Predigten Oktober 2014 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Oktober 2014

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Themapredigt „Glück und Segen"; Goldene Konfirmation; 26.10.2014

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Gemeinde, am Anfang will ich eine kleine Verlosung machen. Es kann sein, dass ihr euer Glück schon in der Hand habt. Auf 6 Liederzetteln klebt auf der Rückseite ein farbiger Punkt – kuckt man eem. ... Eem sehn, well vandaog Glück hett! ... ...

Denjenigen, die gewonnen haben, nun erst- mal „Herzlichen Glückwunsch!" Obwohl – wenn man’s genau nimmt: den Gewinnern brauchen wir ja eigentlich gar kein Glück mehr zu wünschen – sie hatten ja schon Glück, sie haben ja schon was gewonnen! Das ist doch wirklich Glück: da gehst du zur Kirche, stehst sogar ’ne halbe Stunde eher auf als normal – und dann gewinnst du was Schönes. Vielleicht haben diejenigen nach langer Zeit mal wieder etwas gewonnen, vielleicht hat jemand überhaupt das erste Mal etwas gewonnen. Egal wie – freut euch dran! Ihr habt eben Glück gehabt! Aber was ist eigentlich „Glück"?  Ich glaube, so unterschiedlich wie wir Menschen sind, so unterschiedlich fällt auch die Antwort auf diese Frage aus. Und doch: es gibt einige grundsätzliche Aussagen, die allgemein stimmen, wenn man vom Glück redet.

1.: Glück haben bedeutet nicht unbedingt glücklich sein. Wenn jemand Glück gehabt hat, dann muss er darum noch nicht unbedingt glücklich sein. Sonntags mag ich gerne „Bingo" kucken. Vor einer Weile, als wir das auch anhatten, hör’ ich bei der Telefonrunde einen Namen, der so ähnlich klang wie meine Cousine heißt. Und dann, als wir dann darauf geachtet haben, als die Gewinnerin mit Michael Thürnau telefonierte, da haben wir es wohl gehört: es war meine Cousine. Sie durfte ein Feld wählen – Niete! Sie durfte noch ein Feld wählen. Diesmal hatte sie gewonnen, eine Reise. Wie schön. Aber ich konnte es mir wohl gleich denken, dass die Freude vielleicht nicht so groß sein  würde: sie hatte 10 Tage Bad Zwischenahn gewonnen. Als wir sie dann angerufen haben, um zu gratulieren, merkte ich wohl: eine andere, weitere Reise hätte sie glücklicher gemacht. Zugegeben: von Steenfelde nach Bad Zwischenahn ist ja nun auch wirklich nicht die Welt. Da waren wir ja als Kind schon oft mit unseren Eltern.  Später hat sie sie sich auch über diesen unverhofften  Urlaub gefreut – aber erst war es so, dass sie nicht unbedingt glücklich war, obwohl sie Glück gehabt hatte.

Glück haben macht noch nicht automatisch glücklich. Wir haben sicher schon alle von Menschen gehört, die einmal Glück im Lotto hatten. Die viel Geld gewonnen haben, viel-
leicht sogar Millionäre geworden sind. Wat’n Glück – musst Dir eem vorstellen: auf einen Schlag Millionär! Aber man hat auch schon oft von solchen Glückspilzen gehört, dass sie nicht glücklich damit geworden sind. Im Gegenteil: dass das viele Geld sie unglücklich gemacht hat. Weil sie damit nicht umgehen konnten.  Glück zu haben, heißt nicht unbedingt, glücklich zu sein. Und umgekehrt wird oft auch ein Schuh draus: dass Menschen glücklich sind, obwohl sie nie besonderes Glück gehabt haben. Ihnen wurde nichts geschenkt im Leben. Sie hatten es nicht leicht und kommen irgendwie nie auf’nen grünen Zweig – und trotzdem sind sie glücklich! Wenn du bei solchen Menschen auf Besuch bist, kannst du meistens gleich merken: obwohl sie es schwer haben, hadern sie nicht mit ihrem Schicksal und sind sie nicht bitter und unzufrieden. Und viele können sich an Dingen freuen, die andere Menschen gar nicht mehr so richtig achten.

2.: Glück bedeutet für jeden etwas anderes und kommt meistens unverhofft
Glück zu haben, das ist schön. Und ich behaupte: jeder möchte gerne Glück haben. Darum sagen wir ja zum Geburtstag oder zum Hochzeitstag: „Herzlichen Glückwunsch!" Wir wünschen einander Glück. Aber was für den Einzelnen „Glück" ist, das ist dann wieder sehr unterschiedlich. Für den einen mag es „Glück" bedeuten, wenn er im Lotto mal 3 Richtige und den Einsatz raus hat. Ein anderer wäre glücklich, wenn „Werder Bremen" mal wieder gewinnen würde.  Vielleicht ist jemand unter uns, der sagt: was war das’n Glück, dass ich den Autofahrer noch gerade rechtzeitig gesehen habe, als er über die rote Ampel fuhr und dass es keinen Unfall gegeben hat!  Oder ich sprach mit welchen, die intensiv hier in Spetz ein Haus suchten – und nun haben sie eins gefunden und können schön bald einziehen. Und als sie mir das erzählt haben, leuchtete aus ihren Augen pures Glück.  „Glück" bedeutet für jeden etwas anderes. Und meistens kommt es unverhofft. Glück ist nicht kalkulierbar, nicht berechenbar. Vor ’ner Viertelstunde haben sechs von uns noch nichts davon geahnt, dass sie heute was gewinnen. Und plötzlich war es dann soweit.

3.: Auf Glück haben wir keinen Anspruch.
Dass wir Glück haben – das haben wir uns nicht verdient, und Glück können wir uns auch nicht kaufen. Glück ist unverfügbar. Es kommt uns meistens einfach so zu, oft ohne dass wir damit rechnen. Und ich glaube, damit hängt es zusammen, dass bei vielen Menschen das Wort „Glück" eigentlich ein „Geheimwort" für „Gott" ist. Sie sagen „Glück gehabt!" – aber eigentlich meinen sie, dass Gott in wunderbarer Weise in ihr Leben eingegriffen hat.  Jetzt habe ich eine Bitte: überlegt doch bitte mal einen Moment, wo ihr schon mal „Glück" gehabt habt. Vielleicht in diesem Jahr. Christian Wachtendorf spielt dazu ein bisschen für uns, damit wir in Ruhe nachdenken können.  Musik

Sechs Menschen unter uns haben vorhin Glück gehabt – sie haben etwas gewonnen. Vielleicht sitzt du neben einem von ihnen. Dein Sitznachbar hat was gewonnen, du selbst aber nicht. Und vielleicht denkst du: So ist das – Glück haben immer nur die anderen! Und vielleicht fallen dir Situationen ein, in denen du es so erlebt hast: die Kinder von den Nachbarn vertragen sich so gut miteinander und fahren sogar miteinander in Urlaub – und deine Kinder können sich gegenseitig nicht ausstehen.  Die Bekannten aus dem Turnverein leisten sich alle drei Jahre ein neues Auto – und man selbst hofft, dass die eigene Rostlaube noch mal wieder durch den TÜV kommt.   Einige flitzen mit „65" noch über den Tennisplatz – und du hast schon zwei künstliche Knie oder Hüften und bist froh, dass die ewigen Schmerzen wenigstens weg sind.  Glück – das haben scheinbar immer die anderen. Und ich kann mir vorstellen, dass auch bei solchen Anlässen wie heute die Frage auftaucht: wie ist es anderen gegangen in den ganzen Jahren und wie ist es mir ergangen? Und vielleicht hat der eine oder die andere das Gefühl: das Glück war mehr bei den anderen.   Und wenn denn das Wort „Glück" oft ein Geheimwort für „Gott" ist, dann lohnt es sich doch, einmal zu fragen: was sagt denn die Bibel dazu?

Das Wort „Glück" kommt sehr oft in der Bibel vor, vor allem in ihrem ersten Teil, im Alten Testament. Und wenn man einmal genau hinschaut, dann wird einem klar: „Glück" bedeutet im Alten Testament meistens, dass jemandem etwas gelingt. Dass einem etwas zukommt, was gut für ihn ist. Oder dass man etwas schaffen kann, was man sich vorgenommen hat.  Und wenn du vielleicht auch gedacht hast: Glück haben immer nur die anderen – dann möchte ich dich jetzt fragen: Ist das wirklich so? Wenn du zurückschaust, sagen wir mal auf die fünfzig Jahre von deiner Konfirmation bis jetzt – ist dir da nicht auch ganz viel gelungen? Waren da nicht auch Dinge, über die du dich tüchtig gefreut hast? Sind da vielleicht Menschen in dein Leben getreten, die dein Leben reich und bunt gemacht haben? Konntest du mit deiner Arbeitskraft immer für dich und deine Familie sorgen? Konntest du deinen Kindern einen guten Start ins Leben geben? Hast du Freunde gefunden, auf die du dich verlassen kannst? Bist du nach einer schlimmen und dunklen Zeit wieder froh geworden und hast neue Freude am Leben gefunden?  Vielleicht magst du heute Abend noch mal drüber nachdenken.   

Lasst uns noch einen Blick in die Bibel werfen. Dort kommt das Wort Glück nicht nur oft vor, sondern dort liegt letztlich schon der Grund dafür, dass für uns heute das Wort Glück so etwas wie ein Geheimwort für Gott ist. In der Bibel wird „Glück" ganz oft mit „Gott" in Verbindung gebracht. Aber nicht so, dass die, die sich an Gott halten, immer Glück haben. Was wäre dann mit denen, die Unglück erleben? Haben sie nicht fest genug geglaubt? War ihr Glaube nicht ausreichend und haben sie darum Pech gehabt? Was bin ich froh, dass die Bibel das nicht so sieht! Sie sieht es anders: die, die sich an Gott halten, die können auf eine geheimnisvolle Weise doch glücklich sein, obwohl sie vielleicht sogar manches Unglück erlebt haben. Weil sie den Einen an ihrer Seite haben, der auch dann noch da ist und da bleibt, wenn wir ins Unglück kommen.  Und so ist das in unserem Leben ja oft: dass das Glück bricht. Nicht umsonst sagt das Sprichwort: „Glück und Glas, wie leicht bricht das!" Und das haben ja auch etliche unter euch erlebt, liebe Gemeinde und liebe Jubelkonfirmanden: dass das Glück zerbrach! Dass Wünsche sich nicht erfüllt haben, Pläne nicht realisiert werden konnten, der geschäftliche Erfolg ausblieb, oder dass Krankheit kam, oder dass man plötzlich ohne den Menschen weiterleben musste, mit dem man das Leben teilen wollte.  
Wer mich einigermaßen kennt, der weiß: ich halte nicht viel vom schwarz malen, ich bin kein Pessimist. Aber ich halte auch nichts davon, so zu tun, als hätten wir das Glück gepachtet. Wir müssen uns mit der Frage auseinander setzen: was soll werden, wenn wir, wenn ich einmal kein Glück mehr habe und wenn ich mit Unglück fertig werden muss? Und hier sind wir jetzt an einer ganz wichtigen Stelle – und das führt uns zurück zu dem Moment, an dem ihr damals konfirmiert worden seid. Man sagt auch: an dem ihr eingesegnet worden seid.
Bei eurer Konfirmation hat Pastor Behnen euch Gottes Segen zugesprochen. Und „Se-
gen", das ist viel mehr als „Glück". „Segen" heißt: Gott behält dich im Blick, er hat ein offenes Ohr und ein offenes Herz für dich und er ist für dich da! Ob du im Glück bist oder mit Unglück fertig werden musst.  „Segen" heißt: Gott gibt dir die Kraft, die du brauchst, um das Leben zu meistern. „Segen" heißt: Gott gibt dir den inneren Frieden, den du brauchst, um auch mit den Dingen zurecht zu kommen, die du nicht ändern kannst.  „Segen" heißt: Gott gibt dir den nö-
tigen Mumm, damit du nicht aufgibst, wenn es eng wird.  Manchmal heißt „Segen" auch, dass Gott dir Hindernisse in den Weg legt und du bestimmte Dinge nicht tun kannst.  Und dass er dir hilft, dass du deine Gedanken sortierst und vielleicht einen ganz anderen, neuen Blick für bestimmte Dinge be-kommst.  Und nicht zuletzt bedeutet „Segen", dass Jesus Christus dich nicht festlegt auf das, was verkehrt war.  „Segen" ist, dass du mit Gott über dein Leben reden kannst. Auch dann, wenn du nachts wach liegst und keinen Schlaf  finden kannst und die Grübeleien anfangen.

Ich wünsche dir ganz viel Glück in deinem Leben – und das meine ich so, wie ich es sage! Aber mehr als wünschen kann ich es dir nicht. Ob das Glück, das ich dir wünsche, auch so kommt, das weiß ich nicht. Und das ist ein Unterschied zum Segen: Segen brauche ich dir nicht wünschen! Segen kannst du wirklich bekommen! Damals hast du ihn schon empfangen, bei deiner  Konfirmation. Und heute wirst du wieder gesegnet. Die Jubelkonfirmanden nachher wieder hier am Altar ganz persönlich, alle anderen dann, wenn der Gottesdienst zu Ende geht. „Glück" ist unverfügbar und unkalkulierbar – aber „Segen" kannst du jeden Sonntag dir neu zusprechen lassen! Gott verspricht dir dann, dass er bei dir ist und bleibt – egal, welche Wege und welche Schritte du in der neuen Woche vor dir hast.

Damals seid ihr gesegnet worden, liebe Jubelkonfirmanden. Ich weiß nicht, welche Ein-
stellung ihr dazu in den ganzen Jahren danach gehabt habt. Ob das mit dem Segen eher etwas in Vergessenheit geraten ist oder ob euch das immer gleich wichtig geblieben ist. Das kann gut sein, dass es Phasen gab, in denen Gott und sein Segen keine große Rolle spielten. Aber das ist jetzt gar nicht weiter wichtig. Wichtig ist, wie wir jetzt dazu stehen. Und dazu kann der Tag der Goldenen Konfirmation einen Impuls geben: dass Menschen entweder in ihrem Glauben bestärkt werden und ihnen neu klar wird: Ja, mit dem Glauben bin ich bisher gut gefahren, und ich bin genau durch diesen Glauben auch mit den Unglücken meines Lebens zurechtgekommen. Oder dass anderen klar wird: bisher konnte ich damit gar nicht so viel anfangen, aber jetzt will ich es von neuem probieren! Das allerdings wäre ein goldrichtiger Entschluss – besser als der Jackpot im Lotto! Herzlichen Glückwunsch dazu! Amen.

Mehr Fotos von der Goldenen Konfirmation finden Sie in unserer Bildergalerie!



Predigt über Epheser 5, 15-21; 18. Sonntag nach Trinitatis; 19.10.2014

Liebe Gemeinde, der Bibelabschnitt, der heute für die Predigt empfohlen ist, fängt damit an, dass er uns auffordert, dass wir einmal bewusst und ganz genau auf einen bestimmten Bereich unseres Lebens kucken. Der Apostel Paulus schreibt dazu im Brief an die Christen in Ephesus: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Menschen, die wissen, worauf es ankommt." Und dann spricht er etwas an, das wir alle haben – das habe ich jetzt erstmal weggelassen. Mal seh‘n, ob ihr drauf kommt, was gemeint ist.  Also, das, um was es geht, haben wir alle. Einfach so, wir haben nichts dafür getan. Wir haben es – aber es gehört uns nicht. Man kann es nutzen. Man kann es aber auch totschlagen. Man kann es füllen. Man kann es vertreiben.  Man kann es stehlen – und man kann es jemand anders schenken. Wir haben es – aber gleichzeitig verrinnt es auch und ist gleich wieder weg.  ... ?   Ja, es geht um die Zeit! Jeder von uns hat Zeit. Seitdem wir auf der Welt sind, sind wir in der Zeit – und haben so lange Zeit, bis wir einmal nicht mehr auf der Welt sind. Wir verfügen über unsere Zeit – aber trotzdem können wir sie nicht festhalten.

Ich finde es ganz interessant, womit wir so unsere Zeit verbringen – ein paar Kostproben aus einer Statistik: Gerechnet auf eine Lebenszeit von 80 Jahren verbringen wir  8 Jahre mit Fernsehen; 6 Jahre mit Putzen, Kochen, Staubsaugen; 5 Jahre mit Warten; 2 Jahre mit Körperpflege; 2 Jahre mit dem vergeblichen Versuch, Leute anzurufen und 1 Jahr damit, verlegte Gegenstände zu suchen.   6 Monate unseres Lebens stehen wir vor roten Verkehrsampeln und 3 Monate verbringen wir mit Küssen, Streicheln, Zähneputzen.
Und wenn man das ganze Leben von 80 Jahren auf einen einzigen Tag rechnet, dann sieht das ganze so aus: durchschnittlich schlafen wir 8,4 Stunden, verbringen 9,6 Stunden mit Erwerbstätigkeit, Essen, Körperpflege und Hausarbeit und 6 Stunden bleiben für Freunde und Hobbys, davon 3 Stunden Fernsehen, 30 Minuten mit Lesen der Zeitung und 7 Minuten widmen wir uns dem Partner. 2-3 Minuten davon reden wir mit ihm/ihr.

Klar – das sind statistische Werte, da kann man nun nicht allzuviel drauf geben. Aber andererseits: auf diese Art und Weise wird schon deutlich, für welche Dinge viel Zeit draufgeht – und wofür wir uns viel weniger Zeit nehmen. Ich finde das jedenfalls nicht schön, dass im Schnitt 3 Stunden am Tag für die Glotze draufgehen, aber nur ungefähr 7 Minuten für unsere Frau oder unseren Mann drin sind. 6 kostbare Lebensjahre für putzen und staubsaugen – und 3 Monate unserer Lebenszeit für Zärtlichkeit.

Natürlich: der Apostel Paulus kannte diese Statistik nicht, wie auch?! Aber er hatte Menschenkenntnis und eine gute Beobachtungs-gabe – und darum ist ihm auch damals zu seiner Zeit schon aufgefallen: wir gehen nicht immer so mit der Zeit um, wie es richtig wäre! Und Paulus ist es sonnenklar: unsere Zeit ist uns von Gott gegeben! Als kostbares Geschenk! Und darum kann und will er nicht einfach tatenlos zusehen, als er merkt, wie
gedankenlos Menschen oft mit ihrer Zeit umgehen. Und darum macht er sich die Mühe und schreibt den Christen in seinen Gemeinden dazu ein paar Takte. Und er setzt damit an, dass er sagt: eigentlich wisst ihr ja Bescheid! Ihr wisst doch, dass eure Zeit euch von Gott gegeben ist. Ihr wisst auch, dass sie begrenzt ist. Manchmal erschreckend eng begrenzt. Und ihr wisst auch, dass dieses Leben noch nicht alles ist – das Beste kommt noch!  Aber trotzdem: eure Zeit ist ein hohes Gut – und oft geht ihr nicht angemessen damit um! Und darum mahnt er: „Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Menschen, die wissen, worauf es ankommt, und kauft die Zeit aus."      „... kauft die Zeit aus." Paulus vergleicht unsere Lebenszeit mit einem Handelsgut. Mit etwas, das man unter Wert verplempern kann oder dessen Wert man kennt und einsetzt und Gewinn daraus macht. Manchmal sagen wir ja: „Zeit ist Geld!" - aber das stimmt nur zum Teil. Zeit ist viel mehr als Geld! Zeit ist letztlich unser ganzes Lebenskapital. Jedem von uns ist ein bestimmtes Maß davon gegeben – keiner von uns weiß, wie viel. Das weiß nur Gott – und er möchte, dass wir unsere Zeit auskosten! Nutzen. So wie wir anderes Kapital, das wir haben, auch nutzen. Kein Mensch, der über Kapital verfügt, lässt dieses Kapital ungenutzt liegen. Er wird es anlegen, so dass es sich vermehrt und Nutzen bringt. Das ist damit gemeint, wenn wir die Zeit „auskaufen" sollen: wir können unsere Zeit wohl nicht verlängern, keiner kann sich Zeit kaufen, aber: wir können so mit unserer Zeit umgehen, dass unsere Lebensqualität dadurch besser wird. Und dazu verweist er auf den, der der Erfinder der Zeit und der Erfinder des Lebens ist. Paulus will uns sagen: wenn ihr angemessen mit eurer Zeit umgehen wollt – dann orientiert euch am besten bei dem, der  a) euch durch und durch kennt und der möchte, dass aus euerm Leben etwas wird,   und der  b) unsere Zeit in seiner Hand hat. Gott kennt sich aus – mit der Zeit und mit jedem von uns!  Der Bibelabschnitt für heute will unsere Blickrichtung auf Gott lenken. Weil der  der Fachmann für‘s Leben ist. Und dann gibt Paulus sozusagen drei Tipps, mit denen wir mehr Qualität ins Leben kriegen und das Beste aus unserer Zeit herausholen.

Erstens: „Sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Leben folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen." Ich bin sicher: hier geht es nicht um ein Glas Wein oder Bier zum Genuss! Das ist gar nicht das Thema. Paulus will kein moralischer Spießer sein, er hat etwas ganz anderes vor Augen: dort, wo er lebt und wo die Christen leben, denen er diese Zeilen zuerst schreibt, dort haben Gier und alles Haben-wollen die Oberhand bekommen.   Der Gott, den sie anbeten, heißt Gier! Völlerei und Ausschweifungen bestimmen den Alltag.  Menschen machen sich zu Affen und zu Ferkeln, weil sie ihr Maß nicht kennen. Sie leben nach dem Motto: „Lasst uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot!" Und je mehr sie nach diesem Motto leben, desto mehr verlieren sie ihre Würde. Die Würde, die ihr Schöpfer ihnen doch gegeben hat. Und auch die Christen sind gefährdet! Je normaler es in einer Gesellschaft wird, sich bei jeder Gelegenheit volllaufen zu lassen bis zum Filmriss, desto mehr machen sie dabei mit. Je normaler es wird, gedankenlos immer mehr zu kaufen, obwohl man es gar nicht braucht – desto mehr machen auch Christen dabei mit!  Diese Gefahr sieht Paulus damals. Und heute? Heute leben wir auch in einer Gesellschaft, in der es vielen in erster Linie darum geht, mehr zu haben. Mehr Geld. Mehr von dem, was man sich so leisten kann. Mehr Ansehen. Immer mehr, mehr, mehr. Und wie viele Ehen und wie viele Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und wie viele Nachbarschaften und Freundschaften sind schon dadurch kaputt gegangen, weil da einer oder mehrere waren, die immer mehr wollten. Und die dadurch auch immer mehr arbeiten mussten, denn: von nichts kommt nichts! Und dann blieb die Zeit für Geselligkeit und Gemütlichkeit und für Zweisamkeit auf der Strecke. Und das, was eigentlich das Leben schöner machen sollte – das hat es letztlich ärmer gemacht. Es gab nicht mehr im Leben, es gab weniger.  Paulus sagt dazu: testet euch mal! Schaut mal genau hin, ob ihr z.B. das, was ihr genießen wollt, noch in der Hand habt und es beherrscht – oder ob es umgekehrt ist: die Dinge, die eigentlich schön sind und unser Leben bereichern wollen – dass sie  euch im Griff haben und ihr davon beherrscht werdet. Also: das Glas Cognac, die entspannende Zigarette, das spannende Fußballspiel – das, was ich mir gönne: bringt mir das wirklich eine höhere Qualität in mein Leben – oder muss ich sie mir reinziehen, weil ich gar nicht mehr wirklich selbst entscheiden kann, ob ich das will oder nicht?  Und unser Text geht noch einen Schritt weiter und kommt auf etwas zu sprechen, was wir uns gönnen sollen, damit mehr Qualität in unser Leben kommt und damit wir lernen, sinnvoller und angemessener mit unserer Zeit umzugehen. Paulus nennt es so: „... lasst euch vom Geist erfüllen."  Gemeint ist der Heilige Geist. Die Kraft, die von Jesus ausgeht. Eigentlich Jesus selbst. Und der Bibelvers für heute meint: wenn du den Kontakt zu Jesus Christus pflegst – dann wird Er dafür sorgen, dass Qualität und Tiefe in dein Leben kommt! Jesus will ja nicht, dass unser Leben langweilig ist. Ohne Freude und Genuss. Im Gegenteil, er sagt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben und volle Genüge zu geben!" Nicht nur etwas vom Leben, sondern das ganze Leben! Aber eben so, dass wir nicht von etwas abhängig werden und dass wir genießen können, ohne unsere Würde zu verlieren.

Und dann kommt Paulus auf unseren „Männertreff" zu sprechen - er sagt: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in euerm Herzen."  Mir kommt das fast so vor, als würde Paulus an jedem ersten Montag im Monat mit den knapp 60 anderen Männern bei Gerd Trauernicht in der Garage sitzen. Miteinander reden! Miteinander singen! Auf ein gutes Wort hören! Drei Tassen Tee und eine, zwei Flaschen Bier trinken, Krintstuut essen. Und was dabei rauskommt, habt ihr alle schon erlebt: dass ihr einander „ermuntert", wie Paulus das nennt! Ich sag das mal anders: dass es euch nach dem „Männertreff" besser geht als vorher! Dass ihr besser drauf seid!  Oder wenn ihr euern Ausflug macht – dass ihr dann ganz erfüllt seid mit neuen Eindrücken. Oder euer Grillfest – einfach nur lecker! Und gesellig! Ohne, dass es abhängig macht! Ihr vom „Männertreff" seid und lebt etwas von dem, was Paulus heute anspricht. Nun schon zehn Jahre lang! Grund genug, ein frohes Fest zu feiern – so wie ihr es vorhabt. Schade, dass ich nicht dabei sein kann. Aber ich bin dann zu genau dem Ziel unterwegs, um Menschen Mut zu machen, bei Gott reinzuschauen, wenn sie auf der Suche nach mehr Qualität im Leben sind und ihre Zeit gut nutzen wollen. Darum: „Ermuntert einander" auch bei euerm Jubiläum – ihr hier und ich auf dem Mittelmeer.  Und natürlich wisst ihr es, liebe Gemeinde: der „Männertreff" ist nur ein Beispiel für das, was Paulus heute meint. Er ist überzeugt: überall dort, wo Menschen mit Jesus und dann miteinander zusammenkommen – da lässt ER sich nicht lumpen und gibt uns von dem, was unserem Leben eine höhere Qualität gibt. Uns hilft, unsere Zeit optimal zu nutzen. Und dann – dann sagt einfach „Danke!" „Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus!"  Dank für unser Leben! Dank für die Zeit, die uns zugemessen ist! Dank für die Menschen, die unser Leben kostbar machen! Dank für die Dinge, die wir mit großer Freude genießen können.  Dank dafür, dass wir in Verbindung mit Jesus Christus unser Leben auskosten können bis zur Neige – und dann von ihm ein ganz anderes Leben kriegen – in höchster Qualität! Ohne jede Einschränkung! Ohne Leid, ohne Krankheit, ohne Tränen. Und bis dahin „ ... seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Menschen, die wissen, worauf es ankommt, und kauft die Zeit aus." Amen

„Kürbispredigt" am Erntedankfest 2014

Liebe Gemeinde, es gibt ein Buch, das immer mal wieder ganz vorne auf den Bestsellerlisten auftaucht, obwohl eigentlich nur was drinsteht, was keiner wirklich braucht.

In „Schotts Sammelsurium" stehen allerhand kuriose Dinge nebeneinander – zum Beispiel, wieviel Kerle Liz Taylor hatte und welche Komponisten in ihrem Leben neun Symphonien geschrieben haben. Man kann nachlesen, wie die südamerikanischen Maya die einzelnen Monate genannt haben und welche Eigentümlichkeiten die Staaten der arabischen Liga haben. Auf einer Seite ist das längste Wort der Welt abgedruckt – es ist ein medizinischer Begriff und der hat genau 1184 Buchstaben. Bitte erspart mir, ihn aufzusagen!  Alles Mögliche und unmögliche findet man in diesem Buch – aber das schwerste Wort der Welt, das steht da nicht drin! Kennt jemand von euch das schwerste Wort der Welt?  ...Abfrage...

Ich glaube, das schwerste Wort der Welt ist „Danke". Jedenfalls für Viele. Von Herzen „Danke" zu sagen, das kommt so manchem nur schwer über die Lippen. Und das liegt nicht daran, dass das so schwere Buchstaben wären. Es hat was mit der Einstellung zu tun: wer dankt, der erkennt ja an, dass er einem anderen verpflichtet ist. Wer dankt, dem ist klar geworden: jemand anders hat mir etwas Gutes getan, auf das ich keinen Anspruch habe! Wer „Danke" sagt, der weiß: es ist nicht alles selbstverständlich! Und dass wir „Danke!" sagen, das müssen wir lernen. Als Kind schon. Wenn wir es als Kind nicht lernen, wie wollen wir dann später als erwachsene Menschen einen Blick dafür haben, dass es genug gibt, was nicht selbstverständlich ist?! Vor kurzem im Schlachterladen. Eine Mutter mit ihrem Sprössling. So drei, vier Jahre alt. Als der Einkauf abgewogen und eingetütet ist und über den Tresen gereicht wird, schiebt die Verkäuferin noch ein Wiener Würstchen nach und drückt es dem kleinen Mann in die Hand. Der greift beherzt zu, beißt rein und genießt. Man merkt: es schmeckt ihm! Man merkt auch: er hat noch nicht gelernt, „Danke" zu sagen! Und bei dieser Mutter wird er es wohl auch nicht lernen, fürchte ich.  Kein aufmunterndes: „Was sagt man?!" und kein freundliches Nicken an die Verkäuferin, wenn schon das Kind nichts sagt. Wortlos wendet sie sich ab und stapft mit ihrem Sohn an der Hand zum nächsten Regal!  Ein kleines Beispiel für das, was in unserer Gesellschaft immer stärker um sich greift: alles selbstverständlich zu nehmen! Das, was ich bekomme, ist mein gutes Recht! Ich habe dafür bezahlt! Ich habe Anspruch darauf! Das Wiener Würstchen beim Schlachter – das ist doch längst in den Fleischpreis einkalkuliert! Das ist doch nur Werbung!  

Danke zu sagen ist weithin nicht mehr selbstverständlich. Heute sagen wir „Danke!" Wir fei-ern Ernte-dank! Wir wollen nicht vergessen, wem wir unser Leben mit all seinen Gaben verdanken! Wir wollen nicht vergessen: „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn; drum dankt ihm, dankt; und hofft auf ihn!" Natürlich – auch bei uns auf dem platten Land denken wir oft kaum noch daran, dass das zusammenhängt: das, was in der Landwirtschaft erwirtschaftet wird und unsere vielfältige Ernährung. Landwirtschaft wird meist nicht mehr in unserer Mitte betrieben. Ich glaube, in unserer Gemeinde gibt es bloß noch einen einzigen Vollerwerbler. Und überhaupt: gibt es überhaupt noch Landwirtschaft im herkömmlichen Sinn? Oder nur noch Agrarfabriken?! Pflanzen, Tiere, Geschöpfe als Massenartikel, mit de-nen man respektlos machen kann, was man will?! Und ist das noch Landwirtschaft, wenn Pflanzen nur noch angebaut werden, um dann als Bio-Masse zu Energie gemacht zu werden?! Ich weiß wohl, dass ich damit Fragen anspreche, von denen wir alle spüren, dass sie in der Luft liegen – aber von denen wir auch nicht wirklich wissen, wie wir angemessen damit umgehen sollen. Wenigstens dann, wenn wir weiterhin die gewohnte Vielfalt haben wollen und das ganz billig. Aber trotz aller Fragen und aller Fragwürdigkeit: wir brauchen Tage wie heute, um uns daran erinnern zu lassen: im letzten sind wir doch abhängig! Von dem, was Gott geschaffen hat, als er die Jahreszeiten erschuf. Als er Fotosynthese und Zellteilung erfand. Als er zusagte: „Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." 1. Mo 8, 22    Und gerade weil die Art und Weise, wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen, an vielen Stellen so pervers geworden ist, brauchen wir den Erntedanktag! Diese Gelegenheit, einmal ganz bewusst „Danke!" zu sagen. Und das nicht nur für Lebensmittel im engeren Sinne – sondern auch für Lebens-Mittel im übertragenen Sinne: für das, was uns das Leben ermöglicht. Was uns durch den Alltag hilft. Was unser Leben froh macht! Wodurch wir entlastet werden! Wer oder was uns weiterhilft!   

Jeder von euch hat auf seinem Platz einen solchen Kürbis gefunden. Und in jeder Reihe liegen auch einige Stifte. Lasst uns mal ein paar Augenblicke nehmen und dass jeder überlegt: Wofür bin ich dankbar?  Wer will, kann es in seinen Kürbis schreiben – wenn man ihn aufklappt, ist auf der rechten Seite Platz dafür. Wer das nicht will, dann ist das auch OK. Und vielleicht sagt jemand: Das will ich heute Nachmittag zu Hause in Ruhe. Auch gut! Aber vielleicht möchte jetzt jemand die Gelegenheit nutzen, um kurz und knapp das aufzuschreiben, wofür er, wofür sie dankbar ist!   ...Zeit zum schreiben...
Möchte jemand etwas von dem laut sagen, was er geschrieben hat?  ...ggfls Nennungen...

(Sicher) sind viele Dinge zusammengekommen. Und wenn man mal so ein bisschen um die Ecke denkt, dann fallen einem vielleicht auch Dinge ein, auf die man erstmal gar nicht kommt – weil sie unangenehm sind. Aber wenn man sich mal die Mühe macht –und auch ein bisschen Humor dabei hat- merkt man, dann man trotzdem dafür danken kann. Zum Beispiel für

- die Steuern, die man bezahlt; denn wer keine Steuern bezahlt, hat auch keine Arbeit.
- die Kleidung, die ein wenig zu eng geworden ist; denn ohne gutes Essen kann man kein Gewicht zulegen.
- das Aufräumen nach einer Party; denn ohne Freunde hätte es keine Party gegeben.
- der Rasen, der gemäht werden muss, die Dachrinne, die gereinigt und das Fenster, das geputzt werden muss;  sie bedeuten, dass ich ein Zuhause habe.
- die Frau, die hinter mir in der Kirche ganz schräg singt; zumindest funktioniert mein Gehör ausgezeichnet.
- die Berge von Wäsche; ich habe viel zum Anziehen.
- mein Wecker, der mich morgens aufweckt; ich darf feststellen: Ich lebe noch und werde noch gebraucht!

Der Kürbis auf euerm Platz – ein Symbol soll er sein für Gottes Segen! Er soll uns dazu helfen, dass wir den Dank Gott gegenüber besonders in den Blick nehmen. Und dazu will ich heute den Kürbis zum Symbol für den Glauben werden lassen. Dabei will ich erstmal ungefähr sechzig Jahre zurückgehen: In Deutschland war nach dem 2. Weltkrieg vieles zerstört. Nur langsam kam die Wirtschaft wieder in Gang. In der sowjetisch besetzten Zone erschwerten die Reparationsleistungen den Wiederaufbau. In der englisch besetzten Zone hatte man sich etwas anderes ausgedacht. Alle deutschen Waren mussten ein Kennzeichen tragen - das „Made in Germany". Die Engländer erhofften sich damit, dass die deutschen Waren nicht so sehr gekauft würden. Das war gedacht als eine zusätzliche Strafe. Aber diese Strafe wurde zum Gegenteil, zum Markenzeichen. Gerade diese Waren wurden gekauft, weil man deutsche Wertarbeit schätzte und merkte: das, wo draufsteht „Made in Germany", das ist richtig gut!

Nun zurück zu diesem Kürbis. Der trägt auch so ein Markenzeichen! Und die Äpfel und die Birnen und die Gurken und die Blumen und alles andere da vorne auch! Nein, da steht nicht drauf „Made in Germany"!  Da ist auch kein wirklicher Stempel oder so drauf. Das ist mehr so eine Kennzeichnung, die für unsere Augen unsichtbar ist. Aber ein dankbares und ein glaubendes Herz – die können dieses Markenzeichen sehen! Und wisst Ihr, was eigentlich auf allem draufsteht, was wir hier vorne in der Kirche aufgebaut haben? Und was auf vielen anderen Dingen auch drauf-steht? „Made by God!" steht da drauf! Gemacht von Gott. Und das ist ein Sinn von Erntedank, dass wir diesen geheimnisvollen Stempel auf allen Gütern erkennen, die unser Leben absichern und es reich machen.

Wir leben doch von dem, was Gott uns schenkt. Ein Kindergedicht sagt es so:   
„Die Schnecke hat ihr Haus, ihr Fellchen hat die Maus, der Sperling hat die Federn fein, der Falter schöne Flügelein. Nun sage mir, was hast denn Du?" Und die Antwort ist eigentlich eine Kurzform von Martin Luthers Erklärung zur Vaterunser-Bitte vom täglichen Brot. Im Gedicht heißt es so: „Ich habe Kleider und auch Schuh und Vater und Mutter und Lust und Leben - das hat mir der liebe Gott gegeben." Und Martin Luther drückt es so aus – und die Älteren unter uns haben es sicher noch im Kopf: „Unser tägliches Brot gib uns heute. ...  Was heißt denn tägliches Brot? Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen."  Mein Leben, dein Leben: „Made by God"! Auch dieser Kürbis und all die anderen Früchte und Erntegaben. Sie tragen den Stempel Gottes. Wollen uns erinnern an das „Brot", von dem wir jeden Tag leben. Und wir sollen Gott  „Danke!" sagen für alles, was er uns zum Leben schenkt.

Zurück zum Kürbis. Er ist eine uralte Kulturpflanze. Die Indios in Mexiko kannten ihn schon 5.000 Jahre vor Christus. Auch in anderen Gegenden der Welt gab es und gibt es Kürbisse. Insgesamt mehr als 800 Sorten. Und das will uns erinnern an die Vielfalt, mit der Gott seine Schöpfung gestaltet! Nicht eintönig und langweilig, sondern in bunter Vielfalt und abwechslungsreich! Auch der Kürbis selber ist vielseitig verwendbar. Sein Fleisch kann man essen; die Kerne fein geröstet sind nicht nur lecker zum knuspern, sondern sind auch ein Heilmittel für die Nieren und die Blase. Ausgehöhlt verwendete man die Schale von Kürbissen früher als Vase, Suppenschüssel, als Wein- oder Wasserbehälter. Und als Symbol diente der Kürbis als Zeichen besonderer Fruchtbarkeit. Wenn Jesus im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld davon spricht, dass ein Korn hundertfältig Frucht bringt, dann übertrifft der Kürbis das Korn um Längen. 400 - 600 Samen kann ein Kürbis enthalten. Und auch in der Bibel direkt kommt der Kürbis vor, in 4. Mose 11: Da wird erzählt, dass Mose das Volk Israel aus der Gefangenschaft geführt hat und dass sie nun auf dem Weg in das Land sind, das Gott ihnen versprochen hat. Es geht durch die Wüste und Gott sorgt dafür, dass seine Menschen jeden Morgen etwas Frisches zu essen finden – das Manna. Aber trotzdem wird ihnen alles zu viel und sie mögen kein Manna mehr, sie haben es satt. Sie denken an das Fleisch, das man ihnen in Ägypten zuteilte, und auch an die Kürbisse, die Melonen, die Zwiebeln und den Knoblauch.  Der Kürbis – ein Zeichen für das, wonach Menschen sich sehnen, wenn sie durch die Wüste müssen.  Und ich weiß von so manchen auch in unserer Gemeinde, die sich nach „Kürbissen" sehnen – im übertragenen Sinne: die sich danach sehnen, dass sie wieder so gesund wie vor kurzem sind. Oder dass in ihrer Familie wieder Frieden ist. Oder dass man als Mann und Frau einander wieder besser versteht. Oder dass man wieder gebraucht wird mit dem, was man an Erfahrungen gesammelt hat. Und oft genug müssen Menschen es erleben, dass diese Sehnsucht nach dem, was „früher" so schön war, ungestillt bleibt! Die Israeliten mussten ohne Fleisch, ohne Zwiebeln, ohne Kürbisse aus-kommen und ihren Weg durch die Wüste gehen. Aber sie haben ihr Ziel erreicht! Trotz allem! Auch trotz aller ungestillter Sehnsüchte! Weil Gott sie gesegnet hat! Und so gesehen kann uns auch so ein normaler Kürbis daran erinnern, dass Gott mit seiner Fürsorge für uns da ist. Auch dann, wenn wir durch die Wüste müssen!  Und im Zusammenhang damit ein abschließender Gedanke: In der christlichen Kunst ist der Kürbis das Sinnbild für Hinfälligkeit und Vergänglichkeit. So wie wir auch hinfällig sind und einmal vergehen werden. Aber gerade bei dem Gedanken an das zeitliche Ende mag es uns wohl gut tun, wenn wir uns daran erinnern lassen: unser ganzes Leben, mit seinem Anfang und auch mit seinem Ende, liegt in Gottes Hand! Und so mag uns der Kürbis heute auch daran erinnern, dass Gott treu ist und dass Er zu uns steht – auch dann noch, wenn wir von dieser Welt müssen. Und so lasst uns ihm, solange wir das noch können, von Herzen das Wort sagen, das so schwer doch gar nicht ist: Danke, Gott! Amen.

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