Predigten Juni 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Juni 2015

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Predigt über Markus 4, 26 – 29; 4. Sonntag nach Trinitatis; 28.06.2015

Liebe Gemeinde, jeder hat sicher so eine kleine Tüte mit Blumensaat auf seinem Platz gefunden – ein kleiner Gruß unserer Gemeinde. Dass in so einem bisschen Saat etwas liegt, was groß und bunt und lebendig wird, das hab ich ja schon vorhin bei den Taufen gesagt. Ein bisschen Saatgut nur – aber wenn ihr es aussät, dann wird fast wie von selbst eine wunderbar bunte, schöne Blumenwiese draus. Nicht von heute auf morgen – aber es wird wachsen! Und dann, wenn’s soweit ist, blühen. Saatgut aussäen und geduldig warten auf das, was dabei herauskommt - davon erzählt auch der Bibelabschnitt, den ich für heute ausgesucht habe – ich lese Markus 4, 26-29:

Zu den versammelten Menschen sagte Jesus: „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit dem Bauern und seiner Saat: Hat er gesät, dann geht er nach Hause, legt sich nachts schlafen, steht morgens wieder auf - und das viele Tage lang. Inzwischen geht die Saat auf und wächst; der Bauer weiß nicht wie. Ganz von selbst lässt der Boden die Pflanzen wachsen und Frucht bringen. Zuerst kommen die Halme, dann bilden sich die Ähren, und schließlich füllen sie sich mit Körnern. ...“

Klar: die Hobbygärtner unter uns denken nun jetzt sicher: ‚So einfach ist das auch nicht!
Mit dem Säen allein ist es ja nicht getan! Da muss auch Unkraut gejätet und gedüngt werden.‘ Jeder weiß: Gärtner und Bauern müssen hart arbeiten, wenn sie ernten wollen!
Mit „Abwarten und Tee trinken“ kommt man nicht weiter. Nicht nur Gärtner und Bauern nicht, wir andern auch nicht. Morgen ist wieder Montag und keiner kann es sich in der neuen Woche leisten, dass er nur abwartet und sagt: „Wird schon werden.“ Die letzten Klassen-
arbeiten vor den Versetzungszeugnissen stehen an. Und wer da nicht anständig gelernt hat, für den kann’s eng werden. Wer ab morgen auf der Arbeit nur mit den Händen in den Taschen rumsteht und nicht ordentlich anpackt, der muss sich nicht wundern, dass er fliegt. Und wer darauf wartet, dass die Wäsche sich von alleine bügelt und das Essen von selbst gelingt, der ist schief gewickelt, das klappt sogar mit’m Thermomix nicht. ‘Von nichts kommt nichts!‘

Aber wie denn nun?! Hat das, was Jesus uns heute sagen lässt, hat das seinen Sinn verloren? Gilt das nicht mehr? Oder hat Jesus einfach keine Ahnung? Weiß er nicht,
wie sehr wir uns oft abrackern müssen? Ich glaube, es ist anders. Jesus weiß, was der Bauer und was wir wissen: dass wir im Normalfall viel Arbeit haben – in unserem Beruf, in der Schule, in der Familie. Aber er weiß auch: das, was wir tun, ist nur die eine Seite! Die andere Seite ist: das, was wir getan haben, muss sich auch setzen können. Braucht seine Zeit, in der es sich entfalten kann. Wenn wir immer nur ‚tun‘ – das bringt‘s nicht! Wer vor einer Klassenarbeit drei Tage von nachmittags bis abends nur noch lernt, dem raucht der Kopf und der kann sich nicht mehr konzentrieren und nichts mehr aufnehmen. Wer auf der Arbeit von morgens bis abends ohne Pause durcharbeitet, der wird bald merken: ich kann nicht mehr! Und: das, was bei meiner Arbeit rauskommt, ist auch nicht mehr so gut! Ich mache mehr Ausschuss! Und wer in seinem Haushalt, in seiner Familie nur rund um die Uhr rotiert und immer nur macht und tut, der wird bald völlig erschöpft sein.
Jeder weiß: zwischendrin müssen wir zur Ruhe kommen, sonst drehen wir irgendwann am Rad. Wir müssen auch mal die Arbeit aus der Hand legen und die Dinge sich selbst über-
lassen. Der Bauer im Gleichnis weiß das: dass er sein Teil tun muss, nämlich das Saatgut aussäen. Und dass er dann darauf warten muss, dass da was draus wird, dass es wächst und blüht und gedeiht. Diesen Zusammenhang greift Jesus auf und er sagt: So ist es mit dem Reich Gottes auch! Dass Gott bei einem Menschen ankommt. Dass sein Wille sich durchsetzt. Dass Gott anfangen kann, einem Menschen Gutes zu tun! Das ist wie Saat aussäen und dann darauf warten, dass sie aufgeht und wächst. Im ursprünglichen Bibeltext, da steht an dieser Stelle ein Wort, das wir alle kennen: „automatae“, automatisch. Jesus sagt also: wenn das Saatgut ausgestreut ist, dann passiert ganz automatisch etwas, ohne dass Menschen eingreifen können und müssen. Von selbst bringt die Erde Frucht. Und das ist nicht nur mit Getreide oder Blumensaat so. Das ist auch mit dem Reich Gottes so. Also dass Er einem Menschen wichtig wird und sein Leben positiv verändert.

Unsere Aufgabe dabei ist es, dass wir aussäen. Und das sollen wir tun! So wie der Bauer es auch tut. Aber wir säen keine Blumen- oder Getreidesaat – unser Saatgut ist Gottes Wort. Das, was von ihm in der Bibel steht. Wie er über uns denkt und was er mit uns vorhat. Und das, was wir schon mit ihm erlebt haben, das ist auch Saatgut. Und das streuen wir aus – z.B. wenn wir mit unseren Kindern beten, abends bevor sie einschlafen. Mit Kindern beten – das ist Saatgut ausstreuen. Ich krieg jeden Montag und Dienstag mit, dass gleich neben meinem Büro Saatgut ausgestreut wird – wenn die Krabbelkreise sich treffen und fröhliche Lieder singen. In denen Gott vorkommt. Das ist ‚Saatgut ausstreuen‘. Und wenn ihr in den Chören singt und Musik macht - dann wird Saatgut ausgestreut! Ihr singt ja nicht irgendwas – sondern ihr transportiert sozusagen mit eurer Musik und mit euern Liedern das, was Gott uns sagen möchte. Als erstes erreicht es euch selbst – wenn ihr eure Lieder singt, dann fällt dieses besondere Saatgut erstmal in euer eigenes Herz. Und wenn ihr dann im Gottesdienst singt, dann streut ihr es auch wieder aus – dann erreicht die gute Saat von Gottes Wort uns. Durch euch. Ihr seid Gottes Sä-Leute!

Dass das Saatgut ausgestreut wird, dass das unter die Menschen kommt, was Gott ihnen gerne sagen will, das passiert jeden Tag. Und dass das passiert, das ist unsere Aufgabe. Aber dass dann was draus wird, das ist Gottes Sache! Manchmal dauert das Jahre. Aber Jesus sagt: da müsst ihr nicht dran verzweifeln! Ihr könnt da nichts dran drehen. Ihr müsst Gott einfach machen lassen! Eine Sache, die ich dazu gelesen habe, hat mich schwer be-
eindruckt: man hat in Pharaonengräbern Saatgut gefunden, das war‘n paar tausend Jahre alt. Und irgendeiner hat davon einige Körner in die Erde gesteckt – und aus diesen uralten Saatkörnern wuchs Getreide! Und wenn das bei Getreide schon so ist, da brauchen wir uns um das Reich Gottes doch keine Sorgen zu machen, oder?! Da, wo das Saatgut ausgestreut wurde, da kann es wachsen, manchmal noch nach Jahren! Vor einigen Jahren wurde ich von einem Elternpaar angerufen. Ihr Kind sei so schräg drauf. Im besten Teenageralter und statt sich am Leben zu freuen und auf Tour zu gehen und so würde es ständig Dinge tun, die nicht gut sind und sich selbst verletzen. Die Eltern waren verzweifelt, schließlich hatten sie alles getan, damit ihr Kind einen guten Start hat. Gemeinsam haben wir überlegt, was wir machen können. So gut wir konnten, sind wir auf dieses Kind eingegangen. Haben auch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Und wir haben mit Gott über dieses Kind gesprochen, wir haben gebetet. Irgendwann, nach und nach, wurde es besser, und ist aus dem Sorgen-
kind ein prächtiger junger Erwachsener geworden, der aus seinem Leben echt was macht! Da ist gute Saat aufgegangen! Gott hat aus dem, was wir so gut wir konnten ausgesät haben, was Tolles wachsen lassen! Oder ich weiß von einem jungen Paar. Die beiden meinten es wirklich ehrlich miteinander und waren dabei, sich was aufzubauen. Aber die Eltern funkten ständig dazwischen. Wollten sie, auch was den Glauben angeht, in eine be-
stimmte Richtung drängen. Rausgekommen ist das Gegenteil, die wollten vom Glauben gar nichts mehr wissen. Und irgendwann haben die Eltern sich dann getraut, ihre Kinder wirklich Gott zu überlassen. Nicht mehr reinzufunken. Sich raus zu halten. Und siehe da – es klappt jetzt nicht nur vom menschlichen her viel besser miteinander, sondern die jungen Leute können jetzt auch wieder was mit dem Glauben anfangen. Jemand, dem es im Moment gesundheitlich ziemlich dreckig geht, erzählte mir: jetzt, wo ich krank bin, hab ich wahnsinnig viel Zeit und da kommen mir viele Gedanken, die ich sonst immer verdrängt habe. Und komisch – immer wieder kommt mir ein Lied in den Sinn, das meine Oma mir früher immer vorgesungen hat, dass Gott auch im Dunkeln bei mir ist. Ich hab’ jahrelang nicht an dieses Lied gedacht und an Gott auch nicht – aber jetzt ist es da und es macht mich ruhig und trö-
stet mich.

Gottes Reich wächst mitten unter uns. Seine gute Saat geht auf! Von hier aus habe ich ei-
nen tollen Ausblick – ich sehe auf ein ganzes Feld aufgegangener Saat! Das seid Ihr, liebe Gemeinde! Bei euch ist das Saatgut schon gewachsen und zur Blüte gekommen – sonst wärt ihr ja nicht hier! Ausstreuen und säen, das ist unsere Sache. Aber das Aufwachsen und die Ernte, das ist Gottes Sache. Und mancher hat das erlebt, dass da was gewachsen ist, wo sie vielleicht gar nicht mehr damit gerechnet haben. Darum lasst uns weitermachen, die gute Saat von Gottes Wort auszustreuen! Wir werden noch ganz große Augen machen, wenn wir später mal sehen, was Gott daraus hat wachsen lassen! Amen.




Predigt über Lukas 19, 1-10; 3. Sonntag nach Trinitatis; 21.06.2015

Liebe Gemeinde, ein kleiner Junge aus einem Vorort von Berlin fragt eines Tages eine feine Dame nach dem Kurfürstendamm. Die vornehme Frau schaut den kleinen Steppke durchdringend an und sagt: „Junge, wenn du mich was fragst, dann nimm erstmal die Hän-
de aus der Tasche, zieh die Mütze vom Kopf, putz dir anständig die Nase, mach eine Ver-
beugung und sag ‚Gnädige Frau' zu mir!" Darauf antwortet der Junge: „Det ist mir vill zu ville, da verloof ick mir lieba!" Wie gut, dass Jesus nicht erstmal –zig Sachen aufzählt, die wir erfüllen müssen, bevor er uns auf den rechten Weg hilft. Lukas erzählt in seinem Evangelium davon:

Jesus ging nach Jericho hinein und zog durch die Stadt. Dort lebte ein Mann namens Zachäus. Er war der oberste Zolleinnehmer in der Stadt und war sehr reich. Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Aber er war klein und die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht. So lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus sehen zu können; denn dort musste er vorbeikommen. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und redete ihn an: „Zachäus, komm schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!“ Zachäus stieg schnell vom Baum und nahm Jesus voller Freude bei sich auf. Alle sahen es und murrten; sie sagten: „Bei einem ausgemachten Sünder ist er eingekehrt!“ Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: „Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand zu viel abgenommen habe, will ich es ihm vierfach zurückgeben.“ Darauf sagte Jesus zu ihm: „Heute ist dir und deiner ganzen Hausgemeinschaft die Rettung zuteil geworden! Auch du bist ja ein Sohn Abrahams. Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.“

Liebe Gemeinde, für mich gehört diese Begegnung zwischen Zachäus und Jesus zu einem der faszinierendsten Abschnitte im neuen Testament. Weil hier so deutlich wird, wie Jesus denkt, wie er tickt und wie er handelt. Und wie dadurch das Leben eines Menschen verändert wird. Drei Beobachtungen dazu:

1.: Neugier tut gut! Von Zachäus erfahren wir einige Eigenschaften. Er ist klein – jedenfalls was seine Körpergröße angeht. Aber so klein er auch ist - er ist groß im Betrügen. Das hängt mit seinem Beruf zusammen - er ist Zöllner. Zöllner kennen wir heute überwiegend vom Flughafen. Wenn wir nach dem Urlaub zurückkommen und durch die Zollkontrolle müssen. Einiges an Zigaretten oder Alkohol oder Schmuck kann man in bestimmten Mengen ja mitbringen. Und wenn man darüber kommt, dann gelten ganz bestimmte Sätze, die man dann dafür an Zoll bezahlen muss. Und die Zöllner achten darauf, dass der Staat nicht um diese Einnahmen betrogen wird. Zöllner – heute ein ehrenwerter Beruf! Damals war das anders. Damals arbeiteten die Zöllner eng mit der römischen Besatzungsmacht zusammen und nahmen oft viel mehr Gebühren ein, als erlaubt war. Das, was sie mehr einnahmen, steckten sie in die eigene Tasche. Und weil sie sich so auf Kosten anderer bereicherten, waren Zöllner damals nicht besonders beliebt. So einer ist Zachäus, sogar Oberzöllner – das heißt, er hat es über etliche andere Zöllner zu sagen – und von dem, was sie zu viel einnehmen, müssen sie ihm was abgeben, als Provision. Auf diese Art und Weise hat er es zu viel Geld gebracht – er ist reich. Aber er ist nicht nur reich, er ist auch neugierig! Und an diesem einen, besonderen Tag, um den es jetzt geht, da packt ihn seine Neugier – als er hört: Jesus soll durch Jericho kommen! Das treibt die Leute an die Straße. Alle wollen Jesus sehen - denn von ihm erzählt man sich wunderbare Dinge, erst eine Woche vorher hat er ganz in der Nähe einen Blinden geheilt. Das war natürlich Tagesgespräch. Und als nun Jesus durch Jericho kommt, wollen viele ihn sehen. Dichtes Gedränge überall – und Zachäus mitten drin in der Menge. Aber so sehr er auch seinen Hals streckt und sich auf die Zehenspitzen stellt - er sieht nichts. Aber er ist ja nicht doof! Ruckzuck klettert er auf einen Maulbeerbaum, der seine Äste weit über die Straße streckt. Von dort oben kann er wunderbar sehen, wenn Jesus kommt. Und nun müsst ihr euch mal vorstellen, wie die andern Leute kucken, als er Klimmzüge macht und sich am Baum hochhievt und auf dem Ast langrobbt. Immerhin ist Zachäus eine stadtbekannte Persönlichkeit, schon allein wegen seines Reichtums. Und dieser reiche Herr klettert auf einen Baum, um Jesus zu sehen. Aber es ist ihm egal, was die Leute darüber denken und ob sie vielleicht über ihn lachen. Hauptsache, er sieht die Attraktion des Tages; Hauptsache, er sieht Jesus!

Dass sie Jesus sehen wollen – und sei es aus purer Neugier - das wünsche ich mir so für viele Menschen: dass sie kommen, um ihn zu sehen! Dass sie in seine Nähe kommen. Zachäus damals auf dem Baum. Auf Bäume steigt heute keiner mehr, um Jesus zu sehen – schon gar nicht hier bei uns. Aber vielleicht geht jemand zur Kirche, weil er jemanden oder etwas Bestimmtes sehen möchte. Da singt oder spielt ein bestimmter Chor und einer denkt: „Wenn de un de singen, dann gaoh ick naot Kark henn!“ Wunderbar! Andere kommen, weil sie es gerne mitkriegen wollen, wenn ihr Kind hier was aufführt oder wenn ihr Kind, ihr Enkel oder das Nachbarskind hier vorne in der Kirche seinen Namen sagt und sich als neuer Konfirmand vorstellt. Es ist wunderbar, wenn Menschen zur Kirche kommen, weil ihr Kind Tauf-Erinnerung hat oder eingeschult wird. Und solche Anlässe müssen wir schaffen! Damit Menschen neugierig werden! Damit sie einen Grund haben, hierher zu kommen! In die Nähe von Jesus! Natürlich – es kann gut sein, dass diese Stunde in der Kirche dann an vielen spurlos vorbeigeht. Dass sie nicht berührt werden und dass da nicht großartig was an Glauben geweckt wird. Das war damals ja auch so – hunderte von Menschen waren fast auf Tuchfühlung mit Jesus, als er durch Jericho zog. Die waren froh, dass sie später erzählen konnten „Ich hab Jesus gesehen!“ – und das war‘s dann. Wir hören nur von Einem, bei dem es anders war, eben von Zachäus. Aber für ihn war es so, dass sein ganzes Leben dadurch verändert wurde. Zum Guten hin. Und dafür hat sich der Aufwand gelohnt! Für diesen Einen hat es sich gelohnt, dass Jesus durch Jericho gezogen ist. Und ich weiß von manchen, denen es auch so ging. Dass sie im Grunde genommen aus Neugier oder aus Zufall hier in der Kirche waren – und sie wurden dadurch verändert!

2.: Zachäus hat gute Aussichten! Keiner in ganz Jericho kann Jesus so gut sehen wie Zachäus auf seinem Baum! Und als Jesus an diesem Baum vorbeikommt, bleibt er stehen, kuckt nach oben und sagt: "Zachäus, komm schnell runter, denn ich muss heute dein Gast sein!“ "Zachäus", sagt Jesus. Das ist typisch Jesus! Da mögen die Blätter vom Feigenbaum noch so dicht sein – Jesus sieht den Zachäus. Und er kennt gleich den Namen von dem, der da aufm Baum sitzt! Und er kennt auch jeden von uns mit Namen. Dich auch! Egal, wo du bist - Jesus hat dich im Blick! Egal, wie klein du dich fühlst - Jesus kennt dich mit Namen! Egal, in welchen Zweigen, in welchen Verzweigungen des Lebens du verborgen bist – Jesus sieht dich, und er geht nicht einfach weiter, sondern er bleibt vor dir stehen und spricht dich mit deinem Namen an! Er weiß, wie es in deinem Leben aussieht. Er weiß, wo es drückt, wo es wehtut. Und dann bittet er: "Komm herunter! Ich will heute in dein Haus kommen."
Wenn die Zeit reif ist, dann findet Jesus eine Gelegenheit, einem Menschen zu begegnen. Auch wenn der selber damit gar nicht gerechnet hat. Zachäus hat mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass Jesus ihn sieht. Noch viel weniger, dass er ihn mit seinem Namen anspricht. Und schon gar nicht, dass er sich bei ihm einlädt und mit ihm feiert. Und trotzdem sagt Jesus: „Zachäus, gaoh man gau nao Huus henn, schill al’maol Tuffels, sett Teewaoter up un stell genug Wien in’t Kühlschrank – wenn ick hier klor bünn, koom ick bie die un will mit die un dien Frünn fiern!“ Und das lässt Zachäus sich nicht zweimal sagen: "Er stieg sofort vom Baum und nahm Jesus auf mit großer Freude... und Jesus sagte zu ihm: Heute hat Gott dich angenommen!" Und vor lauter Freude gibt er ein Festessen, dass sich die Tische biegen.

Zachäus freut sich - aber andere ärgern sich. Sie ärgern sich, weil Jesus ausgerechnet zu ihm gegangen ist. Allgemeine Empörung macht sich breit - das hatten sie von Jesus nicht erwartet. Ja, wenn er zum Mittagessen beim Bürgermeister oder wenigstens beim Pastor eingekehrt wäre - das wäre in Ordnung gewesen. Aber doch nicht beim Zachäus, der ist das doch gar nicht wert! Und darum meckern sie: "Bei einem Sünder ist er eingekehrt!" Und ohne es zu wissen, fassen sie mit diesem einen Satz die ganze Bibel zusammen: "Bei einem Sünder ist er eingekehrt!" Das ist das Evangelium pur! Deutlicher kann man es nicht mehr sagen: Jesus kommt zu den Sündern! Jesus kommt zu denen, die ganz weit weg sind von Gott! Jesus ist nicht auf der Suche nach den Selbstgerechten, sondern nach denen, die es vielleicht deutlich spüren: mein Leben ist nicht so, wie es sein sollte! Zu denen geht Jesus: "Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken." sagt er bei einer anderen Gelegenheit. Natürlich weiß Jesus, dass die Art, wie Zachäus die Leute betrügt, eine Schweinerei ist. Jesus sieht die Schweinerei, die Zachäus tut - aber dahinter sieht er den Menschen, der nichts so sehr braucht wie die Begegnung mit Jesus. Jesus weiß: trotz seines Reichtums ist Zachäus ein armes Würstchen – und gerade deshalb geht er zu ihm. "Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen!"

3.: So einfach ist das? Sie einfach ist das! Manchmal nagt das in mir. Manchmal ist mir das zu einfach – dass Jesus es einem Menschen so einfach macht, selig zu werden. Heil zu werden. Mein Weg war ja ganz anders. Ich habe Jahre in meinem Lebenslauf, in denen ich eine andere Vorstellung, ein anderes Bild von Gott hatte: dass er mir im Grunde genommen hunderttausend Vorschriften machen will. Als Christ darfst du nicht tanzen und du darfst nicht ins Kino und du darfst kein Bier trinken. Du darfst dies nicht und du darfst das nicht. Und Gott passt genau auf, ob ich auch alles richtig mache – und wenn ich etwas nicht richtig mache, dann würgt er mir dafür einen rein. So saß das über eine ziemlich lange Zeit in mir – dass ich eigentlich gar nicht gut genug für Gott bin. Dass ich erstmal besser werden muss, damit ich ihm gefallen kann. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich es dann irgendwann begreifen und für mich annehmen konnte: Jesus sieht das ganz anders! Viel einfacher! Viel menschlicher! Und wie Jesus das sieht, das sehen wir vielleicht nirgendwo deutlicher als bei Zachäus. Er stellt ihm keine Bedingungen! Macht nicht hunderttausend Vorschriften! Und das ist ja gerade das Herrliche, dass er keine Bedingungen stellt! Er sagt nicht zu Zachäus: werd‘ erstmal ein anständiger Mensch, entschuldige dich bei allen, die du betrogen hast, zahl das geklaute Geld zurück, bring dein Leben erstmal in Ordnung. Und wenn du das alles gemacht hast, dann komme ich zu dir. Kein Wort davon! Jesus sagt zu diesem Zachäus: Du, ich möchte zu dir! Das ist alles! Keine einzige Bedingung, dafür aber eine einzigartige Verheißung: "Ich komme, um die Verlorenen zu suchen und selig zu machen." Selig will er dich machen! Dass dein Leben ins Reine kommt. Mit dir selbst, mit anderen, mit Gott. Jesus stellt dir keine Bedingung - er macht dir eine Verheißung. Er stellt sich ganz einfach vor dich hin und sagt: Du, ich möchte in dein Leben hinein. Und Zachäus trat vor den Herrn und sagte: "Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemanden betrogen habe, so will ich ihm das Vierfache zurückgeben." Die Begegnung mit Jesus verändert sein Leben. Er bekommt die Kraft, das zu ändern, was nicht in Ordnung ist. Nicht als Vorbedingung, sondern als Folge der Begegnung mit Jesus. Das ist heute noch genauso. Wer sich auf Jesus einlässt, der muss damit rechnen, dass sich in seinem Leben etwas verändern wird. An welcher Stelle das nötig ist, das ist bei jedem anders. Zachäus wurde fähig, ehrlich zu sein. Bei mir war es so, dass ich nach und nach lernte, mich selber anzunehmen. Von jemand anderem weiß ich, dass er nicht mehr fast jede Nacht vor irgendwelchen Pornoseiten im Internet sitzt. Ein anderer hat es geschafft,
mal einen Urlaub zu buchen und zwei Wochen wirklich auszuspannen. Jemand fällt mir ein, der nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit eine „Notlüge“ erfindet und es geht ihm viel besser damit als vorher. Keine erfundenen Beispiele. Ich könnte euch die Namen dazu nennen. Von Menschen, die ihr wahrscheinlich kennt. Die erlebt haben, dass es für sie gut war, in die Nähe von Jesus zu kommen. Manche auch aus purer Neugier. Aber diese Art von Neugier tut gut! Und wir als Gemeinde tun gut daran, diese Neugier zu wecken! Damit Menschen in die Nähe von Jesus kommen! Und Er mit ihnen neu anfangen kann! Das ist doch was! Amen!



Predigt über Lukas 14, 15-24; 2. Sonntag nach Trinitatis; 14.06.2015

Liebe Gemeinde, bei uns im Esszimmer liegen in einem Fach einige Einladungen, die Ulrike und ich bekommen haben: zur Gartenparty bei Bekannten zum „50.“, zu einem „80.“ in unser schönes Spetzer Fehnhuus und zu etlichen anderen Feiern. Egal, wozu: eingeladen zu werden ist etwas Schönes! / Im Predigttext, der für heute dran ist, geht es auch um eine Einladung. Eine Einladung zu einem großen, festlichen Abendessen. Lukas berichtet davon in seinem Evangelium: Jesus erzählte: "Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud.“

Wir ahnen es: der Gastgeber ist Gott selbst! Immer wieder malt Jesus uns dieses Bild vor Augen: Gott ist jemand, der es mit uns zu tun haben möchte! Wie einer, der ein Fest mit seinen Angehörigen und Freunden feiern will. Dazu lädt man ja nur die ein, mit denen man sich auch gut versteht. Zum runden Geburtstag, zur Silbernen Hochzeit - da lädt man ja keinen ein, den man nicht ausstehen kann. Wir laden die ein, an denen uns was liegt. Weil wir mit ihnen einige frohe Stunden genießen möchten. Wo man für eine bestimmte Zeit den Alltag vergessen kann. Ein Fest ist eine Zeit, wo man aus dem täglichen Einerlei rauskommt, wo man anderen begegnet, mal Zeit hat, um miteinander zu reden, vielleicht miteinander zu singen und zu tanzen, fröhlich zu sein. Ein Fest ist eine Gelegenheit, bei der es mal nicht um das geht, womit ich mich immer beschäftigen muss, sondern eine Auszeit. Und zu so einer Auszeit eingeladen zu werden, das ist schön! Und dazu laden wir die ein, mit denen wir gerne zusammen sind. Und genau so macht Gott das auch: er lädt die ein, an denen ihm was liegt. Und wir gehören dazu! Das ist das, was Jesus uns heute sagen will: Gott möchte dich bei seinem Fest dabei haben – du bist persönlich eingeladen! Er, Gott – der große Gastgeber. Der großzügig alles plant und vorbereitet. Die Frage ist: wie gehen wir mit dieser Einladung um? Nehmen wir sie an oder geht es uns so wie denen, von denen Lukas erzählt: Als alles fertig war, schickte er seinen Boten zu den Eingeladenen: 'Alles ist vorbereitet, kommt!' Aber niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden. Einer sagte: 'Ich habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!'
Ein anderer sagte: 'Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft.
Die muss ich jetzt ansehen!' Ein dritter entschuldigte sich: 'Ich habe gerade geheiratet.
Du wirst verstehen, dass ich nicht kommen kann.' Weißt schon, die Flitterwochen...

Dieser Gastgeber hat das erlebt, was kein Gastgeber erleben möchte: er hat früh genug eingeladen, er hat den Saal bestellt, das Essen ausgesucht, die Musik besorgt, er hat für gute Unterhaltung gesorgt - und kurz bevor es losging, da hat er allen, die eingeladen
waren, noch eben wieder erinnern lassen, damit sie es nicht vergessen. Aber seine Boten erleben eine Pleite nach der anderen: drei Gäste nacheinander sagen kurzfristig ab! Der eine hat gerade in Immobilien investiert, der andere will seinen Betrieb erweitern, der dritte hat eine Familie gegründet. Darum sagen sie alle der Reihe nach ab!

Das ist ja eigentlich unverschämt! Jesus will damit sagen: so unverschämt gehen viele
Menschen mit Gott um! Was wir uns bei Menschen nie erlauben würden, dass nehmen sie sich bei Gott heraus! Da bekommst du eine Einladung zu einer Feier - und eigentlich hast du gar keine Lust. Aber du überlegst: das kann ich nicht machen! Da kann ich nicht einfach wegbleiben! Und dann gehst du hin - und ich jedenfalls habe es schon oft erlebt: wenn du erst mal da bist, dann kommst du auch in Stimmung und hast viel Spaß! Menschen geben wir so leicht keinen Korb, wenn sie uns einladen - aber gegenüber Gott sieht das oft anders aus. Da sagen manche: Ich habe keine Zeit! Ich habe kein Interesse! Ich habe genug an-
deres um die Ohren! Einer geht in die schöne Natur, ein anderer muss ins Geschäft, ein dritter schielt auf sein Hobby. Jeder hat zu tun. Jeder hat seine Gründe: Ich bin zu jung! Ich bin zu beschäftigt! Ich habe schon eine andere Verabredung – mit meinen Freunden, mit meiner Familie, mit meinem Verein. Ich muss putzen. Ich muss aufräumen. Ich kann die Luft in der Kirche nicht ab, ich krieg dann immer Beklemmungen. Ich bin schon so alt und komme so schlecht hoch. So ergeht Gott es mit seiner Einladung oft mit uns Menschen. Und sie haben vielleicht auch gar nichts gegen den Gastgeber! Aber das, was bei ihnen im Moment gerade so dran ist, das ist ihnen wichtiger als seine Einladung. Darum sagen sie ab. Und machen wir uns nichts vor, liebe Gemeinde: das passiert ganz leicht! Das passiert ganz leicht, dass wir Gott einen Korb geben und dort wegbleiben, wo er uns gerne haben möchte.
Nicht, weil wir was gegen Gott hätten. Sondern meist einfach darum, weil wir so beschäftigt sind. Da ist unser alltägliches Leben mit seinen ganzen Herausforderungen, und da sind die Sachen, die uns besonders viel Kraft und Zeit kosten. Und solche Zeiten gibt es ja in jeder Lebensphase. Bei Jüngeren ist es oft der Beruf. Man muss in die Hände spucken. Sich eine Existenz aufbauen. Vielleicht ein Haus bauen, eine Familie gründen. Und wenn dann vielleicht Kinder da sind, dann merkt man schnell: die halten einen ganz schön in Atem - über Jahre hinweg! Und wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, dann geht es vielen so, dass sie mit ihren altgewordenen Eltern zu tun haben, die nicht mehr so gut können oder Pflege brauchen. Mancher hat vielleicht in seiner Familie auch schwere Last zu tragen – da wird der Mann krank oder die Frau. Man macht sich Sorgen, was aus den Kindern wird. Vielleicht ist man selber krank. Alles Dinge, die Kraft kosten. Und weil sie uns so in Anspruch nehmen, stehen sie uns manchmal auch im Weg, Gottes Einladung anzunehmen.

In dem Gleichnis sagen die Gäste ja auch ab, weil sie von ihrem ganz normalen Leben so in Anspruch genommen sind. Und Jesus macht die Gründe nicht schlecht! Er hat nichts dagegen, dass wir uns um unseren Beruf kümmern. Er hat nichts dagegen, dass wir uns engagieren. Er hat nichts dagegen, dass uns unsere Familie wichtig ist. Ganz im Gegenteil: das sind ja die Bereiche, in die wir hineingestellt sind und wo wir Verantwortung tragen. Wir müssen uns um unser Einkommen kümmern, wir müssen uns um unsere Familie kümmern, wir müssen uns um Vieles kümmern – das ist überhaupt keine Frage! Die Frage ist nicht, dass wir uns um diese ganzen Dinge kümmern - die Frage ist: wie viel Raum und Zeit und Aufmerksamkeit gestehen wir ihnen zu? Beherrschen sie uns durch und durch? Kosten sie uns so viel Zeit, so viel Nerven, so viel Kraft, dass wir für Anderes keine Zeit, keine Kraft, keine Nerven mehr haben? Das ist das Problem und darum wird der Gastgeber böse! Er will denen, die er einlädt, Gutes tun – dass sie einmal einige Zeit abschalten können! Fröhlich feiern und sich nicht mal um sich selbst drehen müssen. Aber sie klammern sich so fest an ihren Alltag, dass sie für nichts anderes mehr offen sind. Und wenn das unsere Grundeinstellung ist, dann läuft etwas total aus dem Ruder. Und dann schaden wir uns selbst! Dann haben wir nicht begriffen, um was es Gott eigentlich geht: dass er zu seinem Fest einlädt – das ist ja ein Bild, ein Vergleich dafür, dass er uns helfen will, dass wir unser Leben in den Griff kriegen! Er möchte doch mit anpacken! Gott weiß doch ganz genau: wenn wir sagen ‚Ich bin selbst meines Glückes Schmied‘ - und wenn wir das durchziehen wollen – dann übernehmen wir uns hoffnungslos dabei! Dann muten wir uns viel zu viel zu! Mehr als wir leisten können! Und mehr, als wir leisten müssen! Denn Gott hat uns nicht dazu geschaffen, dass wir unser Leben mit eigener Kraft und auf eigene Faust irgendwie hinkriegen müssen! Sondern dabei will er uns helfen! Die Frage ist also: meinst Du, dass deine Kraft reicht, um das Leben zu bestehen, oder willst du dir von Gott dabei helfen las-sen? Kannst du dir alleine Mut zusprechen, wenn du eine schwere Aufgabe vor dir hast - oder darf Gott dir Mut machen? Kannst du dich selber trösten, wenn du versagt hast - oder darf Gott dir sagen, dass er hundertprozentig auch dann auf deiner Seite ist, wenn du versagt hast? Kannst du dir selber Zuversicht geben, wenn du krank geworden bist - oder darf Gott dich dann an die Hand nehmen und dir helfen, dass du einen vielleicht schweren Weg gehen kannst? Darum geht es Gott, wenn er dich und mich einlädt in seine Nähe, zu seinem Fest. Und wir schaden uns selbst, wenn wir diese Einladung verstreichen lassen! Wir sollten nicht warten, bis alle unsere anderen Geschäfte erledigt sind! Wir sollten nicht warten, bis wir alles verstanden haben. Wir sind jetzt eingeladen! Gott erwartet uns! Dich! Mich! Jetzt!

Und genau darum seid ihr ja hier heute! Ich finde das faszinierend, wer sonntags im Schnitt hier so in der Kirche ist. Durchweg Menschen, von denen auch jeder Grund genug hätte zu sagen: oh, bei mir passt es gerade nicht! Ich hab ’ne angeschlagene Gesundheit, da muss ich mich schonen! Oder: ich trage viel Verantwortung für meine Firma – da brauch‘ ich Sonntags komplett für mich! Oder: Ich weiß gar nicht, wo ich die Zeit hernehmen soll – in der Woche ist immer so viel los und ich schaff‘ gar nicht alles! Da brauche ich den Sonntagvormittag, damit ich wenigstens noch das eine oder andere wegarbeite, das liegen geblieben ist! Aber genau so habt ihr euch nicht entschieden! Ihr seid hier! Und damit sagt ihr ja eigentlich: "Ich bin froh, dass ich Gottes Einladung gehört und angenommen habe! Ich bin froh, dass ich zu seiner Gemeinde gehöre! Dass ich mit dabei bin - und dass ich hier in der Kirche eine Auszeit habe und dadurch Kraft gewinne für meinen Alltag!"

In dem Gleichnis, das Jesus erzählt, entscheiden sich die, die eingeladen sind, anders. Verzichten auf das Fest - diese wunderschöne Unterbrechung ihres Alltags. Aber damit ist es noch nicht zu Ende. Das Fest, findet statt - jetzt mit anderen Gästen. Hören wir, wie’s weitergeht: Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der wurde sehr zornig und befahl: 'Geh gleich auf die Straßen, auf alle Plätze der Stadt, und hole die Bettler, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden herein!'

Der Gastgeber sagt das Fest nicht ab! Es ist ja schon alles bereit! Der Braten ist sozusagen schon knusprig, der Wein entkorkt, das Bier angezapft, die Musiker warten nur darauf, dass sie loslegen können. Jetzt erst recht! Wenn die Einen nicht wollen, dann werden eben andere eingeladen! Menschen, die nie irgendwo dazugehören. Die überhaupt nicht damit rechnen. Denen, die damals dieses Gleichnis gehört haben, denen war klar, wie Jesus das meint: er, der Heiland, ist ja eigentlich zu denen gekommen, die zum Volk Gottes gehören. Um ihnen das Heil zu bringen! Um ihnen den Weg zu Gott frei zu machen. Aber von denen haben viele
das abgelehnt! Weil Jesus ihnen zu freundlich von Gott sprach. Weil sie sich daran gestoßen haben, wie er lebt und was er sagt und was er tut! Gerade die, die einen extrem gebildeten Glauben hatten, wenden sich ab und ignorieren die Einladung. Und darum werden andere eingeladen. Das Fest findet statt! Mit denen, die damals nicht weiter zählten: ganz normale Menschen mit ihrem ganz normalen Leben. Fischer, Tischler, Maurer, Mütter, Kinder. So hatten die Menschen es ja erlebt – dass Jesus sich zu ihnen stellte. Dass er für sie da war – und auch für die, die aus diesem ganz normalen Raster rausfielen – Menschen, die geschei-
tert waren. Die ihr Leben vor die Wand gefahren hatten. Über die man hinter vorgehaltener Hand redete. Sie alle sind die, die sozusagen in der zweiten Einladungsrunde dazukommen.
Und dann geht’s weiter: Aber wieder kam der Bote zurück und berichtete: 'Es sind viele gekommen, aber noch immer sind Plätze frei!' 'Geh auf die Landstraßen, und wer auch immer dir über den Weg läuft, den bring her! Alle sind eingeladen. Mein Haus soll voll
werden. Jetzt sind wir bei uns angekommen, liebe Gemeinde! Als dieser Bibelabschnitt aufgeschrieben wurde, da war der Glaube an Jesus Christus längst über Israel hinausgegan-
gen! Menschen in der Türkei waren zum Glauben gekommen, auf Zypern, Malta, in Rom, in Griechenland. Menschen kamen Jesus auf die Spur, bei denen man das nie und nimmer für möglich gehalten hätte. Irgendwann kam der Glaube an Jesus selbst hierher nach Germanien. Zu den Friesen. Die Mönche im Ihlower Koster gaben ihn weiter. Andere auch. Menschen, die keinen Schimmer von Gott hatten – geschweige denn davon, dass Er sie in seine Nähe ruft – solche Menschen wurden vom Glauben an Jesus Christus erfasst. Hörten plötzlich, dass sie eingeladen sind. Und nahmen an! Und so erleben wir es bis heute! Manche haben schon als Kind oder Jugendlicher davon gehört und Gottes Einladung angenommen. Bei anderen ist es anders – bisher hatten sie keinen Draht zur Gemeinde, und dann hören sie auf einmal von dieser Einladung. Vielleicht ist einer zur Kirche gegangen, weil er schlecht fehlen konnte - bei einer Taufe, einer Beerdigung. Und dann hat er gehört, dass Gott ihn meint, ihn einlädt! Und er geht hin! Vielleicht hatte jemand in einer schwierigen Lage ein gutes Gespräch mit einem Menschen, der ihm weiterhelfen konnte – und der ihm auch gesagt hat, dass Gott auch dann da ist, wenn wir Probleme haben. Und er hat es als Einladung gehört! Wie auch immer: bis heute lädt Gott Menschen ein und manchmal wundern wir uns, wer hier so zum Gottesdienst auftaucht oder sonst in der Gemeinde mitmacht. Gott lädt ein, weil er weiß: uns tut es gut, in seiner Nähe zu sein! Und genau darum spricht Jesus heute wieder diese Einladung aus. Damit wir es neu hören, dass wir bei Ihm das empfangen können, was wir zu unserem Leben brauchen. Was hindert uns daran, auch andere einzuladen?! Damit sie es sich auch gönnen, was zu unserem Leben schon dazugehört. Amen.


Predigt über Lukas 16, 19-31; 1. Sonntag nach Trinitatis; 07. Juni 2015

Es war einmal ein reicher Mann, der immer die teuerste Kleidung trug und Tag für Tag im Luxus lebte. Vor seinem Haustor lag ein Armer, der hieß Lazarus. Sein Körper war ganz mit Geschwüren bedeckt. Er wartete darauf, dass von den Mahlzeiten des Reichen ein paar kümmerliche Reste für ihn abfielen. Er konnte sich nicht einmal gegen die Hunde wehren, die seine Wunden beleckten. Der Arme starb und die Engel trugen ihn an den Ort, wo das ewige Freudenmahl gefeiert wird; dort erhielt er den Ehrenplatz an der Seite Abrahams. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Totenwelt litt er große Qualen. Als er aufblickte, sah er in weiter Ferne Abraham, und Lazarus auf dem Platz neben ihm. Da rief er laut: ‚Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und meine Zunge ein wenig kühlen, denn das Feuer hier brennt entsetzlich.‘ Aber Abraham sagte: ‚Mein Sohn, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten das dir zugemessene Glück erhalten hast, Lazarus aber nur Unglück. Dafür kann er sich nun hier freuen, während du Qualen leidest. Außerdem liegt zwischen uns und euch ein riesiger Graben. Selbst wenn jemand wollte, könnte er nicht zu euch kommen, genauso wie keiner von dort zu uns gelangen kann.‘ Da bat der reiche Mann: ‚Vater Abraham, dann schick Lazarus doch wenigstens in mein Elternhaus! Ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit sie nicht auch an diesen schrecklichen Ort kommen!‘ Doch Abraham sagte: ‚Deine Brüder haben das Gesetz Moses und die Weisungen der Propheten. Sie brauchen nur darauf zu hören.‘ Der Reiche erwiderte: ‚Vater Abraham, das genügt nicht! Aber wenn einer von den Toten zu ihnen käme, dann würden sie ihr Leben ändern.‘ Abraham sagte: ‚Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, dann lassen sie sich auch nicht überzeugen, wenn jemand vom Tod aufersteht.‘“

Liebe Gemeinde, den Bibelabschnitt für heute hat Jörg Ufkes uns ja vorhin schon gelesen. Und vielleicht habt ihr auch sofort gespürt: dieser Text ist nicht bequem! Und trotzdem ist er wichtig! Weil er Dinge anspricht, auf die es ankommt. Auf die es in unserem Leben ankommt, aber auch dann, wenn wir einmal sterben. Und das steht uns ja allen einmal bevor. Natürlich hoffen und wünschen wir, dass der Tod möglichst lange fern bleibt. Aber seine Schatten wirft er schon lange vorher voraus. Wenn Menschen plötzlich aus dem Leben gerissen werden - weil ihr Herz stehenbleibt, so wie ihr, liebe Trauerfamilie, es durchleiden musstet.
Oder wenn Menschen lange dahinsiechen und sich mit einer schlimmen Krankheit quälen müssen. Wir erschrecken dann darüber und vielleicht denken wir dann auch: es hätte mich genauso treffen können! Der Tod wirft seine Schatten voraus - auch dadurch, dass wir an uns selber feststellen, dass wir altern. In unseren Fähigkeiten nachlassen, gesundheitlich anfälliger werden. Dass der Tod auf uns zukommt – das wissen wir. Wovon wir nicht viel wissen ist, wie es danach, nach dem Tod einmal weitergeht. Und auch dieser Abschnitt aus der Bibel, den wir gerade gehört haben, gibt uns nur wenige Hinweise darauf. Er will uns gar nicht so sehr vor Augen malen, wie es im Himmel aussieht. Vielmehr geht es um unser Leben vor dem Tod. Wie wir leben. Wie wir mit uns selbst und mit anderen umgehen. Wo wir unsere Prioritäten setzen. Uns soll nicht Angst gemacht werden vor dem, was kommt – sondern uns soll geholfen werden bei der Gestaltung unseres Lebens.

Soviel kann man aus dem Predigtabschnitt sagen: Es wird nach dem Tod anders zugehen als hier auf dieser Erde. Der reiche Mann in unserer Geschichte hat das erst zu spät kapiert - da konnte er nichts mehr ändern. Für uns ist es noch früh genug - wir sind noch am Leben und hören jetzt gerade auf Gottes Wort. Und das ist auch schon gleich der springende Punkt: Wenn man verstehen will, was Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen will, dann müssen wir erstmal ganz nach hinten, ans Ende des Gleichnisses kucken. Da spricht Abraham zu dem verstorbenen Reichen: "Hören deine Brüder, die jetzt noch leben, Mose und die Propheten nicht, dann werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten aufersteht." Hören sie nicht auf Gottes Wort, dann kann ihnen etwas anderes auch nicht helfen. Wir werden hier gefragt: nach was richte ich mein Leben aus? Was ist die Richtschnur, woran orientiere ich mich?

Der, der diese Worte aufgeschrieben hat, der ist überzeugt: es kommt darauf an, die richtige Stellung gegenüber Gottes Wort zu finden. Und wenn wir von daher diesen Text noch einmal genau ankucken, dann werden wir manches besser einordnen und verstehen können. Da ist erstmal der reiche Mann. Vom Ende des Gleichnisses her wird deutlich, woran er gescheitert ist. Er ist nicht dadurch gescheitert, dass er reich ist! Er ist nicht darum in der Hölle, weil er viel Geld hatte! Das ist nicht das Problem. Wer viel Geld hat, der soll Gott auf Knien dafür danken und soll möglichst was Gutes und Sinnvolles damit machen. Die Tatsache, viel Geld zu haben, diese Tatsache allein bringt keinen in die Hölle, auch diesen reichen Mann nicht.
Er ist darum in der Hölle, weil ihm das, was er hatte, wichtiger war als das, was Gott ihm sagen wollte.

"Es war ein reicher Mann". Reich war dieser Mann - das ist das einzige, was über ihn gesagt wird. Das ist das einzige, was über diesem Leben als Fazit, als Ergebnis steht. "Er war ein reicher Mann." Das ist so viel - und das ist gleichzeitig doch erbärmlich wenig! Das ist so erbärmlich wenig gemessen an dem, was das Leben wirklich ausmacht. Über diesen reichen Mann erfahren wir kaum etwas - nicht einmal seinen Namen. Trotz allen Reichtums bleibt er eine namenlose Gestalt. Nur eines erfahren wir noch: vor seiner Tür lag ein schwerkranker Mann. Angewiesen auf die Fürsorge, auf das Mitleid anderer. Das Elend lag dem reichen Mann hautnah vor der Tür - aber er lässt die Tür zu! Er verschließt sich. Ob er es aus Herzlosigkeit tut? Ist er so hart, so kalt? Oder ist es umgekehrt? Dass er sagt: 'Mir geht das zu nahe, wenn ich den armen Mann da mit seinen Wunden liegen sehe. Ich kann kein Blut sehen und krieg' dann die ganze Nacht kein Auge zu!' Warum auch immer: er macht die Tür nicht auf. Und dieser Bibelabschnitt will uns sagen: das wäre anders gewesen, hätte er sich an Gott und Seinem Wort orientiert! Wer auf Gott hört und Sein Wort ernst nimmt, der geht nicht einfach an anderen vorbei, denen es dreckig geht!

Wenn wir uns einmal mit diesem reichen Mann vergleichen - dann schneiden wir doch viel besser ab, oder? So herzlos ist doch keiner von uns! Aber Vorsicht: wenn wir jetzt so denken sollten, dann hätten wir den Sinn dieses Bibelabschnittes verfehlt. Es geht nicht darum, dass wir diesen reichen Mann beurteilen, die Frage ist: was machen wir? Wo stehen wir? Was machen wir, wenn das Elend uns auf den Leib rückt? Wir werden heute gefragt: Welche Menschen liegen sozusagen vor unserer Tür? Welche Wunden tragen die Menschen in unserer Umgebung? Die Eiterbeulen des Lazarus konnte man sehen. Aber die Verletzungen der Seele, die viele Menschen herumtragen, die sieht man oft nicht. Dabei tun sie oft schlimmer weh als eine körperliche Verletzung. Vielleicht haben wir unseren Lazarus bei uns in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis. Wo jemand Schwierigkeiten hat und wir merken: er versucht sich mit Tabletten oder Alkohol zu helfen. Aber wir haben oft nicht den Mut, an diese wunden Stellen zu rühren. Darum lassen wir es so laufen. Vielleicht ist sogar mein eigener Ehepartner mein Lazarus. Er verkümmert, kann sich nicht entfalten. Und die eigene Frau, der eigene Mann merkt nichts davon, oder macht die Augen davor zu. Vielleicht sind es auch die Kinder, die an ihrer Seele verkümmern, weil ihre Eltern nicht mehr miteinander können, oder weil sie ständig in Action sind und keine Zeit mehr für ihre Kinder haben. Der arme Lazarus hat unendlich viele Gesichter. Sicher auch die Gesichter von den Menschen, die nun seit einiger Zeit bei uns wohnen – im Haus von Hermann Wilken Am Stau und in einem Haus am Kirchweg. Natürlich – die Flüchtlingsproblematik hat unterschiedliche Aspekte. Aber klar ist doch auch: wer seine Heimat hinter sich lässt, der tut das normalerweise nicht aus Spaß und nicht ohne gravierende Gründe. Und es kann gut sein, dass diese Menschen, die uns nun vor die Tür gelegt sind, unsere Lazarusse sind. Diesen Gedanken sollten wir nicht vorschnell beiseiteschieben, weil er uns unbequem ist.

Der reiche Mann konnte nicht abgeben, nicht helfen. Weil er viel zu sehr an sich selbst und an seinen Reichtum gebunden war. Und das war so, weil er sein Leben noch nicht mit Gott abgeglichen und ins Reine gebracht hatte. Und da ist die Frage: Wo stehen wir heute? Es ist die Frage nach meinem Verhältnis zu Gott und gleichzeitig die Frage nach dem, der meine Hilfe braucht. Beide Fragen gehören ganz eng zusammen: wir können nicht an Gott glauben und hartherzig gegenüber unserem Nächsten sein. Du kannst noch so viel beten und Bibel lesen und noch so toll über den Glauben reden – wenn du dort, wo du helfen kannst, nichts tust, dann ist das für die Katz! Und umgekehrt ist es auch so: du kannst noch so viele gute Taten tun, kannst noch so sozial sein, kannst dich noch so viel um andere kümmern – wenn du keinen Kontakt mit dem Dreieinigen Gott hast, dann nützt das auch nichts, dann fehlt dir das Entscheidende.

Zurück zu Lazarus. Erinnern wir uns: von dem reichen Mann wissen wir nicht einmal den Namen. Bei Lazarus ist das anders. Und dieser Name, der bedeutet: Gott ist mein Erbarmer. Gott hilft! Lazarus hat nichts außer eitrigen Geschwüren und Schmerzen und Hunger. Er ist das krasse Gegenteil zu dem reichen Mann, vor dessen Tür er liegt. Er hat nichts und er ist nichts. Eine durch und durch armselige Gestalt. Aber trotzdem: er ist -anders als der Reiche- kein Niemand. Er hat einen Namen, er ist bekannt. Er ist bekannt bei Gott! Weil er zwar nichts hat - aber Gott hat, weil Gott sich auf seine Seite stellt! Und weil er Gott auf seiner Seite hat, hat er alles.

Hier der eine - er ist reich. Da der andere - er ist menschlich gesehen arm dran, aber er hat Gott. Und beide kommen nun an die Stelle, wo das passiert, was jeden von uns erwartet: der Reiche und Lazarus sterben. Was mag das bei dem reichen Mann für eine prunkvolle Beerdigung gewesen sein! Der teuerste Sarg, viele Kränze, eine Doppelseite in der Tageszeitung voll von Nachrufen und Traueranzeigen, viele gute Worte von Freunden, Geschäftsfreunden, Parteikollegen. Lazarus dagegen kann froh sein, dass sich irgendjemand über seinen Leichnam erbarmt und ihn irgendwo verscharrt, damit ihn die Hunde nicht fressen. Aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht, wie prunkvoll unsere Beerdigung ausfällt, ob unser Denkmal aus echtem Marmor ist und wie viel Traueranzeigen für uns erscheinen - das Wesentliche ist, wie es dann mit uns selber weitergeht. Und da sagt das Gleichnis: Lazarus wird von Engeln in den Himmel getragen - der Reiche dagegen muss leiden. Das war sein Verhängnis: er hatte nicht über den Tod hinausgedacht und sein Leben darauf eingestellt. Er hatte so gelebt, als gäbe es den Tod gar nicht, oder als wäre der Tod vielleicht nur der Abbruch, das Ende des Lebens und danach das Nichts. Aber so ist es nicht! Dieses Gleichnis sagt zwei Dinge dazu. Erstens: Mit dem Tod ist nicht alles aus! Es schließt sich eine andere Dimension an. Unsere Biographie, unsere Lebensgeschichte wird nach dem Tod weitergeschrieben. Für unsere Augen wohl verborgen - aber das ist sicher: Gott lässt uns auch im Tod nicht los! Er schreibt auch dann, wenn wir hier alles hinter uns gelassen haben, an unserem Lebensbuch weiter. Er lässt uns auch nach dem Sterben nicht aus seinem Blick, nicht aus seinem Herzen, nicht aus seinem Sinn.

Das Zweite: Himmel und Hölle - das sind keine altertümlichen oder naiven Vorstellungen, sondern das ist Wirklichkeit. Himmel und Hölle sind Realitäten. Und darum ist dieses Gleichnis auch so ernst! Weil es uns warnen will, dass wir einfach so zur gewohnten Tagesordnung übergehen. Dem reichen Mann wird schlagartig klar, dass sein Leben trotz allen Reichtums ein einziger, großer Irrweg war. Aber es ist für ihn zu spät. Er ist in der Hölle. Und diese Hölle ist sicher kein großer Grill, an dem die Menschen über glühender Kohle gedreht werden. In der Sprache der Bibel ist die Hölle der Ort, an dem Gott nicht ist. Absolute Gottverlassenheit – das ist die Hölle. Glasklar zu sehen, wie sinnlos das ganze Leben gewesen ist und daran nun nichts mehr ändern zu können. Das ist die Hölle. Und Himmel ist der Ort, an dem Gott ist. Und wer dort hinkommt, der wird vielleicht auch Dinge in seinem Leben grundverkehrt gemacht und manches versiebt haben. Aber es ist dann in Ordnung! Jesus hat es in Ordnung gebracht. Es wird nicht mehr zwischen Gott und uns stehen und wir werden in Seinem Frieden geborgen sein. Himmel – bei Gott geborgen, ohne Last und ohne irgendetwas, was quält. Und „Hölle“ – ohne Gott auskommen müssen. Auf das Scheitern des Lebens festgelegt sein und es nicht mehr ändern können. Das ist dem reichen Mann plötzlich erschreckend klar. Aber für ihn ist es zu spät. Aber auf einmal fängt er an, sozial zu denken, an andere zu denken. An seine fünf Brüder. Die leben noch genauso wie er gelebt hat. So auf sich selbst bezogen. Wenigstens sie sollen gewarnt werden. Damit sie nicht auch in die Hölle kommen, sondern in den Himmel. Und dabei will der reiche Mann ihnen helfen. Aber er kann seinen Brüdern auf dem Weg zum Himmel nicht mehr helfen. "Sie haben doch Gottes Wort", heißt es. "Darauf können sie doch hören!" Für den reichen Mann ist keine Weichenstellung mehr möglich - weder für sich noch für seine Angehörigen. Aber für seine Brüder ist es ja noch nicht zu spät - sie haben ja noch die Möglichkeit, auf Gottes Wort zu hören. Darum erzählt Jesus dieses Gleichnis. Für uns ist es noch nicht zu spät. Wir können uns gegenseitig Wegweiser sein auf den, der das Leben gibt, das ewige Leben. Auf Ihn, auf Jesus Christus, sind wir angewiesen, wenn wir dieses ewige Leben haben wollen, wenn wir in den Himmel kommen wollen! Ohne Ihn können wir vor Gottes Heiligkeit nicht bestehen. Denn das müssen wir alle uns tüchtig hinter die Ohren schreiben – alle, auch die frömmsten: wir haben Gott nichts zu bieten! Wir können noch so viele Pluspunkte in unserem Leben gesammelt haben durch gutes, anständiges Leben oder dass wir uns für andere eingesetzt haben oder dass wir viele christliche Lieder auswendig können – wir kriegen trotzdem unser Punktekonto nicht so voll, wie Gott das erwarten kann. Und darum sind wir ohne Ausnahme arm dran, wenn wir einmal vor Ihm stehen. Wir wären arm dran, wenn nicht Jesus für uns eintritt. Und dass er das tut, das hat er uns versprochen. Dafür ist er gestorben. Dafür hat Gott ihn von den Toten auferweckt. Und er spricht: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich!" Dass wir Ihm folgen – und offene Augen haben und helfende Hände für den Lazarus vor unserer Tür, darauf kommt es an! Und wir dann einmal abtreten müssen, dann muss er zusehen, wie er es dann mit uns macht. Aber da sind wir in guten Händen. Amen.

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