Predigten September - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten September

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Predigt vom 18. September 2016

Eine schriftliche Version der heutigen Predigt liegt uns leider nicht vor. Viel Spaß bei der Audioversion!

Johannes 15, 16a; 11.09.2016; Vorstellung der neuen Vorkonfirmanden

Liebe Gemeinde und heute natürlich: liebe neue Konfis! Ich hab’n Kuli mitgebracht! Kugelschreiber sind gerade heute, an diesem Sonntag, ziemlich wichtig! Zum Kreuzchen machen! Denn heute wird gewählt! Nicht so’ne große Wahl wie der Bundestag oder ein neuer Landtag – die sind später dran.  Heute werden die Gemeinderäte und der Kreistag gewählt.  Und das finde ich ziemlich wichtig!   In den Gemeinderäten werden nämlich die Dinge beraten, die uns hier vor Ort betreffen: Sind unsere Schulen optimal ausgestattet?  Gibt es genügend attraktive Angebote für Familien mit Kindern?  Wie können wir es hin-
kriegen, das noch mehr Menschen hier bei uns auf dem Fehn bauen können?  Werden wir auch in Zukunft genug Ärzte in Großefehn oder Wiesmoor haben?  Wie kriegen wir das hin, dass möglichst viele Straßen möglichst gut in Schuss gebracht werden, und dass es für die einzelnen Leute möglichst wenig kostet?

Das sind nur’n ganz paar Beispiele von den Dingen, die im Gemeinderat oder in Wiesmoor im Stadtrat beraten werden – und meist sind wir von solchen Dingen mehr betroffen, als wenn in Berlin beschlossen wird, dass es 2 Euro mehr Kindergeld geben soll.
Und ich will es mal ruhig so sagen: Ich bin total froh, dass wir hier Menschen haben, die so’n Job machen wollen! Die bereit sind, dass sie Zeit und Nerven investieren, damit hier bei uns, dort wo wir wohnen, möglichst vieles rund läuft. Und es sind nicht nur Zeit und Nerven, die sie investieren – sondern sie müssen auch ein dickes Fell haben. Denn oft werden sie ausgeschimpft und beleidigt. Wenn einem eine Entscheidung nicht passt oder man mit einem Beschluss nicht einverstanden ist, dann vergessen manche echt das, was ihre Mama ihnen an Anstand und Fairness beigebracht hat. Dann wird nur rumgemeckert und die ganzen Leute im Gemeinde- oder Stadtrat sind dann Idioten und Hornochsen und inkompetente Stümper.   Und sowas an den Kopf geworfen zu bekommen, das muss man aushalten und damit muss man umgehen können.  Und ich bin echt dankbar dafür, dass sich immer wieder Frauen und Männer finden, die sagen: „Wenn ich gewählt werde, dann will ich das wohl machen!“  Und wer das auch so sieht, wer auch dankbar ist dafür, dass Menschen bereit sind, sich für uns alle einzusetzen – der weiß, dass er heute mindestens ein Ziel hat, wo er unbedingt hin muss: nämlich zu seinem Wahllokal, um sein Kreuzchen zu machen – mit so einem Kuli! Und darum sind heute Kugelschreiber so wichtig! Hoffentlich kommen sie bis 18 Uhr ganz oft in Einsatz!   Und dann, ab 18 Uhr, wird es spannend: vorher wurde gewählt – und dann wird gezählt!  Wer hat die meisten Stimmen? Wer ist gewählt und wer nicht?

Ich hab‘ noch nie für einen Gemeinderat kanndidiert – aber dieses Gefühl bei einer Wahl, das kenne ich auch. Zum Beispiel, wenn damals bei uns in der Schule beim Fußball die Mannschaften gewählt wurden. Wir mussten alle in einer Linie antreten – und dann wählte der Mannschaftskapitän seine Leute aus.  Äußerlich cool und gelassen standen wir da – aber innerlich war glaub‘ ich jeder aufgeregt. Ich jedenfalls habe oft gedacht: Werde ich wohl gewählt? Und ich kann mich gut an dieses unangenehme Gefühl erinnern, wenn eigentlich keiner der beiden Mannschaftsleiter mich haben wollte und ich „übrig blieb“.

Werde ich gewählt? Diese Frage stellt sich nicht nur im Sport oder heute bei der Kommunal-Wahl.  Werde ich gewählt? Diese Frage wiederholt sich: wer setzt sich auf der Party neben mich? Wer fordert mich zum Tanzen auf? Werde ich zu einem Geburtstag eingeladen?  Möchte mich jemand in seiner Arbeitsgruppe haben? Wer legt Wert auf meine Gesellschaft?
Wer will mich so, wie ich bin?
Ich glaube, jeder von uns macht in seinem Leben irgendwann die Erfahrung, dass er zu bestimmten Dingen gewählt wird – oder eben auch nicht.   Vielleicht gehört man zu denen, die oft gewählt werden. Dann ist man froh und vielleicht auch ein bisschen stolz und man spürt: ‚Ich gehör‘ dazu!‘ Es tut einfach gut, wenn jemand sich für einen entscheidet!   
Aber umgekehrt tut es nicht gut, wenn man die Erfahrung machen muss: Ich bin nicht gewählt worden!  Das tut erstmal weh und man ist enttäuscht und nachher denkt man vielleicht: ‚Die andern sind besser und beliebter als ich!‘ Das ist kein schönes Gefühl und manchmal dauert es ziemlich lange, bis man das verdaut hat.

Heute ist Wahltag.  Auch hier in der Kirche. Gott hat gewählt! Und Er  hat sich für dich ent-
schieden! So jedenfalls steht das in der Bibel! Jesus sagt da: „Nicht ihr habt mich gewählt, sondern ich habe euch erwählt!“ Und wenn Jesus das sagt, dann ist das genauso, als wenn Gott selbst das sagt – denn: wo Jesus ist, da ist Gott!   Und Er, Jesus, sagt: „Ich habe dich gewählt, ich habe mich für dich entschieden!“  Das bedeutet: Du gehörst zu denen, die für
Gott ganz wichtig sind! Für die er alles geben würde! Und ich finde, das ist richtig was!  
Du bist so wichtig, dass Gott ein Kreuz für dich gemacht hat, hinter deinem Namen.
An dieses Kreuz, dass Gott hinter deinem Namen gemacht hat, an dieses Kreuz erinnert übrigens dieses Kreuz hier vorne in der Kirche.  So ein Kirchenkreuz erinnert immer an Jesus –  an den, der sagt: „Ich habe mich für dich entschieden!“  Und dass Gott sich für dich ent-
schieden hat, das hat Folgen. Für die, die heute gewählt werden, hat das auch Folgen – sie übernehmen Verantwortung und müssen von nun an   an vielen Sitzungen teilnehmen und sich viel Gedanken machen und überlegen.

Dass Gott dich erwählt, dass er dich gewählt hat, das hat andere Folgen. Ich glaub‘, ich hab euch das schon erzählt auf’m Anmeldeabend. Dass ich ziemlich lange damit nicht viel anfangen konnte, dass Gott sich für mich entschieden hat. Gehört hab ich das wohl – aber: ‚Ja, und?!‘    Einige von euch wissen das: als ich in euerm Alter war, da hatte ich ziemlich wenig Selbstvertrauen – dafür aber ziemlich viele Minderwertigkeitskomplexe! Und jeder, der das auch hat, weiß: das ist nicht schön! Das ist überhaupt nicht schön, wenn du immer denkst: die anderen sind besser! Sehen besser aus! Können besser Mathe! Sind sportlicher! Haben keine schiefen Zähne! Werden nicht gemobbt und verprügelt aufm Schulweg! Und bei mir war das so!  Fast zwei Jahre lang fast jeden Mittag hab ich Prügel bezogen von einem, der ’n Kopf größer war als ich. Er hatte zwar nichts in der Birne, aber dafür dicke Muckis. Und ich bin gemobbt worden – weil ich, außer in Mathe, in vielen Fächern gut war, ohne was dafür tun zu müssen.  Und umgekehrt: weil ich beim Fußball so grottenschlecht war, hat mein Lehrer damals zuletzt einen Deal mit mir gemacht: Beim Sport spiel ich nicht mit, sondern setz mich an’n Spielfeldrand und les’n Buch – und als Belohnung gibt er mit’ne ‚3‘ in Sport, bloß weil ich nicht mitspiele.  Und einmal hat ein Lehrer im Werkunterricht zu mir gesagt,  dass ich noch blöder bin als ich aussehe.  

Heute kann ich mitlachen, wenn jemand da drüber lacht. Damals konnte ich das nicht, sondern ich fand mich und mein Leben überhaupt nicht zum Lachen. Bis mir jemand gesagt hat: ‚Hör mal, Hermann: Gott hat sich für dich entschieden! Für ihn bist du wichtig – so, wie du bist!“  Bis ich richtig begriffen hab, was das bedeutet, hat das noch gedauert – aber dann hat es mir geholfen: meine Minderwertigkeitskomplexe sind erst weniger geworden, und später waren sie ganz weg. Und: ich musste mich nicht mehr so sehr auf das konzentrieren, was nicht gut an mir war – sondern ich habe viele gute Seiten an mir entdeckt. Und dadurch
hab ich im Laufe der Zeit auch mehr Selbstvertrauen bekommen.   Das alles ist übrigens nicht einfach so vom Himmel gefallen. Sondern das ist nach und nach so gekommen – und zwar an einer bestimmten Stelle: in der Gemeinde. Irgendwann hat mich jemand mitgeschleppt zum Posaunenunterricht – und ich hab gemerkt: Posaune kann ich besser als Fußball! ;-)  Und irgendjemand hat gemeint, es wäre nicht schlecht, wenn ich Sonntags in der Kirche  Kindern von Gott erzähle, im Kindergottesdienst. Aber bevor ich das machen konnte,
haben die mich erstmal zu’ner Schulung geschickt – das war gut für mich. Und in dieser Zeit, in der ich in meiner Gemeinde was gemacht habe, genau in dieser Zeit hab ich mich verändert, ist mein Leben schöner, besser geworden.

Ich will das mal so sagen: dass mir das jemand gesagt hat, dass Gott sich für mich entschie-
den hat und dass ich ganz wichtig für ihn bin – das war für mich’n Glückstreffer! Und genau das wünsch‘ ich Dir auch! Und vielleicht fängt das bei euch ja schon in der Konfizeit an – wer weiß?!    

Einen Kugelschreiber hab ich mitgebracht! Nee – nicht bloß einen: 32! Für jeden neuen Konfi einen! Und da steht drauf: „Ich gehör‘ dazu!“ Ja, du gehörst dazu! Amen!

        



Predigt vom 04.09.2016

Eine schriftliche Version der heutigen Predigt liegt uns leider nicht vor. Wir wünschen viel Spaß mit der Audioversion.
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