Predigten Januar 2015 - Evangelisch-lutherische Christus-Gemeinde Spetzerfehn

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Predigten Januar 2015

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Predigt über Matthäus 17, 1-9; Letzter Sonntag nach Epiphanias; 25.01.2015

Liebe Gemeinde, manchmal tut es gut, wenn man sich etwas gönnt, was über das Norma-
le hinausgeht. Vielleicht sich mal nicht zu Hause das Brötchen selber schmieren, sondern mal lecker in einem Café frühstücken gehen, oder im Urlaub mal die Seele baumeln lassen und mal nichts tun müssen.  Ulrike und ich freuen uns schon auf ein Konzert Ende Februar, für das ich Ulrike zu Weihnachten Karten schenken wollte. Im vergangenen Mai hatte ich die Karten schon bestellt – der frühe Vogel fängt den Wurm ;-)  Heiligabend wollte ich sie schön einpacken und so – und dann merke ich: die Karten sind weg! Sind nicht mehr in dem Umschlag, wo sie hingehören... Wat nu?!  Grübel, grübel – und dann fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren: die Tickets habe ich ihr schon vor einem halben Jahr zum Geburtstag geschenkt. So kann’s gehen – aber auf jeden Fall haben wir nun die Karten und freuen uns auf einen schönen Abend.  Aber es muss nicht unbedingt ein Konzert sein oder irgendwas anderes außer Haus. Manchmal genügt es schon, sich mal so richtig im Garten austoben zu können, um auf andere Gedanken zu kommen. Andere genießen es, in Ruhe ein gutes Buch zu lesen. Egal wie: dass wir von Zeit zu Zeit etwas erleben, was über das Normale hinausgeht, das tut gut. Gerade dann, wenn man in der Zeit vorher ziemlich beansprucht war. Dass man eem wieder ins Gleichgewicht kommt. Daran musste ich denken, als ich den Bibelabschnitt las, der für heute zur Predigt empfohlen ist. Ich lese uns aus Mt. 17, 1-9:

Sechs Tage später nahm Jesus die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder von Jakobus, mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Sonst war niemand bei ihnen.  Vor den Augen der Jünger ging mit Jesus eine Verwandlung vor sich: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden strahlend weiß.  Und dann sahen sie auf einmal Mose und Elija bei Jesus stehen und mit ihm reden.  Da sagte Petrus zu Jesus: „Wie gut, dass wir hier sind, Herr! Wenn du willst, schlage ich hier drei Zelte auf, eins für dich, eins für Mose und eins für Elija."  Während er noch redete, erschien eine leuchtende Wolke über ihnen, und eine Stimme aus der Wolke sagte: „Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt. Auf ihn sollt ihr hören!"

Das, was Petrus, Jakobus und Johannes hier erleben, das ist etwas, was über das Normale weit hinausgeht. Jesus hat die drei aus der ganzen Gruppe seiner Jünger ausgewählt und dann nimmt er sie mit auf einen hohen Berg. Und allein dadurch steigt die Spannung bei Petrus, Jakobus und Johannes.  Sie wissen: schon oft haben sich bedeutende Ereignisse in ihrem Volk Israel auf Bergen ereignet: Als die Sintflut zu Ende war, setzt Noah mit seiner Arche auf einem Berggipfel auf; Mose empfing auf dem Berg Sinai die zehn Gebote; Elia erlebte bei einem Wettkampf auf dem Berg Karmel eindrucksvoll, wie mächtig Gott ist und wie viel Kraft er hat.  Immer wieder war es so gewesen, dass wichtige Ereignisse zwischen Gott und seinem Volk Israel sich auf einem Berg vollzogen. Und darum sind Jakobus und Petrus und Johannes jetzt sicher auch unheimlich gespannt darauf, was sie da oben nun wohl erwartet. Petrus ist besonders gespannt. Denn es ist jetzt sechs Tage her, seitdem er etwas mit Jesus erlebt hat, woran er immer noch zu knabbern hat. Es war alles gut angefangen: Jesus hatte ihn und seine Jünger gefragt: Sagt mal – für wen halten mich die Leute eigentlich? Und dann hatte er nachgehakt: Und für wen haltet ihr mich? Was denkt ihr von mir?  Und Petrus hatte für sie alle geantwortet:  „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Total überzeugt kam das raus – und Jesus klopfte ihm sozusagen auf die Schulter und sagte etwas zu ihm, was Petrus gar nicht fassen konnte: „Du, Petrus, bist der Fels! Stark genug, damit ich meine Gemeinde auf dir baue!" Wie gut fühlte Petrus sich!
Wie gut fühlen wir uns, wenn uns jemand sagt, dass er uns etwas Wichtiges zutraut! Wenn jemand sagt: du kannst das!  Und natürlich war Petrus jetzt gut drauf – sozusagen belobigt vor allen anderen. Und er freute sich jetzt noch mehr auf die Zeit, die er und die anderen mit Jesus zusammensein würden. Und ausgerechnet jetzt fing Jesus an, dass er sagte: „Ich werde nicht mehr lange bei euch sein! Ich werde verraten und gefoltert werden, ich werde wahnsinnig leiden müssen und ich werde sterben und ihr müsst ohne mich auskommen!" Das war für die Jünger wie eine kalte Dusche und darum nahm Petrus  Jesus beiseite und sagte zu ihm: „Das soll nicht so kommen, so etwas schlimmes soll nicht mit dir passieren!"
Und da hatte Jesus sich umgedreht und ihm ganz schroff ins Gesicht gesagt: „Geh weg
von  mir, Satan! Ich ärgere mich über dich! Du hast nicht das im Sinn, was Gott möchte, sondern du willst mich daran hindern, meinen Auftrag zu erfüllen!"  Das war nun wie eine kalte Dusche für Petrus  – erst zeichnete Jesus ihn aus und dann stieß er ihn von sich und fand so böse Worte für ihn. Und nun hatte Petrus Angst, dass er es mit Jesus verdorben hätte.  Und darum freut er sich jetzt umso mehr, dass er zu den drei Jüngern gehört, die Jesus mit auf diesen Berg nimmt. Was mag hier passieren?!?  

Ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht. Was sie da oben auf dem Berg erleben, das hatte es noch nie gegeben: Jesus verklärt sich. Wörtlich steht an der Stelle: Jesus wird umgestaltet. Sieht jetzt so aus, wie er aussehen wird, wenn er als der Weltenrichter wieder-
kommen wird. Das, was die drei Jünger zu sehen bekommen, ist also schon für einen Moment ein Blick auf das, was erst noch kommt. So als würde Gott für einen Augenblick den Vorhang lüften, der unsere Welt von seiner Welt trennt.  Die drei Jünger haben jetzt schon für einen Moment das gesehen, was wir erst sehen werden, wenn wir bei Jesus im Himmel sind. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider strahlen in dem hellsten Weiß, das man sich denken kann.  Und sie sehen, wie plötzlich Mose und Elia bei Jesus stehen und mit ihm reden. Und sie erkennen daran: all das, was das Alte Testament über Gott sagt, das ist in Jesus jetzt da! Und er ist herrlich, ganz licht und ohne jede Finsternis.

Liebe Gemeinde, die Art und Weise, wie diese drei Jünger das erlebt haben, die ist unvergleichlich. Aber dass Menschen erlebt haben, dass Gott ihnen ganz nahe schien, das haben schon manche erlebt. Momente, in denen die Größe Gottes aus dem Verborgenen heraustritt und in denen wir uns fühlen wie auf so einem Berggipfel.  Jemand sagte mir, dass er das so empfunden habe, als er sein Neugeborenes auf dem Arm hatte.  Jemand anders erzählt, dass sie so empfunden hat, als es ihr klar geworden ist, was sich in der zweiten Lebenshälfte verändern soll. Lange hatte sie darüber nachgedacht – und nun war ihr klar geworden, dass sie sich beruflich nochmal verändern wollte. Jetzt endlich das zu machen, wozu früher die Möglichkeit nicht da war.  Und ein dritter empfand die Nähe Gottes besonders in dem Augenblick, in dem er eine lange, schwierige Operation überstanden hatte und der Arzt sagte: Es ist alles gut gegangen!  Herausgehoben aus dem normalen Alltag, Gott irgendwie spüren – vielleicht in einem besonders schönen Gottesdienst oder bei einem ergreifenden Konzert wie vergangenen Sonntag, als „Brass to date" hier war.  Momente sind das, in denen wir uns so fühlen wie auf einem Berggipfel und in denen Gott uns plötzlich ganz nahe ist. Begegnungen, die einen Glanz auf unseren Alltag legen. Die sich abheben von unserem normalen Leben. Momente, in denen wir Gottes Größe und seine Nähe deutlicher spüren als sonst, und solche Momente möchten wir am liebsten festhalten.  So geht es den drei Jüngern dort oben auf dem Berg auch. Und darum schlägt Petrus vor: Lasst uns hier bleiben! Lasst uns doch’n paar Zelte aufschlagen: eines für Mose, eines für Elia, eines für Jesus.  Petrus möchte das, was er und die anderen hier jetzt erleben, festhalten. Aber er hat noch gar nicht ausgeredet, da passiert schon etwas Neues: Während er noch redet, „erschien eine leuchtende Wolke über ihnen, und eine Stimme aus der Wolke sagte: „Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt. Auf ihn sollt ihr hören!"  
Als die Jünger diese Worte hörten, warfen sie sich voller Angst nieder, das Gesicht zur Erde."

Nun spricht Gott selbst und die drei spüren: wir haben vor Gott gar keinen Bestand! Wo Gott uns in den Weg tritt, da können wir das gar nicht aushalten. Seiner Größe sind wir gar nicht gewachsen! Die Klarheit, die von ihm ausgeht, diese Klarheit können wir gar nicht verkraften – dafür gibt es viel zu viel Unklarheit in unserem Leben. Der Kraft, die von Gott ausgeht, können wir uns gar nicht entgegenstellen, weil wir viel zu schwach sind. Weil Petrus und Jakobus und Johannes das in diesem Augenblick blitzartig klar wird, werfen sie sich zu Boden. Und das ist letztlich die angemessene Reaktion, wenn ein Mensch Gott begegnet. Sie zeigt den großen Abstand, der letztlich zwischen Gott und uns ist. Der Abstand, den wir von uns aus nicht überbrücken können. In allen Religionen geht es darum, dass Menschen einen Weg finden möchten, diesen Abstand zwischen sich und Gott zu überwinden. Aber hier, wo Jesus dabei ist, da passiert etwas ganz anderes: hier kommt Jesus auf die drei Jünger zu und wir lesen: „Jesus trat zu ihnen, berührte sie und sagte: ‚Steht auf, habt keine Angst!‘"

Es kann unwahrscheinlich gut tun, wenn wir zwischendrin mal solche Augenblicke erleben, die sich von unserem normalen Alltagsleben abheben. Wo es uns vorkommt, als würde der Auferstandene uns persönlich die Hand auf die Schulter legen. So wie dort auf dem Berg. Aber das ist nicht für immer gedacht. „Steht auf", sagt Jesus, und dann: „Habt keine Angst!"  „Habt keine Angst!" - diese Worte, die begleiten nicht nur die drei Jünger, als sie wieder in ihren Alltag gehen. Diese Worte, die gelten auch für uns. Wenn wir wieder in unseren Alltag gehen. Und der Alltag wird wieder ganz normal sein. Die überragenden Gottes-Begegnungen, die haben wir nicht jeden Tag. Solche Momente auf dem Gipfel, die sind etwas außergewöhnliches. Wir können sie nicht festhalten. Wir werden nicht immer auf den Höhepunkten unseres Glaubens sein. Bei den drei Jüngern war es ganz drastisch. Hier wurden sie von Jesus ausgewählt, mit ihm auf den Berg zu gehen und hier sahen sie etwas, was kein anderer gesehen hat. Nicht allzu lange danach wählt Jesus genau diese drei wieder aus. Als er im Garten Gethsemane Blut und Wasser schwitzt. Weil er Angst hat vor dem, was kommt. Und in diesem Garten, da bittet Jesus genau diese drei, dass sie mit ihm wachen sollen, damit er in seiner Angst nicht so alleine ist. Und sie schaffen es nicht. Ihnen fallen die Augen zu, während Jesus um sein Leben ringt. Von diesem Höhepunkt auf dem Berggipfel sind sie ganz tief gesunken auf den absoluten Tiefpunkt im Garten Gethsemane.  Jesus hat das gewusst, dass es so kommen würde. Er kennt seine Pappenheimer durch und durch – damals wie heute. Und trotzdem „trat (er) zu ihnen, berührte sie und sagte: ‚Steht auf, habt keine Angst!‘"

Dass wir aufstehen und ohne Angst weitergehen, dazu will Jesus uns bringen. Von Zeit zu Zeit werden wir Momente erleben, wo Gott aus der Verborgenheit hervortritt und wo
wir von dem Glanz angestrahlt werden, der von dem Auferstandenen Jesus ausgeht. Und solche Momente, die werden uns gut tun. So gut, dass wir sie am liebsten festhalten würden. Aber das geht nicht. Aber der Auferstandene, der wird dafür sorgen, dass wir dann auch die Wege gehen können, die dann wieder vor uns liegen. Heute sagt er zu dir: Steh auf, geh deinen Weg, hab keine Angst! Amen.         

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