Predigten April - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

Direkt zum Seiteninhalt

Predigten April

Predigten > 2018
Predigt über Kolosser 3, 12-17; Kantate; 29.04.2017

 
Liebe Gemeinde, alle paar Monate ist bei uns „Modenschau“! Immer dann, wenn unsere Frauke mit Maike, ihrer Patentante, shoppen gewesen ist – meist nach Bremen zum Primark. Die ersten Male hatte ich immer verstanden, dass sie zum „Freimarkt“ gehen und hab mich immer gewundert, wann jetzt immer Freimarkt ist. Nun hab‘ ich begriffen: nicht Freimarkt, sondern Primark – so’n Billigladen für trendige Klamotten. Und wenn Frauke und Maike da mal wieder gewesen sind, dann schleppt Frauke taschenweise ihre neuesten Errungenschaften an und dann wird zu Hause nochmal alles gezeigt und meist auch noch mal anprobiert: ein paar neue Blusen, ’n paar T-Shirts, einige Hosen, ein tolles Tuch – und alles für’n Appel und’n Ei. Da kann ich immer nur staunen und mich mit Frauke über die vielen neuen Klamotten freuen.  Daran musste ich denken, als ich den Bibelabschnitt für heute gelesen habe.  Da kommt der Apostel Paulus auch ins Staunen über neue Kleider und er spricht mit Begeisterung von ihnen. Hören wir, was er der Gemeinde von Ko-lossä schreibt:

 
Ihr seid von Gott erwählt, der euch liebt und zu seinem heiligen Volk gemacht hat. Darum zieht nun wie eine neue Bekleidung alles an, was den neuen Menschen ausmacht: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Milde, Geduld. Ertragt einander! Seid nicht nachtragend, wenn euch jemand Unrecht getan hat, sondern vergebt einander, so wie der Herr euch vergeben hat.  Und über das alles ... zieht die Liebe an, die alles andere umfasst. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt.  Der Frieden, den Christus schenkt, soll euer ganzes Denken und Tun bestimmen.“

 
Neue Kleider begeistern und lösen Freude aus. Lasst uns mal kucken, warum Paulus so begeistert von den neuen Kleidern schreibt.

 
1.: Es sind Marken-Kleider Ich hab mir vor einiger Zeit ein schönes Hemd gekauft. Sonderangebot aufm Grabbeltisch – für 9,99 €, das kriegst du nicht alle Tage. Als ich damit ankam, hat Ulrike schon gleich’n komisches Gesicht gemacht. Aber wieso? Das Hemd sah gut aus und passte gut – aber nach’n paar Mal waschen war die Farbe hier vorne aus den Manschetten schon raus und auf der Knopfleiste waren überall so kleine Knubbel zu sehen. Und es war klar – es war ein billiges Hemd im doppelten Sinne: es hat nicht viel gekostet, aber es war auch danach. Billig in der Qualität, billig in der Verarbeitung.  Ganz anders das Hemd, das ich heute trage. Da muss man ungefähr das 5fache für hinlegen. Aber ich habe auch viel länger was davon! Die Verarbeitung ist gut und die Qualität auch. Wat see Oma: ‚Kostn Daoler, schmeckt’dr nao!‘ Gutes hat seinen Preis!

 
Die Kleider, von denen Paulus hier spricht, sind solche Kleider mit hoher Qualität. Sie kommen direkt aus der Werkstatt Gottes und sind maßgeschneidert für uns. Aus einem Stoff, für den Gott teuer bezahlt hat. Das Blut Jesu war nötig, um diesen Stoff herzustellen. Aber dieser hohe Preis war Gott nicht zu teuer. Weil er uns ausstatten wollte mit diesen Kleidern. Denn es sind die Kleider, die wir brauchen, um zu Gott zu gehören.  Das haben letzten Sonntag die Konfirmanden so toll erklärt: mit dem Glauben ist es so wie mit einem Kleid; mit einem Kleid, das Gott uns schenken will. Gott hält es uns hin und bittet uns: Zieh es an! / Und das, liebe Gemeinde, das ist ‚glauben‘: das Kleid, das Gott für uns gemacht hat, anziehen! ‚Glauben‘ – das ist nicht irgendwas wahnsinnig kompliziertes. ‚Glauben‘ – das geht nicht erst, wenn ich Gott ein möglichst fehlerfreies Leben bieten kann.  ‚Glauben‘ – das kommt nicht erst dann in Frage, wenn ich möglichst oft in möglichst frommen Kreisen bin und vielleicht über diejenigen die Nase rümpfe, bei denen das nicht so ist.   ‚Glauben‘ ist: das, was Gott für mich vorbereitet hat, und wofür Jesus sein Leben gelassen hat, das ziehe ich an – wie ein Kleid.  

 
2.: Die neuen Kleider stehen uns gut!
Wenn Frauke ihre ganzen neuen Klamotten vorführt, dann kuckt sie selber noch mal auf einzelne Sachen: hier die schöne Schleife, dort das tolle Muster, und da, musst eem kucken, eine coole Schnalle. Und so lenkt Paulus unseren Blick jetzt auch auf die einzelnen Eigenschaften dieser Kleidung, die Gott uns hinhält: Herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Milde, Geduld. Einander ertragen! Nicht nachtragend sein. Vergebung üben.  
Das sind die Eigenschaften dieser Kleidung, die Gott für uns maßgeschneidert hat.   
Wenn wir genau hinschauen, dann merken wir: das sind göttliche Eigenschaften!  Das, was hier genannt ist, das sind ja alles Eigenschaften, die zuerst von Gott ausgehen: ER hat ja ein Herz für uns. ER gibt uns doch immer wieder Zeichen dafür, dass er freundlich zu uns ist. ER ist es doch, der sich ganz tief runterbeugt, damit er auf unsere Größe kommt und sich mit uns auf eine Stufe stellt.  ER ist es doch, der viel Geduld mit uns hat, und wenn wir ihm immer wieder aus dem Ruder laufen.  Das alles, was Paulus hier als die Eigenschaften des neuen Kleides nennt, das alles geht als erstes von Gott aus! Und nun hören wir, wie uns heute gesagt wird: diese Eigenschaften, die zieht an und lasst von ihnen euer tägliches Leben bestimmen.   

 
Wenn ich das so höre, dann schluck’ ich erstmal und in mir regt sich dann so ein innerer Widerspruch: es ist alles gut und schön – aber so sind wir doch nicht! Diese Eigenschaften, die sieht man doch oft gar nicht bei uns und in unserem Leben!  Und sofort fallen mir die Gelegenheiten ein, in denen es ganz anders war. Wo es mir schwer gefallen ist, nicht nachtragend zu sein. Oder wo ich Mühe damit hatte, jemanden zu ertragen. In einer Sitzung neulich in Aurich. Da war jemand ständig am herumeseln. Der hat mich richtig aufgeregt. Und da ist es mir schwer gefallen, den auszuhalten und zweitens war ich irgendwann nicht mehr freundlich zu ihm, sondern hab’ ihn zur Schnecke gemacht.  Und ich denke mal, dass es sicher den meisten von euch ähnlich geht: diese Eigenschaften, die Paulus aufzählt, mit denen glänzen wir nicht immer, wir kriegen das nicht immer hin!  Von uns aus sind wir anders. Von uns aus sind wir oft genug nicht freundlich, sanftmütig, geduldig und in der Lage, einander zu ertragen. Und das merken wir an vielen Stellen, der eine mehr, der andere weniger. Und trotzdem bleiben wir Menschen, für die Gott sich entschieden.  Und an denen er arbeitet! Er hat die Hoffnung mit uns noch lange nicht aufgegeben! Und durch die Kraft seines Geistes arbeitet er an uns,   und nach und nach schafft er es, dass er uns verändert. Nicht alles auf einmal, aber doch in einzelnen Dingen.   Und ich bin überzeugt: er hat schon eine ganze Menge geschafft! Bei dir und bei mir. Und dabei sollten wir jetzt mal an die Situationen denken, in denen wir nämlich wohl besonnen reagiert haben. Wo wir uns eben doch auf die Zunge gebissen und uns nicht haben provozieren lassen. Oder wo wir doch mehr Geduld aufgebracht haben, als es eigentlich möglich war. Wo wir nicht so schnell wie früher aus der Haut gefahren sind.   Auch darin zeigt es sich, dass die Kleider, von denen Paulus spricht, nicht unsere Kleider sind, nicht von uns gemacht! Von uns aus können wir uns nur ganz schwer verändern. Weil wir oft so drin sind in unseren Gewohnheiten und Verhaltensmustern. Aber das Kleid, das uns von Gott gegeben wird, dieses Kleid weist darauf hin: wo wir Gott an uns und in uns wirken lassen, da ist Veränderung möglich! Und auch da sieht Gott uns viel barmherziger als wir selbst uns oft sehen. Er traut uns dort Veränderung zu, wo wir vielleicht schon längst aufgegeben haben. Er sieht schon die Fortschritte, die wir erst noch machen müssen.  Darum: die neuen Kleider stehen uns gut!

 
3.: Die neuen Kleider brauchen Pflege
In den Kleidern, die man kauft, sind hinten drin kleine Zettel mit den Pflegehinweisen. Was mit 30 oder mit 60° gewaschen werden kann. Was man selber bügeln darf oder was in die Reinigung muss.  Kleider brauchen Pflege. Das ist mit dem neuen Kleid, das Gott uns gibt, auch so. Und auch dafür finden wir im Bibelabschnitt Pflegehinweise. Ganz einfache Hinweise sind es: ‚Gebt dem Wort Raum, in dem Christus bei euch gegenwärtig ist. Lasst es seinen ganzen Reichtum unter euch entfalten.‘   Gottes Wort soll also bei uns wohnen, es soll bei uns zuhause sein. Gottes Wort soll zu uns gehören wie selbstverständlich. Das kann es am besten, wenn ich mich diesem Wort so oft wie möglich aussetze. Dass ich Gott die Chance gebe, dass er mich ansprechen und mich erreichen kann. Vielleicht durch das Kalenderblatt am Morgen, oder durch die kurze Andacht im Radio.  Und viele machen es auch so, wie ihr heute: sie gehen zur Kirche und hören hier Gottes Wort. All das sind Gelegenheiten, in denen Gott uns das schöne Kleid hinhält, damit wir es anziehen!

 
Frauke freut sich immer wie’n Keks über ihre neuen Kleider vom ‚Freimarkt‘ ;-)  Und so wollen wir uns über die neuen Kleider Gottes freuen. Sie stehen uns gut!  Amen.
Zurück zum Seiteninhalt