Predigten September - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten September

Predigten > 2018
 

Jesaja 43, 1; 09.09.2018; zur Vorstellung der neuen VorkonfirmandInnen

 
Bevor ich Pastor geworden bin, habe ich Bankkaufmann gelernt. Da musste ich von möglichst vielen unserer Kunden die Kontonummer im Kopf haben, damit man nicht immer dumm rumfragen muss, wenn der Kunde Geld haben oder etwas überweisen will. In meinen besten Zeiten hatte ich von den ungefähr 1.500 Kunden unseres Hauses 500-600 Kontonummern im Kopf.  Als ich dann in meine theologische Ausbildung kam, da habe ich natürlich im Laufe der Zeit wieder viele davon vergessen - schließlich bin ich Ostfriese, die sind ja manchmal schnell im Vergessen...

 
Irgendwann während meines Studiums kam meine Oma ins Krankenhaus. Ich besuchte sie natürlich und mit ihr im Zimmer lag eine Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber ich wusste nicht, woher oder wohin. Na gut. Als ich wieder mal bei meiner Oma war, sprach diese Frau mich an: "Sagen Sie mal, Sie kommen mir so bekannt vor - haben Sie nicht früher bei der Volksbank gearbeitet?" Und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren und ich sagte: ‚Ja, und Sie, Sie sind die Frau von 30 405!‘  Da war ich doch tatsächlich in den alten Trott zurückgefallen und mir war die Kontonummer in den Kopf gekommen und die Frau hatte für mich keinen Namen, sondern war im Prinzip eine Nummer. Wie peinlich!
Sowas kommt bei Gott nicht vor! Bei Ihm haben wir alle unseren Namen!  Das steht so in der Bibel – mehrfach! An einer Stelle lesen wir z.B., dass Gott sagt: ‚Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir, du bist mein.‘   

 
Gott kennt uns mit unserem Namen! Bei ihm sind wir keine Nummer, und schon gar keine Null! Bei Gott haben wir einen Namen! Einen Namen haben, das bedeutet: eine Persönlichkeit haben, einmalig sein, unverwechselbar sein.   Wir hatten früher Kaninchen. Natürlich sollten die auch geschlachtet werden, damit wir Sonntags ’nen leckeren Braten hatten. Das mit dem Schlachten war immer ein Drama. Mein Papa konnte das eigentlich gar nicht so übers Herz bringen – und ich hab sowieso geheult wie’n Schlosshund. Weil da ja auch Kaninchen bei waren, die ich besonders süß und niedlich fand. Und irgendwann hab ich das so gemacht, dass ich meinen „Lieblingskaninchen“ Namen gegeben habe. Ich wusste: wenn mein Papa weiß: das ist Bommel oder Schnuffel oder Mucki – dann kann er das ganz bestimmt nicht über sich bringen, die zu schlachten! Und darum sind bei uns dann nur noch die in der Bratpfanne gelandet, denen ich keine Namen gegeben hatte.

 
Zu Menschen –oder auch zu Tieren- für die wir einen Namen haben, da bekommen wir oft eine besondere Beziehung.  Und nun stellt euch mal vor, keiner von uns hätte einen Namen! Wie sollten wir uns dann wohl anreden: Nach Nummern vielleicht: Nr., 1, 2., 3 oder vier... Oder im Konfirmandenunterricht würde ich sagen: He, du Großer da! Oder: Du Kleiner, was sagst du denn dazu? Oder: du Dünne oder du Dicker oder du Blasse oder du mit dem Muttermal oder du mit den blonden Haaren... Ich weiß nicht - aber auf jeden Fall ist das ganz blöd, wenn man von einem anderen den Namen nicht weiß. Wenn ich euch nie bei euerm
Namen nennen würde, dann würdet ihr sicher denken: der kennt mich ja gar nicht! Manchmal ist das so – da weiß man genau, wie derjenige heißt, aber man kommt nicht drauf. Das passiert mir manchmal auch – dann dürft ihr mir bitte nicht böse sein. Das passiert dann irgendwie so in der Hektik. Gott passiert das übrigens nie! Er kann noch so viel um die Ohren haben: Dein Name fällt ihm garantiert immer ein! Egal, wo du gerade bist; egal, was du gerade machst; egal, wie es dir gerade geht: Gott weiß deinen Namen, er kennt dich. Du bist eine bekannte Persönlichkeit bei Ihm!

 
Das zweite - Gott sagt: "... du gehörst zu mir!" Das brauchen wir für unser Leben, dass da jemand zu uns sagt: Du gehörst zu mir! Du bist ganz wichtig für mich! Mit dir will eine ganz
enge, gute Beziehung haben! Euch Eltern sind eure Kinder anvertraut worden - ihr lebt jetzt in einer ganz engen Eltern-Kind-Beziehung. Und das ist mit die wichtigste Beziehung, in der wir Menschen erstmal leben und wachsen.  Aber wir wissen auch: wir können nicht immer bei unseren Kindern sein. Wir können nicht für immer unsere Hand über sie halten. Je älter sie werden, desto mehr müssen wir sie loslassen. Unsere Kinder werden dann in anderen Beziehungen leben – hoffentlich sind es gute Beziehungen!

 
Aber noch eine andere Beziehung ist total wichtig, die hat Gott sozusagen als Serienausstattung in uns eingebaut - dass wir nämlich auch in Beziehung zu Ihm leben! Und das brauchen wir: damit wir Mut bekommen, dass wir unser Leben anpacken! Dass wir jemanden haben, mit dem wir alles besprechen können - auch die Dinge, die uns zu schwer werden. Gott packt dann mit an. Wir brauchen Gott für unser Leben auch dazu, dass wir einen Blick für die Dinge bekommen, die schön sind – damit wir nicht daran vorbeigehen und es verpassen!  Und wir brauchen Gott auch, damit wir mit bestimmten Dingen fertig werden: wenn andere gemein zu uns waren, dass wir dabei nicht stehen bleiben müssen. Oder auch andersrum: wenn wir zu andern ungerecht gewesen sind oder sie verletzt haben, dass wir wissen: auch da gibt es eine neue Chance! Ich könnte euch noch viele andere Dinge aufzählen, warum das so ist, dass wir Gott gebrauchen – aber dazu haben wir demnächst ja noch viel Zeit... Heute nur so viel: dass wir  eine lebendige Beziehung zu Gott haben, das ist in uns so drin, das ist Serienausstattung.

 
Und dann sagt Gott noch etwas ganz Wichtiges, er sagt: "Fürchte dich nicht!" Wisst ihr, das haben wir so nötig, dass einer zu uns sagt: Fürchte dich nicht! Furcht können wir ja wohl kriegen in unserem Leben! Denn unser Leben ist riskant, gefährlich! Da gibt es viele Dinge, die uns fürchten lassen - große und kleine Katastrophen.  Natürlich wünschen wir uns und unseren Kindern, dass wir ein Leben möglichst ohne Leid und Krisen führen können - aber wenn wir das einmal ganz realistisch betrachten, dann müssen wir einsehen: das gibt es nicht! Und heute wird uns von Gott gesagt: Du kannst dich drauf verlassen: ich bin auch in den Katastrophen deines Lebens bei dir! Was immer auf dich zukommen mag: du musst da
nicht alleine durch!

 
Das war mir wichtig, dass jeder von uns diese 3 Dinge heute hört. Dass Gott sagt: (1.)
"Ich kenne dich! Bei mir bist du keine Nummer!  Ich kenne dich mit Namen und du bist nicht irgendeine Nummer, nicht irgendjemand für mich. Du bist absolut wichtig für mich!
(2.) Du gehörst zu mir! Ich möchte gerne eine gute Beziehung zu dir kriegen! Ich möchte dir helfen, dass dein Leben gelingt und ans Ziel kommt!
(3.) Gott sagt dir: Fürchte dich nicht! Ich bin für dich da - und ich bin immer noch mächtiger als alles und als jeder andere! Darauf kannst du dich verlassen!  Amen.

 

  
Liedpredigt „Welch ein Freund ist unser Jesus“; 14. Sonntag nach Trinitatis, 02.09.2018

Liebe Gemeinde, für mich gehört dieses Lied, das wir gerade gesungen haben, zu den Erinnerungen an meine Kindheit. Weil Oma und wir in einem Haus wohnten, war ich natürlich auch oft auf Omas Seite, meistens in ihrer Wohnküche. Am Fenster stand ihr Höörn. Und auf der Fensterbank lag ihre Bibel und das „Reichsliederbuch“. In ihrer Bibel las sie regelmäßig, und sie kuckte auch wohl mal ins Liederbuch. Aber für die meisten Lieder brauchte sie das Buch nicht, die kannte sie auswendig. Oft hab‘ ich Oma singen hören, wenn sie gebügelt oder Kartoffeln geschält hat – oft eben auch dieses Lied „Welch ein Freund ist unser Jesus.“  So, wie es für mich zu meiner längst vergangenen Kinderzeit gehört, so ist das sicher bei etlichen anderen auch – und man merkt ja auch an den Worten: das ist nicht mehr unsere Sprache. Und trotzdem: das, worum es geht, gilt nach wie vor! Dass es ein Segen ist, einen wirklich guten Freund zu haben! 1930 sangen die „Comedien Harmonists“: „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund und wenn die ganze Welt zusammenfällt.“
Ein guter Freund ist wirklich etwas sehr wertvolles. Der erste beste Freund, den ich hatte, war Erwin. Wir gingen in eine Klasse, saßen an einem Tisch; und auch nachmittags waren wir meistens beieinander – entweder bei ihm oder bei mir. Erst gab es lecker Tee, und dann sind wir meistens rausgegangen, haben uns bei der Schule auf so’nen Elektroumspannkasten gesetzt, die Beine baumeln lassen und haben uns was erzählt. Wir haben Brausepulver geschleckt und irgendwann den Mädchen nachgekuckt, die vorbeiliefen. Später dann sind wir zusammen zur Tanzstunde gegangen und haben uns gemeinsam blamiert und uns gegenseitig getröstet, weil wir die einzigen waren, die noch keine feste Freundin hatten. Wir wussten voneinander, was der jeweils andere denkt und haben uns blind verstanden.
In der Bibel gibt es einen Abschnitt, da bezeichnet Jesus seine Jünger als Freunde.
Ich lese uns das mal vor, Joh. 15, 13-16: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für die Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Diener, weil ein Herr seine Diener nicht ins Vertrauen zieht. Ihr seid jetzt meine Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, ich habe euch erwählt.“  Hier bezeichnet Jesus seine Jünger als Freunde. Wir sind nicht seine Knechte und nicht Diener, sondern wir sind seine Freunde.
Freundschaft beruht immer auf Gegenseitigkeit – und darum können wir auch andersrum sagen, dass Jesus unser Freund ist.  Aber an dieser Stelle müssen wir ein bisschen aufpassen, dass wir da nichts in den falschen Hals kriegen. Die Freundschaft mit Jesus können wir nicht einfach mit einer menschlichen Freundschaft gleichsetzen. Jesus ist viel mehr als ein guter Freund, mit dem ich gemeinsame Interessen teile und mit dem ich mich gut verstehe. Jesus ist mehr als ein Kumpel, mit dem ich Tee trinke, meine Beine baumeln lasse und Hobbys teile. Dieses alte Lied, das wir gerade gesungen haben, nennt das so: „Welch ein Freund ist unser Jesus, o wie hoch ist Er erhöht!“   Und mit diesem Wort ‚erhöht‘, da werden zwei Dinge angedeutet. Erstens: Jesus steht über uns!   Er ist wohl durch und durch Mensch! Aber: er ist auch durch und durch Gott! Anders gesagt: wo wir es mit Jesus zu tun haben, da haben wir es mit Gott selbst zu tun! Und darum steht Jesus über uns – weil er Gott ist! Groß und allmächtig!  Gott hat alles in Seiner Hand! Ist der Schöpfer der Welt! Und der, der zu seiner Zeit alles einmal zum Ziel führt.  Und weil Gott eine gute Beziehung zu seinen Menschen haben wollte, und weil er wollte, dass sie auch dann, wenn sie einmal sterben, bei ihm gut aufgehoben bleiben, darum hat Gott nach einem Weg gesucht, wie er uns Menschen nahe kommen kann. So, dass wir keine Angst vor ihm haben müssen! Dass wir unsere Sorgen mit ihm teilen! Dass wir ihm vertrauen, dass Er einen guten Weg für uns hat!  Und dieser Weg Gottes zu uns Menschen bestand darin, dass er Jesus geschickt hat. Und der sagt nun zu seinen Leuten: Ihr seid meine Freunde! Und das ist eine ganz große Auszeichnung! Und es ist alles andere als selbstverständlich!  Im Alten Testament ist es die allerhöchste Auszeichnung, wenn jemand als Freund Gottes bezeichnet wird. Nur Abraham und Mose werden ‚Freunde Gottes‘ genannt. Abraham ist der Stammvater des Volkes Israel. Und Mose ist der, den Gott gebraucht, um sein Volk aus der Gefangenschaft zu befreien. Beide standen in einem besonders engen Verhältnis zu Gott. Diese Bezeichnung „Freund Gottes“ drückt diese besondere Beziehung zu Gott aus. Und diesen Titel zu bekommen, ist eine außergewöhnliche Ehre!  Und Jesus gibt uns diese Ehre, diese Auszeichnung. Er stellt uns in eine Reihe mit Abraham und mit Mose, wenn er sagt: „Ihr seid meine Freunde!“
Ich habe mich für euch entschieden, ‚...ich habe euch erwählt.“
Dass Jesus uns als seine Freunde erwählt, das bedeutet auch: die Initiative geht ganz klar von ihm aus. Er würdigt uns, seine Freunde zu sein. Von uns aus könnten wir das nie und nimmer verlangen. Weil er ja „erhöht“ ist, also: weil er letztlich meilenweit über uns steht! Und keiner kann sagen: ich habe Jesus zum Freund, weil ich so gut bin! Weil ich so fromm bin! Weil ich so viele Bibelsprüche drauf habe! Anders gesagt: es kann sich keiner was darauf einbilden, dass er es hingekriegt hat, dass Jesus sein Freund geworden ist!  Der Weg ist immer andersrum: Er entscheidet sich für uns! Und trotzdem ist es in dieser Freundschaft mit Jesus nicht so, dass er von oben auf uns herabschaut, sondern dass er bereit ist, alles für uns, für seine Freunde zu geben.  In V.13 sagt er: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Das hat Jesus für uns getan. Er ist für uns gestorben. Er ging für seine Freunde ans Kreuz. Und das ist das zweite, was dieses Wort „erhöht“ in dem Lied andeutet: Jesus steht nicht nur über uns – sondern man hat ihn auch „erhöht“: man hat spitze Nägel durch seine Hand- und Fußgelenke genagelt und hat ihn auf das klobige Holzkreuz genagelt und dann hat man dieses Kreuz hochgezogen – erhöht.
In dem alten Lied, da wird dann gesagt, warum Jesus dort hängt: „Er hat uns mit Gott versöhnet und vertritt uns im Gebet.“ Mit unseren Worten würden wir sagen: Jesus hat für uns den Weg zu Gott freigemacht. Und er setzt sich bei Gott für uns ein. Anders gesagt: durch Jesus haben wir „Vitamin B“ bei Gott!  „Vitamin B“ – das ist nicht nur gut für die Augen, sondern im übertragenen Sinne sagen wir das ja auch manchmal: wenn jemand „Vitamin B“ hat, dann hat er einen guten Draht zu jemandem, der einflussreich ist.  Zu mir kam vor einiger Zeit jemand, der sagte: „Du kennst den und den ja gut. Kannst du den nicht eem fragen, ob der eine Arbeitsstelle für mich hat.“ Der hat al-so gedacht, durch mich hätte er eine bessere Chance, in dieser Firma anzukommen – hat leider nicht geklappt, weil: so’n guten Draht hab ich da gar nicht hin. Aber dadurch, dass Jesus uns mit Gott versöhnt hat und uns im Gebet vertritt – dadurch haben wir „Vitamin B“ bei Gott! Jesus setzt sich bei Gott für uns ein! Und wenn wir etwas auf dem Herzen haben, dann bietet Jesus sich an und sagt: Sprich da mit mir drüber! Eine Freundschaft lebt davon, dass man miteinander spricht. Meine Freundschaft zu Erwin ist irgendwann zu Ende gegangen. Nicht, weil wir uns gefetzt haben! Nicht, weil wir uns nicht mehr verstanden haben! Nein, sie ist darum zu Ende gegangen, weil wir keine Gelegenheit mehr hatten, einander regelmäßig zu sehen und miteinander zu reden. Weil unsere Lebenswege sehr unterschiedlich weitergegangen sind – und damals gab’s eben noch kein Handy und kein Internet, sodass man eigentlich immer Kontakt haben kann.  Eine Freundschaft lebt auch davon, dass man miteinander umgeht und miteinander spricht. Und wo das auf der Strecke bleibt, da ist das schade und es geht etwas Kostbares verloren. In dem Lied wird das so beschrieben: „Wer mag sagen und ermessen, wieviel Heil verloren geht, wenn wir nicht zu Ihm uns wenden und Ihn suchen im Gebet!“
Und andersrum wird auch ein Schuh daraus: Wo eine Freundschaft gepflegt wird, da kann sie dann auch eine Menge aushalten. Und gerade in Zeiten, in denen ich schlecht drauf bin, ist es ein Segen, dass ich einen Freund habe. Der mich so nimmt, wie ich bin! Vor anderen Menschen muss ich mich oft anders geben, als ich wirklich drauf bin – aber bei einem echten Freund brauche ich mich nicht zu verstellen. Er wird mir zuhören, er wird mir seine Meinung sagen – und dabei wird er mir hoffentlich nicht nach dem Mund reden.  Ich glaube, nur Freunde können es wagen, auch sehr kritische Dinge zu sagen.  Und ein echter Freund wird tun, was er kann, um mich zu unterstützen. Das alles fasst die zweite Strophe dieses Liedes zusammen: „Wenn des Feindes Macht uns drohet und manch Sturm rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten, steh‘n wir gläubig im Gebet. Da erweist sich Jesu Treue, wie ER uns zur Seite steht als ein mächtiger Erretter, der erhört ein ernst Gebet.“   Also: wer die Freundschaft, die Jesus ihm anbietet, erwidert und pflegt, der hat auf jeden Fall jemanden an der Seite, der treu zu ihm steht und mit dem er alles besprechen kann, was so anliegt.
Und dann wird’s in dem Lied konkret. In der 3. Strophe werden einige Dinge genannt, die uns sehr belasten können: ‚Sind mit Sorgen wir beladen...‘. Oder: ‚Sind von Freunden wir verlassen...‘ Und das gibt es ja, dass unser Leben in Phasen kommen kann, die uns extrem belasten. Und wo sich dann auch die Spreu vom Weizen trennt.  Vor Jahren musste meine Mutter vier sehr komplizierte Operationen über sich ergehen lassen – 15 Monate war sie fast ununterbrochen im Krankenhaus. In den ersten Wochen gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand – meine Eltern hatten damals einen ziemlich großen Freundes- und Bekanntenkreis. Aber als sich das in die Länge zog und meine Mutter es vor Schmerzen fast nicht aushalten konnte, da wurden die Besuche weniger. Für viele der „Freunde“ war es einfach zu belastend, sie da immer so niedergeschlagen zu sehen. Und dann sind sie weggeblieben. Und nach diesen 15 Monaten war ziemlich klar, wer die echten Freunde waren und wer sich nur „Freund“ genannt hatte – aber dann im Ernst-fall doch nicht mehr als ein guter Bekannter war. „...sind von Freunden wir verlassen...“  Das wird uns bei Jesus nie passieren! Er macht sich nicht vom Acker, wenn’s uns mies geht! Er bleibt da! Trägt es mit uns! Und an dieser Stelle ist es vielleicht ganz interessant, dass wir einmal kucken, wer dieses Lied eigentlich geschrieben hat, und unter welchen Umständen es entstanden ist.  Es stammt von Joseph Scriven, er wurde in Irland am 10. September 1819 geboren. Seine Kindheit und Jugend waren unbeschwert; er besuchte eine gute Schule und sein ganzer Werdegang war vielversprechend. Er machte seinen Universitätsabschluss und hatte hohe Lebensziele und er fand eine Frau, die seine Ideale teilte. Sie verlobten sich und hatten vor zu heiraten. Dann begann die Tragödie in seinem Leben. Am Tag vor der Hochzeit überquerte seine Braut eine Brücke mit dem Pferd. Am anderen Ende wartete er auf sie. Sie wurde von einer Windböe erfasst, fiel in einen Fluss und ertrank vor seinen Augen.  Diesen Schock überwand Scriven niemals. Obwohl er Aussichten auf eine große Karriere in seiner Heimat hatte, hielt ihn dort nichts mehr und er wanderte aus nach Kanada und wollte dort seine Trauer vergessen. Zuerst lebte er in Ontario, später kam er nach Port Hope, Hafen der Hoffnung. Dort lernte er wieder eine junge Frau kennen und verlobte sich mit ihr. Sie heirateten, aber seine Frau zog sich eine schlimme Erkältung zu, bekam hohes Fieber und starb. Joseph Scriven lebte nun in der kanadischen Stadt Port Hope. Auf seinem Leben lag eine große Trauer und er war depressiv. Aber trotzdem hielt er sich an Jesus fest. Und er hatte begriffen, was es bedeutet, wenn Jesus zu seinen Freunden sagt: ‚Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr in meinem Namen auf Menschen zugeht.‘ „ Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“  Tun, was Jesus sagt! Bei Joseph Scriven sah das so aus, dass er für die Ärmsten da war und ihnen half, so gut er konnte. Für Witwen und Kranke besorgte er Holz im Wald und tat viele unentgeltliche Hilfsdienste. Trotz der Schicksalsschläge lebte er sein Leben als Zeichen der Hoffnung.  Am Ende seines Lebens besuchte ihn ein Freund und fand ein Gedicht bei ihm unter der Überschrift: ‚Welch ein Freund ist unser Jesus.‘ Der Freund fragte ihn, wann er das geschrieben habe: 1857 - kurz vor dem Tod seiner zweiten Frau. Scriven schrieb es für seine Mutter in Irland, die so traurig war, weil ihr Sohn soviel leiden musste. Er wollte sie damit trösten und ihr zeigen, wo seine Hoffnung ist. Das Gedicht bekam schnell eine Melodie und wurde zu einem der bekanntesten geistlichen Lieder, die um die ganze Welt gingen.
Ich halte das, was dieses Lied ausdrückt, für sehr ehrlich. Auch dann, wenn Jesus unser Freund ist und wenn wir diese Freundschaft pflegen – auch dann sind wir nicht davor gefeit, dass wir durch schwere Phasen müssen. Glaube an  Jesus Christus ist keine Versicherung für ein beschwerdefreies Leben! Nein, es kann schwierig sein. Im Glauben haben wir so sogar manche Last zu tragen, die andere nicht tragen müssen – z.B. die Sorge um die Gemeinde. Es kann schwer sein, zu dieser Freundschaft zu Jesus zu stehen. Auch eine menschliche Freundschaft kann schwer und belastend sein. Aber wenn es eine gute Freundschaft ist, dann erfahren beide Freunde, dass sie mehr empfangen als dass sie geben. Wie viel mehr ist es bei Jesus so! Wenn wir in seiner Liebe bleiben, dann empfangen wir selbst viel mehr als wir geben können. Auch in belastenden Lebensphasen – und oft höre ich von Menschen in unserer Gemeinde: gerade in belastenden Lebensphasen!  
Ach ja – meine Freundschaft mit Erwin ging damals zu Ende. Aber: sie hat vor ein paar Jahren einen neuen Anfang gefunden. Durch einen Zufall hat es sich ergeben, dass wir uns wiedergetroffen haben. Wir konnten ohne Probleme wieder den Faden aufnehmen. Und was bei Erwin und mir möglich war, das ist bei Jesus auch möglich! Mag sein, dass da lange Jahre kein Kontakt war. Aber das kann wieder anders werden! Und wer Ihn, Christus, zum Freund hat, der kann das wirklich erleben: ‚Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund und wenn die ganze Welt zusammenfällt.‘ Amen.
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