darum können wir auch andersrum sagen, dass Jesus unser Freund ist. Aber an dieser Stelle müssen wir ein bisschen aufpassen, dass wir da nichts in den falschen Hals kriegen. Die Freundschaft mit Jesus können wir nicht einfach mit einer menschlichen Freundschaft gleichsetzen. Jesus ist viel mehr als ein guter Freund, mit dem ich gemeinsame Interessen teile und mit dem ich mich gut verstehe. Jesus ist mehr als ein Kumpel, mit dem ich Tee trinke, meine Beine baumeln lasse und Hobbys teile. Dieses alte Lied, das wir gerade gesungen haben, nennt das so: „Welch ein Freund ist unser Jesus, o wie hoch ist Er erhöht!“
Und mit diesem Wort „erhöht“, da werden zwei Dinge angedeutet. Erstens: Jesus steht über uns!  Er ist wohl durch und durch Mensch! Aber: er ist auch durch und durch Gott! Anders gesagt: wo wir es mit Jesus zu tun haben, da haben wir es mit Gott selbst zu tun! Und darum steht Jesus über uns – weil er Gott ist! Groß und allmächtig! Gott hat alles in Seiner Hand! Ist der Schöpfer der Welt! Und der, der zu seiner Zeit alles einmal neu macht. Und weil Gott eine gute Beziehung zu seinen Menschen haben wollte, und weil er wollte, dass sie auch dann, wenn sie einmal sterben, bei ihm gut aufgehoben bleiben, darum hat Gott nach einem Weg gesucht, wie er uns Menschen nahe kommen kann. So, dass wir keine Angst vor ihm haben müssen! Dass wir unsere Sorgen mit ihm teilen! Dass wir ihm vertrauen, dass Er einen guten Weg für uns hat! Und dieser Weg Gottes zu uns Menschen bestand darin, dass er Jesus geschickt hat. Und der sagt nun zu seinen Leuten: Ihr seid meine Freunde! Und das ist eine ganz große Auszeichnung! Und es ist alles andere als selbstverständlich! Im Alten Testament ist es die allerhöchste Auszeichnung, wenn jemand als Freund Gottes bezeichnet wird. Nur die größten Glaubensväter bekommen diesen Titel. Es werden nur Abraham und Mose im Alten Testament als Freunde Gottes bezeichnet. Abraham ist der Stammvater des Volkes Israel. Und Mose ist der, den Gott gebraucht, um sein Volk aus der Gefangenschaft zu befreien. Beide standen in einem besonders engen Verhältnis zu Gott. Diese Bezeichnung „Freund Gottes“ drückt diese besondere Beziehung zu Gott aus. Und diesen Titel zu bekommen, ist eine außergewöhnliche Ehre!  Und Jesus gibt uns diese Ehre, diese Aus-zeichnung. Er stellt uns in eine Reihe mit Abraham und mit Mose, wenn er sagt: „Ihr seid meine Freunde!“ Ich habe mich für euch entschieden, „...ich habe euch erwählt.“

Dass Jesus uns als seine Freunde erwählt, das bedeutet auch: die Initiative geht ganz klar von ihm aus. Er würdigt uns, seine Freunde zu sein. Von uns aus könnten wir das nie und nimmer verlangen. Weil er ja „erhöht“ ist, also: weil er letztlich meilenweit über uns steht! Und keiner kann sagen: ich habe Jesus zum Freund, weil ich so gut bin! Weil ich so fromm bin! Weil ich so viele Bibelsprüche drauf habe! Anders gesagt: es kann sich keiner was darauf einbilden, dass er es hingekriegt hat, dass Jesus sein Freund geworden ist!  Der Weg ist immer andersrum: Er entscheidet sich für uns!
Und trotzdem ist es in dieser Freundschaft mit Jesus nicht so, dass er von oben auf uns herab schaut, sondern dass er bereit ist, alles für uns, für seine Freunde zu geben.

In V.13 sagt er: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Das hat Jesus für uns getan. Er ist für uns gestorben. Er ging für seine Freunde ans Kreuz. Und das ist das zweite, was dieses Wort „erhöht“ in dem Lied andeutet: Jesus steht nicht nur über uns – sondern man hat ihn auch „erhöht“: man hat spitze Nägel durch seine Hand- und Fußgelenke genagelt und hat ihn auf das klobige Holzkreuz genagelt und dann hat man dieses Kreuz hochgezogen – erhöht.

In dem Lied „Welch ein Freund ist unser Jesus“, da wird dann gesagt, warum Jesus dort hängt: „Er hat uns mit Gott versöhnet und vertritt uns im Gebet.“ Mit unseren Worten würden wir sagen: Jesus hat für uns den Weg zu Gott freigemacht. Und er setzt sich bei Gott für uns ein. Anders gesagt: durch Jesus haben wir „Vitamin B“ bei Gott!  „Vitamin B“ – das ist nicht nur gut für die Augen, sondern im übertragenen Sinne sagen wir das ja auch manchmal: wenn jemand „Vitamin B“ hat, dann hat er einen guten Draht zu jemandem, der einflussreich ist. Zu mir kam vor einiger Zeit jemand, der sagte: „Du kennst den und den ja gut. Kannst du den nicht eem fragen, ob der eine Arbeitsstelle für mich hat.“ Der hat also gedacht, durch mich hätte er eine bessere Chance, in dieser Firma anzukommen – hat leider nicht geklappt, weil: so’n guten Draht hab ich da gar nicht hin. Aber dadurch, dass Jesus uns mit Gott versöhnt hat und uns im Gebet vertritt – dadurch haben wir „Vitamin B“ bei Gott! Jesus setzt sich bei Gott für uns ein!

Und wenn wir etwas auf dem Herzen haben, dann bietet Jesus sich an und sagt: Sprich da mit mir drüber! Eine Freundschaft lebt davon, dass man miteinander spricht. Meine Freundschaft zu Erwin ist irgendwann zu Ende gegangen. Nicht, weil wir uns gefetzt haben! Nicht, weil wir uns nicht mehr verstanden haben! Nein, sie ist darum zu Ende gegangen, weil wir keine Gelegenheit mehr hatten, einander regelmäßig zu sehen und miteinander zu reden. Weil unsere Lebenswege sehr unterschiedlich weitergegangen sind – und damals gab’s eben noch kein Handy und kein Internet, sodass man eigentlich immer Kontakt haben kann.   Eine Freundschaft lebt auch davon, dass man miteinander umgeht und miteinander spricht. Und wo das auf der Strecke bleibt, da ist das schade und es geht etwas Kostbares verloren. In dem Lied wird das so beschrieben: „Wer mag sagen und ermessen, wieviel Heil verloren geht, wenn wir nicht zu Ihm uns wenden und Ihn suchen im Gebet!“

Und andersrum wird auch ein Schuh daraus: Wo eine Freundschaft gepflegt wird,
da kann sie dann auch eine Menge aushalten. Und gerade in Zeiten, in denen ich schlecht drauf bin, ist es ein Segen, dass ich einen Freund habe. Der mich so nimmt, wie ich bin! Vor anderen Menschen muss ich mich oft anders geben, als ich wirklich drauf bin – aber bei einem echten Freund brauche ich mich nicht zu verstellen. Er wird mir zuhören, er wird mir seine Meinung sagen – und dabei wird er mir wahrscheinlich nicht nach dem Mund reden.  Ich glaube, nur Freunde können es wagen, einander auch sehr kritische Dinge zu sagen.   Und ein echter Freund wird tun, was er kann, um mich zu unterstützen. Das alles fasst die zweite Strophe dieses Liedes zusammen: „Wenn des Feindes Macht uns drohet und manch Sturm rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten, steh‘n wir gläubig im Gebet. Da erweist sich Jesu Treue, wie ER uns zur Seite steht als ein mächtiger Erretter, der erhört ein ernst Gebet.“ Also: wer die Freundschaft, die Jesus ihm anbietet, erwidert und pflegt, der hat auf jeden Fall jemanden an der Seite, der treu zu ihm steht und mit dem er alles besprechen kann, was so anliegt.
Und dann wird’s in dem Lied konkret. In der dritten Strophe werden einige Dinge genannt, die uns sehr belasten können: „Sind mit Sorgen wir beladen... . Oder: sind von Freunden wir verlassen...“ Und das gibt es ja, dass unser Leben in Phasen kommen kann, die uns extrem belasten. Und wo sich dann auch die Spreu vom Weizen trennt. Als Ulrike und ich noch in Westerstede gewohnt haben, da musste meine Mutter vier sehr komplizierte Operationen über sich ergehen lassen – 15 Monate war sie fast ununterbrochen im Krankenhaus. In den ersten Wochen gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand – meine Eltern hatten damals einen ziemlich großen Freundes- und Bekanntenkreis. Aber als sich das in die Länge zog und meine Mutter es vor Schmerzen fast nicht aushalten konnte, da wurden die Besuche weniger. Für viele der „Freunde“ war es einfach zu belastend, sie da immer so niedergeschlagen zu sehen. Und dann sind sie weggeblieben. Und nach diesen 15 Monaten war ziemlich klar, wer die echten Freunde waren und wer sich nur „Freund“ genannt hatte – aber dann im Ernstfall doch nicht mehr als ein guter Bekannter war. „...sind von Freunden wir verlassen...“  Das wird uns bei Jesus nie passieren! Er macht sich nicht vom Acker, wenn’s uns mies geht! Er bleibt da! Trägt es mit uns!   
Und an dieser Stelle ist es vielleicht ganz interessant, dass wir ein-mal kucken, wer dieses Lied eigentlich geschrieben hat, und unter welchen Umständen es entstanden ist. Es stammt von Joseph Scriven, er wurde in Irland am 10. September 1819 geboren. Seine Kindheit und Jugend waren unbeschwert; er besuchte eine gute Schule und sein ganzer Werdegang war vielversprechend. Er machte seinen Universitätsabschluss und hatte hohe Lebensziele und
er fand eine Frau, die seine Ideale teilte. Sie verlobten sich und hatten vor zu heiraten.

Dann begann die Tragödie in seinem Leben: Am Tag vor der Hochzeit überquerte seine Braut eine Brücke mit dem Pferd. Am anderen Ende wartete er auf sie. Sie wurde von einer Windböe erfasst, fiel in einen Fluss und ertrank vor seinen Augen. Diesen Schock überwand Scriven niemals. Obwohl er Aussichten auf eine große Karriere in seiner Heimat hatte, hielt ihn dort nichts mehr und er wanderte aus nach Kanada und wollte dort seine Trauer vergessen. Zuerst lebte er in Ontario, später kam er nach Port Hope, Hafen der Hoffnung. Dort lernte er wieder eine junge Frau kennen und verlobte sich mit ihr. Sie heirateten, aber seine Frau zog sich eine schlimme Erkältung zu, bekam hohes Fieber und starb.

Joseph Scriven lebte nun in der kanadischen Stadt Port Hope. Auf seinem Leben lag eine große Trauer und er war depressiv. Aber trotzdem hielt er sich an Jesus fest. Und er hatte begriffen, was es bedeutet, wenn Jesus zu seinen Freunden sagt: ‚Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr in meinem Namen auf Menschen zugeht.‘ „ Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“  Da spricht Jesus ja etwas an, was wir von unseren Freundschaften untereinander auch wissen: wenn’s drauf ankommt, tut man etwas füreinander! Freundschaft besteht nicht nur aus Worten! Tun, was Jesus sagt! Bei Joseph Scriven sah das so aus, dass er für die Ärmsten da war und ihnen half, so gut er konnte. Für Witwen und Kranke besorgte er Holz im Wald, tat viele unentgeltliche Hilfsdienste und lebte selber sehr bescheiden. Trotz der Schicksalsschläge lebte er sein Leben als Zeichen der Hoffnung.  Am Ende seines Lebens besuchte ihn ein Freund und fand ein Gedicht bei ihm unter der Überschrift: „Welch ein Freund ist unser Jesus.“ Der Freund fragte ihn, wann dieses Gedicht entstanden sei. 1857 - kurz vor dem Tod seiner zweiten Frau. Scriven schrieb es für seine Mutter in Irland, die so traurig war, weil ihr Sohn soviel leiden musste. Er wollte sie damit trösten und ihr zeigen, wo seine Hoffnung ist. Das Gedicht bekam schnell eine Melodie und wurde zu einem der bekanntesten geistlichen Lieder, die um die ganze Welt gingen.

Ich halte das, was dieses Lied ausdrückt, für sehr ehrlich. Auch dann, wenn Jesus unser Freund ist und wenn wir diese Freundschaft pflegen – auch dann sind wir nicht davor gefeit, dass wir durch schwere Phasen müssen. Glaube an  Jesus Christus ist keine Versicherung für ein beschwerdefreies Leben! Nein, es kann schwierig sein. Im Glauben haben wir so sogar manche Last zu tragen, die andere nicht tragen müssen. Es kann schwer sein, zu dieser Freundschaft zu Jesus zu stehen. Auch eine menschliche Freundschaft kann schwer sein. Auch eine menschliche Freundschaft kann belastend sein. Aber wenn es eine gute Freundschaft ist, dann erfahren beide Freunde, dass sie mehr empfangen als dass sie geben. Wie viel mehr ist es bei Jesus so! Wenn wir in seiner Liebe bleiben, dann empfangen wir selbst viel mehr als wir geben können. Auch in belastenden Lebensphasen – und oft höre ich von Menschen in unserer Gemeinde: gerade in belastenden Lebensphasen!  
Ach ja – meine Freundschaft mit Erwin ging damals zu Ende. Aber: sie hat vor ein paar Jahren einen neuen Anfang gefunden. Durch einen Zufall hat es sich ergeben, dass wir uns wiedergetroffen haben. Wir konnten ohne Probleme wieder den Faden aufnehmen. Und was bei Erwin und mir möglich war, dass ist bei Jesus auch möglich! Mag sein, dass da lange Jahre kein Kontakt war. Aber das kann wieder anders werden!

Und wer Ihn, Christus, zum Freund hat, der kann das wirklich erleben: „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund und wenn die ganze Welt zusammenfällt.“ Amen.

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