Predigten September - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten September

Predigten > 2018
 

Jesaja 43, 1; 09.09.2018; zur Vorstellung der neuen VorkonfirmandInnen

 
Bevor ich Pastor geworden bin, habe ich Bankkaufmann gelernt. Da musste ich von möglichst vielen unserer Kunden die Kontonummer im Kopf haben, damit man nicht immer dumm rumfragen muss, wenn der Kunde Geld haben oder etwas überweisen will. In meinen besten Zeiten hatte ich von den ungefähr 1.500 Kunden unseres Hauses 500-600 Kontonummern im Kopf.  Als ich dann in meine theologische Ausbildung kam, da habe ich natürlich im Laufe der Zeit wieder viele davon vergessen - schließlich bin ich Ostfriese, die sind ja manchmal schnell im Vergessen...

 
Irgendwann während meines Studiums kam meine Oma ins Krankenhaus. Ich besuchte sie natürlich und mit ihr im Zimmer lag eine Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber ich wusste nicht, woher oder wohin. Na gut. Als ich wieder mal bei meiner Oma war, sprach diese Frau mich an: "Sagen Sie mal, Sie kommen mir so bekannt vor - haben Sie nicht früher bei der Volksbank gearbeitet?" Und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren und ich sagte: ‚Ja, und Sie, Sie sind die Frau von 30 405!‘  Da war ich doch tatsächlich in den alten Trott zurückgefallen und mir war die Kontonummer in den Kopf gekommen und die Frau hatte für mich keinen Namen, sondern war im Prinzip eine Nummer. Wie peinlich!
Sowas kommt bei Gott nicht vor! Bei Ihm haben wir alle unseren Namen!  Das steht so in der Bibel – mehrfach! An einer Stelle lesen wir z.B., dass Gott sagt: ‚Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir, du bist mein.‘   

 
Gott kennt uns mit unserem Namen! Bei ihm sind wir keine Nummer, und schon gar keine Null! Bei Gott haben wir einen Namen! Einen Namen haben, das bedeutet: eine Persönlichkeit haben, einmalig sein, unverwechselbar sein.   Wir hatten früher Kaninchen. Natürlich sollten die auch geschlachtet werden, damit wir Sonntags ’nen leckeren Braten hatten. Das mit dem Schlachten war immer ein Drama. Mein Papa konnte das eigentlich gar nicht so übers Herz bringen – und ich hab sowieso geheult wie’n Schlosshund. Weil da ja auch Kaninchen bei waren, die ich besonders süß und niedlich fand. Und irgendwann hab ich das so gemacht, dass ich meinen „Lieblingskaninchen“ Namen gegeben habe. Ich wusste: wenn mein Papa weiß: das ist Bommel oder Schnuffel oder Mucki – dann kann er das ganz bestimmt nicht über sich bringen, die zu schlachten! Und darum sind bei uns dann nur noch die in der Bratpfanne gelandet, denen ich keine Namen gegeben hatte.

 
Zu Menschen –oder auch zu Tieren- für die wir einen Namen haben, da bekommen wir oft eine besondere Beziehung.  Und nun stellt euch mal vor, keiner von uns hätte einen Namen! Wie sollten wir uns dann wohl anreden: Nach Nummern vielleicht: Nr., 1, 2., 3 oder vier... Oder im Konfirmandenunterricht würde ich sagen: He, du Großer da! Oder: Du Kleiner, was sagst du denn dazu? Oder: du Dünne oder du Dicker oder du Blasse oder du mit dem Muttermal oder du mit den blonden Haaren... Ich weiß nicht - aber auf jeden Fall ist das ganz blöd, wenn man von einem anderen den Namen nicht weiß. Wenn ich euch nie bei euerm
Namen nennen würde, dann würdet ihr sicher denken: der kennt mich ja gar nicht! Manchmal ist das so – da weiß man genau, wie derjenige heißt, aber man kommt nicht drauf. Das passiert mir manchmal auch – dann dürft ihr mir bitte nicht böse sein. Das passiert dann irgendwie so in der Hektik. Gott passiert das übrigens nie! Er kann noch so viel um die Ohren haben: Dein Name fällt ihm garantiert immer ein! Egal, wo du gerade bist; egal, was du gerade machst; egal, wie es dir gerade geht: Gott weiß deinen Namen, er kennt dich. Du bist eine bekannte Persönlichkeit bei Ihm!

 
Das zweite - Gott sagt: "... du gehörst zu mir!" Das brauchen wir für unser Leben, dass da jemand zu uns sagt: Du gehörst zu mir! Du bist ganz wichtig für mich! Mit dir will eine ganz
enge, gute Beziehung haben! Euch Eltern sind eure Kinder anvertraut worden - ihr lebt jetzt in einer ganz engen Eltern-Kind-Beziehung. Und das ist mit die wichtigste Beziehung, in der wir Menschen erstmal leben und wachsen.  Aber wir wissen auch: wir können nicht immer bei unseren Kindern sein. Wir können nicht für immer unsere Hand über sie halten. Je älter sie werden, desto mehr müssen wir sie loslassen. Unsere Kinder werden dann in anderen Beziehungen leben – hoffentlich sind es gute Beziehungen!

 
Aber noch eine andere Beziehung ist total wichtig, die hat Gott sozusagen als Serienausstattung in uns eingebaut - dass wir nämlich auch in Beziehung zu Ihm leben! Und das brauchen wir: damit wir Mut bekommen, dass wir unser Leben anpacken! Dass wir jemanden haben, mit dem wir alles besprechen können - auch die Dinge, die uns zu schwer werden. Gott packt dann mit an. Wir brauchen Gott für unser Leben auch dazu, dass wir einen Blick für die Dinge bekommen, die schön sind – damit wir nicht daran vorbeigehen und es verpassen!  Und wir brauchen Gott auch, damit wir mit bestimmten Dingen fertig werden: wenn andere gemein zu uns waren, dass wir dabei nicht stehen bleiben müssen. Oder auch andersrum: wenn wir zu andern ungerecht gewesen sind oder sie verletzt haben, dass wir wissen: auch da gibt es eine neue Chance! Ich könnte euch noch viele andere Dinge aufzählen, warum das so ist, dass wir Gott gebrauchen – aber dazu haben wir demnächst ja noch viel Zeit... Heute nur so viel: dass wir  eine lebendige Beziehung zu Gott haben, das ist in uns so drin, das ist Serienausstattung.

 
Und dann sagt Gott noch etwas ganz Wichtiges, er sagt: "Fürchte dich nicht!" Wisst ihr, das haben wir so nötig, dass einer zu uns sagt: Fürchte dich nicht! Furcht können wir ja wohl kriegen in unserem Leben! Denn unser Leben ist riskant, gefährlich! Da gibt es viele Dinge, die uns fürchten lassen - große und kleine Katastrophen.  Natürlich wünschen wir uns und unseren Kindern, dass wir ein Leben möglichst ohne Leid und Krisen führen können - aber wenn wir das einmal ganz realistisch betrachten, dann müssen wir einsehen: das gibt es nicht! Und heute wird uns von Gott gesagt: Du kannst dich drauf verlassen: ich bin auch in den Katastrophen deines Lebens bei dir! Was immer auf dich zukommen mag: du musst da
nicht alleine durch!

 
Das war mir wichtig, dass jeder von uns diese 3 Dinge heute hört. Dass Gott sagt: (1.)
"Ich kenne dich! Bei mir bist du keine Nummer!  Ich kenne dich mit Namen und du bist nicht irgendeine Nummer, nicht irgendjemand für mich. Du bist absolut wichtig für mich!
(2.) Du gehörst zu mir! Ich möchte gerne eine gute Beziehung zu dir kriegen! Ich möchte dir helfen, dass dein Leben gelingt und ans Ziel kommt!
(3.) Gott sagt dir: Fürchte dich nicht! Ich bin für dich da - und ich bin immer noch mächtiger als alles und als jeder andere! Darauf kannst du dich verlassen!  Amen.

 
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